Zwischen Ranch, Romance und Herzklopfen
Off to the RacesIn „Off to the Races“ dem Debütroman von Elsie Silvers kehrt Vaughn Harding nach dem Tod seines Großvaters auf die Gold Rush Ranch zurück, um den angeschlagenen Rennbetrieb wieder auf Kurs zu bringen und ...
In „Off to the Races“ dem Debütroman von Elsie Silvers kehrt Vaughn Harding nach dem Tod seines Großvaters auf die Gold Rush Ranch zurück, um den angeschlagenen Rennbetrieb wieder auf Kurs zu bringen und sich mit den Schatten der Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Gleichzeitig tritt Billie Black, eine leidenschaftliche, unbeirrbare Pferdetrainerin, dort eine Stelle an. Zwischen beruflichen Herausforderungen, dem Versuch, die Ranch aus dem Skandal herauszuführen, und der wachsenden Anziehung zwischen Billie und Vaughn entfaltet sich eine Mischung aus ländlicher Ranch-Atmosphäre, Pferdeliebe und einer impulsiven Romance.
Schon auf den ersten Seiten hat mich der Schreibstil von Elsie Silver für sich eingenommen: leicht, flüssig, emotional zugänglich, aber ohne kitschige Überladenheit. Ich fand es angenehm, wie unkompliziert ich in die Geschichte hineingezogen wurde. Die Atmosphäre auf der Ranch ist warm, lebendig und greifbar. Es gibt diesen schönen Mix aus ländlicher Ruhe, alltäglicher Stall- bzw. Trainingsroutine und einer gewissen Schwere, die durch Vaughns familiäre Vergangenheit mitschwingt. Besonders gelungen fand ich die Beschreibungen der Pferde und der Arbeit mit ihnen. Das hat für mich unglaublich viel Herz und Detailschärfe transportiert.
Das starke Herzstück des Buches sind für mich ganz klar die Charaktere, wobei Billie von Anfang an mein Highlight war. Ihre wilde, direkte, moralisch gefestigte Art fand ich befreiend. Sie ist laut, ehrlich, mutig und verkörpert eine Energie, die mich sofort eingenommen hat. Vor allem bewundere ich, wie klar sie ihre Grenzen und Werte ausdrückt.
Vaughn hingegen brauchte bei mir etwas länger. Seine harte Schale, sein wortkarger, kontrollierter Stil – all das machte ihn zunächst schwer zugänglich. Aber Stück für Stück trat sein weicher Kern hervor, und ich konnte gut nachvollziehen, dass hinter seiner distanzierten Art viel Verletzlichkeit steckt. Dieses langsame Entwirren seiner Persönlichkeit fand ich grundsätzlich gelungen.
Der Beziehung der beiden bzw. deren Entwicklung stehe ich jedoch eher zwiegespalten entgegen: So sehr ich die Grundchemie zwischen Billie und Vaughn mochte, die Umsetzung war mir zu schnell körperlich. Die Intimität setzt früh ein und nimmt im Mittelteil so viel Raum ein, dass für mich die emotionalen Feinheiten zu wenig Platz bekommen haben. Die Sexszenen sind intensiv und zahlreich, inklusive viel Dirty Talk, und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass diese Szenen die Handlung eher unterbrechen als voranbringen.
Mir fehlte hier ganz eindeutig die langsame wachsende emotionale Annäherung und die leisen Zwischentöne. Stattdessen wirkte es teilweise so, als würde körperliche Nähe den emotionalen Konflikt ersetzen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die eher angerissene, unaufgearbeitete Vergangenheit der Figuren. Sowohl Vaughn als auch Billie bringen komplexe Konflikte aus ihrer Vergangenheit mit, die eigentlich viel Tiefe versprechen. Sie werden zwar erwähnt, in Gesprächen angeschnitten und auf emotionaler Ebene angerührt, aber die echte Aufarbeitung blieb für mein Empfinden aus.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte gerade hier noch weitergeht:
– mehr Konfrontation mit der Vergangenheit,
– mehr Klärung,
– mehr Entwicklung, die daraus entsteht.
So bleiben diese Konflikte wichtig, aber für mich unvollständig. Vermutlich als Folge davon war mir auch das Ende irgendwie zu schnell. Da hätte ich mir mehr gewünscht.
Was mich ebenfalls etwas enttäuscht hat, war die sehr positive, fast unproblematische Darstellung der Pferderennen. Gerade weil das Thema real eine Menge Kritik auf sich zieht – harte Trainingsmethoden, sehr frühes Höchstleistungsalter, Verletzungsrisiken, Ausmusterung –, hätte ich erwartet, dass der Roman das zumindest ansatzweise anspricht.
Billie wirkt als Figur extrem moralisch und aufrichtig, daher fand ich es besonders schade, dass ausgerechnet sie diese Aspekte kaum reflektiert. Die innige Mensch-Tier-Verbindung ist wunderschön geschildert, keine Frage, doch die systemischen Schattenseiten des Rennsports bleiben komplett außen vor.
Ein Lichtblick des Romans waren jedoch die Nebencharaktere, die wirklich wundervoll gezeichnet sind. Sie bringen Humor, Wärme und ein Gefühl von Familie in die Geschichte. Tatsächlich sind sie einer der Gründe, warum ich Lust auf die Fortsetzungen habe, denn sie wirken absolut vielversprechend, sympathisch und tragen meiner Meinung nach viel Potenzial in sich und ich freue mich sehr, bald mehr von ihnen zu lesen.
Fazit
„Off to the Races“ von Elsie Silvers hat mich durch seine Atmosphäre, die starke Protagonistin und die liebenswerten Nebenfiguren überzeugt. Der Schreibstil ist angenehm, die Ranchwelt einladend, und es gibt viele Momente voller Herz und Humor.
Gleichzeitig sorgen die zu schnelle körperliche Ebene, die fehlende Vertiefung der persönlichen Konflikte und die unkritische Darstellung des Rennsports dafür, dass das Buch für mich nicht sein volles Potenzial ausschöpft.
Trotzdem bleibe ich optimistisch: Die Nebencharaktere und das Setting haben mich neugierig gemacht und ich hoffe sehr, dass die Folgebände emotional ausgewogener sind und die Schwächen dieses Bandes weniger stark ausfallen.