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Veröffentlicht am 06.11.2025

Warum die gute alte Zeit so verführerisch und gefährlich ist

Nostalgie. Geschichte eines gefährlichen Gefühls
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Nostalgie hat was Heimliches. Schleicht sich an, flüstert vom „Früher war alles besser“ – und schon sitzt man in der Falle. Agnes Arnold-Forster gräbt in ihrem Buch tief in diesem Gefühl und zeigt, dass ...

Nostalgie hat was Heimliches. Schleicht sich an, flüstert vom „Früher war alles besser“ – und schon sitzt man in der Falle. Agnes Arnold-Forster gräbt in ihrem Buch tief in diesem Gefühl und zeigt, dass Nostalgie mehr ist als nur Retro-Romantik oder die Sehnsucht nach alten Zeiten. Sie erzählt, wie das Ganze im 17. Jahrhundert als regelrechte Krankheit begann und sich dann Schritt für Schritt zu einem Werkzeug für Politik, Werbung und Identität entwickelt hat.

Besonders spannend: wie geschickt die Autorin historische Forschung mit aktuellem Denken verbindet. Keine trockene Theorie, sondern lebendige Geschichten, die einem beim Lesen plötzlich vertraut vorkommen. Wer wissen will, warum Menschen an alten Idealen festhalten oder warum Retro-Designs so gut funktionieren, bekommt hier ordentlich Futter fürs Hirn – mit Witz, Haltung und einer Prise Melancholie.

Das Buch schafft es, kritisch zu sein, ohne den Spaß zu verlieren. Es zeigt, wie Nostalgie Angst, Macht und Hoffnung mischt, ohne gleich in kulturpessimistisches Gejammer abzurutschen. Genau das macht es so lesenswert.

Kleine Schwäche: Manche Beispiele wiederholen sich, und wer tief in psychologische Mechanismen eintauchen will, wird etwas zu kurz kommen. Doch unterm Strich überzeugt das Konzept – fundiert, unterhaltsam und mit viel Gespür für Zwischentöne.

Fazit: Ein kluges, charmant erzähltes Sachbuch über ein Gefühl, das jeder kennt, aber kaum jemand versteht. Vier Sterne für eine Reise durch die Vergangenheit, die ganz schön viel über die Gegenwart verrät.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Reden, die hängen bleiben

Say It Well
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Reden sind keine Zauberei — aber dieses Buch kommt verdammt nah dran. Terry Szuplat nimmt die Werkzeugkiste eines Profi-Redenschreibers auseinander und zeigt, wie man aus fragmentierten Gedanken eine Rede ...

Reden sind keine Zauberei — aber dieses Buch kommt verdammt nah dran. Terry Szuplat nimmt die Werkzeugkiste eines Profi-Redenschreibers auseinander und zeigt, wie man aus fragmentierten Gedanken eine Rede baut, die knallt, rührt und im Kopf bleibt. Dabei liest sich Say It Well nicht wie ein staubiges Handbuch, sondern eher wie ein streng-witziger Mentor, der einem auf die Schulter klopft und sagt: „Trau dich, aber mach’s clever.“ Acht Jahre im Weißen Haus mit Obama als Lehrmeister geben dem Ganzen echtes Gewicht; Anekdoten aus der Schreibwerkstatt sind nicht nur schillernd, sondern liefern konkrete Formeln — von Eröffnungen, die Interesse wecken, bis zu Schlusspunkten, die noch lange nachhallen.

Besonders cool: Szuplat verknüpft Praxis mit Psychologie. Warum wir bei Lampenfieber blockieren, wie Sprache Vertrauen schafft und welche Bilder im Kopf der Zuhörer bleiben — das wird alles gnadenlos praxisnah erklärt. Übungen, Vorher-Nachher-Beispiele und Checklisten machen das Ganze zur Werkzeugmaschine für jeden, der öfter reden muss. Kritikpunkt: Manchmal schielt das Buch zu sehr auf prominente Beispiele; nicht jede Büropräsentation kann mit einer historischen Rede verglichen werden. Außerdem hätte ich mir mehr platzsparende Vorlagen gewünscht, die sich direkt in E-Mail oder PowerPoint kopieren lassen.

Trotzdem: Für alle, die souveräner auftreten wollen, ist Say It Well ein Kurzkurs in Mut und Methodik. Sprache wird hier als Handwerk behandelt — mit Schraubenschlüssel, Schraube und einem kleinen Augenzwinkern. Wer bereit ist, ein paar Gewohnheiten zu zerbrechen und statt Sterbeurkunden-Reden wieder Menschen zu erreichen, bekommt hier einen Lehrmeister, der den Weg zeigt und einen gelegentlich schubst. Ergebnis: Mehr Präsenz, weniger Herzrasen — und das ohne esoterischen Quatsch.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Ein Winter­wochenende mit Wirkung

Drei Tage im Schnee
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Wenn der Blick durch ein frostiges Fenster fällt, öffnet sich oft mehr als nur die Landschaft: eine Einladung, langsamer zu werden. Ina Bhatter schafft mit Drei Tage im Schnee genau diese Einladung. Hannah ...

Wenn der Blick durch ein frostiges Fenster fällt, öffnet sich oft mehr als nur die Landschaft: eine Einladung, langsamer zu werden. Ina Bhatter schafft mit Drei Tage im Schnee genau diese Einladung. Hannah flieht aus dem Großstadtlärm in eine kleine Holzhütte am See und begegnet dort dem Mädchen Sophie im roten Schneeanzug. Ihre gemeinsamen Tage sind Poesie aus knirschendem Schnee, Rückblicken und leisen Entdeckungen. Bilder von Iglus bauen, dampfendem Kakao und flackerndem Ofenlicht verweben sich zu kleinen, berührenden Szenen.

Ich habe beim Lesen oft gestoppt, um den Moment zu halten. Die Stärke des Romans liegt in seiner Stimmung: leise, warm und behutsam. Bhatter verzichtet auf große Plot-Explosionen und setzt stattdessen auf feine Details und psychologisches Feingefühl. Genau das macht das Buch zu einem schönen Begleiter an frostigen Abenden. Ein Wermutstropfen ist das Ende, das mir etwas zu flott erscheint; die Rückkehr in den Alltag könnte nachklingen und sich noch nachhaltiger entfalten. Dennoch bleibt die zentrale Botschaft präsent: den Mut zu finden, der eigenen Stimme zuzuhören.

Für Leser, die Ruhe und Reflexion suchen, ist dieses Buch ein wohltuender kleiner Fund — kein dramatisches Meisterwerk, aber eine einfühlsame Einladung zur Neuorientierung.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Finger, Frost und makabre Geschenke in Cumbria

Der Kurator
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Cumbria ist nicht gerade der Ort, an dem man denkt: „Hier mach ich mal einen gemütlichen Spaziergang.“ Eher so: Nebel, Regen, abgetrennte Finger als „Weihnachtsgeschenke“ für die Polizei – und mittendrin ...

Cumbria ist nicht gerade der Ort, an dem man denkt: „Hier mach ich mal einen gemütlichen Spaziergang.“ Eher so: Nebel, Regen, abgetrennte Finger als „Weihnachtsgeschenke“ für die Polizei – und mittendrin Poe, der aussieht, als hätte er schon zu viele britische Stürme, kalten Kaffee und Behördenversagen überlebt. Tilly Bradshaw ist sein perfekter Gegenpart: clever, scharf wie Rasierklingen und mit einem IQ, der mich ständig alt aussehen ließ. Zusammen sind sie ein Team, das man einerseits anfeuern will und andererseits lieber nicht im Pub trifft.

Der Fall? Verrückt. Opfer, die scheinbar nichts gemeinsam haben, außer dass sie vor drei Jahren exakt dieselben zwei Wochen Urlaub genommen haben. Und dann #BSC6. Ich habe Seiten umgeblättert, nach Luft geschnappt und gedacht: „Okay, der Typ ist echt nicht von dieser Welt.“ Craven versteht es, Spannung aufzubauen, die sich wie ein Sprungbrett aus schwarzem Humor anfühlt. Da lachst du kurz, dann denkst du: „Oh nein, was kommt jetzt?“

Kritisch: Manchmal ist die Logik ein bisschen akrobatisch – Wendungen, die so geschickt eingefädelt sind, dass man kurz die Augenbraue hochzieht. Aber genau das macht es ja auch spannend. Man darf nicht zu rational rangehen, sonst verpasst man das Vergnügen.

Der finale Schlag? Gänsehaut inklusive. Ich habe nachts noch zwei Kapitel gelesen, obwohl ich eigentlich schlafen wollte. Wer britischen Crime mag, der nicht glattgebügelt daherkommt, wer schwarzen Humor liebt und Ermittler, die mehr Ecken als Kanten haben, liegt hier goldrichtig. Vier Sterne sind es definitiv wert.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Fels, Freiheit, Kopfkino

Frei am Fels
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Gutes Buch macht mir beim Lesen die Knie weich — hier war es eher die Vorstellung, wie die Finger an rauem Fels nach Halt suchen. Frei am Fels packt einen nicht, es wirft einen kurz raus und zieht einen ...

Gutes Buch macht mir beim Lesen die Knie weich — hier war es eher die Vorstellung, wie die Finger an rauem Fels nach Halt suchen. Frei am Fels packt einen nicht, es wirft einen kurz raus und zieht einen dann wieder hoch, mit diesem besonderen Alex-Mix aus Bescheidenheit, Biss und leichtem Größenwahn, der aber nie arrogant wird.

Als Klettergeschichte funktioniert das Buch prima: Touren, Routen im 9er-Bereich, dieses permanente Tasten nach dem nächsten Griff — das kommt echt rüber. Technische Exkurse sind sparsam, dafür gibt’s mehr Kopfkino: Tage mit Adrenalin, Nächte mit Grübeleien, das leise Rattern im Kopf, wenn ein Zug nicht sitzt. Ich habe gelacht, ich habe gegrübelt, und an einer Stelle sogar kurz die Luft angehalten, als er von seinem Scheitern bei Olympia erzählt. Das sitzt.

Was richtig gut tut: die Ehrlichkeit. Megos redet Klartext über Essstörung, über die Scham, über das Versagen. Keine Selbsterhöhung, kein heroisches Pathos — das macht ihn nahbar. Und wenn er über Klimaschutz und Nachhaltigkeit spricht, merkt man: Da tickt einer, der nicht nur an den nächsten Gipfel denkt, sondern an die Welt, die er dabei hinterlässt. Respekt dafür.

Kritisch gesagt: Wer einen knallharten Trainingsplan oder detaillierte Technikmeisterklasse will, sucht hier vergebens. An manchen Stellen wünschte ich mir mehr Tiefe in der psychologischen Aufarbeitung — das Thema hat mehr Ecken, die nur gestreift werden. Trotzdem wirkt das Buch nie unfertig, eher wie ein ehrliches Gespräch nach dem letzten Seilwurf.

Locker genug zum Durchlesen, ernst genug, um hängen zu bleiben. Vier Sterne, weil’s packt, weil’s ehrlich ist, und weil ein bisschen mehr innere Arbeit dem Buch noch gutgetan hätte. Aber hey — wer will schon ein komplett durchgekautes Leben? Ein paar schroffe Kanten gehören dazu.

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