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Veröffentlicht am 03.11.2025

Die Wurzeln des Wahnsinns – Familiengeschichte als Psychogramm

Botanik des Wahnsinns
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Meine Meinung

Leon Englers Roman konnte mich augrund der wilden Mischung aus persönlicher Familiengeschichte und psychologischer Reflexion wirklich packen. Ich habe die Erzählerperspektive sehr direkt ...

Meine Meinung

Leon Englers Roman konnte mich augrund der wilden Mischung aus persönlicher Familiengeschichte und psychologischer Reflexion wirklich packen. Ich habe die Erzählerperspektive sehr direkt erlebt. Es geht um einen jungen Psychologen, der auf eine Familie blickt, in der über Generationen psychische Erkrankungen und Abhängigkeiten präsent sind, und fragt sich deshalb immer wieder, ob er selbst irgendwann betroffen sein wird.

Für mich war es beeindruckend, wie Engler diese Ängste und Beobachtungen nicht nur erzählt, sondern zugleich analytisch reflektiert.

Was mich besonders angesprochen hat, ist der Ton des Buches. Engler bleibt sachlich, fast lakonisch, aber gleichzeitig sehr nah an den Menschen und ihren Eigenheiten.

Gleichzeitig habe ich gespürt, dass der Roman kein dramatisches Geschehen liefern will. Das schafft er wegen der nüchternen Erzählung auch ganz hervorragend. Die Episoden springen zwischen Generationen, zwischen Klinikalltag und Reflexionen, und manchmal musste ich mich darauf einlassen, dass nicht alles eine klare emotionale Klammer hat.

Für mich ist Botanik des Wahnsinns ist ein tolles anspruchsvolles gutes Debüt, das mich am Ende auch nachdenklich gestimmt hat.Das Ende ist rund und man erkennt alle Zusammenhänge.


Über den Autor

LEON ENGLER wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien-, Kulturwissenschaft und Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Er ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben. ›Botanik des Wahnsinns‹ ist sein Debütroman.


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Veröffentlicht am 03.11.2025

Ein Roman über Erschöpfung, Anpassung und Sinnsuche

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen
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Meine Meinung

Kikuko Tsumuras Roman "Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist schon allein wegen des Titels ein wirklicher "Catcher". Das Buch erzählt von einer Frau, die nach einem Burnout ...

Meine Meinung

Kikuko Tsumuras Roman "Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist schon allein wegen des Titels ein wirklicher "Catcher". Das Buch erzählt von einer Frau, die nach einem Burnout einfache Jobs sucht – Arbeiten ohne Verantwortung, ohne Druck, ohne Ehrgeiz. Doch schnell merkt sie, dass selbst die vermeintlich leichten Tätigkeiten schwer werden, wenn man sie tagtäglich ausführt.

Tsumura beschreibt diese Suche nach Ruhe mit einem kühlen, präzisen Blick. Ihre Sprache ist schlicht, oft trocken. In alltäglichen Szenen zeigt sich die tiefe Erschöpfung einer Gesellschaft, in der Arbeit Identität geworden ist.

Das Buch hat keinen dramatischen Verlauf, keine lauten Wendungen. Es lebt von der Wiederholung (wirkt aber nicht langweilig), vom leisen Stillstand, von kleinen Beobachtungen, den neuen Aufgaben und Herausforderungen.

"Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist ein zurückhaltendes, unterhaltsames, kluges Buch über Müdigkeit, Anpassung und den Wunsch nach einem Leben, das weniger verlangt und dennoch nie wirklich einfach wird.


Über die Autorin

Kikuko Tsumura stammt aus Osaka in Japan. Sie gewann den PEN/ROBERT J. DAU SHORT STORY PRIZE und wurde mit diversen japanischen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem AKUTAGAWA PRIZE, dem NOMA LITERARY PRIZE, dem DAZAI OSAMU PRIZE und dem NEW ARTIST AWARD der japanischen Regierung.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Freiheit und Suche nach Zugehörigkeit - poetischer Roman

Schwanentage
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Meine Meinung

"Schwanentage" von der Autorin Zhang Yueran hat mich aufgrund Klappentext und Cover neugierig gemacht. Meiner Meinung nach es ein nachdenklicher, fast poetischer Roman, der sich um die ...

Meine Meinung

"Schwanentage" von der Autorin Zhang Yueran hat mich aufgrund Klappentext und Cover neugierig gemacht. Meiner Meinung nach es ein nachdenklicher, fast poetischer Roman, der sich um die Suche einer jungen Frau nach ihrer Identität dreht.

In der Geschichte begleiten wir die Protagonistin von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter und stellt dabei Fragen zu Familie, Kultur und Selbstverständnis. Die Schwäne im Titel stehen dabei als Symbol für Freiheit und das ständige Suchen nach Zugehörigkeit.

Was den Roman besonders macht, ist die komplexe, nicht immer einfache Beziehung zwischen der Erzählerin und ihrer Mutter. Es ist keine idealisierte Mutter-Tochter-Geschichte, sondern ein Band, das sowohl Liebe als auch Enttäuschung beinhaltet. Ich finde es wirkt sehr authentisch. Diese ambivalente Darstellung bringt dazu auch noch Tiefe in die Erzählung und macht die Charaktere realer und greifbarer.


Der Schreibstil ist ruhig und nachdenklich, mit einer fast melancholischen/poetischen Schönheit. Es gibt viel Raum für Reflexion, und die Erzählung lässt den Leser über die eigene Suche nach Zugehörigkeit und Identität nachdenken. Tolles Buch


Klappentext

Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos – und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen …


Über die Autorin

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und eine der wichtigsten Stimmen junger urbaner Literatur. Schon 2012 zählte sie das taiwanische Unitas-Magazin zu den 20 wichtigsten Schreibenden unter 40. Ihre Romane und Erzählungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihr Roman »Cocoon« wurde von der New York Times zu den besten Büchern 2022 gewählt und gewann in Frankreich den Prix Transfuge 2019 für den besten asiatischen Roman.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Ausgeklügelter Psychothriller / Die dunkle Präsenz

Die Gruppe der Acht - Dark King:
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Meine Meinung

Buchempfehlung für alle, die "Split"/ "Unbreakable" / "Glass" mochten.

„Die Gruppe der Acht“ von Roland Hebesberger ist ein aufregender Psychothriller, der tief (sehr tief) in die Psyche ...

Meine Meinung

Buchempfehlung für alle, die "Split"/ "Unbreakable" / "Glass" mochten.

„Die Gruppe der Acht“ von Roland Hebesberger ist ein aufregender Psychothriller, der tief (sehr tief) in die Psyche seines Protagonisten eintaucht und stellenweise deutlich über das Normale hinausgeht. Der Autor vermischt Realität, Wahn und fast filmreife Spannung zu einer Geschichte, die manchmal so weit hergeholt wirkt, dass sie gerade dadurch fasziniert. Es ist kein nüchterner Psychothriller, sondern einer, der bewusst überdreht, überzeichnet und Grenzen austestet. Als Leserin habe ich selbst mitgefiebert, was wohl mit dem Protagonisten Richard Langberger passiert.

Richard ist eine zerrissene Figur, gefangen in einem Geflecht aus Erinnerungen, Gewalt und Schuld. Die Handlung driftet stellenweise in Richtungen, die man so nicht erwartet hätte, und einige Passagen wirken für mich etwas zu weit hergeholt oder zu leicht dargestellt.

Der Schreibstil bleibt dabei klar und temporeich. Hebesberger versteht es, Szenen zuzuspitzen und Leserinnen und Leser in Bewegung zu halten. Die kurzen Kapitel und die ständigen Perspektivwechsel erzeugen Dynamik, manchmal fast Hektik.

Insgesamt fand ich die Geschichte packend, auch wenn sie stellenweise etwas "zu kreativ" und weit hergeholt ist. Sie zieht den Leser in ihren Bann und sorgt für ein intensives, teils ungewohntes Leseerlebnis. Die Auflösung was eigentlich die Gruppe der Acht ist fand ich gelungen.


Klappentext

Eine traumatische Vergangenheit zwingt den Nerd Richard Langberger dazu, ein abgeschiedenes Leben als Einzelgänger zu führen. Als ihn eine Nachrichtenübertragung triggert, verliert er die Kontrolle und wacht nach einem Blackout im Krankenhaus auf. Die Selbsthilfegruppe namens "Die Gruppe der Acht" scheint nicht mehr genug zu sein. Eine Therapie bei der angesehenen Psychologin Lydia Bader soll Richard helfen, den Grund für seine Erinnerungslücken zu finden. Je tiefer er in seinen Erinnerungen gräbt, desto mehr zweifelt er an seinem Verstand. Was ist real und was Einbildung? Richard muss sich seinen eigenen Dämonen stellen, denn tief in seiner dunklen Seele lauert ein schreckliches Geheimnis, das sein ganzes Leben verändern wird.


Über den Autor

Roland Hebesberger wurde 1986 in Tamsweg/Land Salzburg geboren. Bereits als Jugendlicher schrieb er Fanfiction und virtuelle Serien. Dabei entdeckte er seine Liebe für den Thriller. Mit der »Divinus-Saga« startete er 2019 seine Autorenkarriere und bewies sein Talent, spannende Geschichten mit interessanten Charakteren zu erschaffen. »Die Vernehmung« ist sein Debüt im Empire-Verlag und der Start der Profiler-Crime-Reihe »Die Fallanalysten«. Roland Hebesberger steht für hohes Pacing, spannende Prämissen, undurchsichtige Charaktere und unerwartete Plot-Twists.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Wut und Wahnsinn

Kopflos
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Meine Meinung

Ariana Harwicz’ Roman "Kopflos" ist ein wütender, fiebriger Monolog über Mutterschaft, Verlust und Wahnsinn. Der Klappentext hatte bei mir zunächst eine andere Vorstellung über die Geschichte ...

Meine Meinung

Ariana Harwicz’ Roman "Kopflos" ist ein wütender, fiebriger Monolog über Mutterschaft, Verlust und Wahnsinn. Der Klappentext hatte bei mir zunächst eine andere Vorstellung über die Geschichte ausgelöst. Ein etwas anderer Kampf um ihre Kinder, stattdessen bekam ich einen schonungslosen Strom aus Gedanken, Obsessionen und Körperlichkeit.

Der Schreibstil ist teilweise direkt, fast dokumentarisch, dann wieder makaber, grotesk, schwer erträglich. Harwicz zeigt das Leben ihrer Erzählerin nicht, sie schleudert es einem entgegen.

„Gehe rüber in die Bar der Kaputten, Arbeiter und anderen Abschaums der Gesellschaft, trinke an der Theke, gehe wieder zurück. Masturbiere lustlos, nur um etwas zu tun, so, wie man die Revolvertrommel weiterdreht beim Russisch Roulette.“ (ZITAT)

Solche Sätze bleiben hängen, nicht wegen ihrer Schönheit, sondern wegen ihrer Brutalität.


Manchmal kippt diese Direktheit ins Groteske. Wenn es heißt: „Der Hahn legt das Sperma im Kloakeneingang der Henne ab, wenn er sie befruchtet, gibt es Nachkommen, wenn nicht, Spiegeleier.“ (ZITAT) , dann wirkt das wie ein makabrer Kommentar völlig entblößt von Romantik oder Sinn.

Die Erzählerin ist keine Sympathieträgerin, sie ist unzuverlässig, obsessiv, manchmal verstörend klar. Gerade darin liegt die Stärke des Romans: Er verweigert jede einfache moralische Einordnung.

Es gibt in diesem Text keinen sicheren Ort. Selbst die zärtlichen Momente kippen sofort ins Bedrohliche.

In Momenten wie „ICH HAB SIE BEI MIR, hier sind sie, ich bin euphorisch, hab nichts unter Kontrolle, das ist Euphorie, nicht wahr?“ (ZITAT) zeigt sich der ganze Wahnsinn der Figur – ihre Liebe, ihre Zerrissenheit, ihre Unfähigkeit, zwischen Realität und Wahn zu unterscheiden.

"Kopflos" ist kein Roman, den man „genießt“. Er stößt ab, zieht hinein, lässt einen ratlos zurück. Harwicz schreibt kompromisslos und ohne Rücksicht auf Lesbarkeit. Das ist beeindruckend, aber auch anstrengend.

Die radikale Nähe in diesem Buch ist gleichzeitig das Faszinierende und das Erschöpfende. Kopflos verlangt viel, vielleicht zu viel – kein Roman zum Nebenbei-Lesen.


Klappentext

Ein Supermarkt in Frankreich. Lisa hofft, einen Blick auf ihre fünfjährigen Zwillinge werfen zu können, die mit ihrem Vater einkaufen sind. In einem Sorgerechtsprozess hat sie das Umgangsrecht mit den Söhnen verloren und darf sich dem Haus der Familie nicht mehr nähern. Ihre Kinder sieht sie nur noch einmal im Monat unter Aufsicht. Der Schmerz, das Heranwachsen ihrer Söhne nicht mehr Tag für Tag mitzubekommen, ist so überbordend wie ihre Emotionen. Ihre Pflichtverteidigerin verzweifelt an Lisa, die sich selbst zur größten Gefahr wird, während sie das Leben ihrer eigenen Familie observiert. Doch das Beobachten, das immer mehr zur Obsession wird, reicht irgendwann nicht mehr aus ...



Über die Autorin

Ariana Harwicz, geboren 1977 in Buenos Aires, ist eine der wichtigsten Autorinnen Argentiniens. Seit 2007 lebt sie auf dem Land in Frankreich. Ihr Roman "Die, My Love" machte sie international bekannt. Er war Roman des Jahres der argentinischen Zeitung La Nación und nominiert für den Man Booker International Prize. Ariana Harwiczs Romane wurden in mehr als 25 Sprachen übersetzt. 2025 feierte in Cannes die Verfilmung von "Die, My Love" Premiere, produziert von Martin Scorsese unter der Regie von Lynne Ramsay. Silke Kleemann Diplom-Übersetzerin, studierte Spanisch und Englisch und übersetzt lateinamerikanische Literatur. Ihre Arbeit als Übersetzerin wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. ihre Übersetzungen von Ariel Magnus und Katixa Agirre. Silke Kleemann lebt und arbeitet in München.

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