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Veröffentlicht am 06.11.2025

Origamimädchen

Ein Herz aus Papier und Sternen
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Pip ist noch immer bei ihren Eltern, obwohl ihre Tochter inzwischen 16 Jahre alt ist und sie selbst 32. Seit sie so jung Mutter wurde, ist die Zeit für ihre Eltern stillgestanden und auch Pip hat nichts ...

Pip ist noch immer bei ihren Eltern, obwohl ihre Tochter inzwischen 16 Jahre alt ist und sie selbst 32. Seit sie so jung Mutter wurde, ist die Zeit für ihre Eltern stillgestanden und auch Pip hat nichts daran geändert. Ihr einziger Widerstand sind ihre Origami-Kunstwerke. Das hat mich anfangs so wütend gemacht, dass ich fast abgebrochen hätte. Die ganze Gängelei, die Vorschriften, die sich Pip gefallen lässt, regt mich wirklich enorm auf.

Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, warum sich Pip alles hat gefallen lassen, sowohl von ihren Eltern, als auch von Sammy Wolverson. Warum Jamie nicht irgendwann eingegriffen hat, ist mir ebenfalls ein Rätsel. Immerhin ist ihre Tochter kein kleines Kind mehr und mal im Ernst, wie soll sie denn Achtung, Respekt, Anerkennung für ihre Mutter und den Vater empfinden, wenn diese sich stets und ständig duckt? So ein bisschen Gilmore-Girls in arm und zu devot kommt da rüber. Ich hätte die Story akzeptiert, bis Pip und Jamie Anfang 20 wären, aber mit 32 ist mir das zu krass. Pips Origamigedichte, ihr winziges Zimmer, ihr eingeschränktes, kontrolliertes Leben und dann noch der Kuppelversuch mit dem Ekelpaket Sammy verlangten sehr viel Ausdauer von mir ab, der Story weiter zu folgen. Man hat hier das Gefühl, dass die Story aus der Zeit gefallen ist und eigentlich in die Zeit von vor 100 Jahren spielt. Da wäre das Verhalten der Figuren stimmiger gewesen.

Auch wenn alle regelrecht unterwürfig die Familienmitglieder der Wolversons behandeln und ihnen alles durchgehen lassen, weil der halbe Ort dort arbeitet, schwillt mir der Kamm. Pips Schweigen zu allem, dass sie niemals etwas sagt, sondern alles nur denkt, wenn es nicht dem entspricht, was ihre Eltern erwarten, macht mich enorm wütend. Bis sich daran etwas ändert, vergeht viel zu viel Zeit. Man ahnt zwar von Anfang an, wie die Story enden wird, aber das stört mich nicht. Mich stört dagegen total, wie lang Pip braucht, um sich zu entwickeln und auszubrechen, obwohl schnell klar wird, dass die Menschen in ihrem Umfeld sie sehr mögen.

Warum gebe ich dann doch vier Sterne, wenn ich mich so ärgere? Weil die Story an sich sehr gut geschrieben ist und ich Sandra Voss sehr gern gelauscht habe. Pips Verhalten war blöd, nicht aber die Schreibkunst der Autorin. Und irgendwie ist es doch auch eine Leistung, eine Leserin oder Hörerin so auf die Palme zu bringen mit der Protagonistin, oder etwa nicht?

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Echt nicht schlecht!

Der Nachbar
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Sarah Wolff ist Strafverteidigerin und aufgrund eines schrecklichen Ereignisses in ihrer Kindheit psychisch vorbelastet. Nach einigen üblen Beziehungen landet sie mit ihrer Teenager-Tochter in einem Haus ...

Sarah Wolff ist Strafverteidigerin und aufgrund eines schrecklichen Ereignisses in ihrer Kindheit psychisch vorbelastet. Nach einigen üblen Beziehungen landet sie mit ihrer Teenager-Tochter in einem Haus am Berliner Stadtrand. Die Ereignisse, die nun beginnen und nicht mehr zu enden scheinen, bringen sie an den Rand ihrer Kräfte. Wer glaubt auch schon, dass ein Einbrecher Abfall entsorgt, den Kühlschrank auffüllt und Dinge erledigt, die vergessen wurden? Dafür gibt es doch sicher Erklärungen, das ist doch alles kein Grund zur Panik! Oder etwa doch?

Es dauert ein Weilchen, bis das Vorgeplänkel Sinn macht und man versteht, wohin die Reise gehen soll. Das fühlte sich stark danach an, dass Fitzek das selbst erst beim Schreiben herausgefunden hat. Da ich ja immer gespannt bin, ob ich einen guten oder miesen Fitzek vor mir habe, gehört das schon fast zum Lesevergnügen dazu. Einzelne Szenen sind schon hier hart und schwer zu ertragen, besonders, wenn man auf alles, das Kindern schlimmes passieren kann, so sensibel reagiert, wie ich.

Im Laufe der Story erlebt Sarah teils kleine, teils überwältigend große Horrormomente, wobei das, was danach geschieht, noch mehr an die Nerven und auf die Psyche geht. Als Leser oder Hörer der Hörbuchversion, die wie immer super gut von Simon Jäger eingelesen wurde, fragt man sich unweigerlich, ob Sarah Wahnvorstellungen hat und wenn nicht, wie all das so passieren kann. Dazu kommen verhältnismäßig viele Figuren, die der Reihe nach alle verdächtig sind. Viele lose Fäden, die am Ende erschreckend viel Sinn ergeben und zusammenfinden.

Ein wenig strapaziert Fitzek auch die künstlerische Freiheit, die an manchen Stellen doch eher in Richtung Logikfehler rutscht. Aber im Großen und Ganzen ist Der Nachbar um Längen besser gelungen als einiger seiner anderen Bücher, die ich gelesen hatte. Nur das Ende ist hier vielleicht doch etwas extrem an den Haaren herbeigezogen und übertrieben. Aber schlecht ist das dennoch nicht. Und der Cliffhanger lässt offen, ob er nur schocken soll oder es einen weiteren Band geben wird. Schlau, schlau!

Bleibt also zusammenfassend zu sagen, dass mit etwas mehr Ruhe und weniger Massenproduktion an Büchern ganz sicher die störenden Unebenheiten geglättet werden könnten. Aber durchaus lesbar oder hörbar. Die Figuren sind toll gezeichnet und die Wendungen richtig schön tricky. So könnte ich doch noch zum echten Fan werden. Vier Sterne.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Weihnachtliche Leckereien

Sallys Weihnachtsbäckerei
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Sally ist unbeschreiblich sympathisch und ihre Rezepte sind immer geling-sicher. Da wundert ihr Erfolg nicht. Obwohl ich sie erst vor wenigen Jahren entdeckt habe, freue ich mich immer sehr über Neues ...

Sally ist unbeschreiblich sympathisch und ihre Rezepte sind immer geling-sicher. Da wundert ihr Erfolg nicht. Obwohl ich sie erst vor wenigen Jahren entdeckt habe, freue ich mich immer sehr über Neues von ihr. Ihr kleines Imperium ist erstaunlich und faszinierend. Das neue Weihnachtsbackbuch liegt voll auf meiner Linie.

Der Theorieteil am Anfang ist auch für Backprofis nicht uninteressant. Die Symbole an den Rezepten sind selbsterklärend und helfen, schnell das Wichtigste auf einen Blick zu sehen. Bevor es mit den Kapiteln Ausstecherle; Plätzchen ohne Ausstechen; Weihnachts-Gebäck; Desserts ohne Backofen losgeht, gibt es noch zwei Grundrezepte.

Die Rezepte sind alle mit einem tollen Foto versehen, was mir immer sehr wichtig ist. Nährwertangaben gibt es nicht, dafür natürlich die sinnvoll geordneten Zutatenlisten und gut erklärte Zubereitungsschritte. Außerdem findet man in einem farbig unterlegten Kästchen oder Balken noch hilfreiche Extrahinweise. Ab und an verweisen diese auf ihren Blog und ihre App. Das finde ich etwas weniger nice. Obwohl ich seit vier Jahrzehnten backe, habe ich kein Lochblech. Das wird bei einigen Rezepten empfohlen. Ich backe diese Rezepte auf meinem herkömmlichen Backblech mit Backpapier.

Mein Highlight ist gleich das erste Rezept für die Frankfurter Kränzchen. Die kann man zwar nicht länger lagern, aber für die Kaffeetafel sind sie echt ein Hingucker. Überhaupt mag ich besonders die Rezepte der ersten beiden Kapitel. Auch der Rest ist flott, modern und lecker, trifft aber nicht ganz so ins Schwarze bei mir. Auf alle Fälle decken die Rezepte eine breite Bandbreite an Geschmäckern und Vorlieben ab.

Für mich ein sehr schönes Backbuch, das abzüglich meiner Kritikpünktchen vier Sterne von mir bekommt!

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Bildband der Extraklasse

Katzen
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In diesem Buch finden sich ganz besondere Fotos von Katzen jeglicher Rasse. Dazu gibt es Beschreibungen, informative Texte und Erklärungen. Manche der Bilder sind aber auch ein wenig erschreckend. Zumindest ...

In diesem Buch finden sich ganz besondere Fotos von Katzen jeglicher Rasse. Dazu gibt es Beschreibungen, informative Texte und Erklärungen. Manche der Bilder sind aber auch ein wenig erschreckend. Zumindest für mich. Ich liebe Katzen, bin bei Rassekatzen aber sehr zwiegespalten. Besonders bei einigen der hier vorgestellten Rassen, die ich bisher gar nicht kannte, und das will etwas heißen!

Die Bilder beeindrucken nachhaltig, regen aber auch zum Nachdenken an. Sie sind eine Liebeserklärung an die Feliden, aber auch eine Mahnung daran, der Natur nicht ins Handwerk zu pfuschen, die Tiere artgerecht zu halten und sie nicht als Prestigeobjekt zu sehen.

Viele der Fotos sind aus ungewohnten Perspektiven aufgenommen, wodurch Details in den Fokus rücken. Das ist faszinierend und einfach mal anders.

Auch wenn ich die Kunst von Tim Flach anerkenne, finde ich das Buch, das preislich ebenso auffällig ist, wie vom Format und Gewicht, etwas zu kalt, zu gerade, zu akkurat, zu wissenschaftlich, um mir Herzchen in die Augen zu zaubern. Es reicht aber noch immer für vier Sterne.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Happy Birthday, Hildchen!

Die Knef
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Dieses Jahr wäre der 100. Geburtstag von Hildegard Knef. Ich erinnere mich an viele ihrer Lieder, weniger an ihre Filme, aber an die Berichte über sie. Das verrät wohl, dass ich keine 20 mehr bin!

Moritz ...

Dieses Jahr wäre der 100. Geburtstag von Hildegard Knef. Ich erinnere mich an viele ihrer Lieder, weniger an ihre Filme, aber an die Berichte über sie. Das verrät wohl, dass ich keine 20 mehr bin!

Moritz Stetter hat der Knef mit diesem Buch ein sehr schönes Denkmal gesetzt. Dennoch vermute ich, verstehen nur die, die sie kennen, den Großteil darin. Mir fehlt das eine oder andere, dafür bekomme ich einiges, das ich nicht erwartet hatte. Die Playlist und der Zeitstrahl sind sehr schöne Highlights für mich.

Auf einigen Bildern ist sehr gut getroffen, wie die Seele der Knef in ihren wunderbaren, großen Augen stand, in viele aber leider nicht. Und wenn ich persönlich an das Hildchen denke, dann eben genau an diese ausdrucksstarken Augen.

Insgesamt kommt aber sehr gut rüber, wie stark Hildegard Knef war, sein musste. Wie viel sie in einer Zeit schaffte, in der das Frauenbild ein völlig anderes war. Auf gewisse Weise war sie eine der Frauen, die es ermöglichten, dass wir heute freier und selbstbewusster sind. Umso trauriger, dass viele diese Frau gar nicht mehr kennen und schon gar nicht zu würdigen wissen. Ihre Höhen und Tiefen waren beispiellos und mit extremen Spitzen. Nicht viele hätten das gemeistert, ertragen. Die Darstellungen in diesen Extremen sind grandios.

Die Stationen ihres Lebens, von der Geburt in Deutschland, über die Kriegszeit, ihre Auswanderung nach Amerika, das Zurückkommen und ihre Beziehungen bis zu ihren vielen künstlerischen Fähigkeiten vom Schauspielern und Malen bis zum Singen und Schreiben sind gelungen dargestellt. Es ist klar, dass eine Graphic Novel nicht so detailliert erzählen kann, wie ein Buch, also bleibt ein wenig auf der Strecke. Das ist okay für mich. Dennoch kann ich nicht die vollen Sterne geben, eben weil für mich die Knef nicht immer in den Bildern getroffen wurde. Dennoch eine tolle Hommage an eine ganz besondere Frau, die ich mit vier Sternen bewerte.

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