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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Toller Solarpunk Ansatz

AMATEA
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AMATEA: Memoirs of the Last City nimmt sich Zeit, manchmal sehr viel Zeit, und genau das ist auch seine Stärke. Saskia Karges legt keinen einfachen Zukunftsroman vor, sondern eine intensive, oft unbequeme ...

AMATEA: Memoirs of the Last City nimmt sich Zeit, manchmal sehr viel Zeit, und genau das ist auch seine Stärke. Saskia Karges legt keinen einfachen Zukunftsroman vor, sondern eine intensive, oft unbequeme Auseinandersetzung mit Verantwortung, Schuld und der Frage, wie viel Menschlichkeit man zu opfern bereit ist, wenn man glaubt, für eine größere Sache zu handeln.

Im Mittelpunkt steht Ruth Bernstein. Schon als Kind weiß sie, wohin ihr Weg führen soll: Sie will Stadtplanerin werden. Städte sollen gerechter, nachhaltiger, lebenswerter sein. Unterforderung und Mobbing, nicht nur durch Mitschüler:innen, sondern auch durch Lehrkräfte, prägen ihre Schulzeit. Erst später wird erkannt, dass sie hochbegabt ist.

Ein Stipendium führt Ruth an die Universität. Dort entwirft sie Amatea: eine visionäre Zukunftsstadt, ressourcenschonend und autark, gedacht als Modell für eine bessere Welt. Doch ein schwerer familiärer Schicksalsschlag reißt sie aus allem heraus. Ruth bricht ab, lässt Studium, Karriere und Amatea hinter sich und beginnt noch einmal gänzlich neu.

Jahre später holt sie ihre Vergangenheit ein. Amatea existiert noch, übernommen und weiterentwickelt von einem mächtigen Konsortium. Aus der einstigen Vision ist ein gigantisches Projekt geworden, das zunehmend beängstigende Züge annimmt. Lügen, Machtspiele und moralisch fragwürdige Entscheidungen bestimmen nun das Bild. Aus Solarpunk wird Dystopie.

Besonders eindrucksvoll ist dabei die moralische Grauzone, in der sich der Roman bewegt. AMATEA stellt unangenehme Fragen: Darf man Menschen opfern, um den Planeten zu retten? Wie viel Schuld trägt jemand, dessen Idee missbraucht wurde? Ab wann wird Wegsehen zur Mitschuld?

Kleinere Schwächen gibt es bei der Länge, einigen sehr ausführlichen Passagen und etwas abrupten Zeitsprüngen. Dennoch überwiegt klar die Atmosphäre: Der Wandel von Hoffnung zu Verzweiflung ist glaubwürdig und wirkt lange nach.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Toller Ratgeber

Yoshuku
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„Yoshuku – Die japanische Kunst, Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen“ von Azumi Uchitani ist ein interessanter Ratgeber, der sich mit Manifestationen beschäftigt. Es geht hier nicht darum, das Leben ...

„Yoshuku – Die japanische Kunst, Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen“ von Azumi Uchitani ist ein interessanter Ratgeber, der sich mit Manifestationen beschäftigt. Es geht hier nicht darum, das Leben von Grund auf zu verändern, sondern den Blick auf das zu lenken, was wir uns wünschen und wie wir diesen Wünschen Raum geben können. Yoshuku bedeutet dabei übersetzt so viel wie „im Voraus feiern“. Die Idee dahinter: Ein japanischer Brauch, ein wichtiges Ereignis im Leben, auf dessen Eintreffen wir hoffen, im Voraus zu feiern. Diese Haltung schafft Zuversicht, Leichtigkeit und Dankbarkeit.

Ich fand diesen Ansatz ganz interessant, weil er sich von der oft so rationalen westlichen Sichtweise unterscheidet. Statt etwas zu erzwingen, geht es darum, Vertrauen zu entwickeln, in das Leben, in die eigenen Schritte, in das, was kommen darf und was wir uns wünschen. Gerade für Menschen, die sich mit Mental Health beschäftigen, kann das ein interessanter Ratgeber sein.

Das Buch enthält kleine Übungen, die leicht umzusetzen sind, und Impulse, über die man länger nachdenkt, als man vielleicht erwartet. Natürlich kann man darüber streiten, ob Manifestation tatsächlich „funktioniert“. Aber vielleicht geht es gar nicht darum. Vielleicht ist Yoshuku eher eine Haltung, eine Art, bewusster durchs Leben zu gehen und den eigenen Fokus zu verändern.

Für mich war das Buch logischerweise kein Gamechanger, aber eine angenehme Erinnerung daran, dass wir nicht alles kontrollieren und erzwingen müssen. Manchmal reicht es, innezuhalten, dankbar zu sein und darauf zu vertrauen, dass gute Dinge ihren Weg in unser Leben finden. Wer sich gern mit Themen wie Achtsamkeit, innerer Ruhe und bewusster Lebensgestaltung beschäftigt, findet hier definitiv ein paar schöne Denkanstöße.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Stimmig

Das Dünenversteck
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Eine skelettierte Leiche wird in den Nordsumer Dünen entdeckt und plötzlich steht für Kommissar Harring alles auf dem Spiel. Denn der Fall führt mitten in seine eigene Familie. Sein dementer Vater scheint ...

Eine skelettierte Leiche wird in den Nordsumer Dünen entdeckt und plötzlich steht für Kommissar Harring alles auf dem Spiel. Denn der Fall führt mitten in seine eigene Familie. Sein dementer Vater scheint mehr zu wissen, als gut ist, und als Harrings vermisster Cousin in einer anonymen Drohbotschaft des Mordes beschuldigt wird, gerät sein Leben aus den Fugen. Statt sich an Regeln zu halten, beginnt Harring, auf eigene Faust zu ermitteln und bringt sich damit selbst in Gefahr.

„Das Dünenversteck“ ist der vierte Band der Nordsum-Reihe, lässt sich aber problemlos auch ohne Vorwissen lesen. Das Setting ist hervorragend gewählt: die herbe Küstenlandschaft, die die Dünen und das Rauschen des Meeres. Hier gelingt es Martensen, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, fernab der üblichen Genrepfade.

Die Handlung ist kompakt erzählt, kommt schnell auf den Punkt und bleibt trotzdem durchgehend spannend. Klar, einiges ist vorhersehbar, und man ahnt früh, wohin die Spur führt. Doch der Autor baut die Geschichte so auf, dass man trotzdem weiterlesen will. Die Auflösung ist logisch, das Ende zufriedenstellend. Vielleicht hätte es hier und da noch einen Tick mehr Überraschungen vertragen können.

Was den Thriller auszeichnet, sind seine Figuren. Bork und Harring sind ein Duo, das gut harmoniert. Der etwas grummelige, erfahrene Bork und der impulsive, emotionalere Harring, zwei Gegensätze, die sich perfekt ergänzen. Ihre Dialoge, ihre kleinen Reibereien, das Zusammenspiel im Ernstfall, wirkt glaubwürdig und bringt Tiefe in die Geschichte.

Vor allem Harring steht diesmal im Mittelpunkt. Der Fall betrifft ihn persönlich, und das macht ihn verletzlich. Er weiß, dass er befangen ist, kann sich aber nicht heraushalten. Also ermittelt er auf eigene Faust, mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Am Ende bleibt ein toller Thriller, der das Rad zwar nicht neu erfindet, aber genau weiß, was er will: Spannung, Atmosphäre und Charaktere, die überzeugen. Wer ruhige, durchdachte Spannung, statt blutiger Schockmomente sucht, der sollte definitiv mal die Nordsum- Reihe genauer unter die Lupe nehmen.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

tolle queere Romance

Bluewell University - The Trust You Need
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Ich sag’s gleich vorweg: Ich bin ja wirklich nicht der Typ für große Liebesgeschichten. Wenn dann noch so Begriffe wie Enemies to Lovers oder Forced Proximity fallen, bin ich normalerweise raus. Und trotzdem: ...

Ich sag’s gleich vorweg: Ich bin ja wirklich nicht der Typ für große Liebesgeschichten. Wenn dann noch so Begriffe wie Enemies to Lovers oder Forced Proximity fallen, bin ich normalerweise raus. Und trotzdem: Bluewell University – The Trust You Need hat mich dann doch abgeholt.

Rockster und Wesley sind zwei Typen, die sich am Anfang am liebsten gegenseitig an die Wand klatschen würden. Und das ist noch nett gesagt. Beide haben genug Päckchen zu tragen: Rockster jongliert zwischen Uni, Nebenjob und seiner kleinen Schwester, um die er sich plötzlich allein kümmern muss, und Wesley kämpft mit einer Vergangenheit, die ihn immer noch verfolgt. Was sich daraus entwickelt, ist eine Geschichte voller Emotionen und einem sehr ehrlichen Blick darauf, was Vertrauen eigentlich bedeutet.

Martina Riemer schreibt locker, witzig und trotzdem mit Tiefgang. Ich mochte, dass die Story nicht nur romantisch ist, sondern auch Themen wie Akzeptanz, mentale Gesundheit und Selbstfindung anspricht. Manchmal leicht, manchmal ernst. Wesley war für mich das Herz des Buches, Rockster der, der lernen muss, loszulassen. Und das Zusammenspiel der beiden funktioniert einfach.

Natürlich gibt’s auch Dinge, die mir weniger gefallen haben: Die Sache mit Rocksters Mutter war mir etwas zu überzeichnet, und ja: der Spice war mir persönlich too much. Aber das Buch hat mich am Ende trotzdem überzeugt. Bluewell University – The Trust You Need ist frech, warm und ehrlich und erinnert uns daran, dass Menschen Fehler machen dürfen und Vertrauen kein Selbstläufer ist.

Für mich persönlich war der Spice etwas too much und der Tonfall an ein paar Stellen etwas zu derb, aber das ändert nichts daran, dass ich die Story mochte. Ein queerer Liebesroman, der nicht nur romantisch, sondern auch menschlich ist.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Toller Roman

Noto
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Konrad verliert seinen Partner Adriano durch einen tragischen Unfall. Mit einem Teil seiner Asche macht er sich auf den Weg nach Sizilien, genauer gesagt nach Noto, einer kleinen barocken Stadt im Süden ...

Konrad verliert seinen Partner Adriano durch einen tragischen Unfall. Mit einem Teil seiner Asche macht er sich auf den Weg nach Sizilien, genauer gesagt nach Noto, einer kleinen barocken Stadt im Süden der Insel. Dort, wo die beiden sich einst ein Haus gebaut und eine zweite Heimat geschaffen hatten, möchte Konrad Abschied nehmen. Begleitet wird er von seinem Hund und dem lebenslustigen Santi, der das Leben mit einer Leichtigkeit nimmt, die Konrad fast befremdlich vorkommt.

Was wie eine einfache Reise beginnt, geht schnell tiefer. Es ist eine Auseinandersetzung mit der eigenen Trauer, mit Erinnerungen, mit der Frage, wie man weiterlebt, wenn der wichtigste Mensch plötzlich fehlt. Zwischen der sizilianischen Sonne und der ungestümen Landschaft entfaltet sich eine ruhige, aber eindringliche Geschichte.

Adriano Sack erzählt in „Noto“ sehr unaufgeregt, aber präzise. Man spürt auf jeder Seite, dass er weiß, wovon er schreibt. Die Geschichte wirkt echt und nachvollziehbar. Trauer ist hier nichts, das man überwinden muss, sondern etwas, mit dem man leben lernt.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Konrad in seinen Gedanken immer wieder mit Adriano spricht. Diese Gespräche verleihen der Geschichte eine besondere Nähe. Man hat das Gefühl, als sei Adriano nie ganz weg, sondern auf eine andere Weise noch da. Das ist toller erzählerischer Kniff.

Sizilien selbst wird in diesem Roman fast zu einer eigenen Figur. Sack beschreibt die Insel mit all ihren Gegensätzen: schön und rau, lebendig und still, sonnig und doch schwer. Man merkt, dass er eine persönliche Verbindung zu diesem Ort hat. Zudem mochte ich die Sprache sehr. Sie ist bildhaft, aber nicht überladen. Man sieht die Landschaft vor sich, riecht das Meer, spürt die Hitze auf der Haut. Sack schafft es, all das mit wenigen, klaren Worten einzufangen. Auch die Figuren sind stimmig. Niemand wirkt perfekt, alle haben Ecken und Kanten.

Kleine Schwächen gibt es trotzdem. Manchmal verfällt der Autor dann eben doch in unnötige Ausschweifungen. Der Stil neigt an manchen Stellen dazu, sich in (irrelevanten) Details zu verlieren. Das ändert aber nichts daran, dass „Noto“ ein starkes Debüt ist, das authentisch ist und nachklingt. Leseempfehlung!

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