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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.02.2026

Perfekt unperfekt

Love and be loved
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Für die einen zu schlicht und zu unperfekt, für die anderen liebevoll und rückbesinnend. Cleo Wade hat mit diesem Buch ein Werk voller Zuneigung für ihre Töchter geschaffen. Begonnen hat alles ...

Für die einen zu schlicht und zu unperfekt, für die anderen liebevoll und rückbesinnend. Cleo Wade hat mit diesem Buch ein Werk voller Zuneigung für ihre Töchter geschaffen. Begonnen hat alles mit einem Gedicht, aus dem schließlich ein illustriertes Geschenkbuch beziehungsweise Bilderbuch entstanden ist.

Die Illustrationen sind einfach, kindlich, fast so, als wären sie nebenbei hingekritzelt, ohne künstlerischen Anspruch oder technische Raffinesse. Genau das mag viele stören. Für mich jedoch liegt darin der Charme des Buches und die konsequente Spiegelung seiner Botschaft. Es geht um liebevolle Wünsche, um Bestärkung darin, man selbst zu sein, den eigenen Weg zu gehen, das zu tun, was man mag, und das Leben auszukosten, unabhängig vom ständigen Druck, sich anzupassen.

Gerade um diesem Anpassungsdruck zu widersprechen, wirken die farbigen Scribbles so stimmig. Technisch saubere, perfekte Illustrationen hätten die Message verfehlt. Auch der Text bleibt bewusst einfach. Keine große Poesie, keine sprachlichen Kunststücke, sondern klare, herzliche Gedanken, die der Seele guttun.

Es ist weder ein herausragendes Werk in Bezug auf Sprache noch auf Kunst, aber eines in Bezug auf Herz und Haltung. Ein leiser, warmer Gegenentwurf zum allgegenwärtigen Perfektionswahn.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Wenn Fantasy Gesellschaft hinterfragt

How to Kill Fate (Fate Dilogie, Bd. 2)
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Ich habe bereits den ersten Teil sehr gerne gelesen, und auch dieser Band konnte die Geschichte für mich überzeugend abschließen.

Das Finale der Dilogie setzt nahtlos dort an, wo Band 1 endet. In der ...

Ich habe bereits den ersten Teil sehr gerne gelesen, und auch dieser Band konnte die Geschichte für mich überzeugend abschließen.

Das Finale der Dilogie setzt nahtlos dort an, wo Band 1 endet. In der Geschichte steckt dabei so viel, dass zwei Bände fast zu knapp wirken. Man findet philosophische Ansätze ebenso wie zahlreiche kleinere und größere Parallelen zu Geschichte und Politik. Gesellschaftskritik ist allgegenwärtig, ebenso Anspielungen auf das Patriarchat. Die Fülle an tiefsinnigen Dialogen und Gedanken macht einen Reread absolut lohnenswert. Allein schon, um sich in Ruhe Zitate zu notieren.

Ich lese selten mehr als ein Buch pro Autor*in, da ich mich meist thematisch orientiere. Saskia Louis gehört jedoch eindeutig zu den Ausnahmen. Von ihr habe ich bereits mehrere Bücher gelesen und wurde noch nie enttäuscht.

Ihre Fantasy-Romane besitzen stets eine große inhaltliche Tiefe und brechen bewusst mit klassischen Genre-Regeln. Auch hier stehen große Begriffe wie Schicksal, Glück, Zufall, Liebe und Krieg im Fokus. Allerdings ohne sie klischeehaft zu behandeln. Stattdessen werden diese Konzepte hinterfragt, ohne dass die Geschichte sich in rein philosophischen Diskussionen verliert. All das ist eng mit einer spannungsvollen Handlung verwoben.

Ein besonderes Lob gilt der Ausarbeitung des Charakters Nevin sowie den Gedanken und Gesprächen, die durch ihn entstehen. Die Art, wie er in die Handlung eingeflochten wird, wirkt dabei perfekt unperfekt. Vor allem liebe ich, dass durch ihn das Thema freundschaftliche Liebe beleuchtet und als gleichwertig zur romantischen Liebe dargestellt wird. Ist man erst etwas wert, wenn man einen „Seelenpartner“ an der Seite hat oder haben möchte? Nein – wir geben uns unseren Wert selbst. Eine wundervolle Hommage an die Mehrdimensionalität von Liebe, ohne dabei in Kitsch abzurutschen.

Alle, die genug von klischeehafter Romantasy haben, sollten hier definitiv einen Blick hineinwerfen. Diejenigen, die Band 1 gelesen haben und mochten sowieso.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Ein Buch, das mich endlich verstanden hat

Der hochfrequente Mensch
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Nur selten fühle ich mich durch ein Buch wirklich verstanden. Dieses jedoch gehört zu diesen seltenen Ausnahmen. Es spiegelte über weite Strecken meine Sicht auf die Welt, mein Empfinden und vieles, was ...

Nur selten fühle ich mich durch ein Buch wirklich verstanden. Dieses jedoch gehört zu diesen seltenen Ausnahmen. Es spiegelte über weite Strecken meine Sicht auf die Welt, mein Empfinden und vieles, was mich seit der Kindheit begleitet hat. Als „zu sensibel“ und mit „zu viel Fantasie“ abgestempelt, fand ich erst mit Anfang 30 durch meine Autismusdiagnose Worte für etwas, das lange unklar geblieben war. Dieses Buch hat mir gezeigt, dass ich wohl zu den hochfrequenten Menschen gehöre, deren feines Gespür durch negative Erfahrungen blockiert wurde. Etwas, das ich tief in mir eigentlich schon immer wusste.

Das Werk enthält durchaus theoretische und abstrakte Passagen über Schwingungen, Frequenzen und Metaphysik. Trotz dieser Komplexität bleibt es nicht in schwer greifbaren Begrifflichkeiten stecken. Vieles wird verständlich erklärt, sodass auch Menschen ohne physikalisches Vorwissen die Grundprinzipien nachvollziehen können. Besonders bewegt hat mich der Abschnitt über Systemsprenger. Ich hätte mich selbst nie so bezeichnet, doch die Beschreibungen trafen erstaunlich präzise auf mich zu: aus dem System gedrängt, weil andere mir zu ruppig waren und ich ihnen zu sanft.

Der letzte Teil des Buches schlägt einen deutlich hoffnungsvolleren Ton an. Er beleuchtet die Potenziale hochfrequenter Menschen und zeigt auf, welche Rolle sie in dieser Welt einnehmen können. Ganz ohne dabei dogmatisch zu werden oder Anleitungen vorzuschreiben. Vielmehr öffnet das Buch einen Raum von Möglichkeiten und macht Mut, den eigenen Weg aktiv zu gestalten.

Für alle, die sich stets „anders“ fühlten, ist dieses Buch tröstend, stärkend und erkenntnisreich. Es ordnet ein, ohne einzuengen, und es macht sichtbar, was oft im Verborgenen liegt.

Zudem für alle, die sich in dieser Welt zugehörig finden, um zu verstehen warum es für einige von uns schwerer ist. Das Buch gibt einen Appell an die gesamte Welt.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Eintauchen, staunen, verstehen

Die Botschaft der Meere
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„Die Botschaft der Meere“ ist weit mehr als ein eindrucksvoller Bildband – es ist eine Liebeserklärung an die Ozeane und ihre faszinierenden Bewohner. Die atemberaubenden Fotografien werden durch die Stimmen ...

„Die Botschaft der Meere“ ist weit mehr als ein eindrucksvoller Bildband – es ist eine Liebeserklärung an die Ozeane und ihre faszinierenden Bewohner. Die atemberaubenden Fotografien werden durch die Stimmen von über 50 Autorinnen und Autoren ergänzt, die ihr Fachwissen, ihre Erlebnisse und Beobachtungen aus verschiedenen Gewässern der Erde teilen.

Das Buch ist in die Kapitel Atlantischer Ozean, Indischer Ozean, Pazifischer Ozean und Arktischer Ozean gegliedert. In jedem Abschnitt geht es nicht nur um die Schönheit und Vielfalt des Meereslebens, sondern auch um Umweltprobleme – dabei bleibt der Ton jedoch stets positiv und hoffnungsvoll.

Auch die Haptik überzeugt: Die Seiten sind angenehm dick, hochwertig bedruckt und lassen sich gut umblättern. Die Fotografien bestechen durch hohe Auflösung und brillante Farben.

Ich habe beim Lesen und Durchblättern viel Neues gelernt und werde sicher noch oft zu diesem Buch greifen – nicht nur, um die Texte erneut zu genießen, sondern auch, um in die beruhigende Wirkung der Bilder einzutauchen. „Die Botschaft der Meere“ lädt zum Innehalten ein und verbindet Wissen, Ästhetik und Achtsamkeit auf wunderbar harmonische Weise.

Ein Buch, das inspiriert, entschleunigt und den Blick für die Schönheit unserer Meere schärft.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Ungefiltert - Unmaskiert

Versteckter Autismus entmaskiert
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Das Buch erklärt sehr ausführlich, was Masking ist, warum Autistinnen und auch andere Menschen es nutzen und wie tief dieses Verhalten gesellschaftlich und historisch verankert ist. Es beleuchtet die Schwierigkeiten ...

Das Buch erklärt sehr ausführlich, was Masking ist, warum Autistinnen und auch andere Menschen es nutzen und wie tief dieses Verhalten gesellschaftlich und historisch verankert ist. Es beleuchtet die Schwierigkeiten behinderter Menschen in einer kapitalistisch geprägten Welt und die Gefahren, denen sie dadurch ausgesetzt sind.

Devon Price ermutigt dazu, sich zu entmaskieren – also sich nicht länger an neurotypische Standards anzupassen. Gleichzeitig verschweigt er nicht die Hindernisse, die damit einhergehen: Ablehnung, Ausgrenzung und im schlimmsten Fall Gewalt. Er zeigt, dass er selbst durch seine höhere berufliche Stellung mehr Freiheiten hat, sich authentisch zu zeigen, während dies für viele andere kaum möglich ist.

Besonders eindrücklich beschreibt Price, wie entmenschlichend und erschöpfend es ist, wenn im Berufsleben erwartet wird, auf bestimmte Weise zu sprechen, sich zu bewegen oder Gefühle nur in gesellschaftlich akzeptierter Form zu zeigen – immer lächeln, aber niemals weinen.

Das Buch verdeutlicht, wie stark Autist
innen durch soziale Normen zum Masking gezwungen werden, und dass Unmasking oft auch bedeutet, mit Ablehnung und Unverständnis umgehen zu müssen. Am Ende gibt Price praktische Übungen mit auf den Weg, die hilfreich erscheinen und die ich noch ausprobieren möchte.

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