Profilbild von Franci

Franci

Lesejury Star
offline

Franci ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Franci über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.11.2025

Es fing so vielversprechend an...

Where Good Girls go to Die (Good Girls 1)
0

Ganz ehrlich? Diese Romance landete vorrangig wegen des Titels auf meiner Must-have-Liste. Als ich dann noch „Second Chance“ gesehen habe, war es um mich geschehen.

„Where Good Girls go to Die“ erzählt ...

Ganz ehrlich? Diese Romance landete vorrangig wegen des Titels auf meiner Must-have-Liste. Als ich dann noch „Second Chance“ gesehen habe, war es um mich geschehen.

„Where Good Girls go to Die“ erzählt die Geschichte von Olivia Mae Conner, die nur durch einen Zufall und nicht ganz freiwillig wieder in ihrer Heimatstadt und bei ihrem Bruder landet. Und wo Mason ist, ist auch Parker fckg James nicht weit – der Mann, der ihr das Herz gebrochen hat, wegen dem sie vor vier Jahren aus Tennessee geflüchtet ist. Noch immer geht Parker Liv unter die Haut, weckt den unangenehmen Stich in ihrer Brust, der nie aufhörte, wehzutun. Düster, tätowiert, erfolgreich – und verlobt.
Die Schwester seines besten Freundes wieder um sich, in seiner Nähe, zu wissen, bringt den Künstler um den Verstand, ihre Anwesenheit, ihre spritzigen Antworten kratzen an seinen Nerven. Dabei wird er in wenigen Tagen Emily heiraten – vorhersehbar, ruhig und sicher. Sicher nicht das, was zu seinem Wesen, zu seinem Lebensstil oder zu seinen FreundInnen passt, aber ungefährlich.
Doch je mehr Zeit er mit Liv verbringt, je besser sie einander wieder und neu kennenlernen, umso heftiger kribbeln die verdrängten Erinnerungen und Gefühle, Leidenschaft, die nie vergangen ist, Sehnsucht, die niemand sonst je stillen konnte …

Holly Renee lässt uns aus wechselnder Perspektive und sowohl im Jetzt als auch im Damals an dieser zweiten Chance teilhaben, sodass das emotionale Chaos, die Wehmut und der wachsende Zwiespalt eine greifbare Basis bekommen.
Obgleich ich in der Realität kein Fan von Untreue bin, von „Zweite-Wahl-Beziehungen“, war diese verzwickte Situation sowie die Entscheidung, die nicht nur Parker treffen muss, der Dynamik und der Aufregung zuträglich.
Die Rückblicke eröffnen langsam jene Missverständnisse, die den Bruch der Liebenden, die gebrochenen Herzen, verursachten. Doch was in der Vergangenheit auf jugendliche Impulsivität und Scham zurückzuführen ist, auf verletzten Stolz und bodenlose Enttäuschung, ist heute schlicht die fehlende Kommunikation zwischen zwei Erwachsenen. Das Drumherum schleichen und Hineininterpretieren, was Lesende wie mich auf unbefriedigte Art aufstöhnen lässt. Ebenso schade ist das beachtliche Tempo in der Gegenwart, das keine stimmige oder stimmungsvolle Entwicklung zulässt – alles geschieht und verändert sich Schlag auf Schlag, ohne tiefgründige Gespräche oder ernstzunehmende Konflikte. Diese Erzählweise vermittelt den konstanten Eindruck von Oberflächlichkeit, von fehlenden Augenblicken und relevanten Schritten, und führt dazu, dass einige Szenen halbgar bleiben – „zumindest mal erwähnt“ eben. Dabei empfand ich den Anfang als vielversprechend und Renees Stil – abgesehen von einigen Fehlern im Text und Wortwiederholungen – insgesamt als sehr gefühlvoll. Der direkte, oft (selbst)ironische Ton schenkt der – hier und da melancholischen, von verlorener Liebe und Herzschmerz gespeisten – Romance etwas Echtes und Unterhaltsames.

Großteils sind die Protagonisten interessante, da weder glatte noch fehlerfreie Charaktere, und ich war wirklich gespannt, welche Hürden und Wahrheiten sich diesem längst überfälligen Gemeinsam in den Weg stellen werden. Aber beide reagierten vor allem im fortschreitenden Verlauf öfter zu abrupt, zu einfach, was die seichte 0815-Nuance nur verstärkte. Das ändert jedoch nichts daran, dass Parker mit unerwarteter Verletzlichkeit, kleinen Gesten, zum Schmachten verführt.
Das Aufgreifen von Tattooartists und -studios wie die Figuren um Liv und Parker brachten Abwechslung mit sich, wobei Staci – mit ihrer lockeren, unverblümten Art und ihrer Büchersucht – die meisten Coolness-Points einheimste.
Spätestens in den letzten Kapiteln hat mich Holly Renee jedoch durch unnötiges, unpassendes Drama und zuuuuu viiiiiel Spice (wo es doch klärende, ernste Worte gebraucht hätte) verloren – nichtsdestotrotz hält „Where Good Girls go to Die“ nicht nur Tiefen, sondern auch Höhen, einige bewegende Momente und vielleicht ja sogar eine zweite Chance für die Liebe bereit…

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2025

Wichtige Themen ummantelt von einer 0815-Mafia-Romance

Calisto's Revenge - Eine Liebe wie Sterne
0

„Calistos Revenge“ führt uns zum dritten Mal in die „Eine Liebe wie Sterne“-Welt, doch ist wie schon Band zwei als eigenständiger Roman lesbar. Nicht nur das Cover hebt sich von den beiden Vorgängern ab, ...

„Calistos Revenge“ führt uns zum dritten Mal in die „Eine Liebe wie Sterne“-Welt, doch ist wie schon Band zwei als eigenständiger Roman lesbar. Nicht nur das Cover hebt sich von den beiden Vorgängern ab, auch wird die Story als besonders dark beworben und dementsprechend für LeserInnen ab der Volljährigkeit empfohlen.

Statt im Urlaub zu entspannen, findet sich Marija Fradkow nach einer Feierlichkeit in den Fängen einer Gruppierung der russischen Mafia wieder. Gezeichnet von ihrer traumatischen Vergangenheit, die sie noch immer viel zu oft überrollt, von der sie sich jedoch weder definieren noch einschränken lässt, bietet sie ihren Entführern mutig und stolz die Stirn. Denn sie hat schon Schlimmeres überlebt …
Vadim Kamenev wurde etwas für ihn ungemein Wertvolles gestohlen. Um es zurückzuerlangen, schnappt er sich etwas, von dem er denkt, dass es Roman Fradkow am Herzen liegt: Seine Nichte. Eigentlich soll Marija als Pfand herhalten, doch die Prinzessin wird zu Kamenevs Verbündeter. Und zu so viel mehr …

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, sodass wir von Anfang an verfolgen können, wie sich die Protagonisten kennenlernen und einander näherkommen. Nach und nach kristallisieren sich neben Geheimnissen auch bewegende Geständnisse heraus, sodass viel Raum für eigene Spekulationen und aufwallendes Interesse bleibt.
Der Mafiaboss ist bereit, zu töten, sein Revier und seine Männer gnadenlos zu verteidigen. Wenn auch etwas Raubtierhaftes, Berechnendes in seinem Auftreten liegt, ist nicht zu übersehen, dass etwas Gutes in ihm schlummert. Präzision, Beschützerinstinkt, Humor und zumindest ein gewisses Maß an Geduld – doch diese strapaziert seine Gefangene ziemlich schnell über.
Marija ist eine schlagfertige Frau mit magischen Fähigkeiten und einem ausgesprochen genauen Gedächtnis. Vehement wehrt sie sich dagegen, erneut in eine Opferrolle gepresst zu werden. Sind ihre Hintergründe, ihr schmerzhaftes Schicksal, auch berührend, ihre Stärke bewundernswert, kam ich nicht umhin, des Öfteren eine Teenagerin in ihr zu sehen – eine, die unnötig Geld ausgeben, provozieren und mit dem Fuß aufstampfen muss.
Die Tatsache, dass ihr Onkel sie tatsächlich wiederhaben will, aber aus anderen Gründen, als von ihren Kidnappern angenommen, führt zu der Koalition mit Vadim. Seine Expertise in illegalen Gefilden sowie die Skrupellosigkeit, mit der der Russe und seine treuen Männer vorgehen, könnten in Kombination mit Marijas internem Wissen, ihrer Wut und ihrem Verlangen nach Gerechtigkeit eine Win-win-Situation und den Sturz ihres Gegenspielers ebnen – oder die Magierin und den Mafiosi zu Fall bringen.

Aufgrund des Marketings hatte ich auf eine spannende Dark-Romantasy-Story gehofft, in der sich Gefahren und Dunkelheit durch die Seiten ziehen. Bekommen habe ich eine „einfache“ Mafia-Romance mit einem Hauch Fantastik, in der zwar die Dynamik der Charaktere unterhaltsam, jedoch nicht sonderlich „Enemies“ war. Es gab einige Uneinigkeiten, aber abgesehen weniger Szenen schwang nie etwas wirklich Bedrohliches mit. Statt das vorhandene Konfliktpotenzial zu nutzen, wurde hauptsächlich der leichtere Weg gewählt. Dementsprechend fehlte es mir in der letztlich seichten, flotten romantischen Komponente an Dynamit, funkensprühenden Momenten, aufgeregtem Prickeln.
Heißt nicht, dass gänzlich auf unerwartete Turbulenzen, Tod, Blut und Verluste verzichtet wurde, nur waren diese eben nicht schockierender oder gewaltvoller als für Romance, die in Mafia oder Dark eingeordnet werden, typisch.
Ebenfalls ein Kritikpunkt: Das Magiesystem – die übernatürlichen Gegebenheiten –wird innerhalb der Handlung zu keiner Zeit erklärt oder stimmig beleuchtet. Es gibt sie eben, die Magie, wie auch – zugegeben zauberhafte – fantastische Wesen existieren.
(→ Im eBook/Print findet sich vor dem Beginn eine Zusammenfassung, diese fehlt im Hörbuch.)
Jaumanns Stil ist unkompliziert zu lesen; einerseits reich an Bildern, Gefühlen und Witz. Andererseits gab es Dialoge, die wenig Authentizität versprühten, Wortwiederholungen und Formulierungen, die unrund wirkten.

Wie die Inszenierung der bewegenden Schicksale, die wir zwischen den Zeilen ergründen, sind auch die Themen emotionaler Natur. Es sind solche, die nahegehen, die Erkennen und Verständnis entfachen. Nicht nur platziert die Autorin Figuren mit Handicaps und macht erneut auf Sklaverei und Kastensysteme aufgrund von Herkunft und Können aufmerksam. In „Calistos Revenge“ erhalten auch Frauen, die (unfreiwillig) kinderlos sind/bleiben, still unter dem Umstand und der Ursache, die vielfältiger Natur sein kann; unter unsensiblen Äußerungen und Ratschlägen leiden, die dringend nötige Sichtbarkeit.
Ebenfalls unglaublich wichtig ist die Enttabuisierung von (Kindes-)Missbrauch und die deutliche Botschaft: Schuld trägt einzig der/die TäterIn – und alle (Mit-)Wissenden, die sich nicht in der Handlungspflicht sahen, sich aus der Verantwortung zogen!
Widmung und Kern der Romance sind herzzerreißend – und allein daher ist dieses Buch schon lesenswert. Wem das nicht reicht: Wie wäre es mit Nixen, Cerberus oder Fairies?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2025

Coole Idee, die mich nicht komplett überzeugte

Of Flame and Fury
0

Neben mystischen Legenden und Sagenwesen gibt es in Salta auch hochentwickelte Technologien. Dennoch sind gerade die gefährlichen, brutalen – widernatürlichen – Phönix-Rennen eine Attraktion, um die sich ...

Neben mystischen Legenden und Sagenwesen gibt es in Salta auch hochentwickelte Technologien. Dennoch sind gerade die gefährlichen, brutalen – widernatürlichen – Phönix-Rennen eine Attraktion, um die sich ReporterInnen, SponsorInnen und ZuschauerInnen jeder Altersklasse scharen. Während die „gezähmten“ Geschöpfe für mediales Aufheben sorgen, werden ihre wilden Artgenossen gefürchtet und getötet.
Kelyn Varra hat gelernt, die credorische Regierung, ihre Forschung und die den Tieren unwürdige Behandlung zu hassen – dennoch ist sie gezwungen, mit ihrer Crew und Sav an den Wettbewerben der CVPRs anzutreten …
Als sich die Howlers auf dramatische Weise dezimieren, bleibt Kel und Dira nichts anderes übrig, als sich mit den berüchtigten Coupers-Brüdern zusammenzuschließen – nur mit deren Hilfe können die Freundinnen weiterhin an den Rennen, mit denen Kel ihre Schulden tilgen und Savita ein Zuhause geben kann, teilnehmen. Dabei ist der Zähmerin gerade der arrogante, zu waghalsigen Manövern neigende Warren ein Dorn im Auge.
Ein außer Kontrolle geratener Phönix sorgt letztlich dafür, dass die neu zusammengewürfelten Howlers ein verlockendes, wenn auch moralisch fragliches Angebot bekommen – eines, das sie am Ende doch nicht ablehnen können.
Nach und nach stoßen Varra, Coup, Dira und Bekn innerhalb der technisch versierten und scheinbar lupenreinen Mauern von Cristo Industries auf abscheuliche Vorgehensweisen, gesetzeswidrige Geheimnisse und perfide Pläne …

„Of Flame and Fury“ verspricht eine temporeiche Geschichte voller tödlicher Wettrennen und magischer Wesen innerhalb einer Tech-Welt sowie eine knisternde Romance. Ohne Frage basiert der Fantasy-Roman von Mikayla Bridge auf einer originellen Idee und interessanten Gedanken, jedoch gelang die Umsetzung mMn nicht zu 100 Prozent.

Zu Beginn wird das Land in Form einer schönen Karte visualisiert, zudem bekommen wir einen Überblick über die verschiedenen Phönixarten. Im Verlauf treffen wir immer wieder auf die Feuervögel – oft in spektakulärer Inszenierung –; sammeln lose Informationen über sie, die Rennen und die herrschenden Gegebenheiten. Fand ich dies spannend, die Kombination frisch, erhielt das Worldbuilding insgesamt eher eine oberflächliche Betrachtung, während ich den Aufbau als sprunghaft bezeichnen würde.
Erzählt wird aus der Sicht von Kel, dabei bleibt die Protagonistin – häufig überfordert und abweisend – unnahbar, obwohl ersichtlich ist, welch große Verantwortung auf ihr liegt, welch tiefe Ängste in ihr wüten. So manche ihrer (naiven/impulsiven) Reaktionen dämpfen die Sympathie, aber je mehr wir über Kelyns Situation, ihre Verluste und Hintergründe erfahren, umso mehr Verständnis erweckt die Autorin für die 17-Jährige.
Warren, Dira und Bekn sind theoretisch von Anfang an präsent, bringen zwar Ideen, Abwechslung und Konflikte mit, bleiben aber, rückblickend, Schemen, die hier und da Freundschaft symbolisieren, Zusammenhalt und Gemeinschaft. Hingegen schafft es Rahn, zu überraschen. Und Cristo? Freund oder Feind?

Stilistisch führt uns Bridge in einem einfachen und leichten Ton durch die Story, die einerseits vor sich hin dümpelt, andererseits rasante und schockierende Sequenzen bereithält. Ereignisse – vor allem die, in denen die Phönixe involviert waren – wurden lebendig und bildreich ausgearbeitet, die Kulisse sowie temporeiche Momente kamen vorstellbar zur Geltung. Es gibt einiges zu entdecken, Dinge und Offenbarungen, die unerwartet kommen, eine mysteriöse Krankheit, die zerstörerischer nicht sein könnte, Augenblicke, die bewegen. Außerdem regen die eingebundenen Themen zum Nachdenken an:
Mikayla generiert Aufmerksamkeit für verschiedene Arten der Tierquälerei. Aufgrund der nicht artgerechten Haltung, Experimente und Schaukämpfe hat die Population der einst freien und wilden – heute gebändigten, eingesperrten und kontrollierten – Wesen deutlich abgenommen. Auch die grausamen Rennen – gleichzusetzen mit bspw. zu Recht verpönten Stierkämpfen und Pferderennen – werden angesprochen und öffnen BefürworterInnen hoffentlich die Augen.

Die Charaktere selbst zeigen kaum eine signifikante Entwicklung, aber gerade die romantische Komponente konnte ich so gar nicht fühlen. Von Knistern und Prickeln? Keine Spur. Nichtsdestotrotz sorgt so manche Figur für Misstrauen, schenkt eine trügerische Sicherheit, bringt Schmerz.
In den letzten 25 Prozent wurde ich plötzlich mitgerissen: Ereignisse überschlagen sich und schockierende Wahrheiten kommen ans Licht. Dramatik, Tragik und Spannung greifen ineinander. Trauer und Loslassen sowie Hoffnung und Liebe wurden Seite an Seite aufs Papier gebannt. Aufgrund des deutlich angezogenen Tempos ist zwar auch hier kein Platz für die nötige Tiefe, dennoch fand ich die abschließenden Kapitel wirklich berührend und aufregend.

Fazit: „Of Flame and Fury“ ist ein solider Fantasy-Roman, der vor allem wegen der Phönixe(-Rennen) an die Handlung fesselt. Die Geschichte der Howlers ist gewissermaßen abgeschlossen, aber ich würde gerne mehr über die Armondspest, die magischen Gegebenheiten und die nun eintreffenden Veränderungen in Salta lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2025

Trotz Kritik ein einzigartiger Roman

Don't Let The Forest In
0

„Don't Let the Forest In“ ist eine YA-Horrorstory im mystischen Setting, die mit Geheimnissen und Wirrungen versetzt, mit Poesie und einer einnehmenden Atmosphäre durchdrungen wurde.

„Sie waren wunderschön ...

„Don't Let the Forest In“ ist eine YA-Horrorstory im mystischen Setting, die mit Geheimnissen und Wirrungen versetzt, mit Poesie und einer einnehmenden Atmosphäre durchdrungen wurde.

„Sie waren wunderschön zusammen. Sie waren magisch und grausam, und sie hatten aus ihrem Schmerz und ihrer Wut eine ganze Welt erschaffen.“

Ihr letztes Jahr auf der elitären Wickwood Academy haben sich Andrew Perrault und Thomas Rye sicherlich anders vorgestellt. Während der eine seltsam und distanziert durch die Korridore streift, den verbotenen Wald zu oft betritt und seiner Leidenschaft – der Kunst – abgeschworen hat, verfolgen den anderen die Blicke und Sticheleien der MitschülerInnen mehr denn je. Selbst Dove, Andrews Zwilling, scheint dem Geschichtenerzähler aus dem Weg zu gehen.
Als Andrew Thomas’ seltsamen Veränderungen nachgeht, stößt er im dichten Dickicht auf alptraumhafte und ihm nur zu bekannte Wesen, die gnadenlos flüstern und töten. Nun ist es an den Freunden, ihre lebendig gewordenen Schöpfungen zu bekämpfen und zu zerstören – und dabei auch einander …

Obgleich ich sehr gespannt auf diese Dark-Academia-Geschichte war, konnte mich CG Drews mit dieser nur bedingt überzeugen. Positiv empfand ich den poetischen Stil, der reich an grotesken Metaphern ist, die gekonnt inszenierten, bildreichen (Body)Horror-Elemente und die bedrückende, gar beklemmende, konsequent aufrechterhaltene Stimmung. Waren auch viele Struggles und Probleme dem Jugendbuch-Genre angemessen – Mobbing, Selbstfindung, Coming-out, Abgrenzung (…) – und sensible Themen – Selbstverletzung, Depressionen, Essstörung, Suizidgedanken, Trauer (…) – auf interessante/originelle – verstörende? – Art eingeflochten, bekamen diese mMn im teilweise verwirrend-sprunghaften Verlauf nicht (immer) die nötige Gewichtung. Zwar werden Asexualität und Queerness angesprochen, fehlte es der Handlung und den Figuren dennoch an Tiefe und Kontur. Selbst die Prioritäten sind unklar und scheinen so wankelmütig wie die Bildnisse aus Finsternis.
Was ist real, was nicht?

Andrew, der mit sich und seiner Andersartigkeit kämpft, mit seinen konträren Gefühlen und den Vorurteilen, die ihm entgegenwehen, erfreut sich einer greifbaren Ausarbeitung. Da einzig er sein dunkles Innerstes wiedergibt und uns nicht nur an seinen Märchen, sondern auch an seinen Sichtungen teilhaben lässt, sind andere Charaktere, wenngleich so manche/r Relevanz hätte, blasse Schemen. (Und die Erwachsenen? Zu nichts zu gebrauchen!) Sowohl die Monster als auch der Wald und die Schule kamen vorstellbar zur Geltung. Gemangelt hat es an der im Klappentext erwähnten „Liebe“ und an echten Emotionen, die das verzweifelte Geschehen theoretisch hergegeben hätte.
CG Drews versteht es, trotz Ungereimtheiten, an die melancholische Storyline zu fesseln und Vermutungen zu entfachen. Ich hatte recht schnell einen „Verdacht“, welche Ereignisse im letzten Jahr dazu führten, dass das Trio um Andrew, Thomas und Dove zersplitterte. Aber das tatsächliche Ausmaß sowie die Auswirkungen überraschen genauso wie DAS Ende, das einerseits nichtssagend und plötzlich kommt, andererseits offen und fraglich bleibt – passend zur vorangegangenen Handlung.

„Don't Let the Forest In“ hat gute Momente – gerade die düstere Poesie und die Dark-Fairytale-Vibes in Kombination mit den äußeren und inneren Konflikten sowie der schwermütigen Atmosphäre –, aber auch Schwächen, die mich eher unbefriedigt zurücklassen. Dennoch: Durch die sensiblen Themen und deren ausdrucksstarke Darstellung besitzt dieser Roman definitiv etwas Einzigartiges.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.10.2025

Gute Idee, deren Umsetzung mich nicht komplett überzeugte

Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed
2

„Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed“ ist der Auftakt einer Dilogie, die stellenweise unerwartet brutal ist, Sora an ihre körperlichen, psychischen und moralischen Grenzen treibt und die Frage aufwirft: ...

„Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed“ ist der Auftakt einer Dilogie, die stellenweise unerwartet brutal ist, Sora an ihre körperlichen, psychischen und moralischen Grenzen treibt und die Frage aufwirft: Wie weit würdest du gehen – um zu retten und dich zu rächen?

Seit Sora und ihre kranke Mutter verstoßen wurden, halten sie sich mit einem kleinen Café auf der Insel Jeju über Wasser und aneinander fest. Doch die 21-Jährige kann sich bis heute nicht der Wut entziehen, die sie bei dem Gedanken an ihren Vater, an den Clan, der aus Mördern und Dieben besteht, und an den Platz, der ihr genommen wurde, überkommt. Bei der Erinnerung an ihren Makel. Denn sie ist die einzige der Hong-Familie, die ohne Mana – ohne Magie – zur Welt kam. Eine Schande. Der Grund, warum ihre Mutter in dieses Leben gedrängt, gedemütigt wurde.
Als plötzlich ein Brief ihres Vaters eintrifft, in dem er sie nach Busan und auf den Sitz des verdorbenen Imperiums einlädt, ändert sich für Sora alles – drastischer, als sie jemals wollte …

Thea Hong erzählt in einem einfachen und klaren Stil, der uns die Ereignisse lebendig verfolgen lässt und uns die Kulisse vor Augen führt. Obgleich sich blutige und grausame Szenen, Kampf und Verlust, Tragik und Enttäuschungen häufen, die Melancholie in einer subtilen Note mitschwingt, sind Monologe und Gespräche häufig in einem sarkastischen, trockenen Ton dargelegt, sodass ein gewisser Humor nicht zu kurz kommt.
Sora, durch die wir die Geschehnisse verfolgen, ist die Verbitterung anzumerken, ihr Schmerz, ihre Scham. Zwar war sie auf die menschlichen Gefahren der Hong-Dynastie, die Gewaltbereitschaft von Jia und die fadenscheinigen Ausreden des Patriarchen Hong gefasst, aber mit der raschen Wendung, die ihr Aufenthalt in Busan nimmt, konnte sie nicht rechnen. Von einem auf den anderen Augenblick besitzt sie berauschendes Mana, hat einen Gott beraubt und diesen an der Backe. Als wären das nicht genügend Komplikationen, wird sie langsam von der gestohlenen Macht in ihrem Inneren umgebracht und eh sie sich’s versieht, wird sie gezwungen, sich in zehn – grotesken – Prüfungen mit ihrer Halbschwester zu messen. Auf Leben und Tod. Aufgaben, für die Sora nicht ausgebildet ist. Solche, die sie in die verschiedenen Höllenkreise führen, ihr Stück für Stück Gewissen, Güte und Menschlichkeit nehmen. Doch die junge Frau ist nicht gewillt, zu scheitern, und bereit, für ihren rechtmäßigen Platz alles zu geben und sämtliche Grenzen zu überschreiten.
Dass es gerade Ran ist, dem sie in dieser Welt aus Mord, Gewalt und Verrat, aus Machtgier und veralteten Strukturen vertraut, ist nicht einzig dem Versprechen, das sie dem Tigergott gab, und ihrer Reue geschuldet …

Obgleich mich der Roman nicht komplett überzeugen konnte, hat „Betrayed“ viel Interessantes und Gutes zu bieten – da wären die zwischenmenschlichen Entwicklungen, die ebenso wie einige Enthüllungen und Pläne für Überraschungen sorgen. Sora, die sich auf eine Weise verändert, die im Angesicht von Verlust und schweren Entscheidungen, von Blutvergießen und Leid nachvollziehbar wirkt. Einblicke in ihre Vergangenheit und das ärmliche Leben, das sie mit Heesun führte, geben ihrem Wesen zusätzlich Tiefe. Die Höllenprüfungen hielten spannende Momente bereit und die Auswirkungen von Macht(Gier), Druck und Trauer wurden anschaulich integriert. Auch die romantische Komponente, die großteils einem Hintergrundrauschen gleichkommt und sich nur hin und wieder in schmachtenden Sequenzen zeigt, war insgesamt passend und trug zur Auflockerung bei. Ran blieb (zumindest in diesem Band) eher blass, doch aktuell verspüre ich nicht das Bedürfnis, herauszufinden, ob sich das im finalen Teil ändert. Warum?
Im Text finden sich reichlich (inhaltliche und Wort-)Wiederholungen sowie Fehler. Mehrfach hatte ich den Eindruck, dass einzelne Passagen (auch Verhaltensweisen/Reaktionen) nicht stimmig und Szenen wirr waren. Letztlich empfand ich die Story weder ausreichend fesselnd noch gänzlich rund. Außerdem: Hört man auf, wenn die große Schlacht geschlagen und „alles“ vorerst geklärt ist, ist „Prinzessin der tausend Diebe“ [der Titel erschloss sich mir übrigens nicht] ein – lässt man meine Kritik außen vor – guter Fantasy-Standalone.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy