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Veröffentlicht am 11.09.2024

Enola Holmes meets Bridgerton

Agency for Scandal
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Im Grunde eine schöne (wenn auch leider für die damalige Zeit recht unrealistische) Geschichte über starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und anderen Frauen in misslichen Lagen beistehen.
Das ...

Im Grunde eine schöne (wenn auch leider für die damalige Zeit recht unrealistische) Geschichte über starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und anderen Frauen in misslichen Lagen beistehen.
Das Setting erinnert schon sehr an Bridgerton, gemischt mit Enola Holmes, hier hat mir etwas die Individualität gefehlt.

Ende des 19. Jahrhunderts waren Frauen leider sehr von den Männern in ihrem Leben (sei es der Vater, Bruder, Cousin oder Ehemann) abhängig und ihren Machenschaften ausgeliefert. Mrs. Finch und ihre "Finken", wie sich die Frauen selbst nennen, arbeiten in einer geheimen Detektei zusammen, um anderen Frauen zu helfen.

Die Hauptprotagonistin Izzy wird rekrutiert, weil sie von ihrem Vater das Schlösser knacken gelernt hat und nach dessen Tod fast den gesamten Hausstand verkaufen musste, da er der Familie Schulden hinterlassen hat. Als Junge verkleidet hat sie schon zahlreiche Fälle gelöst.

Im ersten Band geht es um Lord Morland, der anscheinend seine Frau in den Wahnsinn treiben will, einen gutaussehenden Duke und die ein oder anderen weitere Verwicklung. Die Geschichte lässt sich gut lesen, der Schreibstil ist ansprechend.

Mich hätten aber die weniger "stereotypen" Charaktere wie Joe, der als Josephine geboren wurde, oder Maud und Winnie, die anscheinend in einer lesbischen Beziehung leben, noch mehr interessiert. So wirkt es, als hätte die Autorin ein bisschen Diversität einstreuen wollen, am Ende läuft es dann aber doch auf zwei heteronormative Hochzeiten hinaus.

Mir hat auch teilweise ein bisschen die Spannung gefehlt, die Erzählung hatte ein paar Längen und das Ende war sehr voraussehbar. Ich hätte mir noch mehr Einblick in die Lebensrealität der Frauen damals gewünscht; so ging es zum Großteil am Ende doch "nur" um die Liebesgeschichte - das hinterlässt einen ganz leicht faden Beigeschmack, dass eine Frau am Ende doch einen Mann in ihrem Leben "braucht".

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Veröffentlicht am 11.09.2024

Bindungsmuster für Anfänger:innen

Vom Dating-Frust zur glücklichen Beziehung
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Die Autor:innen haben sich während des Psychologiestudiums kennengelernt und wollen mit dem Buch nun ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum Thema Beziehungen weitergeben.
Jede:r hatte wahrscheinlich schon ...

Die Autor:innen haben sich während des Psychologiestudiums kennengelernt und wollen mit dem Buch nun ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum Thema Beziehungen weitergeben.
Jede:r hatte wahrscheinlich schon negative Beziehungserfahrungen - aber viele wissen nicht, wie sie Bindungsmuster durchbrechen können, um glückliche, langfristige Beziehungen haben zu können.

Das Buch bietet viele Übungen, beispielsweise zur Reflexion, um über sich und das eigene Leben nachzudenken. Weitere Themen sind bspw. persönliche Ziele, Gefühle, Gedanken, Vorstellungen über die ideale Beziehung, Werte, den eigenen Bindungsstil, Schutzstrategien, Glaubenssätze und Bedürfnisse. Außerdem geht es um den eigenen Selbstwert, Grenzen erkennen und setzen, und sich selbst zu akzeptieren.

Die praktischen Übungen sollen einem dabei helfen, diese Aspekte über sich selbst herauszufinden und zu vergegenwärtigen, um zu lernen, wie man das in eine gute Beziehung umwandeln kann.

Mir waren es etwas zu viele Bilder der Autor:innen, am Ende sind solche Ratgeber natürlich immer auch Selbstdarstellung und die beiden wollen auch sich und ihre Angebote verkaufen. Bei den Übungen waren viele dabei, die nicht unbedingt bahnbrechend waren - vielleicht aber neu für jemanden, der/die sich vorher noch nie mit diesen Themen auseinandergesetzt hat.

Generell ist das Buch ein ganz guter Ansatzpunkt, wenn man sich zum ersten Mal mit Themen wie Bindungsstile etc. auseinandersetzt, kann aber am Ende auch keine Therapie ersetzen, weil man oft Anstöße von außen braucht, um wirklich nachhaltig etwas zu ändern.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Gute Idee, langweilige Umsetzung

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Irgendwie werde ich mit McFaddens Schreibstil nicht warm – was zum Teil wahrscheinlich auch an der Übersetzung liegt. Wörter wie bspw. „Bürozelle“ (bzw. das ganze Konzept) existieren in der Form im Deutschen ...

Irgendwie werde ich mit McFaddens Schreibstil nicht warm – was zum Teil wahrscheinlich auch an der Übersetzung liegt. Wörter wie bspw. „Bürozelle“ (bzw. das ganze Konzept) existieren in der Form im Deutschen nicht, darum ist es irritierend, wenn das Wort gefühlt zweimal pro Seite fällt. Da fände ich es sinnvoller, beim englischen Begriff zu bleiben. Generell war der Schreibstil nicht wirklich flüssig.

Die Ich-Erzählerin wurde bewusst unsympathisch dargestellt, wodurch die Lektüre irgendwie mühsam war, weil gar kein Identifikationspotenzial bestand. Auch die weiteren Charaktere waren ausnahmslos unsympathisch und flach, d. h. kaum jemand hatte eine Backstory und wenn, wirkte sie sehr konstruiert, damit der Plot am Ende irgendwie halbwegs Sinn ergibt.

Die Story an sich ist nicht besonders komplex und immer wieder durch E-Mails aufgelockert, sodass man schnell mit dem Buch durch ist. Es gibt eine mehr oder weniger überraschende Wendung, leider fehlte mir aber völlig der Thrill. Das Ende war auch recht unrealistisch und es bleiben einige Logiklücken. Es wurde sich wohl an einem Schema bedient, das in der Vergangenheit schon gut funktioniert hat, die Grundidee klang auch durchaus spannend, leider hat mich die Umsetzung nicht abholen können.

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Veröffentlicht am 19.12.2025

Anders als gedacht

Gym
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Ich hatte so viel Positives von dem Buch gehört, dass ich es unbedingt auch lesen wollte. Leider konnten meine (vielleicht zu hohen) Erwartungen nicht erfüllt werden. Laut Beschreibung ist es "clever, ...

Ich hatte so viel Positives von dem Buch gehört, dass ich es unbedingt auch lesen wollte. Leider konnten meine (vielleicht zu hohen) Erwartungen nicht erfüllt werden. Laut Beschreibung ist es "clever, witzig und wild", alle drei Adjektive konnte ich aber nur bedingt feststellen.

Der Schreibstil hat mir gefallen, ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen (was bei unter 200 Seiten, kurzen Kapiteln und einige Leerseiten dazwischen aber auch nicht schwer war). Teilweise waren auch witzige Momente dabei - bspw. als die Protagonistin realisiert, wo sie sich da eigentlich reingeritten hat, als sie, um den Job im Mega Gym zu bekommen, fälschlicherweise behauptet hat, kürzlich ein Kind bekommen zu haben und deshalb so außer Form zu sein - und dann alles tut, um diese Lüge aufrecht zu erhalten.

Dann entfalten sich aber nach und nach Hintergründe, die gar nicht mal so witzig sind. Und statt einer humorvollen Geschichte über die Fitnessindustrie oder das ständige Streben nach körperlicher Optimierung entfalten sich Abgründe und Obsessionen, die ich nicht habe kommen sehen und mir (vor allem am Ende) zu viel und irgendwie unglaubwürdig wurden. Das kann man vielleicht "wild" nennen, irgendwie fand ich es aber hauptsächlich traurig.

Ich fand die Protagonistin insgesamt auch einfach unsympathisch (das war vielleicht gewollt) und fand es schwer, sie zu greifen - zumal sie den gesamten Roman lang namenlos blieb.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Kommt nicht an Teil 1 heran

Windstärke 17
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Wie auch der erste Teil hat mir „Windstärke 17“ an sich gut gefallen – wobei ich „22 Bahnen" weitaus stärker fand.

Jetzt wird dir Geschichte aus Idas Perspektive erzählt, die nun ungefähr so alt ist wie ...

Wie auch der erste Teil hat mir „Windstärke 17“ an sich gut gefallen – wobei ich „22 Bahnen" weitaus stärker fand.

Jetzt wird dir Geschichte aus Idas Perspektive erzählt, die nun ungefähr so alt ist wie Tilda im ersten Band. Nachdem Tilda damals weggezogen ist, war Ida die meiste Zeit mit ihrer alkoholkranken Mutter alleine. Nach deren Tod weiß sie jetzt nicht wirklich, wie ihr Leben weitergehen soll, und flüchtet erstmal nach Rügen, wo sie bei einem netten älteren Paar unterkommt.

Ich mochte die Erzählweise wieder, auch wurden Idas Schmerz und ihre Schuldgefühle gut vermittelt. Teilweise blieb mir der Inhalt aber zu sehr an der Oberfläche. Ich konnte Idas Gedanken zwar grundsätzlich verständlich, es war aber weniger Tiefe da, oft waren ihre sprunghaften Handlungen auch kaum nachvollziehbar.

Und die Geschichten der anderen Figuren waren mir leider auch zu flach bzw. zu wenig ausgearbeitet. Über Marianne und Knut erfährt man so gut wie nichts – wie kommen die beiden dazu, eine ihnen völlig fremde junge Frau einfach so bei sich aufzunehmen? Völlig kostenlos und auf unbestimmte Zeit? Ida spricht ja auch kaum mit ihnen, ist teilweise sogar regelrecht unfreundlich. Dass sie diese Trauer mit sich herumträgt, kommt ja erst mit der Zeit heraus.

Und was war mit Mandy und deren Kindern (also ihren Enkeln), wieso ist der Kontakt so schlecht? Über Leif erfahren wir auch so gut wie gar nichts. Was finden die beiden aneinander, außer dass sie sich anscheinend beide gerne mitten in der Nacht in Lebensgefahr begeben? Was ist mit seinen Eltern, warum muss er sich um den dementen Großvater kümmern? Der Wandel von „er ist nicht gut für mich“ zu „er ist genau der, den ich brauche“ ging mir auch zu schnell – generell finde ich es schade, dass auch hier der „Mann kommt und rettet die Frau in Nöten“-Plot zu präsent war.

Wie schon bei Tilda im ersten Band fand ich auch Idas Umgang mit Alkohol und Drogen fragwürdig und zu „sorglos“. Auch habe ich mich gefragt, wie die Wohnsituation so lange funktionieren konnte, ohne dass die Behörden irgendwann aufmerksam geworden sind. Als Tilda ausgezogen ist, war Ida erst 11 – und die Mutter schon schwer alkoholkrank. Hat Ida sich dann 10 Jahre lang permanent um sich selbst UND ihre kranke Mutter gekümmert? Zuvor war Tilda ja bspw. immer bei Elternabenden u. ä. Es muss doch irgendwann aufgefallen sein, dass sich eigentlich niemand mehr um Ida kümmert? Was, wenn sie mal krank war oder zu Ärzten musste? Wer hat die Termine ausgemacht? Ich glaube, es ist nicht realistisch, dass so eine Situation so lange unbemerkt bleibt und nicht irgendwann das Jugendamt einschreitet.

Und wer hat die ganze Zeit die Miete, Idas Markensachen (Macbook, Airpods etc.) gezahlt? Wahrscheinlich Tilda und Viktor, aber es waren mir zu viele Umstände, die man als gegeben hinnehmen musste, ohne dass sie erklärt wurden.

Ich konnte auch nicht ganz nachvollziehen, warum Ida nicht mit Tilda gegangen ist. Tilda war ja immer sehr pragmatisch, da hätte es doch eine andere Lösung geben müssen. Deren Leben wiederum verläuft auch zu perfekt. Dafür, dass sie in Band 1 so sehr mit sich gerungen hat, ob sie überhaupt wegziehen kann, scheint sie sich jetzt ein perfektes Kleinfamilienleben geschaffen zu haben (es sei ihr gegönnt, aber Tilda war mir in diesem Band viel zu glatt, zu perfekt, Professorin, Mutter, Frau, wo sind ihre Ecken und Kanten geblieben?)

Insgesamt hatte ich ein wenig den Eindruck, dass hier nach dem großen Erfolg des ersten Bands eine ähnliche Geschichte in anderem Setting zu schnell runtergeschrieben wurde. Emotionen, Gefühle und Tiefe haben mir gefehlt.

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