Profilbild von bookloving

bookloving

Lesejury Star
offline

bookloving ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit bookloving über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2025

Zwischen Leichen, Liebe und Moral – Ein fesselnder historischer Roman

Wer die Toten stört
0

MEINE MEINUNG

Mit ihrem Debüt „Wer die Toten stört“ hat A. Rae Dunlap einen vielschichtigen historischen Spannungsroman vorgelegt, in dem dunkle Aspekte der Medizingeschichte, True-Crime-Elemente und ...

MEINE MEINUNG

Mit ihrem Debüt „Wer die Toten stört“ hat A. Rae Dunlap einen vielschichtigen historischen Spannungsroman vorgelegt, in dem dunkle Aspekte der Medizingeschichte, True-Crime-Elemente und eine zarte queere Liebesgeschichte geschickt miteinander verwoben sind. Die Handlung ist im Edinburgh des frühen 19. Jahrhunderts angesiedelt, wo die intensiven Anatomiestudien der Medizinstudenten in privaten medizinischen Instituten ungewöhnliche Praktiken eines florierenden Leichendiebstahls nach sich ziehen, um den stetig wachsenden Bedarf an Präparaten zu decken. Es entfaltet sich eine faszinierend düstere, vielschichte Geschichte vor historischem Hintergrund, die mit morbiden Szenen, nachdenklich stimmenden Passagen und humorvollen Episoden zu unterhalten weiß.

Im Mittelpunkt steht der junge Medizinstudent James aus einer verarmten englischen Adelsfamilie, der rückblickend erzählt und sich immer wieder direkt an uns Leser wendet, sodass wir an seinen Erlebnissen in Edinburgh sehr unmittelbar teilhaben. Um seine ehrgeizigen Zukunftspläne voranzutreiben und sein Studium weiter finanzieren zu können, geht er eine gewagte Zweckgemeinschaft mit dem charismatischen Anatomieassistenten und Grabräuber Aneurin ein und beteiligt sich an dubiosen nächtlichen Ausgrabungen der für die anatomische Ausbildung dringend benötigten Leichen.
Was aus existenzieller Not heraus als nüchterne Geschäftsbeziehung beginnt, entwickelt sich im Verlauf der abwechslungsreichen Handlung zu einem gefahrvollen Unterfangen, das James moralische Grenzen immer starker ins Wanken bringt. Der von Misstrauen, ethischen Zweifeln und Schuldgefühlen geplagte James spürt zunehmend eine Anziehung zu dem unnahbaren Aneurin. Aus der pragmatischen Zusammenarbeit heraus entsteht eine komplexe, von unausgesprochenen Gefühlen aufgeladene Beziehung, die sich zwischen Nähe und Distanz, Vertrauen und Selbstschutz bewegt.
Mit ihrem pointierten, bildreichen Schreibstil versteht es Dunlap, uns ins düstere Edinburgh des 19. Jahrhunderts zu entführen. Trotz der oft morbiden Grundstimmung sorgt ihr trockener, bisweilen schwarzer Humor immer wieder für humorvolle Momente und wohltuende Leichtigkeit.
Vor farbenprächtigem historischen Setting verwebt sie reale historische Hintergründe mit ihrer fiktiven Handlung zu einer spannenden und nachdenklich stimmenden Geschichte. So geht es nicht nur um die skurrilen Praktiken erfindungsreicher Grabräuber und eine erschütternde, historisch verbürgte Mordserie, sondern auch um Standesdünkel, Korruption und die dunklen Machenschaften der medizinischen Zunft jener Epoche.
Hervorragend gelingt es ihr durch lebendige Milieubeschreibungen, detailreiche Einblicke ins Alltagsleben sowie anschauliche Schilderungen des gesellschaftlichen Klimas, ein facettenreiches, glaubwürdiges Bild dieser ambivalenten Zeit zu entwerfen, in der wissenschaftlicher Fortschritt und moralische Verrohung eng miteinander verflochten waren.
Sehr spannend ist der Einblick in die Welt der frühen Medizin und die Philosophie des Männerbunds der sogenannten Auferstehungsmacher, die den Leichen durch ihren vermeintlich verwerflichen Einsatz ein zweites sinnvolles Leben verschaffen wollten. Die historischen Hintergründe und True-Crime-Aspekte rund um das berüchtigte Verbrecherduo Burke und Hare sind sorgfältig recherchiert und anschaulich in die Handlung eingebunden. Ein ausführliches Nachwort mit weiteren Details zur Vertiefung ist sehr gelungen.
Ob nun die gruseligen Details nächtlicher Leichenbergungen auf dem Friedhof, die kollegialen Zusammenkünfte der jungen Medizinstudenten in den schäbigen Kneipen oder das harte Leben der einfachen Bevölkerung, die mit Armut, Hunger und sozialer Ungerechtigkeiten ringt – all diese Facetten verwebt Dunlap zu einem stimmigen, sehr atmosphärischen Portrait jener Zeit. Eindringlich beleuchtet die Autorin nicht nur ethische Fragen und moralische Graubereiche rund um das Grabräubertum, sondern auch Machtstrukturen des Adels und starre gesellschaftliche Konventionen, die das Leben ihrer Hauptfiguren einengen.
Besonders gelungen sind die vielschichtig gestalteten Charaktere, allen voran der sympathische Protagonist James, dessen persönliche Entwicklung einfühlsam und überzeugend gezeichnet wird. Mit seiner Mischung aus Unsicherheit, Naivität, Idealismus und bemerkenswertem Talent in der Anatomie wächst er einem rasch ans Herz, sodass man ihn fast vor all den Abgründen seiner Welt beschützen möchte. Glaubwürdig werden sowohl seine Stärken als auch seine Verletzlichkeit, inneren Konflikte und moralischen Bedenken ausgelotet. Im Ringen um Freiheit und Selbstbestimmung setzt er sich mit großer Widerstandskraft über gesellschaftliche Zwänge und familiäre Erwartungen hinweg und wächst trotz vielfältiger Gefahren und möglicher Folgen seines Handelns immer mehr über sich hinaus.

Auch der geheimnisvolle, etwas finster wirkende Aneurin überzeugt mit seiner charismatischen, komplexen Persönlichkeit und seiner problematischen Vergangenheit. Er sieht sich ganz  dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und medizinischen Fortschritt verpflichtet, was ihn in heikle moralische Situationen treibt. Die Darstellung ihrer Gedanken- und Gefühlswelt ist nachvollziehbar und stimmig. Auch die Nebenfiguren sind entsprechend ihrer Funktion durchweg interessant und differenziert ausgestaltet und sorgen für Abwechslung.

Die komplexe Beziehung zwischen James und Aneurin bringt eine spannende Dynamik in die Handlung und ihre Wortgefechte sorgen selbst in makabren Szenen immer wieder für charmante, humorvolle Momente. Die sich langsam entwickelnde Zuneigung wird dabei aber durch gesellschaftliche Barrieren und Klassenunterschiede herausgefordert, sodass sie in der Öffentlichkeit auf einen rein kameradschaftlichen Umgang bedacht sein müssen. Nach einem eher gemächlichen Einstieg, in dem zunächst das Setting, der medizinische Hintergrund und die innere Konflikte des Erzählers James eingeführt werden, zieht das Tempo allmählich an und die Handlung gewinnt spürbar an Dynamik. Der eigentliche True-Crime-Anteil tritt leider hinter der queeren Liebesgeschichte lange Zeit zurück und rückt erst im späteren Verlauf in den Vordergrund. Auch das hochspannende, fast filmreife Finale wird relativ knapp erzählt und hätte noch deutlich breiter ausgestaltet werden können.

Dennoch überzeugt die gut recherchierte, vielschichtige Geschichte nicht nur als queere Coming of Age Erzählung, sondern auch als spannender, auf wahren Begebenheiten beruhender Kriminalfall mit einem lebendigen Zeitporträt und aufschlussreichen Einblicken in die Medizingeschichte. Mit dem etwas offenen Ausklang macht sie zudem neugierig auf mögliche weitere Abenteuer von James und Aneurin im historischen London.


FAZIT

Ein atmosphärisch dichter historischer Roman, der subtile Schauermomente und ein eindrucksvolles Zeitkolorit mit Gay Romance, facettenreichen Charakteren und einer moralisch komplexen Thematik der Medizingeschichte überzeugend verbindet.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 14.11.2025

Der persönliche Leitfaden für ein bewussteres und längeres Leben

Hacking Age
0

MEINE MEINUNG

In seinem Buch „Hacking Age - Die radikale Verjüngungsreise eines Arztes, der sich 25 Jahre zurückholen will“ nimmt uns Dr. Felix Bertram mit auf eine außergewöhnliche und lehrreiche Reise ...

MEINE MEINUNG

In seinem Buch „Hacking Age - Die radikale Verjüngungsreise eines Arztes, der sich 25 Jahre zurückholen will“ nimmt uns Dr. Felix Bertram mit auf eine außergewöhnliche und lehrreiche Reise zurück zu seinem jüngeren, fitteren und gesünderen Ich.
Der Auslöser seinen bisherigen Lebensstil grundlegend umzukrempeln war für den 49-jährigen Dermatologen, erfolgreichen Unternehmer und Investor das erschütternde Ergebnis eines umfangreichen Tests, der sein biologisches Alter auf 74 Jahre schätzte. Für den „Selfmade Man“ war es ein Weckruf, mehr auf seinen rebellierenden Körper zu hören, die vielfältigen Anzeichen von Erschöpfung und Stress ernst zu nehmen, Seither setzt er alles daran, gegen den Alterungsprozess anzukämpfen, um verlorene Lebensjahre zurückzugewinnen.

Nach Auffassung von Dr. Bertram gründet ein gesundes, glückliches und erfülltes Leben auf den drei wesentlichen Säulen Gesundheit, persönliche Entwicklung und Beziehungen. Diese sollten in einem ausgewogenen Zusammenspiel stehen, da sie sich gegenseitig beeinflussen. Das Buch ist entsprechend seinem Konzept der drei Säulen übersichtlich in drei Abschnitte gegliedert, die sich jeweils einem Themenbereich widmen.
In den vergangenen Jahren hat sich das Thema Longevity (Langlebigkeit) zu einem der großen Trendthemen entwickelt, so dass sich Dr. Bertram sehr intensiv mit den wissenschaftlichen Grundlagen und neuesten Erkenntnissen aus der Altersforschung auseinandergesetzt hat.

Sehr authentisch und eindrucksvoll schildert er seinen faszinierenden Selbstversuch und lässt uns Schritt für Schritt an seinem detailliert dokumentierten Weg teilhaben, wie er durch konsequentes Ablegen alter Gewohnheiten zurück zu mehr Vitalität und Lebensfreude findet. Dabei beleuchtet er wichtige Einflussfaktoren für den Alterungsprozess wie ein individuell abgestimmtes Bewegungsprogramm, ausgewogener Ernährung, erholsamem Schlaf und effektives Stressmanagement.
Gemeinsam mit Biochemikerin und Medizinjournalistin Nina Weber ist es Dr. Bertram gelungen, persönliche Erfahrungen, praktische Alltagstippsund fundiertes medizinisches Fachwissen verständlich, anschaulich und motivierend zu verbinden. Der lebendige Schreibstil macht die Lektüre angenehm undmitreißend. Besonders gefallen haben mir die ehrlichen, reflektierten Schilderungen sowie die fachlich fundierten Einschätzungen und kritischen Anmerkungen des Autors, die dem Buch viel Authentizität und Glaubwürdigkeit verleihen.

„Hacking Age“ überzeugt durch eine einfühlsame und motivierende Herangehensweise an die Thematik Bewegung und Ernährung. Besonders sympathisch ist die offene Ermutigung, verschiedene Sportarten auszuprobieren und die Freude an Bewegung individuell zu entdecken, ohne sich dabei unter Druck zu setzen. Praktische Tipps und Selbstreflexionsfragen helfen dabei, Gewohnheiten zu hinterfragen, realistische Ziele zu setzen und umsetzbare Routinen zu entwickeln.

Auch der Abschnitt zur Ernährung besticht durch Alltagstauglichkeit und betont, dass Genuss und gesunde Ernährung keineswegs im Widerspruch stehen. Die Einführung des sogenannten „Regenbogen-Prinzips“ unterstreicht die Bedeutung einer abwechslungsreichen und nährstoffreichen Kost. Die Erläuterungen zu Nahrungsergänzungsmitteln sind ebenfalls informativ und hilfreich. Besonders angesprochen hat mich die „Jokerregel“, die kleine Pausen oder Ausnahmen in der Alltagsroutine erlaubt, und so einen entspannten Umgang mit den selbst gesteckten Zielen fördert.

Ein weiterer spannender Aspekt ist Bertrams Vorschlag eines regelmäßigen „Meeting mit sich selbst“, das ein bewusstes Innehalten anregt und Selbstreflexion ermöglicht. Dr Bertram versteht es, auch Rückschläge als natürliche Bestandteile des Veränderungsprozesses offen anzusprechen. Dabei betont er, dass auch kleine Veränderungen bedeutende Fortschritte bewirken können. Seine praxisnahen Strategien zum Umgang mit Stress, wie etwa bewusste Pausen und ein kritisches Hinterfragen stressiger Situationen, runden sein ganzheitliches Konzept ab.

Im Anhang findet sich ein kleines Test-ABC mit Begriffen rund um das biologische Alter und die Gesundheit sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis.

Insgesamt ist „Hacking Age“ kein klassischer Selbsthilfe- oder Gesundheitsratgeber, sondern eine persönliche, fesselnde Erfahrungsreise, die wissenschaftliche Grundlagen aus der neueren Longevity-Forschung mit vielen praktischen Tipps verbindet. Das inspirierende Buch lädt dazu ein, das eigene Leben zu reflektieren, alte Gewohnheiten zu überprüfen und einen Neustart zu wagen – für mehr Vitalität, Gesundheit und Lebensfreude.

Es motiviert, ohne zu überfordern, und bietet als gelungener Leitfaden zahlreiche wertvolle Impulse für einen bewussteren und gesünderen Lebensstil.

FAZIT

Wer einen inspirierenden Impuls für ein gesünderes, achtsameres Leben sucht, findet hier einen motivierenden Begleiter, der zu nachhaltigen Veränderungen ermutigt – ganz ohne Druck, aber mit viel Herz und wissenschaftlichem Tiefgang.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.11.2025

Darmgesundheit als Schlüssel zur Langlebigkeit – Ein wissenschaftlich fundierter Leitfaden

Der Darm der 100-Jährigen
0

MEINE MEINUNG

Der Darm der 100-Jährigen – Wie wir Stoffwechselgifte stoppen und damit die Zellen verjüngen von Katharina Zeiss, Dr. med. Henning Sartor und Prof. Dr. med. Burkhard Schütz ist ein informatives ...

MEINE MEINUNG

Der Darm der 100-Jährigen – Wie wir Stoffwechselgifte stoppen und damit die Zellen verjüngen von Katharina Zeiss, Dr. med. Henning Sartor und Prof. Dr. med. Burkhard Schütz ist ein informatives und praxisorientiertes Sachbuch, das den Einfluss des Darmmikrobioms auf gesundes Altern umfassend beleuchtet. Katharina Zeiss und ihre Co-Autoren laden zu einer spannenden Spurensuche ein, die die zentrale Bedeutung des Mikrobioms für unsere Gesundheit und für vielfältige biologische Alterungsprozesse anschaulich macht.

Anhand zahlreicher Studien und eines persönlichen Fallbeispiels erläutert sie in ihrer Einleitung auf lebendige und verständliche Weise, welche Faktoren für ein langes, gesundes Leben entscheidend sind und warum die Vielfalt der Darmflora dabei eine zentrale Rolle spielt. Internationale Langzeitstudien über 100-Jährigen zeigten, dass eine spezielle, widerstandsfähige Darmflora offenbar maßgeblich zu einem zuverlässigen Schutz vor Zivilisationskrankheiten und Altersleiden beiträgt. Diese einzigartige mikrobielle Zusammensetzung wird als wichtiger Faktor gewertet, der die Basis für ein hohes Alter in guter Gesundheit sein könnte.

Auch für Leser ohne medizinischen Hintergrund werden die anspruchsvollen wissenschaftlichen Inhalte lebendig und anhand konkreter Fallbeispiele verständlich und in überschaubaren Abschnitten präsentiert, wobei verwendete Fachbegriffe stets sinnvoll erklärt werden.

Das nahezu völlige Fehlen von Illustrationen lenkt den Fokus auf die komplexen Inhalte, wenngleich ergänzende Visualisierungen beispielsweise durch Tabellen oder Grafiken bei detaillierten Darstellungen von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Zusammenhänge die Verständlichkeit hätten erhöhen können.

Inhaltlich finden sich sehr anschauliche Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Darmgesundheit, Immunsystem, psychischem Wohlbefinden und chronischen Erkrankungen. Sehr verständlich und detailliert wird erläutert, wie das Mikrobiom durch Ernährung, Lebensstil und Umweltfaktoren beeinflusst wird. Die praktische Bedeutung von ballaststoffreicher Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung und Medikamentenverzicht wie Antibiotika wird nachvollziehbar herausgestellt. Die Autoren geben hierbei zahlreiche praxisnahe Anregungen und leicht umsetzbare Empfehlungen, wie sich die Darmflora im Gleichgewicht halten lässt – und damit das Altern nachhaltig positiv beeinflusst.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Problematik stiller Entzündungen und ihrer Rolle bei vielen chronischen und altersassoziierten Krankheiten, wobei die Autoren eindrucksvoll darlegen, dass ein gestörtes Mikrobiom durch stille Vergiftungen langfristig das Immunsystem schwächt und entzündliche Prozesse fördert. Hier wäre allerdings eine differenziertere Betrachtung wünschenswert gewesen, um der Komplexität des Themas gerecht zu werden.

Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit Darmcoaching, praktischen Detox-Strategien und dem Aufbau einer neuen Balance. Die nachvollziehbar dargestellten vier Säulen der Entgiftung liefern leicht umsetzbare Impulse. Besonders hervorzuheben ist schließlich der strukturierte 21-Tage-Plan, der konkrete Ernährungs-, Detox- und Mikronährstoffempfehlungen enthält. Auf Basis des fundierten theoretischen Grundlagenwissens zu Zellerneuerung, Darmgesundheit und Langlebigkeit wird eine praktikable Anleitung zur Ernährungsumstellung vorgestellt. Leider blieben die Details zu diesem zentralen Detox-Plan jedoch hinter meinen Erwartungen zurück. Die weiterführenden Informationen und Rezepte sind nicht im Buch enthalten, sondern Teil eines kostenpflichtigen Zusatzprogramms, was die eigenständige Umsetzung deutlich erschwert und einschränkt.

Zudem fehlt eine kritische Auseinandersetzung über mögliche Limitationen oder Nebenwirkungen solcher Interventionssprogramme, was bei dieser Thematik eine wichtige Ergänzung gewesen wäre.
So bietet der Abschnitt zwar wertvolle Ansätze und eine hilfreiche Grundlagen, um den eigenen Darm mit gezielten Maßnahmen zu unterstützen, doch für Interessierte, die sich umfassend informieren und sicher begleiten lassen möchten, ist diese Kurzdarstellung unzureichend.

Insgesamt überzeugt das Buch jedoch durch eine beeindruckende und höchst informative Verbindung von fundiertem Wissen und praxisnahen Empfehlungen. Es motiviert dazu, den eigenen Lebensstil zu reflektieren und gezielt die Darmgesundheit und Vielfalt des Mikrobioms zu fördern, um das Altern bewusster und gesünder zu gestalten.

FAZIT
Ein wertvoller und inspirierender Leitfaden für alle, die die Bedeutung ihres Mikrobioms für die Gesundheit entdecken möchten. Trotz kleinerer Schwächen präsentiert das Buch einen erkenntnisreichen Beitrag, der den Weg zu mehr Diversität im Darm und gesteigerter Vitalität im Alter überzeugend aufzeigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2025

Ein leiser Roman

Das glückliche Leben
0

MEINE MEINUNG
Der französische Bestsellerautor und Prix-Renaudot-Preisträger David Foenkinos lädt in seinem neuen Roman „Das glückliche Leben“ dazu ein, auf überraschend leichte und zugleich tiefgründige ...

MEINE MEINUNG
Der französische Bestsellerautor und Prix-Renaudot-Preisträger David Foenkinos lädt in seinem neuen Roman „Das glückliche Leben“ dazu ein, auf überraschend leichte und zugleich tiefgründige Weise dem Wesen des Glücks und dem Sinn des Lebens nachzuspüren. Inspiriert von einer ungewöhnlichen südkoreanischen Praxis, bei der Menschen ihr eigenes Begräbnis inszenieren und als therapeutisches Ritual erleben, entwirft Foenkinos eine originelle und zugleich nachdenklich stimmende Geschichte über die Suche nach Erfüllung, Selbstverwirklichung und innerem Frieden.
Beinahe beiläufig entfaltet sich die leicht skurrile Geschichte um den etwas eigentümlichen, aber liebenswerten Antihelden Éric Kherson. Eine gescheiterte Ehe, die Entfremdung vom Sohn, das monotone Einerlei aus emotionaler Abstumpfung und die banale Routine seiner Arbeit lassen das Leben des ausgebrannten Vierzigjährigen in lähmender Leere erstarren. Erst die unerwartete Kontaktaufnahme der alten Schulfreundin Amélie über Facebook – verbunden mit dem Angebot eines Wechsels ins Außenhandelsministerium – eröffnet ihm einen Ausweg aus dieser Starre und eine neue Perspektive. Auf einer Geschäftsreise nach Seoul erfährt Éric in einer Filiale der ‚Happy Life‘-Franchise schließlich eine irritierende und zugleich erhellende Zäsur. Was anfangs wie ein befremdliches Ritual anmutet, erweist sich für ihn als eine Art mystisches Erwachen und markiert den Auftakt zu einem mutigen Neuanfang. Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit während seiner Fake-Beerdigung erschüttert ihn zutiefst und öffnet den Blick auf neue, wesentliche Horizonte in seinem Leben.
Mit einem warmherzigen Schreibstil, durchzogen von feinem Humor und leiser Ironie, entführt uns der Autor in eine ruhige Erzählung voller leiser Töne. So begleiten wir Éric auf seinem weiteren Lebensweg, der ihn seinem persönlichen Glück allmählich näherführt.
Mit seiner entschleunigten, beinahe filmischen Erzählweise und einer feinsinnigen Beobachtungsgabe gelingt es Foenkinos, eine beeindruckende Bandbreite an Stimmungen und Emotionen einzufangen. Gekonnt erweckt er den liebevoll gezeichneten Protagonisten zum Leben, macht dessen innere Erschöpfung, Leere, Zweifel, Enttäuschungen und Sehnsüchte atmosphärisch greifbar. Doch so eindrücklich die Zeichnung der Charaktere und ihr Innenleben auch gelingt, so oberflächlich bleibt der Autor im Umgang mit den tieferen Schichten seiner Themen. So werden Fragen nach Sinnsuche, Depression und existenziellen Ängsten nur gestreift, existenzielle Krisen den Figuren erspart und gesellschaftliche Brüche und Probleme allenfalls am Rande angedeutet.
Anstelle plakativer Lebensweisheiten entfaltet der Roman eine Fülle nachdenklicher Passagen über die Endlichkeit des Lebens und den Mut, Routinen hinter sich zu lassen, um einen Neubeginn zu wagen. Foenkinos regt uns dazu an, innezuhalten, das eigene Dasein zu hinterfragen und sich den eigenen Vorstellungen von Glück und Sinn zuzuwenden. Mit feinem Gespür für Zwischentöne zeigt er, dass sich das wahre Glück selten im spektakulären Augenblick offenbart, sondern weit häufiger in den kleinen Momenten und leisen Gesten des Alltags.

FAZIT
Ein charmanter, behutsam erzählter Roman über die lebensnahe Suche nach Glück und Sinn, der mit seiner warmherzigen Stimme, seinem Humor und seiner zarten Ironie zu unterhalten weiß.
Eine stille Hymne auf das persönliche Glück und eine inspirierende Einladung zum Innehalten für alle, die sich auf die Suche nach einem erfüllten Leben begeben möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2025

Eine vielschichtige Familiengeschichte voller Geheimnisse

Das Flüstern der Marsch
0

MEINE MEINUNG
In ihrem neuen Roman „Das Flüstern der Marsch“ erzählt Katja Keweritsch die vielschichtige und bewegende Familiengeschichte der Hanssens in der norddeutschen Marsch, die sich über mehrere ...

MEINE MEINUNG
In ihrem neuen Roman „Das Flüstern der Marsch“ erzählt Katja Keweritsch die vielschichtige und bewegende Familiengeschichte der Hanssens in der norddeutschen Marsch, die sich über mehrere Generationen erstreckt.
Die kunstvoll auf wechselnden, verschachtelten Zeitebenen angelegte Handlung entfaltet ein spannungsvolles Wechselspiel aus sorgsam gehüteten Geheimnissen und erstaunlichen Enthüllungen. Der lebendige und einfühlsame Schreibstil der Autorin fesselt und lädt zum mühelosen Eintauchen in die fein gesponnene Familiengeschichte ein, die mit wachsender Dynamik und zunehmender Dramatik an Intensität gewinnt.
Eindrucksvoll und lebensnah schildert die Autorin Episoden aus dem Leben der Frauen rund um die Familie Hanssen, deren Schicksale von verborgenen Verletzungen, tiefen Traumata und folgenreichen Entscheidungen nachhaltig geprägt sind. Ob nun Enkelin Mona, Onkel Stefans Frau Janne, Großmutter Annemie oder Freya, deren Rolle in der Geschichte erst allmählich aufgedeckt wird- sie alle sind in den Zwängen familiärer Erwartungen, moralischer Normen, gesellschaftlicher Konventionen und zeitgenössischer Frauenbilder gefangen und kämpfen auf jeweils eigene Weise um ein selbstbestimmtes Leben als Frau und Mutter. Geschickt verwebt die Autorin in Rückblenden und Perspektivwechseln die unterschiedlichen Generationen der Familie und ihre Lebenswege zu einer fesselnden Erzählung, in der Vergangenheit und Gegenwart eindrucksvoll ineinanderfließen und sich miteinander verbinden.
Die Handlung beginnt mit dem rätselhaften Verschwinden von Annemie, der Großmutter der Protagonistin und Ich-Erzählerin Mona, kurz vor dem 80. Geburtstag ihres Großvaters Karl. Während Karl die mehrtägige Abwesenheit seiner Frau gelassen hinnimmt, wächst in Mona die Sorge, und sie beschließt, den Hintergründen für das Verschwinden nachzugehen. Je intensiver Mona sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinandersetzt, desto deutlicher wird die Fragilität der scheinbaren Familienidylle. Bei ihrer Spurensuche deckt sie nicht nur zahlreiche verborgene Ereignisse auf, sondern enthüllt schließlich ein jahrzehntelang gehütetes Geheimnis, das Annemie mit aller Macht und fatalen Folgen über die Jahre vor allen verborgen hielt.
Äußerst anschaulich und stimmungsvoll gelingt es Keweritsch, die einzigartige Landschaft der norddeutschen Marsch sowie das vielfältige Flair der verschiedenen Handlungsorte darzustellen. Der Zauber der beeindruckenden Natur und die Härten des Lebens in der Marsch werden nahezu spürbar. Atmosphärisch dicht zeichnet die Autorin das dörfliche Gemeinschaftsleben und soziale Gefüge in der Marsch nach, das sich als ein komplexes Geflecht aus Zusammenhalt und Schweigen erweist. Eindrucksvoll fängt sie einen faszinierenden Mikrokosmos aus engen sozialen Banden, versteckten Spannungen und unausgesprochenen Geheimnissen ein. Die Verknüpfung der unverwechselbaren Atmosphäre der norddeutschen Landschaft mit der spannungsvollen Handlung um das Verschwinden der Großmutter und den vielfältigen Dramen der Familie ist der Autorin hervorragend gelungen.
Die einfühlsame und vielschichtige Figurenzeichnung macht die Protagonistinnen lebendig und glaubhaft. Facettenreich arbeitet Keweritsch deren innere Dämonen, Verletzlichkeiten sowie ihre Stärken und Sehnsüchte heraus, sodass man sich gut in ihre Motive und Handlungen hineinversetzen kann. Besonders eindringlich veranschaulicht sie die Zerrissenheit zwischen Verbundenheit und Distanz, dem Wunsch nach Nähe und dem fatalen Drang zu Schweigen und Vertuschen. Behutsam zeigt sie auf, wie der Druck zur Anpassung in der dörflichen Enge sowie Sprachlosigkeit, Unverständnis und Verbitterung die Figuren verzweifeln lassen und die familiären Bindungen bis in die nächsten Generationen schwer belasten. Besonders gelungen ist das berührende Porträt von Annemies weiblicher Lebensrealität zwischen gesellschaftlichen Zwängen und individuellem Freiheitswillen.
Fesselnd ist es mitzuerleben, wie die Autorin einfühlsam die komplexen Beziehungsgeflechte zwischen den Generationen offenlegt und Schritt für Schritt lange verborgene Familiengeheimnisse enthüllt. Jede neue Erkenntnis fügt sich als kleines, aber entscheidendes Fragment in das vielschichtige Familienmosaik ein und macht die tiefreichenden, oft erschütternden Konsequenzen eindrucksvoll sichtbar. 
Trotz ihrer emotionalen Intensität wirkt die Auflösung leider an einigen Stellen vorhersehbar und verliert dadurch einen Teil des psychologischen Tiefgangs, der den Rest der Geschichte so lebendig und facettenreich erscheinen lässt.

FAZIT
Eine bewegende und fesselnde Familiengeschichte, die durch seinen einfühlsamen Erzählstil, vielschichtige Figuren und ein spannendes Geflecht aus Geheimnissen und Enthüllungen überzeugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere