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Veröffentlicht am 04.11.2025

Tödliche Torte

Kipferl, Killer, Kerzenschein
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In Annemies Café treffen sich regelmäßig junge Mütter, wohl, um zu plaudern, statt zu putzen, wie die Konditorin abschätzig meint. Als eine der Frauen plötzlich auf der Kaffeehausbank zusammensinkt und ...

In Annemies Café treffen sich regelmäßig junge Mütter, wohl, um zu plaudern, statt zu putzen, wie die Konditorin abschätzig meint. Als eine der Frauen plötzlich auf der Kaffeehausbank zusammensinkt und der Notarzt nur noch den Tod feststellen kann, fällt der Verdacht natürlich sofort auf Annemies Torte, die ein Gift enthalten haben muss. Schlagartig bleiben die Besucher aus und Annemie sieht sich gezwungen, dem Sachverhalt selber nachzugehen, denn dass ihre Niedelsinger Weihnachtstorte über jeden Verdacht erhaben ist, versteht sich ja von selbst.

Nicht zum ersten Male ist die rüstige Konditorin im Pensionsalter in Mordermittlungen verwickelt, wie man im Laufe der Geschichte erfährt, aber auch ohne diese zu kennen, eröffnet sich eine unterhaltsame, mit Humor gewürzte Geschichte hinter dem fröhlich bunten Titelbild. Eine Bonusoma, die selbst weder Mutter noch Tante ist, steht jungen Influencern gegenüber, wobei der Unterschied zwischen den Generationen mehr als deutlich zutage tritt. Witzige Dialoge, mit spitzer Feder überzeichnete Szenen und eine Annäherung der konträren Lebenswelten prägen die Handlung, die Auflösung des Todesfalles nimmt eher wenig Raum ein. Dennoch bietet diese bunte Familiengeschichte mit einer gewieften Hauptfigur abwechslungsreiche Unterhaltung.

Der Erfahrungsschatz des Alters und die Neuinterpretation der Jugend treffen hier aufeinander, die Konflikte zwischen den Figuren sind spürbar, so wie der Duft der Kekse zwischen den Zeilen hervorströmt. Am besten, man greift bei diesem Buch schnell zu, denn im Anhang findet sich ein köstlicher Adventkalender voller (süßer) Rezepte für jeden Geschmack. Empfehlenswert.


Veröffentlicht am 03.11.2025

Todesbiss

Mord auf der Klosterinsel
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Auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee kommt es zu brutalen Mordfällen. Jedes Mal ist der Hals des Opfers so zugerichtet, als hätte ihm ein Werwolf den Todeskuss verpasst. Abt Walahfrid Strabo hat ...

Auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee kommt es zu brutalen Mordfällen. Jedes Mal ist der Hals des Opfers so zugerichtet, als hätte ihm ein Werwolf den Todeskuss verpasst. Abt Walahfrid Strabo hat es nicht leicht, den Täter zu finden, obwohl ihn seine vorwitzige Nichte, die Witwe Lindberga, tatkräftig unterstützt.

Weit zurück in der Zeit führt uns dieser Krimi, nämlich ins Jahre 842, als die Karolinger an der Macht waren. Historisch belegte Details und fiktive Krimielemente werden von Heidrun Hurst zu einem stimmigen Roman verwoben, der noch dazu reale Figuren einbindet ins Geschehen. So erfahren wir von einem schielenden Abt, der mit Ruhe und Besonnenheit das Benediktinerkloster geleitet und sich für die Gärtnerei und Dichtkunst interessiert hat. Auch wenn er im wahren Leben nichts mit den Mord und Totschlag zu tun gehabt hat, wirkt er hier verblüffend glaubwürdig, so, wie er bei der Aufklärung der Verbrechen vorgeht. Das Leben auf der Insel, die einfachen Köhler und Rebleute, sowie der Alltag im Kloster werden bildhaft vorgestellt, die schwierige Aufgabe des Ermittelns vor dem Hintergrund des Aberglaubens und der Furcht vor dem Werwolf gut eingefangen. Der ruhige Schreibstil ohne reißerische Szenen passt gut zum Gesamteindruck.

Wer gerne hinter die Kulissen eines Klosters blickt und gut recherchierte historische Details schätzt, wird mit diesem Krimi interessante Stunden verbringen.

Veröffentlicht am 30.10.2025

Geheime Mission

Wir dachten, das Leben kommt noch
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BBC-Moderatorin Gwen soll für ein neues Buch recherchieren, Arbeitstitel: unbekannte Pionierinnen. Konkret kontaktiert Gwen die Engländerin Pat, welche im Zweiten Weltkrieg für die sogenannte SEO (Special ...

BBC-Moderatorin Gwen soll für ein neues Buch recherchieren, Arbeitstitel: unbekannte Pionierinnen. Konkret kontaktiert Gwen die Engländerin Pat, welche im Zweiten Weltkrieg für die sogenannte SEO (Special Operations Executive) im Einsatz war und verschlüsselte Funknachrichten von Frankreich nach London gesendet hat, eine gefährliche Aufgabe, die von so manchem Mitglied der Truppe mit dem Leben bezahlt worden ist. Dass sie dabei auch noch Geheimnisse ihrer Großmutter aufdeckt, ahnt Gwen anfangs natürlich nicht.

Brisante Geschehnisse aus dem britischen Nachrichtendienst stehen in diesem Roman im Mittelpunkt, akribische Recherche und die Einbettung in eine fiktive Geschichte verleihen dem Ganzen eine authentische Note. Speziell zu Beginn des Buches sind jedoch die beiden Zeitebenen verwirrend, da auch in der Gegenwartshandlung (1998) Rückblenden, Erzählungen und besprochen Kassetten immer wieder in die 1940er-Jahre zurückführen. Zudem muss man achtgeben, dass man die drei Namen Lily, Lilou und Laura nicht durcheinanderbringt. Hat man aber einmal den Überblick, dann entspinnt sich vor dem geistigen Auge des Lesers eine abwechslungsreiche und bewegende Geschichte, denn insbesondere Pat wird auch über all die Jahre nach dem Krieg noch von schwerwiegenden Erinnerungen heimgesucht. An mancher Stelle vielleicht ein wenig zu sachlich dargestellt, kann man sich trotzdem die Anspannung der Einsatzkräfte im fremden Land vorstellen. War Pat in ihren ersten Tagen in Frankreich noch locker und unbedarft, so schärft sie ihre Sinne immer mehr, um getarnte Feinde zu entlarven. Sandmann stellt diese wichtige Funktion der geheimen Mission im Krieg recht anschaulich dar, wirft moralische Fragen rund um kriegsbedingten Gehorsam und eigenen Überlebenswillen auf und erklärt insbesondere auch noch im Nachwort, wie schnell die unerschrockene Leistung etlicher Frauen wieder in Vergessenheit geraten ist, während Männer stets als Kriegshelden gefeiert worden sind.

Eine sehr realitätsnahe Erzählung, das Portrait der Frauen im geheimen Nachrichtendienst ist gelungen.

Veröffentlicht am 30.10.2025

Am Kaiserhof

Die Schicksalswächterin
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Kaiserin Maria Theresia führt ein strenges Regiment, wenn es um den katholischen Glauben geht, auch vor dem Entzweien von glücklichen Familien schreckt sie nicht zurück, so sie Luthers Lehren anhängen. ...

Kaiserin Maria Theresia führt ein strenges Regiment, wenn es um den katholischen Glauben geht, auch vor dem Entzweien von glücklichen Familien schreckt sie nicht zurück, so sie Luthers Lehren anhängen. Carolines Mutter ist gestorben, kurz bevor sie mit ihrem Vater bei einer protestantischen Messe festgenommen wird. Während er nach Siebenbürgen transmigrieren soll, wird das Kind an den kaiserlichen Hof Schönbrunn gebracht. Dort trifft Carli auf die Erzieherin Sophie, welche selbst nach schwerer Krankheit einen anderen Lebensweg wählen muss als ursprünglich geplant.

Eine warmherzige Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln tut sich hinter dem hübschen Titelbild auf. Sophie, Ben und Carli stehen neben der Kaiserfamilie im Mittelpunkt der Handlung, welche in der Steiermark beginnt, ins Wiener Schloss führt und Richtung Rumänien deutet. Die Macht Maria Theresias ist groß, und auch wenn so manche Figur sich für mehr Menschlichkeit einsetzt, ist es überaus fraglich, ob sich dieser Wunsch erfüllen wird. In unkompliziertem Sprachstil entwirft Gabriele Breuer abwechslungsreiche Szenen, welche das Dilemma gleich mehrerer Personen anschaulich darstellen. Vater Ben will keinesfalls seine fünfjährige Tochter Carli in Wien zurücklassen, Sophie hat die Kleine schnell ins Herz geschlossen und ersinnt eine Lösung für das Unausweichliche. Aber auch im Hofstaat schwären Spannungen und Feindseligkeiten, die einen passenden Rahmen für die gesamte Geschichte bieten. Unerschrockenheit hat seinen Preis, wohin sie führt, erzählt dieser feinfühlige Roman.

Historische Details und Figuren, die ihrem Herzen folgen – eine gelungene Mischung für schöne Lesestunden.




Veröffentlicht am 23.10.2025

Geigenbauertochter

Die Hausmamsell
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Als jüngste Tochter des Geigenbauers Lars Olsen erblickt Julie Elisabeth Hoem im Jahre 1836 das Licht der Welt. Nach einer unbeschwerten Kindheit im norwegischen Christiansund muss sie nach dem Tod der ...

Als jüngste Tochter des Geigenbauers Lars Olsen erblickt Julie Elisabeth Hoem im Jahre 1836 das Licht der Welt. Nach einer unbeschwerten Kindheit im norwegischen Christiansund muss sie nach dem Tod der Mutter durch Botengänge und kleine Hilfsarbeiten mitverdienen, nach dem Tod des Vaters verlässt sie mit 18 Jahren ihren Heimatort und lebt größtenteils in Bergen als Hausmamsell bei verschiedenen angesehenen Familien. Unverheiratet und kinderlos verbringt sie ihre letzten Lebensjahre bis 1911 im Heim Alders Hvile, Frieden des Alters.

Gestützt auf unzählige Zeitungsannoncen, Notizen und Einträge in Kirchenbüchern erzählt Edvard Hoem diese betuliche Geschichte von Julie Elisabeth Hoem. Da immer wieder größere Lücken in Julies Lebenslauf klaffen, schließt er diese auf bemerkenswerte Weise durch Phantasie und andere Überlieferungen aus der entsprechenden Zeitepoche, sodass ein chronologisches Ganzes entsteht. Im Text selbst weist Hoem an so mancher Stelle auf diesen Kunstgriff hin, als Leser weiß man also durchaus Bescheid, was auf realen Gegebenheiten fußt und was klug erdichtet ist. Mit einem ganz eigenen, sehr ruhigen, ja nahezu sachlich anmutenden Schreibstil nimmt uns der Autor mit auf eine Reise in eine fremde Welt, ins 19. Jahrhundert, wo die Uhren noch ganz anders getickt haben als heute. Die Erzählung könnte einem Tagebuch Julies entnommen sein, so gut spiegeln sich ihre Gedankenwelt, ihre klare Meinung und Handlung wider. Als Hausmamsell stets loyal, aber doch ihrer eigenen Linie treu, wechselt sie mehrmals ihre Anstellung, begleitet für fünf Jahre sogar eine Familie ins ferne Amerika, wo sie ihre Englischkenntnisse vertieft und lernt, sich modisch und adrett zu kleiden.

Ein großer Bogen spannt sich über die Jahrzehnte, langwierige Recherche und viel Liebe zum Detail kennzeichnen dieses Werk um eine eigenständige Frau, welche keine direkten Nachkommen hat, die ihr Lebenswerk weitertragen könnten. Interessante Einblicke in unterschiedliche Berufswelten, die steten Veränderungen der Stadt Bergen und das Leben als Dienstmädchen und Hausmamsell gewährt Edvard Hoem mit diesem Buch. Empfehlenswert für Leser, die Interesse zeigen an historischen Einzelheiten, schwülstige Ergüsse über wohlgehütete Geheimnisse aus vornehmen Familien darf man nicht erwarten.

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