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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.11.2025

Erschreckend - traurig -tief berührend

Da, wo ich dich sehen kann
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Es ist nicht so, dass man den neuen Roman der Autorin Jasmin Schreiber nicht als solchen erkennen könnte - an ihrer Art zu schreiben, an bestimmten, von ihr bevorzugten Themen, z.B. den Naturwissenschaften. ...

Es ist nicht so, dass man den neuen Roman der Autorin Jasmin Schreiber nicht als solchen erkennen könnte - an ihrer Art zu schreiben, an bestimmten, von ihr bevorzugten Themen, z.B. den Naturwissenschaften. Auch hier ist sie vertreten mit dem Fach Astrophysik, aber es ist eher ein marginaler Aspekt des Romans.

Liv, eine der Protagonistinnen des Romans, ist nämlich Astrophysikerin, wenngleich sie bereits seit einigen Jahren nicht mehr in der Forschung, sondern als Lehrerin tätig ist. Sie trauert wie einige andere auch um Emma, ihre beste Freundin und nicht nur das: Emma war auch Mutter, Tochter und Ehefrau und es war ihr Ehemann, der sie sterben ließ: ja, er hat sie ermordet.

Ganz schön schwere Kost also, aber ich konnte das Buch dennoch nicht aus der Hand legen, denn aus meiner Sicht stimmt bei diesem Roman eigentlich alles. Die Autorin behandelt ihr Thema mit großer Achtung, begegnet ihm dennoch mit schriftstellerischer Leichtigkeit: in meinen Augen eine große Kunst. Denn vor allem wahrt sie die Würde der Trauernden, aus deren Sicht die Handlung angelegt ist.

Denn es ist ein Buch über das "Danach". Der Leser begleitet die Menschen um Emma, diejenigen, die nun ohne sie leben müssen - egal wie es ihnen dabei geht. Und das tut sie mit dem nötigen Abstand und der erforderlichen Nähe. Ein grandioser Roman über ein furchtbares Thema: er wird sicher nicht das Richtige für Jeden und Jede sein, aber für mich war er das: ein ausgesprochener Gewinn

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 20.10.2025

Von Menschen in schwierigen Zeiten

Lebensbande
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Ein Roman, in dem die Lebenswege verschiedener Menschen zusammenfließen: Zunächst begegnen wir Lotte als alter Frau - wie kommt es, dass sie, die eigentlich ganz im Westen Deutschlands, nämlich in der ...

Ein Roman, in dem die Lebenswege verschiedener Menschen zusammenfließen: Zunächst begegnen wir Lotte als alter Frau - wie kommt es, dass sie, die eigentlich ganz im Westen Deutschlands, nämlich in der Eifel aufwuchs, zur Zeit der Wiedervereinigung in Kühlungsborn, in der ehemaligen DDR lebt und dort auch viele Jahre ihres Lebens zugebracht hat? Wir folgen ihrem Rückblick aufs Leben und wundern uns bald über gar nichts mehr. Ihre Biografie trifft auf die von Nora und Lene - Nora war als Krankenschwester tätig und hat während der Zeit des Nationalsozialismus viel gesehen und noch mehr durchgemacht. Lene durfte den Mann, den sie liebte, nicht heiraten, was fatale Folgen für sie und ihr Umfeld hatte.

Wieder einmal legt Mechtild Borrmann einen grandiosen Roman vor, der den Dingen auf den Grund geht und sich nicht scheut, die Menschen in ihren dunkelsten Stunden zu porträtieren. Zartbesaitet darf man bei der Lektüre ihrer Bücher wirklich nicht sein. Immer wieder fasziniert mich, dass sie Menschen am Rande der Gesellschaft in den Fokus nimmt und ihnen eine Stimme gibt. Ihre historischen Romane gewähren Einblicke, die man sonst schwerlich erlangt. Hier ist ihr wieder einmal ein absoluter Volltreffer gelungen!

Veröffentlicht am 20.10.2025

Sigi auf dem Weg ins Erwachsenenleben

Der Plattenspieler unter der Dachschräge
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Und dieser Weg wird dem österreichischen Jugendlichen vom Dorf nicht gerade leicht gemacht, weil sich seine Eltern gerade in Trennung befinden, was natürlich nicht der einzige Stolperstein für ihn ist: ...

Und dieser Weg wird dem österreichischen Jugendlichen vom Dorf nicht gerade leicht gemacht, weil sich seine Eltern gerade in Trennung befinden, was natürlich nicht der einzige Stolperstein für ihn ist: er findet sich zu dick, hat zu wenig Geld, nur wenige Freunde und mit den Mädchen läuft es auch nicht so richtig. Wobei sich Sigi aus meiner Sicht ausgesprochen selbstbewusst gibt - ich hätte, als ich in seinem Alter war, diese Chuzpe nicht aufgebracht.

Herbert Dutzler beschreibt auch in diesem vierten Band der Reihe Sigis Werdegang ausgesprochen unterhaltsam, dazu mit viel Verständnis, Warmherzigkeit und stets mit einem Augenzwinkern. Sigi manövriert sich öfter mal in Schieflagen, findet aber immer wieder hinaus. Ich hatte wieder sehr viel Spaß mit Sigi und den Seinigen, habe aber stellenweise auch ganz schön mit ihm gelitten.

Während der Lektüre tauchten in mir jede Menge persönlicher Erinnerungen an diese Zeit meines Lebens auf und ich muss zugeben, dass ich mich nicht einen Deut umsichtiger verhalten habe als Sigi!

Veröffentlicht am 17.10.2025

Spannend und anschaulich zugleich

Die Psychoanalytikerin
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Vera Albers hat nach dem Großen Krieg die Praxis ihres gefallenen Mannes, eines Arztes, übernommen und ist dort nun als durchaus gefragte Psychoanalytikerin tätig - eine interessante und zugleich schwierige ...

Vera Albers hat nach dem Großen Krieg die Praxis ihres gefallenen Mannes, eines Arztes, übernommen und ist dort nun als durchaus gefragte Psychoanalytikerin tätig - eine interessante und zugleich schwierige Arbeit, denn die ehemaligen Kriegsteilnehmer, die bei ihr ihre psychischen Traumata aufarbeiten, sind nicht an Frauen in dieser Position gewöhnt und stellen sie entsprechend auf die Probe.

Doch auch mit den wenigen Frauen, die bei ihr vorsprechen, ist es nicht unbedingt einfach - ihre häufigste Patientin versucht zum Beispiel, sich auch freundschaftlich anzunähern. Dennoch liebt Vera ihren Job, der ihr auf unterschiedliche Weise das Leben erleichtert.

Eines Tages spricht die Polizei vor - einer ihrer Klienten ist tot. Allmählich erfährt sie mehr - sowohl über den Fall als auch über die Vergangenheit des Verstorbenen und gerät tiefer hinein in die gesamte Angelegenheit.

Hier liegt nicht nur ein spannender Fall vor - nein, mindestens genauso interessant ist die Darstellung der historischen Umstände, der Situation in Hamburg kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Melanie Mezenthin versteht sich meisterhaft auf die gekonnte, umsichtige Darstellung historischer Fakten und deren Einbindung in ihre Romane - man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen!

Veröffentlicht am 15.10.2025

Köstliche Kneipen in Japan

Oishii!
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Beim Betrachten dieses Buchs läuft mir sofort das Wasser im Munde zusammen und ich beginne zu überlegen, was ich als nächstes daraus zubereiten will. Fast alles ist so "Oishii" (japanisch für ...

Beim Betrachten dieses Buchs läuft mir sofort das Wasser im Munde zusammen und ich beginne zu überlegen, was ich als nächstes daraus zubereiten will. Fast alles ist so "Oishii" (japanisch für lecker oder köstlich), dass ich sofort Appetit bekomme. In diesem Buch geht es nämlich um Izakayas in Japan: das sind Lokale, in denen man alkoholische Getränke erhält, wobei es dort in Japan immer etwas zu essen dazu gibt, manchmal sogar mit einer verbundenen Bestellverpflichtung.

Mir gefällt es sehr, mir die unterschiedlichen Izakayas anzuschauen und auszusuchen, was ich wohl als erstes bestellen würde. Es gibt eine Menge von Rezepten, die aus japanischer Sicht sehr unkompliziert sind und aus deutscher eigentlich auch - es ist nur alles zunächst ein bisschen fremd, vor allem die Zutaten.

Ein tolles Buch nicht nur für Japan-Fans und/oder Kneipengänger!