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Veröffentlicht am 02.12.2025

Nessi in Essex?

Die Schlange von Essex
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𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞 𝐯𝐨𝐧 𝐄𝐬𝐬𝐞𝐱 ist ein Buch, das ich allein wegen seiner hübschen Optik in meiner Sammlung haben wollte. Und natürlich auch wegen des verlockenden Klappentextes um den Mythos eines Seeungeheuers, ...

𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞 𝐯𝐨𝐧 𝐄𝐬𝐬𝐞𝐱 ist ein Buch, das ich allein wegen seiner hübschen Optik in meiner Sammlung haben wollte. Und natürlich auch wegen des verlockenden Klappentextes um den Mythos eines Seeungeheuers, welches einen kleinen englischen Ort im 19. Jahrhundert heimsucht. Aber meine Bücherei hatte es da und weil Bücher nun mal teuer sind, durfte es nur als Leihexemplar bei mir einziehen.

Der Roman begleitet eine Vielzahl von Personen, wobei die junge Witwe Cora und der Pfarrer Will die Hauptfiguren bilden. Cora ist voller Wissensdurst, folgt den Thesen Darwins und als sie hört, im Küstenort Aldwinter habe man eine Seeschlange gesichtet, ist sie sofort Feuer und Flamme. Könnte es sich doch um ein prähistorisches Wesen handeln.
Die Dorfgemeinde glaubt aber eher an ein mystisches Ungeheuer. Will Ransome glaubt an keines von beidem, ist aber zunehmend fasziniert von Cora, mit der er aber auch immer wieder aneinander gerät.

Ich hatte einige Probleme mit dem Roman.
Erst einmal gibt es zu viele Personen, von denen kaum eine sympathisch ist. Jede von ihnen hat seine eigene interessante Geschichte zu erzählen, die aber nicht genug Raum bekommt, weil eben zu viel los ist.

Das Paar Cora und Will hatte für mich null Chemie, zumal Will mit einer sehr lieben Frau verheiratet ist und mit Cora nichts gemeinsam hat. Cora ist anders und darin liegt der Reiz. Aber wie soll man mit eine Romanze mitfiebern, wenn die Verliebten nie einer Meinung sind und andere mit ihrem Verhalten verletzen?

Auch wenn es hier um ein mystisches Wesen geht, erwartet keine Fantasy. Die Schlange steht für vieles. Wissenschaft und Aberglaube, Medizin, Massenhysterie, soziale Ungerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben zu jener Zeit. Alles interessante Themen, über die ich gern gelesen habe. Man hätte es aber vielleicht besser auf drei verschiedene Romane aufgeteilt, damit jedes Thema für sich glänzen kann.

Von mir erhält der Roman trotz meiner Kritik eine positive Bewertung, denn er hat mich sehr gut unterhalten. Und auch das versöhnliche Ende hat mir gefallen.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Wenig Süßes, sehr viel Saures

Halloween
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𝘞𝘢𝘳𝘶𝘮 𝘬ö𝘯𝘯𝘦𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘥𝘢 𝘣𝘭𝘦𝘪𝘣𝘦𝘯, 𝘸𝘰 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘴 𝘸𝘦𝘩𝘵𝘶𝘵?

𝘞𝘢𝘳𝘶𝘮 𝘮ü𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘦𝘳𝘸𝘢𝘤𝘩𝘴𝘦𝘯 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯?

𝘞𝘢𝘳𝘶𝘮 𝘮ü𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘸𝘪𝘳 𝘴𝘵𝘦𝘳𝘣𝘦𝘯?


Happy Halloween everyone!
Nachdem ich absolut begeistert von Stewart O’Nans einzigen ...

𝘞𝘢𝘳𝘶𝘮 𝘬ö𝘯𝘯𝘦𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘥𝘢 𝘣𝘭𝘦𝘪𝘣𝘦𝘯, 𝘸𝘰 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘴 𝘸𝘦𝘩𝘵𝘶𝘵?

𝘞𝘢𝘳𝘶𝘮 𝘮ü𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘦𝘳𝘸𝘢𝘤𝘩𝘴𝘦𝘯 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯?

𝘞𝘢𝘳𝘶𝘮 𝘮ü𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘸𝘪𝘳 𝘴𝘵𝘦𝘳𝘣𝘦𝘯?


Happy Halloween everyone!
Nachdem ich absolut begeistert von Stewart O’Nans einzigen Sachbuch „Der Zirkusbrand“ war, wollte ich auch unbedingt einen seiner Romane probieren. 𝐇𝐚𝐥𝐥𝐨𝐰𝐞𝐞𝐧 hat dabei besonders meine Aufmerksamkeit geweckt.


Die Geschichte folgt einer Vielzahl von Personen. Wir begleiten an Halloween die Geister von drei toten Teenagern, die ein Jahr zuvor bei einem Autounfall starben. Zwei Freunde überlebten den Crash. Tim, völlig unverletzt, aber innerlich gebrochen und Kyle, entstellt und geistig zurückgefallen. Wir lernen auch den Polizisten Brooks kennen, welcher den Fall damals untersuchte, der ihn nie losließ und der seither von Schuldgefühlen geplagt wird. Und Kyle’s Mutter, welche froh ist, dass ihr Sohn noch lebt und gleichzeitig denkt, er wäre besser mit seinen Freunden gestorben. Ein Gedanke, der auch Tim umtreibt und der sich für den Jahrestag einen besonderen Plan zurechtgelegt hat.


Ich hatte keinen sensationsgeladenen Pageturner erwartet, das sollte man auch nicht. Aber ich habe dennoch schwer in den Roman hineingefunden. Oft wusste ich nicht, aus wessen Perspektive wir gerade lesen, man musste sich immer wieder neu sortieren. Es gibt viel Text und wenig Dialoge. Deswegen ist man auch nicht so schnell fertig, wie man es von einem Buch mit nicht mal 300 Seiten erwartet.


Ich mag das Setting amerikanischer Kleinstädte, gefangen zwischen Tradition und Melancholie. Und dieser Halloween Tag wird hier auch in all seiner deprimierenden Herrlichkeit perfekt eingefangen. Es ist nicht für alle ein spaßiger Tag, nicht für die Lebenden und auch nicht für die Toten.


Auch wenn ich die Emotionen der Charaktere gut nachvollziehen konnte, blieben sie mir doch unzugänglich. Mir fehlte da ein wenig der Hintergrund und ich hätte gerne mehr über die Clique erfahren. Wie sie zusammengekommen sind, seit wann sie sich kannten usw.
Nur Kyle’s Mutter konnte mich emotional wirklich erreichen.


Was der Roman aber gut kann, ist das Gefühlsleben Hinterbliebener, Überlebender einzufangen. Die Trauer, die Gleichgültigkeit, die Zerrissenheit. Dabei bleibt es auch nicht unspannend. Warum fühlt sich Brooks schuldig? Wird Tim seinen Plan durchziehen? Findet der echte Kyle zurück?


Das Ende ist (wie) ein Autounfall. Schnell, schockierend und endgültig. Ich mag auch solche Enden, aber hier habe ich mich gefragt worauf wir die ganze Zeit hingearbeitet haben. Dafür? Ich bin sehr ratlos zurückgeblieben und habe nicht ganz verstanden, was mit der Autor damit sagen wollte.


Ich wollte dieses Buch so sehr mögen und es ist auch ein qualitativ guter, tiefgründiger Roman, aber er ist weit hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Traurige 3 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Mary, Monster und jede Menge Fantasie

Mary
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„Mary“ - Eine weitere Bookstagram Entdeckung und wieder eine, die bei der breiten Masse nicht so gut ankam. Aber ich interessiere mich für Mary Shelley und wollte mich auch dieses mal selbst überzeugen.

In ...

„Mary“ - Eine weitere Bookstagram Entdeckung und wieder eine, die bei der breiten Masse nicht so gut ankam. Aber ich interessiere mich für Mary Shelley und wollte mich auch dieses mal selbst überzeugen.

In dem teils fiktiven und auf Fakten beruhenden Roman, lernen wir Mary abwechselnd im Jahr 1812 und 1816 kennen.
1812 verbringt die 14-jährige Mary den Sommer bei der Familie Baxter, wo sie sich mit der ältesten Tochter anfreundet. Die Mädchen erleben einen Sommer voller Magie und Liebe. Doch was ist Wirklichkeit und was Fantasie?
Die ältere Mary im Jahr 1816 ist bereits Mutter und trauert noch immer um den Verlust ihres ersten Kindes. Es ist das Jahr, in dem sich die illustre Gruppe um Shelley, Byron und Co. am Genfer See zusammenfand. Das Jahr ohne Sommer. Das Jahr in dem Frankenstein geboren wurde.

Mir gefiel der poetische, wenn auch etwas schwer zu lesende Schreibstil sehr. Er passte wunderbar zur Grundstimmung des Romans und in Mary‘s Zeit. Manche Textstellen lesen sich fast wie Gedichte und wirken dadurch umso geheimnisvoller, lassen verschiedene Interpretationen zu. Das ist etwas frustrierend, weil man klare Antworten will. Andererseits macht diese Unwissenheit den Roman unheimlich und aufregend.

Entgegen vieler Meinungen, fand ich nicht, dass in dem Roman zu wenig passiert. Es passiert genau das, was in Regency Romanen immer passiert: Spazierengehen, picknicken, tagträumen. Nur das hier über allem etwas mystisches, unheilvolles schwebt. Ich mochte diese Gemütlichkeit und da ich mich außerdem gern grusele, mochte ich auch den dunklen Anteil.

Bei Mary‘s lesbischen Fantasien wusste ich nicht, ob es Beweise für diese Neigungen gibt oder ob die Autorin damit besonders „Woke“ sein wollte. Subtile Andeutungen hätten mir hier gereicht, weil Mary‘s Sexualität später meiner Meinung nach zu sehr in den Fokus gerät. Kleine Abzüge dafür also.

Ich würde den Roman als eine erotischere Gothic-Version eines Jane Austen Romans bezeichnen.
Es ist nicht die Entstehungsgeschichte von Frankenstein, sondern bringt uns die Person Mary Shelley und ihre Gefühle näher. Also keine falschen Erwartungen haben. Ich habe den Roman gern gelesen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Hexen wider Willen

Practical Magic. Zauberhafte Schwestern
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„Practical Magic“ ist einer meiner absoluten Wohlfühlfilme. Wer würde nicht gern in einem hübschen viktorianischen Holzhaus wohnen, Haare wie Nicole Kidman und Sandra Bullock haben und dem Whimsigoth Lifestyle ...

„Practical Magic“ ist einer meiner absoluten Wohlfühlfilme. Wer würde nicht gern in einem hübschen viktorianischen Holzhaus wohnen, Haare wie Nicole Kidman und Sandra Bullock haben und dem Whimsigoth Lifestyle frönen?
Das der Film auf einem Roman beruht wusste ich erst gar nicht, hatte dann aber gleich Lust die Geschichte von einem neuen Blickwinkel aus zu betrachten. Und dieser Blickwinkel sollte sehr anders sein…

Die Schwestern Sally und Gillian leben nach dem Tod ihrer Eltern bei den als Hexen verschrienen Tanten. Dennoch werden diese von den Frauen aus der Nachbarschaft regelmäßig aufgesucht, um dem Schicksal mit kleinen Zaubereien auf die Sprünge zu helfen.
Das Schicksal der Owens Frauen jedoch ist vorbestimmt, denn ein Fluch sorgt dafür, dass jeder Mann der sich in sie verliebt, einen frühen Tod stirbt.

Erst hat es mir gut gefallen, dass sich das Buch deutlich vom Film unterscheidet.
Das Leben der jungen Schwestern wird geradezu magisch beschrieben. Mal verschroben und schaurig, mal romantisch und verträumt.

Umso enttäuschter war ich dann, als die Schwestern erwachsen wurden und nichts mehr zu tun haben wollten mit dem Hokus Pokus ihrer Tanten. Das war im Film zwar kaum anders, aber da hatte Sally immerhin einen Naturkosmetik Shop und Nicole Kidmans Gillian umgibt allein optisch auch viel mehr der Zauber ein unwiderstehlichen Hexe als ihr Roman-Vorbild.

Ich könnte jetzt aufzählen, was genau alles anders ist als im Film, aber lasst euch mal überraschen.
Der Zauber den die Owens Frauen auf Männer auswirken, Aberglaube und Bräuche spielen auch im Roman eine zentrale Rolle. Nur viel weniger fantastisch als man es von einem Buch mit „Magic“ und „Zauberhaft“ im Titel erwartet.

Am meisten haben mich die recht kühle schwesterliche Beziehung und das übereilte Ende ohne Wow geärgert.

Wenn man über all das hinwegsieht, ist es aber trotzdem ein schöner Roman.
Er liest sich locker flockig weg, trotz sehr langer Kapitel. Er hat auch seine magischen Momente, nur eben ganz anders als im Film.
Und doch, einer der wenigen Fälle, wo der Film besser ist als das Buch.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Jane Austen eine Märchentante?

Im Rausch des Vergnügens
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Wenn ich mir eine vergangene Epoche aussuchen könnte, zu der ich gern gelebt hätte, wäre es wohl die Regency Zeit. Dem geschuldet sind vor allem Jane Austen Romane, denn mir gefällt der dort beschriebene ...

Wenn ich mir eine vergangene Epoche aussuchen könnte, zu der ich gern gelebt hätte, wäre es wohl die Regency Zeit. Dem geschuldet sind vor allem Jane Austen Romane, denn mir gefällt der dort beschriebene Lifestyle. Außerdem erschien mir die Zeit immer sauberer als das Mittelalter und nicht so gefährlich wie das 19. Jahrhundert.

Natürlich ist mir bewusst, dass man durch alle Jahrhunderte hinweg nur die Chance auf ein angenehmes Leben hatte, wenn man wenigstens zur gehobenen Mittelschicht gehörte. Aber war die Regency Zeit insgesamt wirklich so rein und ordentlich wie es immer den Anschein hat?
Ian Mortimer hat die Zeit zwischen 1789 und 1830 was die Lebensweise angeht, komplett auseinander genommen und die Erkenntnisse daraus, werden wohl viele überraschen.

Es ist nicht mein erstes Buch des Autors, ich habe bereits sein Zeitreise-Handbuch zum Mittelalter gelesen und fand es unheimlich trocken und nicht gerade unterhaltsam, obwohl es sehr informativ war. Vielleicht war einfach nur nicht meine Epoche, denn die englische Regency Zeit konnte mich in beinahe allen Kategorien fesseln, die wie folgt heißen:

❃ Die Landschaft, durch die Sie reisen

❃ London – Das Herzstück des Königreichs

❃ Die Bevölkerung und deren Gesellschaftsordnung

❃ Das Wesen der Menschen zu Jane Austens Zeit

❃ Grundlegende Aspekte des Alltags

❃ Wie Sie sich kleiden

❃ Wie Sie durch das Königreich reisen

❃ Wo Sie Unterkunft finden

❃ Was Sie essen, trinken und rauchen

❃ Von Hygiene, Krankheit und Medizin

❃ Von Recht und Ordnung

❃ Was Sie zum Zeitvertreib unternehmen können

In der Mitte des Buches findet sich wieder eine Sammlung von farbigen Abbildungen. Sie zeigen erwähnte Orte, Begebenheiten und Personen und helfen sehr dabei, sich bestimmte Dinge vorzustellen.

Verschiedene Persönlichkeiten werden öfters zitiert, weil sie ihre Erlebnisse durch Tagebücher oder Briefe festgehalten haben. Dazu zählen vor allem Anne Lister und Fürst Pückler-Muskau.

Besonders gefallen hat mir auch der humoristische Unterton, mit dem Autor selbst die erschütterndsten Ereignisse etwas entschärft.

Was hat mich das Buch also gelehrt? Die Regency Zeit war bei weitem nicht so romantisch, wie wir es von Jane Austen kennen und die gesellschaftlichen Unterschiede größer als je zuvor. Zu dieser Zeit zu leben war wirklich nur erstrebenswert, wenn man Geld und Ansehen besaß.

Ich frage mich, was man in 200 Jahren wohl über unsere Zeit schreiben wird.

Das Buch hat mich in großen Teil sehr gut unterhalten, aber manche Abschnitte, gerade gegen Ende, waren mir dann zu sehr in die Länge gezogen und nur mäßig interessant für mich. Aber das ist Geschmackssache.

Ich vergebe prächtige 4 Sterne!

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