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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.11.2025

Entschleunigung im Schnee

Drei Tage im Schnee
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Meine Meinung

"Drei Tage im Schnee" von Ina Bhatter hat mir wirklich gut gefallen. Es erzählt von Hannah, die aus ihrem hektischen Alltag ausbricht und sich für ein paar Tage in eine einsame Hütte im ...

Meine Meinung

"Drei Tage im Schnee" von Ina Bhatter hat mir wirklich gut gefallen. Es erzählt von Hannah, die aus ihrem hektischen Alltag ausbricht und sich für ein paar Tage in eine einsame Hütte im Schnee zurückzieht. Diese einfache Entscheidung wird zu einer Reise zu sich selbst. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, mitten in dieser Winterlandschaft zu stehen. Die Autorin schafft es, mit wenigen Worten eine dichte und ruhige und tolle Atmosphäre aufzubauen.

Was mich besonders angesprochen hat, war die Stimmung. Dieses Gefühl von Rückzug, von Abstand zur Welt, hat mich sehr berührt. Das Buch ist sicherlich auch gerade zu dieser Jahreszeit toll, denn so kurz vor Weihnachten bringt nochmal zusätzlicher Stress aus. Ich konnte Hannah gut verstehen, wie sie mit der kleinen Sophie und auch sich selbst ins Gespräch kommt, Erinnerungen zulässt und plötzlich wieder Dinge wahrnimmt, die sie lange übersehen hat. Viele Sachen haben mich auch zum Schmunzeln gebracht und auch selbst angesprochen z.B. das Thema "Sparen". Sophie ist einfach niedlich, ich hatte richtig Lust sie selbst kennenzulernen.

Die Sprache fand ich angenehm und klar. Ina Bhatter schreibt ruhig, aber nicht langweilig.

Für mich war "Drei Tage im Schnee" ein schönes, stimmungsvolles Buch, das nachhallt. Es erinnert einen selbst daran, dass man sich mal eine Auszeit gönnt, entschleunigt, mal öfter das Handy weglegt usw.


Klappentext

Hannah führt ein turbulentes Großstadtleben. Sie hetzt von einem Termin zum nächsten und verbringt ihre Tage damit, auf Dinge zu reagieren, die von außen auf sie einströmen, findet kaum Zeit für sich selbst. Um abzuschalten, mietet sie sich für ein paar Tage ein kleines Holzhaus an einem See, eingebettet in weiß verschneite Natur. Plötzlich taucht dort ein Kind in einem roten Schneeanzug auf: die kleine Sophie. Die beiden freunden sich an.

Während sie in der entrückten Winterwelt Iglus bauen und Schneeengel machen, kommt Hannah so allerlei in den Kopf, was sie längst verloren glaubte: alte Freundschaften, vergessene Sehnsüchte und Talente. Etwas verschiebt sich und alles ordnet sich neu an. Allmählich beginnt Hannah, ihr Leben und die Welt in einem neuen Licht zu sehen: bunt und echt wie in ihrer eigenen Kindheit.


Über die Autorin

Ina Bhatter hat Journalistik, Romanistik und Internationale Beziehungen in Leipzig und Paris studiert und beim Radio und in den Pressestellen verschiedener Unternehmen gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin. »Drei Tage im Schnee« ist ihr erstes Buch.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Ein Blick ins Moskau der frühen 2000er

Moscow Mule
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Meine Meinung

"Moscow Mule" von Maya Rosa ist nicht nur aufgrund des schönen Covers ein echter Blickfang. Für mich ist es ein Buch, das Sprache, Atmosphäre und Figuren auf eine Weise verbindet, die ich ...

Meine Meinung

"Moscow Mule" von Maya Rosa ist nicht nur aufgrund des schönen Covers ein echter Blickfang. Für mich ist es ein Buch, das Sprache, Atmosphäre und Figuren auf eine Weise verbindet, die ich selten so überzeugend erlebt habe.

Die Darstellung des Moskau der frühen 2000er Jahre wirkt glaubwürdig und lebendig. Man spürt die Widersprüche dieser Stadt in den Augen der jungen Frauen Karina und Tonya, ihre Sehnsucht nach Freiheit, die Enge ihrer Umgebung und die Einschränkungen des Alltags.

Ich habe mich sofort in die Figuren hineinversetzt gefühlt, besonders in Karina, deren Trotz und Lebensenergie die Geschichte trägt. Ihre Freundschaft zu Tonya fand ich spannend, authentisch und emotional nachvollziehbar, weil sie Nähe und Distanz gleichermaßen spiegelt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Stil. Maya Rosa schreibt klar und echt direkt, schafft es aber trotzdem ein tolles Gespür für die Sprache zu haben, da sie eine gute Mischung aus Humor und Ernst wählt.

Die Szenen wirken wie Momentaufnahmen, die trotzdem ein stimmiges Ganzes ergeben.

Gut stellt die Autorin auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen Russlands dar. Es gibt Momente, in denen die Handlung etwas langsamer wirkt, was mich persönlich nicht sehr gestört hat.

Insgesamt hat mich Moscow Mule als Debüt sprachlich und inhaltlich sehr gut unterhalten können.


Klappentext

Karina und Tonya teilen alles — ihr Studium an einer Moskauer Uni, betrunkene Männer, leere Geldbörsen, aber vor allem: das ambitionierte Ziel, nach Europa auszuwandern. Während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, schummelt sich der andere mittellos durchs Leben. Auch Karina hat gelernt, mit Witz und Wahnsinn jede Situation zu meistern und an ihren Träumen festzuhalten, komme, was wolle. Doch mehr und mehr schieben sich ihre Träume vor die Freundschaft mit Tonya, und was einst nach einem großen ›Für immer‹ klang, wird plötzlich brüchig.


Über die Autorin

Maya Rosa, Jahrgang 1987, ist in Russland geboren und aufgewachsen. Sie hat in Moskau und Berlin studiert und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. »Moscow Mule« ist ihr Debutroman. Maya Rosa lebt mit ihrer Familie in Berlin.


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Veröffentlicht am 03.11.2025

Die Wurzeln des Wahnsinns – Familiengeschichte als Psychogramm

Botanik des Wahnsinns
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Meine Meinung

Leon Englers Roman konnte mich augrund der wilden Mischung aus persönlicher Familiengeschichte und psychologischer Reflexion wirklich packen. Ich habe die Erzählerperspektive sehr direkt ...

Meine Meinung

Leon Englers Roman konnte mich augrund der wilden Mischung aus persönlicher Familiengeschichte und psychologischer Reflexion wirklich packen. Ich habe die Erzählerperspektive sehr direkt erlebt. Es geht um einen jungen Psychologen, der auf eine Familie blickt, in der über Generationen psychische Erkrankungen und Abhängigkeiten präsent sind, und fragt sich deshalb immer wieder, ob er selbst irgendwann betroffen sein wird.

Für mich war es beeindruckend, wie Engler diese Ängste und Beobachtungen nicht nur erzählt, sondern zugleich analytisch reflektiert.

Was mich besonders angesprochen hat, ist der Ton des Buches. Engler bleibt sachlich, fast lakonisch, aber gleichzeitig sehr nah an den Menschen und ihren Eigenheiten.

Gleichzeitig habe ich gespürt, dass der Roman kein dramatisches Geschehen liefern will. Das schafft er wegen der nüchternen Erzählung auch ganz hervorragend. Die Episoden springen zwischen Generationen, zwischen Klinikalltag und Reflexionen, und manchmal musste ich mich darauf einlassen, dass nicht alles eine klare emotionale Klammer hat.

Für mich ist Botanik des Wahnsinns ist ein tolles anspruchsvolles gutes Debüt, das mich am Ende auch nachdenklich gestimmt hat.Das Ende ist rund und man erkennt alle Zusammenhänge.


Über den Autor

LEON ENGLER wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien-, Kulturwissenschaft und Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Er ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben. ›Botanik des Wahnsinns‹ ist sein Debütroman.


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Veröffentlicht am 03.11.2025

Ein Roman über Erschöpfung, Anpassung und Sinnsuche

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen
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Meine Meinung

Kikuko Tsumuras Roman "Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist schon allein wegen des Titels ein wirklicher "Catcher". Das Buch erzählt von einer Frau, die nach einem Burnout ...

Meine Meinung

Kikuko Tsumuras Roman "Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist schon allein wegen des Titels ein wirklicher "Catcher". Das Buch erzählt von einer Frau, die nach einem Burnout einfache Jobs sucht – Arbeiten ohne Verantwortung, ohne Druck, ohne Ehrgeiz. Doch schnell merkt sie, dass selbst die vermeintlich leichten Tätigkeiten schwer werden, wenn man sie tagtäglich ausführt.

Tsumura beschreibt diese Suche nach Ruhe mit einem kühlen, präzisen Blick. Ihre Sprache ist schlicht, oft trocken. In alltäglichen Szenen zeigt sich die tiefe Erschöpfung einer Gesellschaft, in der Arbeit Identität geworden ist.

Das Buch hat keinen dramatischen Verlauf, keine lauten Wendungen. Es lebt von der Wiederholung (wirkt aber nicht langweilig), vom leisen Stillstand, von kleinen Beobachtungen, den neuen Aufgaben und Herausforderungen.

"Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist ein zurückhaltendes, unterhaltsames, kluges Buch über Müdigkeit, Anpassung und den Wunsch nach einem Leben, das weniger verlangt und dennoch nie wirklich einfach wird.


Über die Autorin

Kikuko Tsumura stammt aus Osaka in Japan. Sie gewann den PEN/ROBERT J. DAU SHORT STORY PRIZE und wurde mit diversen japanischen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem AKUTAGAWA PRIZE, dem NOMA LITERARY PRIZE, dem DAZAI OSAMU PRIZE und dem NEW ARTIST AWARD der japanischen Regierung.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
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Veröffentlicht am 22.10.2025

Freiheit und Suche nach Zugehörigkeit - poetischer Roman

Schwanentage
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Meine Meinung

"Schwanentage" von der Autorin Zhang Yueran hat mich aufgrund Klappentext und Cover neugierig gemacht. Meiner Meinung nach es ein nachdenklicher, fast poetischer Roman, der sich um die ...

Meine Meinung

"Schwanentage" von der Autorin Zhang Yueran hat mich aufgrund Klappentext und Cover neugierig gemacht. Meiner Meinung nach es ein nachdenklicher, fast poetischer Roman, der sich um die Suche einer jungen Frau nach ihrer Identität dreht.

In der Geschichte begleiten wir die Protagonistin von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter und stellt dabei Fragen zu Familie, Kultur und Selbstverständnis. Die Schwäne im Titel stehen dabei als Symbol für Freiheit und das ständige Suchen nach Zugehörigkeit.

Was den Roman besonders macht, ist die komplexe, nicht immer einfache Beziehung zwischen der Erzählerin und ihrer Mutter. Es ist keine idealisierte Mutter-Tochter-Geschichte, sondern ein Band, das sowohl Liebe als auch Enttäuschung beinhaltet. Ich finde es wirkt sehr authentisch. Diese ambivalente Darstellung bringt dazu auch noch Tiefe in die Erzählung und macht die Charaktere realer und greifbarer.


Der Schreibstil ist ruhig und nachdenklich, mit einer fast melancholischen/poetischen Schönheit. Es gibt viel Raum für Reflexion, und die Erzählung lässt den Leser über die eigene Suche nach Zugehörigkeit und Identität nachdenken. Tolles Buch


Klappentext

Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos – und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen …


Über die Autorin

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und eine der wichtigsten Stimmen junger urbaner Literatur. Schon 2012 zählte sie das taiwanische Unitas-Magazin zu den 20 wichtigsten Schreibenden unter 40. Ihre Romane und Erzählungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihr Roman »Cocoon« wurde von der New York Times zu den besten Büchern 2022 gewählt und gewann in Frankreich den Prix Transfuge 2019 für den besten asiatischen Roman.

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