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Veröffentlicht am 07.12.2025

Zwischen Ranch, Romance und Herzklopfen

Off to the Races
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In „Off to the Races“ dem Debütroman von Elsie Silvers kehrt Vaughn Harding nach dem Tod seines Großvaters auf die Gold Rush Ranch zurück, um den angeschlagenen Rennbetrieb wieder auf Kurs zu bringen und ...

In „Off to the Races“ dem Debütroman von Elsie Silvers kehrt Vaughn Harding nach dem Tod seines Großvaters auf die Gold Rush Ranch zurück, um den angeschlagenen Rennbetrieb wieder auf Kurs zu bringen und sich mit den Schatten der Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Gleichzeitig tritt Billie Black, eine leidenschaftliche, unbeirrbare Pferdetrainerin, dort eine Stelle an. Zwischen beruflichen Herausforderungen, dem Versuch, die Ranch aus dem Skandal herauszuführen, und der wachsenden Anziehung zwischen Billie und Vaughn entfaltet sich eine Mischung aus ländlicher Ranch-Atmosphäre, Pferdeliebe und einer impulsiven Romance.

Schon auf den ersten Seiten hat mich der Schreibstil von Elsie Silver für sich eingenommen: leicht, flüssig, emotional zugänglich, aber ohne kitschige Überladenheit. Ich fand es angenehm, wie unkompliziert ich in die Geschichte hineingezogen wurde. Die Atmosphäre auf der Ranch ist warm, lebendig und greifbar. Es gibt diesen schönen Mix aus ländlicher Ruhe, alltäglicher Stall- bzw. Trainingsroutine und einer gewissen Schwere, die durch Vaughns familiäre Vergangenheit mitschwingt. Besonders gelungen fand ich die Beschreibungen der Pferde und der Arbeit mit ihnen. Das hat für mich unglaublich viel Herz und Detailschärfe transportiert.

Das starke Herzstück des Buches sind für mich ganz klar die Charaktere, wobei Billie von Anfang an mein Highlight war. Ihre wilde, direkte, moralisch gefestigte Art fand ich befreiend. Sie ist laut, ehrlich, mutig und verkörpert eine Energie, die mich sofort eingenommen hat. Vor allem bewundere ich, wie klar sie ihre Grenzen und Werte ausdrückt.
Vaughn hingegen brauchte bei mir etwas länger. Seine harte Schale, sein wortkarger, kontrollierter Stil – all das machte ihn zunächst schwer zugänglich. Aber Stück für Stück trat sein weicher Kern hervor, und ich konnte gut nachvollziehen, dass hinter seiner distanzierten Art viel Verletzlichkeit steckt. Dieses langsame Entwirren seiner Persönlichkeit fand ich grundsätzlich gelungen.

Der Beziehung der beiden bzw. deren Entwicklung stehe ich jedoch eher zwiegespalten entgegen: So sehr ich die Grundchemie zwischen Billie und Vaughn mochte, die Umsetzung war mir zu schnell körperlich. Die Intimität setzt früh ein und nimmt im Mittelteil so viel Raum ein, dass für mich die emotionalen Feinheiten zu wenig Platz bekommen haben. Die Sexszenen sind intensiv und zahlreich, inklusive viel Dirty Talk, und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass diese Szenen die Handlung eher unterbrechen als voranbringen.
Mir fehlte hier ganz eindeutig die langsame wachsende emotionale Annäherung und die leisen Zwischentöne. Stattdessen wirkte es teilweise so, als würde körperliche Nähe den emotionalen Konflikt ersetzen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die eher angerissene, unaufgearbeitete Vergangenheit der Figuren. Sowohl Vaughn als auch Billie bringen komplexe Konflikte aus ihrer Vergangenheit mit, die eigentlich viel Tiefe versprechen. Sie werden zwar erwähnt, in Gesprächen angeschnitten und auf emotionaler Ebene angerührt, aber die echte Aufarbeitung blieb für mein Empfinden aus.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte gerade hier noch weitergeht:
– mehr Konfrontation mit der Vergangenheit,
– mehr Klärung,
– mehr Entwicklung, die daraus entsteht.
So bleiben diese Konflikte wichtig, aber für mich unvollständig. Vermutlich als Folge davon war mir auch das Ende irgendwie zu schnell. Da hätte ich mir mehr gewünscht.

Was mich ebenfalls etwas enttäuscht hat, war die sehr positive, fast unproblematische Darstellung der Pferderennen. Gerade weil das Thema real eine Menge Kritik auf sich zieht – harte Trainingsmethoden, sehr frühes Höchstleistungsalter, Verletzungsrisiken, Ausmusterung –, hätte ich erwartet, dass der Roman das zumindest ansatzweise anspricht.
Billie wirkt als Figur extrem moralisch und aufrichtig, daher fand ich es besonders schade, dass ausgerechnet sie diese Aspekte kaum reflektiert. Die innige Mensch-Tier-Verbindung ist wunderschön geschildert, keine Frage, doch die systemischen Schattenseiten des Rennsports bleiben komplett außen vor.

Ein Lichtblick des Romans waren jedoch die Nebencharaktere, die wirklich wundervoll gezeichnet sind. Sie bringen Humor, Wärme und ein Gefühl von Familie in die Geschichte. Tatsächlich sind sie einer der Gründe, warum ich Lust auf die Fortsetzungen habe, denn sie wirken absolut vielversprechend, sympathisch und tragen meiner Meinung nach viel Potenzial in sich und ich freue mich sehr, bald mehr von ihnen zu lesen.

Fazit

„Off to the Races“ von Elsie Silvers hat mich durch seine Atmosphäre, die starke Protagonistin und die liebenswerten Nebenfiguren überzeugt. Der Schreibstil ist angenehm, die Ranchwelt einladend, und es gibt viele Momente voller Herz und Humor.
Gleichzeitig sorgen die zu schnelle körperliche Ebene, die fehlende Vertiefung der persönlichen Konflikte und die unkritische Darstellung des Rennsports dafür, dass das Buch für mich nicht sein volles Potenzial ausschöpft.
Trotzdem bleibe ich optimistisch: Die Nebencharaktere und das Setting haben mich neugierig gemacht und ich hoffe sehr, dass die Folgebände emotional ausgewogener sind und die Schwächen dieses Bandes weniger stark ausfallen.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 14.11.2025

solide

Der Nachbar
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Als ich den Klappentext zum neuen Thriller "Der Nachbar" von Sebastian Fitzek gelesen habe, war ich von der Grundidee sofort eingenommen und wollte das Buch unbedingt lesen:
Sarah Wolff, eine Strafverteidigerin, ...

Als ich den Klappentext zum neuen Thriller "Der Nachbar" von Sebastian Fitzek gelesen habe, war ich von der Grundidee sofort eingenommen und wollte das Buch unbedingt lesen:
Sarah Wolff, eine Strafverteidigerin, zieht mit ihrer Tochter an den Stadtrand von Berlin, um neu anzufangen. Sie kämpft mit ihrer Monophobie – der tiefen Angst, allein zu sein – und hofft, in ihrer neuen Nachbarschaft Ruhe und Sicherheit zu finden. Doch bald merkt sie, dass etwas nicht stimmt: Jemand kümmert sich um sie, mischt sich heimlich in ihr Leben ein, füllt ihren Kühlschrank und installiert ein Nachtlicht in ihrem Zimmer, obwohl sie sich nicht daran erinnert, das bestellt zu haben. Dieser „Nachbar“ bleibt lange unsichtbar, doch sein Einfluss wird immer bedrohlicher...

Fitzeks Schreibstil ist gewohnt schnell, klar und leicht zugänglich. Ich mag das treibende Tempo seiner kurzen Kapitel, auch wenn ich mir manchmal ein bisschen mehr Raum gewünscht hätte, um emotional tiefer einzutauchen.
Gerade zu Beginn erzeugt er eine leise, kaum greifbare Beklemmung, die ich sehr gelungen fand. Genau diese stillen, unterschwelligen Momente, das leichte Frösteln, weil „irgendetwas“ nicht stimmt, ohne dass Sarah es sofort merkt, sind für mich die stärksten im Buch. Umso bedauerlicher fand ich, dass dieser Ton nur sehr kurz anhält. Das Buch nimmt extrem schnell Fahrt auf und wird früh dramatisch, sodass die subtilen Irritationen, die im Klappentext so stark angedeutet werden, kaum Zeit haben, sich wirklich zu entfalten. Ich persönlich hätte mir gewünscht, länger in dieser Phase zu bleiben, in der das Unheimliche noch leise ist und Sarah selbst nicht ahnt, wie nah jemand ihr kommt.

Mit den Figuren hatte ich größtenteils ein gutes, wenn auch nicht immer perfektes Leseerlebnis. Sarah wirkt authentisch, verletzlich und zugleich entschlossen genug, um mich emotional mitzunehmen. Ihre Monophobie gibt der Handlung einen psychologischen Kern. Ich hätte mir jedoch an einigen Stellen gewünscht, dass diese innere Dimension noch tiefer ausgearbeitet wird.
Die Nebenfiguren bleiben teilweise etwas schemenhaft - nicht unbedingt störend, aber spürbar –, während der unsichtbare „Nachbar“ als Konzept hervorragend funktioniert und genau die richtige Mischung aus Rätselhaftigkeit und unerträglicher Nähe mitbringt.

Die Handlung selbst fand ich spannend und gut konstruiert, auch wenn manche Wendungen für meinen Geschmack ein wenig zu sehr auf Effekt gesetzt sind. Sie haben mich nicht verloren, aber manchmal kurz innehalten lassen. Besonders im letzten Drittel wird der Thriller schneller, lauter und actionreicher, wodurch die psychologische Feinheit des Anfangs etwas in den Hintergrund tritt. Dennoch blieb ich bis zum Schluss neugierig, weil Fitzek es gut versteht, kleine Hinweise zu streuen, die erst später Bedeutung bekommen. Das Ende empfand ich als solide und atmosphärisch passend.

Fazit

Insgesamt hat mir "Der Nachbar" von Sebastian Fitzek wirklich gut gefallen, wenn auch mit ein paar Abstrichen. Die Grundidee ist stark, der Anfang atmosphärisch dicht und das Gefühl von Bedrohung wunderbar subtil, bevor das Tempo sehr früh anzieht. Gleichzeitig hätte das Buch an einigen Stellen mehr Ruhe, mehr Tiefgang und ein bisschen weniger Konstruktion vertragen.
Dennoch habe ich mich wieder einmal sehr gut unterhalten gefühlt. Für mich ist es kein herausragender, aber ein typisch spannender Fitzek – schnell, unheimlich und mit einer Protagonistin, die man ernst nimmt und deren Angst man spürt.

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Veröffentlicht am 12.11.2025

cozy Herbst Rom-Com

The Pumpkin Spice Latte Disaster
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„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ von Kyra Groh hat mich von Anfang an mit seiner herbstlichen Wohlfühlstimmung, dem charmanten Kleinstadtsetting und der Idee eines humorvollen Liebesromans in einem kleinen ...

„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ von Kyra Groh hat mich von Anfang an mit seiner herbstlichen Wohlfühlstimmung, dem charmanten Kleinstadtsetting und der Idee eines humorvollen Liebesromans in einem kleinen Café angesprochen.
Die Geschichte dreht sich um Jude, die nur widerwillig in ihre Heimatstadt Lower Whilby zurückkehrt, um der Hochzeit ihrer Schwester beizuwohnen. Dort trifft sie auf James, den mürrischen, aber attraktiven Besitzer eines kleinen Cafés, der eigentlich keine Lust auf Gesellschaft hat und erst recht nicht auf eine solche impulsive Person wie sie, die nicht auf den Mund gefallen ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine typische „von Hass zu Liebe“-Dynamik: Schlagabtausche, unerwartete Nähe, Rückschläge und wachsende Gefühle – gepaart mit viel Witz und Ironie.

Was mir beim Lesen sofort auffiel, war der gewohnt angenehme, flüssige und humorvolle Schreibstil von Kyra Groh. Ihre Sprache ist leicht, modern und lebendig und sie schafft es immer wieder, Dialoge so zu gestalten, dass sie sich wie echte Gespräche anfühlen. Ich mochte den Witz in den Wortgefechten zwischen Jude und James, die vielen ironischen Bemerkungen und das Tempo, das dadurch entsteht. Gleichzeitig hatte ich jedoch das Gefühl, dass der Humor an manchen Stellen etwas zu sehr bemüht wirkte. Dadurch ging mir manchmal etwas von der Authentizität verloren. Als wolle der Text ständig beweisen, wie schlagfertig und clever die Figuren sind.

Sehr deutlich ist auch der Einfluss der „Gilmore Girls“ zu spüren, und zwar so stark, dass ich stellenweise fast meinte, Lorelai und Luke in britischer Umgebung wiederzuerkennen. Jude erinnert in ihrer Art zu sprechen, ihrer Kaffeeleidenschaft, ihrer komplizierten Familiengeschichte und ihrem sprunghaften Wesen stark an Lorelai Gilmore. Einerseits fand ich diesen „Gilmore-Girls-Vibe“ richtig schön, weil er ein warmes, humorvolles und leicht nostalgisches Gefühl vermittelt. Andererseits war es mir zu nah am Original, fast ein bisschen abgeschrieben. Ich hätte mir gewünscht, dass Jude bei aller Ähnlichkeit noch stärker eine eigene Identität bekommt. Gleiches trifft leider auch auf James und seine Parallelen zu Luke zu.
Die Nebencharaktere waren insgesamt sehr sympathisch, auch wenn einige meiner Meinung nach noch eher blass blieben. Da es jedoch noch weitere Bände gibt, hoffe ich sehr darauf, dass man die Charaktere noch besser kennenlernt.

Die Haupthandlung rundum Jude, die zurückkehrt, James trifft, in dessen Café arbeitet und die Annäherung der beiden, funktioniert und macht Spaß. Mir gefiel das Setting und die Idee. Leider aber war mir die Handlung außerhalb der Beziehung zwischen Jude und James etwas zu wenig: Viele Nebenstränge werden angedeutet – das schwierige Verhältnis zu Judes Eltern und Schwester, unausgesprochene Konflikte in der Familie, alte Verletzungen –, doch diese bleiben weitgehend unbearbeitet. Es gibt kaum Aussprache und keine wirkliche Aufarbeitung der Konflikte. Am Ende blieb für mich leider das Gefühl, dass diese Themen einfach „erledigt“ sind, ohne dass sie wirklich verarbeitet wurden. Das fand ich schade, weil genau das der Geschichte mehr emotionale Tiefe und Glaubwürdigkeit gegeben hätte.

Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich jedoch nicht das Gefühl, meine Zeit mit dem Buch zu verschwenden. Im Gegenteil, es liest sich unglaublich schnell, unterhält gut und erzeugt dieses typische Herbstgefühl, das man mit einer heißen Tasse Kakao (oder doch lieber Pumpkin Spice Latte? 😉) auf dem Sofa genießen möchte. Kyra Groh schafft es, Wärme und Leichtigkeit zu vermitteln, auch wenn nicht alles perfekt durchdacht wirkt.

Fazit

Insgesamt würde ich „The Pumpkin Spice Latte Disaster“ als unterhaltsame, charmante und warmherzige Liebesgeschichte bezeichnen, die mit Witz, Atmosphäre und einem klaren Wohlfühlfaktor punktet, allerdings erzählerisch nicht ganz ihr Potenzial ausschöpft, sodass wenn man Tiefe oder echte Entwicklung erhofft, eventuell ein kleiner Beigeschmack von Unerfülltheit bleibt.

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Cozy Katzenroman

Werecat Café
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„Werecat Café“ von Lea Melcher beginnt in dem charmanten Hexendorf Snickerford, wo Dorothy Murphy als magische Tierärztin und stets im Schatten ihrer Drillingsschwestern und mit dem Wunsch, endlich ihren ...

„Werecat Café“ von Lea Melcher beginnt in dem charmanten Hexendorf Snickerford, wo Dorothy Murphy als magische Tierärztin und stets im Schatten ihrer Drillingsschwestern und mit dem Wunsch, endlich ihren eigenen Weg zu gehen, lebt. Als sie in Canterbury in einem unscheinbaren Katzencafé landet und dort auf den grummeligen Cafébesitzer Elliot trifft, scheint sich ihr Leben schlagartig zu verändern. Eine verfluchte Katze, ein uralter Werkatzenzauber und zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das sind die Zutaten, aus denen Melcher eine herbstlich-magische Romantasy spinnt, die irgendwo zwischen cozy, humorvoll und melancholisch pendelt.

Was mich von Anfang an am Buch angesprochen hat, war der Schreibstil. Lea Melcher schreibt flüssig, bildhaft und mit einem sicheren Gespür für Stimmungen. Sie schafft es, den Geruch von Kaffee, den Klang von Katzenpfoten und den Zauber kleiner Momente einzufangen.

Die Atmosphäre, die dadurch entsteht, ist ohne Zweifel für mich eine der größten Stärken des Romans. Das Café mit seinen schnurrenden Bewohnern, die engen Gassen Canterburys, der Hauch von Magie, der über allem liegt. All das wirkt so liebevoll ausgestaltet, dass ich mich beim Lesen tatsächlich fühlte, als säße ich selbst zwischen Kaffeetassen und Katzenkörbchen. Es ist diese „Cozy“-Stimmung, die das Buch trägt: eine Welt, die klein, überschaubar, aber tröstlich ist. Auch das Magiesystem hat mir gefallen, gerade weil es unaufdringlich bleibt. Es geht weniger um spektakuläre Zauberei als um den Zauber alltäglicher Dinge, um Beziehungen, Fürsorge und Vertrauen.

Auch die Figuren funktionieren auf den ersten Blick gut. Dorothy als Protagonistin ist keine makellose Heldin, sondern eine liebenswerte, manchmal unsichere Frau mit einer sympathischen Prise Selbstironie. Allerdings war sie mir stellenweise etwas zu naiv und zu unsicher.
Auch Elliot, der mürrische Cafébesitzer mit seinem weichen Kern, ist ein eher vertrauter Typus, aber Melcher schafft es, ihm Authentizität zu verleihen.
Die Chemie zwischen beiden ist insgesamt süß, aber etwas vorhersehbar.
Und auch einige Nebenfiguren bleiben etwas blass. Es gibt viele liebevolle Einfälle wie Dorothys Schwestern, die Café-Stammgäste, die magischen Tiere und doch wirken manche für mich eher wie angedeutete Farbkleckse, die nicht vollständig ausgemalt wurden. Allerdings habe ich erst später gesehen, dass es zu diesem Buch-Universum noch einen weiteren Band gibt. Vielleicht sollen auch noch weitere folgen und die Figuren sind daher eher offener gehalten worden.

Der größte Kritikpunkt an diesem Buch war für mich jedoch das Ende. Nach einem gemächlich erzählten Mittelteil, der sich viel Zeit für Atmosphäre und Interaktion nimmt, wirkt die Auflösung plötzlich überhastet. Die Konflikte, die zuvor behutsam angedeutet wurden, werden im letzten Viertel in kürzester Zeit abgewickelt, als müsse die Geschichte nun unbedingt zum Schluss kommen. Der eigentliche Höhepunkt – die Lösung des Fluchs und die emotionale Klärung zwischen Dorothy und Elliot – kommt zu plötzlich, zu glatt, fast wie eine Pflichterfüllung. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch an dem Punkt, an dem es hätte richtig emotional werden können, einfach in Richtung Sicherheit, statt Risiko, abbiegt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Figuren in den entscheidenden Momenten stärker gefordert werden, dass Konflikte nicht nur gelöst, sondern auch emotional durchlebt werden. So blieb bei mir am Ende ein leicht unbefriedigtes Gefühl zurück. Nicht, weil das Ende schlecht war, sondern weil es zu abrupt kam und der emotionalen Dichte der Geschichte nicht ganz standhielt.

Fazit

Alles in allem ist „Werecat Café“ für mich eine liebevoll geschriebene, charmante und atmosphärisch dichte Geschichte – perfekt für alle, die gemütliche Fantasy mit Herz suchen. Es ist ein Buch, das man mit einer Tasse Tee und einer Katze auf dem Schoß lesen möchte, und das einem das Gefühl gibt, ein kleines Stück Geborgenheit gefunden zu haben. Nur das Ende, das etwas zu hastig kam, hat mich nicht ganz so erfüllt, wie ich es mir gewünscht hätte und ließ mich so mit einem zwiegespaltenen Gefühl zum Buch zurück.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

magisch, aber herausfordernd

Musenrausch (Nektar und Ambrosia, Band 1)
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„Musenrausch“ von Malou Bichon hat mich auf eine Weise überrascht, wie ich es nicht erwartet hatte. Als ich das Buch begann, dachte ich an eine etwas ruhigere, vielleicht romantisch-mystische Geschichte ...

„Musenrausch“ von Malou Bichon hat mich auf eine Weise überrascht, wie ich es nicht erwartet hatte. Als ich das Buch begann, dachte ich an eine etwas ruhigere, vielleicht romantisch-mystische Geschichte über Kunst und Inspiration – doch schon nach wenigen Seiten wurde klar, dass es hier viel tiefer geht. Die Welt, die Bichon erschafft, ist komplex, voller Magie, Mythologie und Symbolik, und obwohl mich das anfangs etwas überfordert hat, hat es mich gleichzeitig auch sehr fasziniert. Ich brauchte ehrlicherweise eine Weile, um mich zurechtzufinden, um die Regeln dieser Welt zu verstehen und die Zusammenhänge zwischen Wandas Kunst, der Muse Neo und der geheimnisvollen Anderswelt Ambrosia zu begreifen. Aber je mehr ich mich auf das Buch eingelassen habe, desto mehr hat es mich in seinen Bann gezogen.

Die Geschichte dreht sich um Wanda, eine Künstlerin, die in einer tiefen Schaffenskrise steckt. Sie hat das Gefühl, dass sie nichts mehr erschaffen kann, dass ihre Inspiration versiegt ist – bis plötzlich Neo in ihr Leben tritt, ein Wesen, das sie zunächst gar nicht einordnen kann. Neo ist eine Muse, eine Art übernatürliche Kraft, die Wanda inspiriert, aber mit jeder kreativen Eingebung selbst schwächer wird. Diese Verbindung zwischen den beiden ist intensiv, emotional und gefährlich zugleich. Für mich war das Spannende daran, dass Malou Bichon diese Beziehung nicht als reine Romanze erzählt, sondern als eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Kreativität, Abhängigkeit, Identität und Selbstfindung. Wanda kämpft nicht nur um ihre Kunst, sondern auch darum, sich selbst in diesem Rausch nicht zu verlieren.

Was mich besonders beeindruckt hat, war der Schreibstil. Bichons Sprache ist unglaublich bildhaft und poetisch, manchmal fast schon synästhetisch – als würden Farben, Gerüche und Klänge ineinanderfließen. Jede Szene wirkt sorgfältig komponiert, fast wie ein Gemälde. Dadurch entsteht eine dichte, sinnliche Atmosphäre, die mich oft völlig vereinnahmt hat. Gleichzeitig hat genau diese sprachliche Intensität auch dazu geführt, dass ich das Buch nicht einfach „weglesen“ konnte. „Musenrausch“ ist für mich kein leichter Roman für zwischendurch, sondern einer, in den man richtig eintauchen muss. Es verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, weil man sonst schnell den Faden verliert.

Die Atmosphäre des Romans ist geheimnisvoll, beinahe entrückt. Hamburg, der Schauplatz, wirkt zugleich vertraut und fremd, durchzogen von Magie und Schatten. Immer wieder öffnet sich der Schleier zu Ambrosia, einer Welt, in der Mythen und göttliche Kräfte lebendig werden. Diese mythologischen Elemente haben mich überrascht – ehrlich gesagt hatte ich nicht mit so viel Fantasy gerechnet, und anfangs fiel es mir schwer, all das einzuordnen. Doch gerade diese Mischung aus realer Künstler:innenexistenz und magischem Überbau macht den Reiz des Buches aus - wenn man so etwas mag. Mit der Zeit habe ich angefangen, die Symbolik hinter all dem zu sehen: Inspiration als Gabe und Gefahr, Kreativität als Verbindung zwischen Welten, Liebe als schöpferische, aber auch zerstörerische Kraft.

Trotz dieser Faszination muss ich aber sagen, dass mir die Handlung stellenweise zu wirr und undurchsichtig war. Einige Szenen gingen sehr schnell ineinander über, und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sich Ereignisse überschlagen, bevor ich sie richtig verarbeiten konnte. Gerade im Mittelteil und gegen Ende verlor ich stellenweise etwas den Überblick, weil vieles gleichzeitig geschah – emotional, mythisch und symbolisch. Es war nicht immer leicht, den roten Faden zwischen Wandas innerem Erleben, der äußeren Handlung und der Welt von Ambrosia zu behalten. Das hat meine Lesefreude zwar nicht unbedingt zerstört, aber es machte den Einstieg und das Folgen der Geschichte zeitweise anstrengend. Ich hätte mir da etwas mehr Ruhe und Klarheit gewünscht, um die Handlung und ihre Bedeutung besser greifen zu können.

Die Figuren dagegen sind ein echter Pluspunkt. Wanda ist eine Protagonistin, die mich wirklich berührt hat – verletzlich, leidenschaftlich, zweifelnd und gleichzeitig stark. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, vor allem in ihr Ringen um Kontrolle und Hingabe. Neo dagegen bleibt geheimnisvoll, manchmal schwer zu fassen, aber das passt zu seiner Rolle als Muse. Er ist kein klassischer Liebesheld, sondern eher ein Spiegel für Wandas inneren Konflikt – zwischen Sehnsucht und Selbstverlust. Die Nebenfiguren bleiben zwar teils im Hintergrund, fügen sich aber harmonisch in die Geschichte ein und tragen zur Atmosphäre bei, ohne sie zu überladen.

Fazit

Insgesamt würde ich sagen, dass „Musenrausch“ ein Buch ist, das man nicht einfach liest, sondern erlebt. Es ist fordernd, intensiv, manchmal verwirrend, aber zugleich wunderschön geschrieben. Ich musste mich an manchen Stellen wirklich konzentrieren, um mitzukommen, aber auch das war nicht unbedingt schlecht – es hat mich gezwungen, mich auf die Sprache, die Emotionen und die Symbolik einzulassen. Für mich ist das kein Buch, das man mal eben zwischen zwei Terminen liest, sondern eines, für das man sich Zeit nehmen sollte, am besten mit einer Tasse Tee und der Bereitschaft, sich vollkommen in eine andere Welt hineinziehen zu lassen. Und wenn man das tut, entfaltet es eine Sogwirkung, die nachhallt. Ich mochte es – gerade weil es mich herausgefordert hat, auch wenn ich zwischendurch das Gefühl hatte, in diesem Musenrausch ein wenig den Überblick zu verlieren.

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