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Veröffentlicht am 04.01.2026

Wenn Legenden zum Leben erwachen

Die Gesichter des Mithras
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Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 190 nach Christi Geburt lerne ich den Sklaven Lucius kennen , der die Adlige Livia liebt. Als sein Herr stirbt, erhält Lucius seine Freiheit. Zwar ...

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 190 nach Christi Geburt lerne ich den Sklaven Lucius kennen , der die Adlige Livia liebt. Als sein Herr stirbt, erhält Lucius seine Freiheit. Zwar kann er nun Livia heiraten, doch seine wirtschaftliche Situation verschlechtert sich zusehend. Als ihm ein blinder Sohn geboren wird, was als schlechtes Omen gedeutet wird, bleibt der Familie nur die Flucht nach Triportae. Während sich Livia weiter dem Christentum zuwendet, gerät Lucius immer mehr in den Bann des Mithraskults.

Diesen Handlungsstrang fand ich spannend und sehr lebendig erzählt. Ich konnte Lucius gut leiden und fand sein Schicksal , besonders aus heutiger Sicht, mehr als ungerecht. Es machte mich regelrecht wütend. Auch konnte ich die Anziehungskraft des Mithrasglaubens gut nachvollziehen, obwohl ich die Rituale seltsam fand.

In der Gegenwart dreht sich alles um die Archäologin Nora, die ich im Jahr 2018 bei Ausgrabungen in Triportae treffe. Durch Zufall entdeckt sie ein Heiligtum des Mithras, das sich in einem ausgezeichneten Zustand befindet. Das löst einen medialen Wirbel aus und beschert Nora das Angebot einer Professur in Chicago.

Ich mochte Nora nicht wirklich. Sie ist ehrgeizig und will unbedingt Karriere machen, was ich grundsätzlich begrüße. Ich hatte nur den Eindruck, dass sie alles so interpretiert, dass dies der einzige Weg ist. Als sie feststellt, dass sie ein Kind erwartet, wird ihre Welt durcheinander gewirbelt und sich muss ihre Lebenssituation neu überdenken.. Doch das Arbeitsangebot ist zu verlockend. Es gibt auch warnende Stimmen, die Stelle nicht anzunehmen. Nora hält es für Neid und misstraut zunehmend ihrem persönlichen Umfeld.

Hatte ich mit Lucius Mitgefühl und habe sein sein Schicksal betrauert, war ich auf Nora nur wütend. Sie hatte das Hintergrundwissen, das Lucius fehlte. Sie hatte immer die Wahl.

Ich fand die Geschichte ungewöhnlich und dabei geschichtlich interessant. Für mich war die Verknüpfung der beiden Zeitebenen sehr gut gemacht . Zu meiner Freude gibt es ein interessantes und informatives Nachwort des Autors, das weitere Wissenslücken schließt.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Sehr emotional

Die verlassene Tochter
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Ein Buch aus dieser Reihe in der Hand zu haben, ist wie alte Bekannte treffen. Vieles ist gleich geblieben und dennoch entdeckt man neue Facetten. So ist es auch hier. Der Aufbau der Geschichte mit zwei ...

Ein Buch aus dieser Reihe in der Hand zu haben, ist wie alte Bekannte treffen. Vieles ist gleich geblieben und dennoch entdeckt man neue Facetten. So ist es auch hier. Der Aufbau der Geschichte mit zwei Erzählebenen ist immer der gleiche. Eine junge Frau entdeckt - meist nach einem Schicksalsschlag - , dass die Großmutter adoptiert wurde, was bisher niemand wusste. Hinweise auf die unbekannte Mutter finden sich in einer Holzschatulle und eine Schnitzeljagd beginnt. Dennoch ist der Inhalt jedes Buches anders . Die Gründe für die Adoption sind vielfältig und offenbaren eine weitere berührende Geschichte. Obwohl der Ausgangspunkt der Suche London ist, führen die Nachforschungen in die Welt hinaus. Dieses Mal geht es nach Argentinien , Anlass für Beschreibungen der dortigen Landschaft und Ausführungen zum Polosport.

Rose ist die Suchende und findet sich plötzlich in einem Märchen wieder und trifft dort auch ihren Märchenprinzen. Überfordert von der Situation , flieht sie zu ihrer besten Freundin nach New York. Die Umstände, die zur Adoption geführt haben, haben mich fassungslos und wütend gemacht und manchmal war es gut, ein Taschentuch zur Hand zu haben. Die Mutter, Valentina, verliert alles - ihr Erbe, ihre Liebe und ihre Träume. Es ist bewundernswert, welche Entscheidungen die junge Frau trifft, um Gerechtigkeit zu erlangen.

Der Roman hat mich gut unterhalten, auch wenn er an manchen Stellen sehr oberflächlich bleibt und manches für mich nicht nachvollziehbar war. Das Schöne - und nichts anderes erwarte ich von der Reihe - ist, dass es ein Happyend gibt und ich mitfühlen konnte. Und das spricht in meinen Augen für das Buch.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Frankenstein 2.0

Der Puppenflüsterer (Thriller)
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Die Ermittler Frank Schünemann und Tabea Kurz werden zu einem Verkehrsunfall gerufen. Nicht ihr Metier , denn sie sind Mordermittler. Doch es wurde ein abgetrennter Fuß gefunden. Auch das ist nicht ihr ...

Die Ermittler Frank Schünemann und Tabea Kurz werden zu einem Verkehrsunfall gerufen. Nicht ihr Metier , denn sie sind Mordermittler. Doch es wurde ein abgetrennter Fuß gefunden. Auch das ist nicht ihr Aufgabengebiet, zählt es doch eher zur Leichenfledderei. Tabea und Frank vermuten mehr dahinter und wollen die Täter dingfest machen, bevor sie den Fall abgeben müssen. Und befinden sich unvermittelt in einem Alptraum. Warum benötigt jemand genau definierte Leichenteile ? Dann gibt es tatsächlich einen Mord und das Opfer wurde verstümmelt. Um so mehr sich die Ermittler einem möglichen Motiv nähern, um so größer wird mein eigenes Entsetzen. Der Grund für die taten und die Herangehensweise sind so makaber und dabei so perfekt durchdacht, dass man es fast schon bewundern könnte, wäre es nicht zu entsetzlich.

Ich mag die Thriller des Autors, gerade weil er auch das beschreibt, was andere im Dunkeln lassen. Hier allerdings hat mich der Fall gelegentlich fast über meine Grenzen gebracht. Stellenweise war die Handlung für mich etwas zu heftig, dennoch blieb die Neugier, wer und was hinter den Gräueltaten steckt. Deshalb war Aufhören keine Option. Die Auflösung war packend und für mich etwas zu konstruiert.

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Geister der Vergangenheit

Dann ruhest auch du (Ein Fall für Maya Topelius 3)
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Eigentlich wollte Kriminalinspektorin Maya ein entspanntes Wochenende bei ihren Eltern auf Öland verbringen, ihren Freund vorstellen und ihre alte Schulfreundin Clara besuchen. Der Plan wird auf brutale ...

Eigentlich wollte Kriminalinspektorin Maya ein entspanntes Wochenende bei ihren Eltern auf Öland verbringen, ihren Freund vorstellen und ihre alte Schulfreundin Clara besuchen. Der Plan wird auf brutale Weise zerstört. Eine Journalistin wird tot aufgefunden und Maya ruft die Pflicht. Bereits kurz davor war ein weiterer Toter , der auf dieselbe Weise ermordet wurde, entdeckt worden. Fieberhaft wird nach einem Zusammenhang gesucht. Die Journalistin hat investigativ gearbeitet und hatte bereits in Deutschland im rechtsextremen Umfeld Nachforschungen angestellt. Wollte sie das erste Opfer ausspionieren ?

Bei einem Treffen mit Clara erhärtet sich der Verdacht, dass Rechtsextreme ihr Unwesen auf der Insel treiben. Als es einen weiteren Mord gibt, der ins Schema passt, muss Maya fürchten, vom Fall abgezogen zu werden. Ihre emotionale Belastungsgrenze ist erreicht, da sie glaubt, Verbindungen zu einem Jahre zurückliegenden Trauma zu erkennen. Sie ist nicht mehr objektiv und bringt sich dadurch in gefährliche Situationen. Der Krimi endet mit meinem persönlichen Highlight, dem Verhör der Hauptverdächtigen, das sehr entlarvend ist.

Ich kenne den Vorgängerband nicht, fand mich dennoch in Mayas Welt gut zurecht. Obwohl schnell klar ist, dass die Ermittlungen in rechtsradikale Kreise führen, ist der Krimi durchweg fesselnd. Das liegt daran, dass Stück für Stück das Ausmaß der Bedrohung sichtbar wird und die menschenverachtende Sichtweise der Täter und die damit verbundene Brutalität. Dennoch ist es so gut wie nicht möglich, ihnen die Taten nachzuweisen. Man weiß, dass sie lügen, kann es aber nicht gerichtsfest machen.

Dann gibt es sie sehr persönliche Beteiligung von Maya, die ihre professionelle Sicht trübt und zu emotionalen Aussetzern führt. So sehr ich ihre Hartnäckigkeit schätze, hat mich ihr Verhalten hier unangenehm berührt. Das führt dann gegen Ende zu einer lebensgefährlichen Situation. Und dann der verbale Schlagabtausch zwischen Tätern und Beamten. Ein wenig gestört hat mich, dass sich am Schluss alle Probleme der Beteiligten in Wohlgefallen aufgelöst haben. Bis auf diesen Punkt hat mich der Krimi völlig überzeugt und mit seiner spannenden und realistischen Handlung sehr gut unterhalten .

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Was ist Wahrheit und was Lüge ?

The Final Wife
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Auf den ersten Blick scheint der Fall, zu dem Detective Rebecca gerufen wird, klar zu sein. Ehefrau tötet Ehemann und gesteht sogar den Mord. Auf den zweiten Blick passt nichts zusammen .weder die Spuren ...

Auf den ersten Blick scheint der Fall, zu dem Detective Rebecca gerufen wird, klar zu sein. Ehefrau tötet Ehemann und gesteht sogar den Mord. Auf den zweiten Blick passt nichts zusammen .weder die Spuren am Tatort noch die Alibis möglicher Verdächtiger, deren Kreis immer größer wird. Das Opfer Luke war Schönheitschirurg mit übergroßem Ego, viel Erfolg bei den Frauen und wenig Empathie.

Was mir am Buch sehr gut gefallen hat, das Geschehen wird aus rein weiblichen Blickwinkel geschildert. Die Beteiligten berichten abwechselnd über ihre Sicht der Dinge und ihre Gefühlslagen. So erhalte ich einen Flickenteppich an Informationen, der mir viel Raum lässt für eigene Überlegungen. Am Ende ergibt sich daraus ein stimmiges Ganzes.

Da ist Detective Rebecca, die voller Ehrgeiz den Fall lösen will. Sie ist eine gute Polizistin, wird aber von ihrem chaotischen Privatleben ausgebremst. Anna, die Ehefrau des Opfers und Hauptverdächtige, kommt aus der sozialen Unterschicht und muss befürchten, dass ihr Mann sich von ihr trennen wollte. und sie damit ihren privilegierten Status verliert. Rose, die Ehefrau vor Anna, liebt ihren Ex immer noch. Hat sie nicht verkraftet, dass er nun eine andere liebt ? Alles ist denkbar und nichts bewiesen.

Mich hat das Buch gut unterhalten und es war richtig spannend, vor allem durch die gelungene Erzählweise. Die Lösung war überzeugend und ich hatte das Gefühl, dass die Gerechtigkeit den Sieg davon getragen hat, wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne. Ein wenig gestört hat mich die Fülle an Wendungen, von denen mich einige nicht völlig überzeugen konnten . Das hat dem Lesevergnügen aber nur bedingt geschadet.

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