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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.02.2025

Ein Frauenschicksal im 19. Jahrhundert

Die Eigensinnige
1

Die Eigensinnige von Lucca Müller ist ein Roman, der sich sehr grob am Leben der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach orientiert. Die Autorin Lucca Müller fügt allerdings Ereignisse und Begegnungen ...

Die Eigensinnige von Lucca Müller ist ein Roman, der sich sehr grob am Leben der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach orientiert. Die Autorin Lucca Müller fügt allerdings Ereignisse und Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten hinzu, die so nicht stattgefunden haben, weist aber in einem Disclaimer am Anfang des Buches darauf hin.

Wir begleiten Marie in drei Abschnitten durch ihr Leben: ihre Jugend vor ihrer Heirat, Jahre der Kinderlosigkeit, Irrungen und Wirrungen bis zu ihrem schriftstellerischen Durchbruch.

Der Roman liest sich leicht und flüssig, die Seiten fliegen nur so dahin. Die geschilderten Handlungen sind durchaus spannend. Insgesamt ist das Buch ein schönes Portrait eines Frauenschicksals in den 1850 – 1880er Jahren, allerdings wird der Name Ebner-Eschenbach als Pull-Factor benutzt, denn viele geschilderten Ereignisse entsprechen nicht den biografischen Wahrheiten. Außerdem wird der schriftstellerischen Tätigkeit viel zu wenig Raum gegeben. Die Prosawerke, die ihren späten Ruhm begründen, werden in den letzten beiden Kapiteln lediglich zusammenfassend erwähnt.

Dessen eingedenk ist der Roman dennoch lesenswert. Einige Schilderungen aus der frühen Jugend Maries oder ihres Ehelebens sind zu Herzen gehend und sehr schön.

Das Cover in seiner Farbigkeit und Lebensfreude ist besonders gelungen.

Leider haben mich historische Ungenauigkeiten doch zu sehr gestört.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Nicht so wirklich spannend

Einsames Watt
4

Der Krimi "Einsames Watt" ist der 12. Teil der Nordsee-Reihe um John Benthien. Dieses Mal beschäftigt ein Fall aus Johns Anfangsjahren bei der Polizei das Ermittlerteam. John und sein Chef Cornelis Litmanen ...

Der Krimi "Einsames Watt" ist der 12. Teil der Nordsee-Reihe um John Benthien. Dieses Mal beschäftigt ein Fall aus Johns Anfangsjahren bei der Polizei das Ermittlerteam. John und sein Chef Cornelis Litmanen ermittelten in einem Mädchenmordfall. Der erfahrene Polizist verschwand im Laufe eigener Recherchen spurlos. Jahre später wird wieder eine Mädchenleiche gefunden. Eine umfangreiche Ermittlung beginnt.

Am besten haben mir die Rückblenden auf Litmanens und Johns Interaktionen gefallen. Schade, dass die gute Zusammenarbeit auf so tragische Weise enden musste.

Der Krimi lässt sich gut lesen, auch wenn man die Vorgängerbände nicht kennt. Lediglich das komplizierte Privatleben der Kommissare hat mich anfangs irritiert. Außerdem genehmigt sich der Autor einen großen Rahmen an literarischer Freiheit, indem beispielsweise Familienmitglieder in Ermittlungen eingebunden werden oder Kriminellen fragwürdige Deals im Austausch für ein Geständnis angeboten werden. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein. Die Lösung der Mordfälle kommt wie ein notwendiges Abarbeiten der losen Enden daher.

Für mich war dieser Krimi durch viele Nebenhandlungen und komplexe Zusammenhänge aus dem Privatleben der Ermittler ein eher mittelmäßiges Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Duftreisen

Der Duft. Er führt dich ins Paradies. Oder in die Hölle
3

Die Firma Fragrancia bietet betuchten Kunden Duftreisen an; man kann durch Einatmen eines speziell gemixten Duftcocktails besonders schöne Erfahrungen der eigenen Vergangenheit noch einmal erleben. Aus ...

Die Firma Fragrancia bietet betuchten Kunden Duftreisen an; man kann durch Einatmen eines speziell gemixten Duftcocktails besonders schöne Erfahrungen der eigenen Vergangenheit noch einmal erleben. Aus irgendeinem nicht näher erläutertem Grund muss die Firma so geheim wie möglich bleiben.

Helias ist ein olfaktorisch begabter junger Lehrling, der gern Olfakteur bei Fragrancia werden will. Er hilft Nora, der Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit, bei der Aufklärung eines Verbrechens, denn auch die Polizei nimmt von Zeit zu Zeit die Dienste der Firma in Anspruch.

Besonders spannend finde ich die emotionale und persönliche Entwicklung des jungen Helias. Eigentlich ein introvertierter, von Ängsten geplagter Mann, wächst er doch über sich heraus, wenn es drauf ankommt, und handelt mutig, zielgerichtet und menschlich.

Obwohl der Kriminalfall letztlich unter größtem persönlichen Einsatz aller Beteiligten gelöst wird, würde ich das Buch nicht als Thriller bezeichnen, denn dafür ist die Handlung nicht rasant und spannend genug.

So ganz hat mich die Story nicht überzeugen können. Es gibt einige Ungereimtheiten und Logikfehler im Zusammenhang mit der Firma und deren Geschäftsmodell, die nie so richtig geklärt werden.

Mein Fazit: Es ist ein durchaus lesbarer Roman mit interessanten Figuren, wenn der Leser nicht allzu viel hinterfragt.







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Veröffentlicht am 27.09.2025

"Der Teufel trägt Prada" im Verlagswesen

Die Assistentin
0

Charlotte, eine junge Frau, tritt ihre erste Vollzeitstelle als zweite Assistentin in einem Münchner Verlag bei einem cholerischen unberechenbaren Chef an. Und der Leser begleitet Charlotte durch ihre ...

Charlotte, eine junge Frau, tritt ihre erste Vollzeitstelle als zweite Assistentin in einem Münchner Verlag bei einem cholerischen unberechenbaren Chef an. Und der Leser begleitet Charlotte durch ihre unzumutbaren chaotischen Arbeitstage, erlebt die in Andeutungen hingeworfenen nie genau erklärten Arbeitsaufträge, die passiv-aggressive Art des Chefs und die wachsende Verzweiflung der Assistentin.

Disclaimer: Ja, es ist genauso schlimm wie in "Der Teufel trägt Prada". Dieser Filmtitel wird von Charlotte/Caroline Wahl explizit auf den ersten Seiten erwähnt.

So fließen die Tage banal und sich ständig wiederholend dahin. Was mich allerdings wirklich genervt hat, waren die ständigen Vorausdeutungen. "Aber dazu kommen wir noch." "Da wusste Charlotte noch nicht, wie schlimm es einmal werden würde." Da wird irgendeine Katastrophe angekündigt, dabei ist doch von Anfang an jedem Leser, der den Film mit Meryl Streep kennt, klar, wie sich die Assistentin aufreiben und am Ende kündigen wird, um sich zu retten.

Es ist eigentlich die Geschichte einer jungen Frau, die sich nicht abgrenzen kann und permanent nach Lob oder Bestätigung von anderen sucht, ob vom Verleger oder ihrer Mutter.

Vielleicht würde ich dieses Buch jungen, in der Arbeitswelt unerfahrenen Menschen empfehlen. Lernt, auf euer Gefühl zu hören und euch die Anerkennung, nach der ihr sucht, selbst zu geben.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Bücher, Bücher, Bücher

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
1

A.J., ein früh verwitweter Buchhändler, lebt auf einer Insel und ist verbittert und zynisch, bis er das Findelkind Maya bei sich aufnimmt. Dieses Mädchen verändert den trauernden A.J. komplett und gibt ...

A.J., ein früh verwitweter Buchhändler, lebt auf einer Insel und ist verbittert und zynisch, bis er das Findelkind Maya bei sich aufnimmt. Dieses Mädchen verändert den trauernden A.J. komplett und gibt ihm neuen Lebensmut; er verwandelt sich in eine Stütze der Inselgesellschaft.

Eine große Rolle spielen, wen wundert es bei einem Buchhändler, natürlich Bücher. Die Autorin streut immer mal wieder A.J.s Kurzrezensionen über Bücher ein, welche die Handlung komplementieren und Ausblicke auf zukünftiges Geschehen geben. Ein tolles Stilmittel.

Leider hat mich das Buch trotz des interessanten Stoffes und der liebevoll geschilderten Hauptfiguren nicht vollends begeistert. Die Handlung verläuft in sehr rasanten Zeitsprüngen. Es wird oft nicht geschildert, wie diese überraschenden Ereignisse eingetreten sind und die Motivation einiger Figuren wird nicht genug beleuchtet. Im Buch wird "Show, don't tell" als guter schriftstellerischer Rat erwähnt. Diesen hat die Autorin selbst nicht vollkommen beherzigt.

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