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Veröffentlicht am 18.11.2025

Zu wenig Aufklärungsarbeit für einen Krimi!

Die Chinesin
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Hauptsächlich spielt dieser Roman rund um die Hauptfigur Gerhard Beckmann, dem ehemaligen Kriminalrat und Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität im LKA in Berlin, auf der idyllischen, italienischen ...

Hauptsächlich spielt dieser Roman rund um die Hauptfigur Gerhard Beckmann, dem ehemaligen Kriminalrat und Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität im LKA in Berlin, auf der idyllischen, italienischen Urlaubsinsel Sardinien. Beschreibungen zu einigen interessanten Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps leiten langsam hinüber zur zweiten Hauptfigur, der Chinesin Xia, die als Migrantin am dortigen Strand ihre Dienste als Masseuse anbietet. Thematisiert werden illegale Migration, Korruption, Menschenhandel, moderne Sklaverei, Schutzgelderpressung innerhalb eines global agierenden, kriminellen Netzwerks in und außerhalb Chinas. Als Zeuge eines brutalen Überfalls auf Xias ältere Schwester erfährt Beckmann nach deren Tod mehr über die Ausbreitung der chinesischen Triaden, über die Welt der chinesischen Mafia, die sowohl ein grausames Verbrecherkartell als auch ein Wirtschaftsgigant ist und sich seit Jahrhunderten konsequent mit wechselnden Machthabern arrangiert hat. Innerhalb dieses Romans nimmt das Privatleben der Hauptfigur mit Hautkrebs, Tochter Doris und seiner verstorbenen Ehefrau zu viel Raum ein. Leider verflüchtigt sich das authentisch beschriebene Geschehen rund um Xia in Berlin. Ohne Ermittlungserfolg wirkt der Fall blass und zu flach, für den Leser unbefriedigend. Es gibt interessante Tourismustipps über Sardinien und Infos zu chinesischen Fakten wie z.B. die Einkind-Politik oder Falun Gong. Darüber hinaus jedoch verliert dieser Roman an Spannung während der ausbleibenden Auflösung all dieser kriminellen Machenschaften..

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Kontroverse, sozialkritische Themen wie Erster Weltkrieg, Kolonialpolitik und Frauenrecht – satirisch, magisch eigenwillig verpackt.

Zauberhafte Aussichten
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Eine scheinbar märchenhafte Geschichte voller magischer Figuren wie Hexen, Zauberer, Drache und Feen spinnt sich um die junge, alleinstehende Hauptfigur Sarah Brown, in London während des 1. Weltkriegs ...

Eine scheinbar märchenhafte Geschichte voller magischer Figuren wie Hexen, Zauberer, Drache und Feen spinnt sich um die junge, alleinstehende Hauptfigur Sarah Brown, in London während des 1. Weltkriegs lebend. In dieser harschen Realität voller Hunger in Londons Armenviertel mit sog. Komitees für wohltätige Zwecke taucht zunächst mit viel naturverbundener, traditioneller Magie eine Hexe auf, zu verstehen als Allegorie auf die Zerrissenheit der damaligen Gesellschaft, mit besonderem Blick auf sozial schwache Milieus und teils satirischer Kritik an der besseren britischen Gesellschaft wegen deren moralisch fragwürdigen Wohltätigkeitsarbeit. In dieser magischen Parallelwelt taucht auch ein eigenwilliger Zauberer auf als allegorischer Vertreter der herrschenden Klasse mit etablierter Bürokratie und politischer Macht. Wie in Fantasy-Geschichten verkörpern diese Hexe und der Zauberer wohl unterschiedliche soziale Schichten, wobei die Hexe hier aus dem Volk kommt und der Zauberer aus der Aristokratie. Beide Figuren weisen auf den sozialen und politischen Umbruch in diesen Kriegszeiten hin. Auch der Drache, als Großknecht verwaltet er nur mangelhaft die Feenfarm seines Herrn, kämpft hier gegen die Naturgewalten der Feen an, die Beschützer der Hauptfigur Sarah als überforderte Landarbeiterin werden. Wie Sarah und die Hexe bewältigt auch die mittellose Peony erfolgreich ihren sozialkritischen Kampf gegen die Kirche, gegen Normen und Moralvorstellungen der Oberschicht, heraus aus starren Klassen- und Geschlechterverhältnissen, z.B. aus Ehezwang.
Thematisiert wird auch die Kolonialmacht «England als Räuberstaat, der die schwächeren Nationen vernichtet, seinen eigenen Reichtum durch Verrat vermehrt und jetzt seinen friedliebenden Nachbarn diesen Aggressionskrieg aufgezwungen hat.»
Einige Figuren wie Peony, der Bürgermeister und der Polizist kommunizieren in einem übersetzten Dialekt, der im Original an Cockney Slang erinnern mag, der den Lesefluss jedoch hemmt.
Ein nicht zu fassendes Genre mit realistischen und fantastischen Erzählelementen voller Magie – interessant.

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Die Zerbrechlichkeit des Lebens – zum Nachdenken

Jetzt gerade ist alles gut
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Der Erzähler beginnt mit einer lebensbedrohlichen Situation, die zum Sinnieren anregt über das Leben und das Überleben. Es folgen in loser und bunter Aufreihung zunächst unscheinbare Situationen z.B. in ...

Der Erzähler beginnt mit einer lebensbedrohlichen Situation, die zum Sinnieren anregt über das Leben und das Überleben. Es folgen in loser und bunter Aufreihung zunächst unscheinbare Situationen z.B. in der Natur, mit Familie, Freunden und neuen Mitmenschen, die für den Erzählenden aus der Nebensächlichkeit heraus in seinem Leben zu tieferen, verändernden Momenten mutieren. Eher wirkt diese zu lose Mischung aus kleinen, für den Erzähler kostbaren Augenblicken flach und oberflächlich. Diese Momentaufnahmen ohne fortlaufende Handlung werden schließlich am Ende mit dem anfänglich einschneidenden Erlebnis geschickt verknüpft.
Ein vermeintlich unscheinbarer Anlass mit schnell sehr gefährlicher Wirkung einer Sepsis – ein überzeugender Vorfall und Grund genug, eine wichtige Mahnung an die Kunst des aufmerksamen, lebenswerten Miteinanders zu statuieren, aber sprachlich nicht voll überzeugend!

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Aufgewachsen in Irland, erfolgreich in Deutschland

Before I met Supergirl
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Irland – das verregnetes Land in seiner politischen Zerrissenheit und Härte, aber auch mit seinen religiösen Wurzeln wird lebendig porträtiert entlang den vielen Reflexionen des Autors Rea Garvey. Seine ...

Irland – das verregnetes Land in seiner politischen Zerrissenheit und Härte, aber auch mit seinen religiösen Wurzeln wird lebendig porträtiert entlang den vielen Reflexionen des Autors Rea Garvey. Seine Rückbesinnung wandert entlang seiner Schulzeit, angefangen im beschaulichen Abbeyleix, weiter mit Templeton, dann Tralee mit seinen Schlägereien und Job im Pub bis nach Dublin zum Studium mit viel Partytime. Neben den vielen Veränderungen wie Familienzuwachs und Karriere des Vaters entpuppt sich Rea eher als Außenseiter, gefangen zwischen Stolz und Selbstzweifel inmitten einer hilfsbereiten, verständnisvollen Familie. Sein Weg zur Musik mit seiner Indie-Band über fünf Jahre und seiner anschließenden Solo-Karriere erscheint mühsam, teils frustrierend. Interessant ist die Auswahl an sechs verschiedenen Ogham-Überschriften als roter Faden durch Reas Leben, für besonders wichtige Werte wie Family, Pride, Trust, Faith, Friends, Love stehend. Prolog und Danksagung sind leider nicht mit übersetzt worden. Das Supergirl aus dem neugierig machenden Romantitel wird nicht tangiert.
Mal zum Schmunzeln, mal toxisch und desillusionierend ehrlich – so kommt dieses Musikerleben Reas daher.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Interessante Reiserouten und Infos für Bahn-Nerds.

Nachtzugtage
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Reisen mit Bahn, Bus, Fähre und Sammeltaxi quer durch Europa und darüber hinaus, an Kriegsgebieten entlang, scheinen für die Autorin die ideale Fortbewegung zu sein – raus aus dem Federbett der Zivilisation ...

Reisen mit Bahn, Bus, Fähre und Sammeltaxi quer durch Europa und darüber hinaus, an Kriegsgebieten entlang, scheinen für die Autorin die ideale Fortbewegung zu sein – raus aus dem Federbett der Zivilisation (1879 Robert Louis Stevenson). Jeder Reisebericht, von Berlin aus startend, mit der Reiseroute auf vorangestellter Karte pro Kapitel, kommentiert sowohl ihre jeweiligen Begegnungen, Eindrücke und Erlebnisse in und um die Zugreise herum, bereichert durch Literaturzitate. Aber auch Schwierigkeiten bei internationalen Anschlussverbindungen besonders auf Langstrecken finden Erwähnung. Allein der Buchungsstress und das häufige Umsteigen und unerwartete Umbuchen unterwegs könnten ähnlich interessierte Nachtzugfans abschrecken. Land und Leute mag solch ein Zug-Reisender näher kennenlernen, wenn man bereit und flexibel genug ist, fehlenden Schlafkomfort und Reiseprobleme unterwegs zu akzeptieren. Die Informationen zu veränderten Reisebedingungen und Buchungsmöglichkeiten im Laufe der Jahrzehnte sind sicher hilfreich. Diese teils abenteuerliche, teils romantische Art zu reisen wird in positivem Schreibstil beleuchtet, die jeweilig vorbeieilende Landschaft und zufällige Kontakte einbeziehend.

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