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Lynn253

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2025

Fesselnde Geschichte

House of the Beast
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In „House of the Beast“ schafft Michelle Wong eine fesselnde Geschichte, die in einer zugleich düsteren und faszinierenden Fantasy-Welt spielt. Von der ersten Seite an hat mich der Roman in seinen Bann ...

In „House of the Beast“ schafft Michelle Wong eine fesselnde Geschichte, die in einer zugleich düsteren und faszinierenden Fantasy-Welt spielt. Von der ersten Seite an hat mich der Roman in seinen Bann gezogen: Der Einstieg ist emotional, die Handlung spannend aufgebaut und der Sprachstil flüssig und angenehm zu lesen.

Szenen und Stimmungen waren sehr eindrücklich beschrieben, sodass ich als Leser wirklich gut in diese Welt eintauchen konnte und sehr mit der Protagonistin, Alma, mitgefiebert habe. Man begleitet sie von früher Kindheit an bis ins junge Erwachsenenalter - mit einigen Zeitsprüngen dazwischen. Diese waren für mich gut gewählt, sodass man durchweg das Gefühl hatte, alles Wichtige mitzubekommen. Und die Lücken wurde im weiteren Lauf der Geschichte sehr geschickt mit einzelnen, zentralen Erinnerungen aus diesen Zeitfenstern gefüllt.
Almas Charakterentwicklung hat mir sehr gut gefallen; sie wirkt glaubwürdig und vielschichtig. Gleichzeitig hätte ich mir an manchen Stellen gewünscht, dass konkrete Aspekte ihrer inneren Entwicklung noch etwas deutlicher in den Vordergrund getreten wären.
Auch die weiteren Charaktere waren sehr interessant. Vor allem waren sie (überwiegend) komplex, was mir immer gut gefällt - nicht nur gut oder böse, sondern vielschichtig. Sie haben eigene Sorgen und Wünschen, die nicht immer auf Anhieb gut ersichtlich sind.

Auch die Welt, die hier erschaffen wurde, war sehr spannend. Ich hätte mir lediglich an einigen Stelle ein wenig mehr Kontext gewünscht.

Der Schluss - inklusive überraschender Wendung - hat mir gut gefallen. Mir erschien das Ende gleichzeitig traurig und hoffnungsvoll; und es sich irgendwie “echt” angefühlt.

Insgesamt ist "House of the Beast" ein eindrucksvoller Roman mit einer faszinierenden, düsteren Welt, komplexen Figuren und einer berührenden Geschichte.

Veröffentlicht am 26.07.2025

Interessante Geschichte, die ihr Potential noch nicht ganz ausschöpft

Fae Isles − Der Henker der Königin
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Um ein Missgeschick auszubessern setzt die 20-jährige Emelin Magie ein, die sie eigentlich gar nicht haben sollte. Und dabei beobachtet sie auch noch der grausame Vollstrecker der Fae-Königin, genannt ...

Um ein Missgeschick auszubessern setzt die 20-jährige Emelin Magie ein, die sie eigentlich gar nicht haben sollte. Und dabei beobachtet sie auch noch der grausame Vollstrecker der Fae-Königin, genannt „Silent Death“. Doch anstatt ihr Schicksal seinem blutrünstigen Ruf gemäß direkt zu besiegeln, entführt er sie auf die Insel der Fae und weiht sie schließlich in einen Plan ein, bei dem sie ihm helfen soll.

Man stößt hier auf eine Fantasy-Welt, die zweifellos sehr interessante Elemente enthält, unterschiedliche magische Wesen beispielsweise, und ein geheimnisvolles Labyrinth. Am besten gefallen hat mir das Magie-Konzept: Und zwar wird Magie mittels Farben gewirkt, die magisch begabte Personen allen möglichen Gegenständen in ihrer Nähe entziehen können. Die verschiedenen Primärfarben lassen sich dabei für unterschiedliche Arten von Magie einsetzten. Auch wenn ich dies für eine faszinierende und originelle Idee halte, so habe ich doch immer noch ein paar Fragen zu dem Konzept. Was ist beispielsweise mit dem Licht? Farbe entsteht doch letztendlich erst, wenn Licht auf einen Gegenstand fällt? Ich hätte mich über etwas mehr Theorie zu dem Magiekonzept, seiner Funktionsweise und Grenzen sehr gefreut.

Auch über die Welt an sich hätte ich gerne noch mehr erfahren. Beispielsweise scheint es Götter zu geben, aber mir ist nie so richtig klar geworden, welche Rolle diese im Alltag der Menschen spielen. Auch habe ich mich gefragt, welche Berufe es in der Welt der Fae gibt? Welche Rolle spielt Bildung? Wissenschaft? Religion? Die Fae haben eine grausame Königin, aber wie genau sieht das politische System der Menschen aus? Welche Normen und Werte prägen sie Gesellschaft?

Die Handlung ist zweifellos spannend, vollkommen unerwartete Wendungen bleiben allerdings leider aus. Insgesamt habe ich das Buch aber sehr gerne gelesen. Vom Sprachstil her war die Geschichte sehr angenehm zu lesen und auch die Ereignisse folgten für mich weder zu schnell noch zu langsam aufeinander.

Auch ist Emelin eine interessante Protagonistin. Mitunter handelt sie recht impulsiv, sodass ich ihre Entscheidungen nicht immer ganz nachvollziehen konnte. Sie wandelt sich auch ziemlich schnell von der ruhigen, dienstbeflissenen Tochter des ersten Kapitels zu einer klugen, willensstarken Frau, der sich von dem Fae-Vollstrecker nicht einschüchtern lässt und mitunter erstaunlich strategisch agiert. Im Laufe der Geschichte lernt Emelin auch die Sprache der Fae, welche sich von der der Menschen zu unterscheiden scheint. Hier hätte ich es schön gefunden, wenn diese fremde Sprache wirklich mit eigenen Wörtern in Erscheinung getreten wäre anstatt nur erwähnt zu werden. Gefragt habe ich mich auch, weshalb der Vollstrecker der Fae Königin "Silent Death" genannt wird, wenn in der deutschen Übersetzung doch ansonsten keine englischsprachigen Ausdrücke auftauchen. Das hat für mich nicht ganz gepasst.

Für mich insgesamt eine spannende Geschichte, die ihr volles Potential noch nicht ganz ausschöpft. Ich bin aber gespannt auf den nächsten Band!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.07.2025

Schöne Geschichte für zwischendurch

The Fake Out – Sie will ihr Leben in den Griff bekommen ... aber ist er die Lösung?
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In The Fake Out trifft die Bibliothekarin Mae in ihrer Kleinstadtbibliothek auf den NFL-Star Chris. Trotz ihrer völlig unterschiedlichen Lebenswelten – und vor allem dank Chris' Hartnäckigkeit – freunden ...

In The Fake Out trifft die Bibliothekarin Mae in ihrer Kleinstadtbibliothek auf den NFL-Star Chris. Trotz ihrer völlig unterschiedlichen Lebenswelten – und vor allem dank Chris' Hartnäckigkeit – freunden sich die beiden an und gehen schließlich eine Fake-Verlobung ein, um Chris in der Öffentlichkeit ein besseres Image zu verschaffen.

Die Geschichte ist unterhaltsam erzählt und punktet für mich mit einer erfrischend ungewöhnlichen Protagonistin. Mae ist eigensinnig, unabhängig, gelegentlich kratzbürstig – und dabei zutiefst loyal gegenüber den Menschen in ihrem Umfeld. Sie stellt ihre eigenen Bedürfnisse konsequent hinten an, was sie gleichzeitig stark und verletzlich macht. Im Vordergrund standen immer wieder ihre Enttäuschungen, vor allem durch männliche Bezugspersonen wie ihren Vater oder Ex-Freund, die ihr Verhalten nachhaltig prägen. Hier hätte ich mir stellenweise gewünscht, dass weitere Facetten ihres Charakters beleuchtet worden wären. Gleiches gilt für Chris: freundlich, hilfsbereit, ehrlich, gutaussehend – quasi ein Märchenprinz. Ein paar Ecken und Kanten hätten seiner Figur meiner Meinung nach gutgetan und ihn authentischer wirken lassen.

Thematisch dreht sich vieles um Familie, Gemeinschaft und den öffentlichen Druck, der mit Chris' Bekanntheit einhergeht. Der im Klappentext erwähnte geheimer Buchclub, auf den Chris besteht, taucht dagegen nur sporadisch auf. Und auch Chris’ Karriere in der NFL bleibt erstaunlich blass – man erfährt kaum etwas über den Sport selbst. Das hat mich etwas irritiert, da ich erwartet hätte, dass dieser Teil seines Lebens präsenter wäre.

Der Schreibstil ist locker, flüssig und angenehm zu lesen. Lediglich einige eingestreute englische Ausdrücke wie „weird“ wirkten auf mich etwas deplatziert und passten nicht ganz zu Maes sonstigem Sprachstil.

Der Plot ist schlüssig und kurzweilig und auch das Ende hat mir gut gefallen. Besonders gelungen fand ich auch die zahlreichen Nebenfiguren, sie sehr zur Unterhaltung beigetragen habe. Maes beste Freundin beispielsweise bringt mit ihrer Neigung zu anhaltenden Racheaktionen – insbesondere gegenüber Maes Ex-Freund und jetzigem Bürgermeister – eine gute Portion Humor in die Geschichte, auch wenn sie stellenweise etwas überzeichnet wirkt.

Insgesamt ist The Fake Out eine charmante, unterhaltsame Geschichte mit Witz und Herz – auch wenn ich mir inhaltlich an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Tiefe gewünscht hätte.

Veröffentlicht am 24.01.2026

Trotz spannenden Settings nicht so ganz überzeugt

A Fire in the Sky - Feuerschwur-Chroniken, Band 1
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Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen zwiegespalten, was diesen Roman angeht. Zunächst einmal finde ich die Idee und das Setting super. Ich mag Drachen-Geschichten und auch diese Welt finde ich spannend ...

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen zwiegespalten, was diesen Roman angeht. Zunächst einmal finde ich die Idee und das Setting super. Ich mag Drachen-Geschichten und auch diese Welt finde ich spannend - mit vergangenen Kriegen, mysteriösen Ungeheuern und fragwürdigen königlichen Traditionen. Auch Tamsyns Rolle als "Prügelmädchen" finde ich sehr spannend. Sie ist diejenige, die die Bestrafungen der Prinzensinnen auf sich nimmt, ist Teil der königlichen Familie und auch wieder nicht.

Die Umsetzung dieser Geschichte ist allerdings nicht so ganz meins. Ein Punkt war, dass die beiden "überraschenden Wendungen", die gegen Ende der Geschichte vorkamen, eigentlich die ganze Zeit über abzusehen waren. Dadurch hat für mich ein bisschen Spannung gefehlt. Foreshadowing ist toll, aber hier hatte ich das Gefühl ständig mit ziemlich offensichtlichen Hinweisen konfrontiert zu werden. Stattdessen hätte ich ein bisschen mehr Unerwartetes spannend gefunden.

Ein zweiter Punkt war für mich, dass auch die Sprache und Erzählweise für mich nicht immer gepasst hat. Das Setting mutet eigentlich historisch an - Königreiche, Reisen zu Pferd. Die Sprache stand für mich im Widerspruch dazu. Vor allem in der wörtlichen Rede fanden sich immer wieder moderne Ausdrücke; teilweise schien mir die Ausdrucksweise auch ein bisschen vulgär.

Der dritte Punkt ist für mich der emotionale Zugang zu den beiden Protagonisten, Tamsyn und Fell. Zum einen hatte ich nicht das Gefühl, besonders viel über ihre Innenwelt zu erfahren. Beide haben sehr traumatische Erfahrungen gemacht, und ich hätte mir gewünscht, dass dies anders dargestellt worden wäre. Dass sie anfangen, ihre Erinnerungen zu verarbeiten, sich weiterentwickeln... vielleicht kommt das in Band 2, aber ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diesen lesen werden.
Darüber hinaus war auch die Beziehung zwischen Tamsyn und Fell überwiegend von körperlicher Anziehung geprägt. Und während diese Aspekte in aller Plastizität geschildert wurden, habe ich nicht viel von einer emotionalen Verbindung gesehen. Das fand ich sehr schade!

Insgesamt hat diese Geschichte für mich viel Potential gehabt, das leider nicht so genutzt wurde, dass ich viel damit anfangen konnte.

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2025

Interessanter Ansatz, der sein Potential nicht ausschöpft

The Witch Collector
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Ich bin ehrlich gesagt etwas zwiegespalten. Die Welt, die in dem Roman aufgebaut wird, ist wirklich faszinierend, die Charaktere interessant und die Handlung an sich spannend. Dennoch konnte die Geschichte ...

Ich bin ehrlich gesagt etwas zwiegespalten. Die Welt, die in dem Roman aufgebaut wird, ist wirklich faszinierend, die Charaktere interessant und die Handlung an sich spannend. Dennoch konnte die Geschichte mich nicht so ganz in den Bann ziehen.

Zuerst einmal zum Worldbuilding: es gibt verschiedene Reiche, Götter und Legenden und ein super spannendes Magiesystem, in dem beispielsweise sogenannte "Witch Walker" mithilfe traditioneller Gesänge Magie wirken. Trotz der spannenden Details hatte ich lange das Gefühl, diese Welt nicht richtig greifen zu können. Einen großen Teil der Hintergrundgeschichte zu den Göttern und ihren Kriegen erfährt man beispielsweise erst in der Mitte der Geschichte - und dafür dann komplett auf einmal. Andere Dinge dagegen haben sich mir bis zum Schluss nicht erschlossen. Beispielsweise tragen magisch begabte Menschen Runen auf der Haut, je mehr Runen desto stärker die Macht. Aber welche funktionelle Rolle spielen die Runen - und hat man erst das Ausmaß der Macht und dementsprechend Runen oder andersherum? So ist es für mich ein interessantes Detail, dass aber irgendwie nicht ganz in den Rahmen der Geschichte integriert war.

Auch die Charaktere sind an sich interessant. Die Protagonistin, Raina, ist mutig, eigensinnig und stellenweise auch etwas wankelmütig, was für mich nicht immer ganz zusammengepasst hat. Zusätzlich zu Rainas Perspektive wird auch aus der von Alexus, dem Witch Collector erzählt. Er ist stark, mutig, klug, freundlich, gutaussehend. Für mich hat stand sein ausgeglichenes Wesen im Kontrast zu seiner traumatisierenden Vergangenheit - ich hätte eigentlich erwartet, dass das, was er erlebt hat, mehr Spuren hinterlassen würde.

Und womit ich ebenfalls hadere, ist eine der Prämissen der Geschichte. Und zwar kommt der Witch Collector regelmäßig in die Dörfer und nimmer talentierte Hexen mit, welche dann den König und das Reich beschützen. Vor acht Jahren hat er Rainas Schwester mitgenommen. Und dafür hasst sie ihn inbrünstig, plant ihn und den König, dem er unterstellt ist, zu töten, um ihre Schwester zurückzubekommen. Für mich klingt ihr Vorhaben nach einem recht hanebüchenen Plan, zudem verstehe ich das Ausmaß ihres Hasses nicht. Außer ihr schein sonst niemand im Dorf ein Problem mit der Tradition zu haben scheint. Ihr Hass legt sich dann recht schnell, sobald die den (attraktiven) Witch Collector gesehen hat. Naja...

Anmerken möchte ich noch, dass die Geschichte stellenweise ziemlich brutal war. Gleich am Anfang werden ganze Dörfer abgeschlachtet und niedergebrannt, auch Menschen, die zunächst fliehen oder sich verstecken fallen der Gewalt zum Opfer. Damit hatte ich in dem Maße nicht so ganz gerechnet.

Insgesamt bleibt die Geschichte trotz interessanten Ansatzes hinter meinen Erwartungen zurück. Ich bin noch unsicher, ob ich den zweiten Band lesen werde.