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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2026

Kalter Krimi für harte Nerven

Minnesota
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Jo Nesbøs „Minnesota“ ist ein düsterer Roman, der weniger auf spektakuläre Wendungen als auf Atmosphäre, innere Konflikte und moralische Grauzonen setzt. Die Handlung ist in der kargen, winterlichen Landschaft ...

Jo Nesbøs „Minnesota“ ist ein düsterer Roman, der weniger auf spektakuläre Wendungen als auf Atmosphäre, innere Konflikte und moralische Grauzonen setzt. Die Handlung ist in der kargen, winterlichen Landschaft des amerikanischen Mittleren Westens angesiedelt, die Nesbø mit wenigen, präzisen Strichen lebendig werden lässt. Schnee, Kälte und Weite sind hier nicht bloß Kulisse, sondern Spiegel einer inneren Leere, die viele Figuren prägt.
Im Zentrum steht ein Protagonist, der typisch für Nesbøs Werk ist: ein Mann mit gewalttätiger Vergangenheit, gefangen zwischen Schuld, Loyalität und dem Wunsch nach Erlösung. Nesbø interessiert sich weniger für das klassische „Wer war es?“ als für das „Warum?“ seiner Figuren. Gewalt erscheint nie glamourös, sondern als etwas Zermürbendes, das Spuren hinterlässt. Gerade diese Nüchternheit macht den Roman so eindringlich.
Bob jagt einen Heckenschützen, der gezielt Menschen ins Visier nimmt, die sich öffentlich für den privaten Waffenbesitz einsetzen. Doch der Täter scheint den Ermittlern stets voraus zu sein und manipuliert sie geschickt, sodass sie ihm immer hinterherlaufen.
Erzählt wird der Roman auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven. Die zweite Zeitschleife trägt allerdings nur wenig zur Handlung bei und wirkt eher verzichtbar. Auch die wechselnden Ich-Erzählungen erfordern zunächst etwas Orientierung, sind jedoch überzeugend umgesetzt und ermöglichen einen intensiven Einblick in die Denkweisen und Motive der einzelnen Figuren.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Toller und mitreißender Thriller

Das Signal
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Nach dem genialen Roman Die Burg war ich sehr gespannt auf den neuen Thriller Das Signal von Ursula Poznanski Im Mittelpunkt steht die Biologin Laura Brandner, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Marc an einer ...

Nach dem genialen Roman Die Burg war ich sehr gespannt auf den neuen Thriller Das Signal von Ursula Poznanski Im Mittelpunkt steht die Biologin Laura Brandner, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Marc an einer wissenschaftlichen Studie in den Alpen teilnimmt. Ziel des Experiments ist es, mithilfe implantierter Chips das menschliche Stresslevel zu überwachen und dadurch bessere Rückschlüsse auf Gesundheitsrisiken zu gewinnen. Was zunächst nach einem kontrollierten Forschungsprojekt klingt, entwickelt sich jedoch schnell zu einem gefährlichen Spiel, bei dem Vertrauen, Kontrolle und Selbstbestimmung infrage gestellt werden.

Poznanski gelingt es von Beginn an, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen. Die abgeschiedene Berglandschaft verstärkt das Gefühl der Isolation und Hilflosigkeit, das die Protagonistin zunehmend empfindet. Als Marc plötzlich verschwindet und Lauras Chip immer wieder beunruhigende Signale sendet, wird klar, dass etwas nicht stimmt. Die Lesenden erleben die Handlung größtenteils aus Lauras Perspektive, wodurch ihre Angst, Verzweiflung und Unsicherheit sehr greifbar werden. Besonders spannend ist dabei, dass lange unklar bleibt, wem oder was man überhaupt trauen kann – der Technik, den Mitmenschen oder den eigenen Wahrnehmungen.

Ein zentrales Thema des Romans ist die Frage nach den Grenzen technologischen Fortschritts. Poznanski zeigt eindrücklich, wie schnell eine eigentlich sinnvolle Erfindung zur Gefahr werden kann, wenn sie missbraucht wird oder außer Kontrolle gerät. Dabei verzichtet sie auf moralische Belehrungen und lässt stattdessen die Handlung für sich sprechen. Gerade diese Nähe zur Realität macht den Thriller so beunruhigend: Die dargestellten Technologien wirken keineswegs futuristisch, sondern erscheinen bereits heute denkbar.

Der Schreibstil der Autorin ist klar, präzise und temporeich. Kurze Kapitel und überraschende Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung konstant hoch bleibt. Gleichzeitig nimmt sich Poznanski Zeit für die psychologische Entwicklung ihrer Figuren, wodurch diese glaubwürdig und vielschichtig wirken. Besonders Laura überzeugt als starke, aber verletzliche Hauptfigur, mit der man sich leicht identifizieren kann.

Insgesamt ist Das Signal ein intelligenter und packender Thriller, der nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Das Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die spannende Geschichten mit gesellschaftlicher Relevanz schätzen. Ursula Poznanski beweist einmal mehr ihr Talent dafür, aktuelle Themen in fesselnde Romane zu verwandeln, die noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Anspruchsvoller, harter Thriller

Blutwild
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Blutwild von Saskia te Marveld ist ein intensiver, düsterer Thriller, der sich tief in die Psyche eingräbt und mich von Beginn an mit einer beklemmenden Atmosphäre konfrontiert hat. Sechs Jahre nach ihrer ...

Blutwild von Saskia te Marveld ist ein intensiver, düsterer Thriller, der sich tief in die Psyche eingräbt und mich von Beginn an mit einer beklemmenden Atmosphäre konfrontiert hat. Sechs Jahre nach ihrer Flucht aus den Händen eines sadistischen Entführers versucht Anka, ein halbwegs normales Leben zu führen. Die körperlichen und seelischen Narben ihrer Gefangenschaft sind jedoch allgegenwärtig. Dass sie ihren Beruf als Polizistin aufgegeben hat, verdeutlicht, wie sehr die traumatischen Erlebnisse ihr Leben bestimmt haben. Umso erschütternder wirkt der Moment, in dem eine kryptische SMS mit GPS-Daten und dem Wort „HILFE“ sie unvermittelt in ihre Vergangenheit zurückstößt.
Te Marveld versteht es meisterhaft, Ankas innere Zerrissenheit darzustellen. Die Angst, die sie über Jahre zu verdrängen versucht hat, kehrt mit voller Wucht zurück und wird für die Lesenden spürbar. Der Fundort der Nachricht,eine abgelegene Hütte im Wald, erweist sich als albtraumhafte Kulisse. Dort stößt Anka auf makabre Kunstwerke: in Formaldehyd konservierte menschliche Körperteile, arrangiert wie Ausstellungsstücke. Diese grausigen Details sind schockierend, wirken jedoch nie selbstzweckhaft, sondern unterstreichen die perverse Gedankenwelt des Täters.
Besonders eindrucksvoll ist die psychologische Dimension des Romans. Die Frage, ob Ankas ehemaliger Peiniger tatsächlich zurückgekehrt ist oder ob sie möglicherweise von ihren eigenen Traumata eingeholt wird, sorgt für eine konstante, nervenaufreibende Spannung. Realität und Erinnerung verschwimmen zunehmend, wodurch der Thriller eine zusätzliche Tiefe erhält. Der Leser wird dazu gezwungen, Ankas Wahrnehmung ebenso zu hinterfragen wie sie selbst.
Der Schreibstil ist klar, präzise und atmosphärisch dicht. Saskia te Marveld setzt gezielt auf kurze, eindringliche Szenen, die das Tempo hochhalten und die Bedrohung stetig steigern. Besonders die Naturbeschreibungen des Waldes verstärken das Gefühl von Isolation und Ausgeliefertsein. Gleichzeitig lässt die Autorin genügend Raum für ruhigere Passagen, in denen Ankas innere Kämpfe und ihre Todesangst greifbar werden.
Blutwild ist kein leichter Thriller, sondern ein psychologisch anspruchsvolles Buch, das unter die Haut geht. Fans düsterer Spannungsliteratur, die sich für traumatisierte Figuren und komplexe Täterprofile interessieren, kommen hier voll auf ihre Kosten. Der Roman bleibt lange im Gedächtnis und zeigt eindrucksvoll, wie sehr die Vergangenheit die Gegenwart beherrschen kann.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Fantasievolle Reise in eine unbekannte Welt

Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen
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Der Fantasie-Roman Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen ist ein fantasievolles und atmosphärisches Abenteuer für Kinder und Jugendliche ab etwa elf Jahren. Die Geschichte dreht sich um den ...

Der Fantasie-Roman Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen ist ein fantasievolles und atmosphärisches Abenteuer für Kinder und Jugendliche ab etwa elf Jahren. Die Geschichte dreht sich um den Jungen Benjamiah, der mit seiner Großmutter in einer Buchhandlung lebt, bis eines Tages ein seltsames Paket bei ihm ankommt. Ohne zu wissen, wie ihm geschieht, wird er in eine geheimnisvolle Parallelwelt namens Winkelwald gezogen.
Diese Welt besteht aus einem endlosen Labyrinth aus Straßen, Gassen und Türen, hinter denen sich magische und gefährliche Geheimnisse verbergen. Dort trifft Benjamiah auf Elizabella, ein mutiges Mädchen, das ihren verschwundenen Zwillingsbruder sucht. Gemeinsam machen sich die beiden auf eine gefährliche Reise, bei der sie den rätselhaften Flüsterflammen auf die Spur.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es eine spannende Mischung aus Fantasy, Abenteuer und Mystery bietet. Besonders gelungen fand ich den Weltenbau, Winkelwald wirkt gleichzeitig magisch, unheimlich und faszinierend – man kann sich die schmalen, nebelverhangenen Straßen richtig gut vorstellen.
Auch die beiden Hauptfiguren sind sympathisch und glaubwürdig. Benjamiah ist anfangs eher schüchtern und rational, lernt aber mit der Zeit, an das Unglaubliche zu glauben. Elizabella dagegen ist mutig und entschlossen, was eine tolle Ergänzung zu Benjamiah bildet. Ihre Freundschaft wächst im Verlauf der Geschichte auf eine schöne, unaufdringliche Weise.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Wieder ein kniffliger Fall auf dem Campingplatz

Entführung im Himmelreich
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In dem zweiten Band von Andreas Winkelmann der Mord auf AchseSerie Entführung im Himmelreich finden wir uns erneut auf dem idyllischen Campingplatz, Campingplatz Himmelreich am Schwielowsee wieder. Der ...

In dem zweiten Band von Andreas Winkelmann der Mord auf AchseSerie Entführung im Himmelreich finden wir uns erneut auf dem idyllischen Campingplatz, Campingplatz Himmelreich am Schwielowsee wieder. Der ehemalige Schauspieler und Dauercamper Björn Kupernikus hat sich so langsam eingerichtet und wieder gibt es einen Fall, um den er sich kümmern muss. Der ortsansässige Bäcker ist verschwunden, sein Lieferwagen steht verlassen am Ufer, die Schuhe des Vermissten allein zurückgelassen. Gemeinsam mit der lebhaften Annabelle und den treuen Hunden tauchen sie ein in das Geschehen auf dem Platz.
Mir hat besonders gut gefallen das es sich hier nicht um einen düsteren Thriller oder Krimi handelt mit Blut und viel Gewalt sondern eher leicht humorvoll und angenehm. Die Stimmung ist eher heiter denn düster, der Schwerpunkt liegt auf einer liebenswerten Figurenkonstellation und einem Gemeinschaftsgefüge voller skurriler Dauercamper und schrulliger Originale, die dem Campingplatz Leben einhauchen.

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