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Veröffentlicht am 21.04.2026

Was uns hält – Über Heimat, Familie und die eigenen Wurzeln

Die Riesinnen
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Der Debütroman von Hannah Häffner überzeugt mit schöner poetischer Sprache und erzählt die Geschichte von den drei Frauen Liese, Cora und Eva. Drei unterschiedliche Leben und Charaktere, doch durch ihre ...

Der Debütroman von Hannah Häffner überzeugt mit schöner poetischer Sprache und erzählt die Geschichte von den drei Frauen Liese, Cora und Eva. Drei unterschiedliche Leben und Charaktere, doch durch ihre Herkunft und ihre Biografie miteinander verknüpft. Eine Jede eine Frau ihrer Generation: auffällig, stark, durchsetzungskräftig. Die Handlung erstreckt sich von den sechziger Jahren bis zur heutigen Zeit – eindrücklich erzählt.
Jede dieser drei Frauen wird in einem eigenen Abschnitt näher beschrieben. Prägend für das Leben ist auch das kleine, fiktive und sehr konservative Dorf Wittenmoos im Schwarzwald.

Liese, Jahrgang 1939, übernimmt nach dem Tod ihres Mannes die Metzgerei ihrer Schwiegereltern, um die kleine Cora allein großziehen zu können, denn Frauen haben zu dieser Zeit meistens nicht gearbeitet. Sie muss um ihren Stand im Leben kämpfen und sich beweisen, bietet Cora aber immer allen Rückhalt, den sie braucht.

Cora ist rebellisch und unangepasst. Nach dem Abitur treibt sie die Sehnsucht ins Ausland; sie will die großen Städte wie Paris und London erleben. Doch nachdem sie erfährt, dass sie schwanger ist, findet sie zu ihren Wurzeln zurück und bekommt die kleine Eva.

Eva ist der letzte Abschnitt gewidmet, den ich persönlich am stärksten fand. Naturverbunden und mit wunderschönen Sätzen, die noch lange nachhallen. Auch das wundervoll gestaltete Cover mit dem dreigeteilten Farn spiegelt die Verbindung der drei Frauen wider.

Es ist ein leiser Roman mit starken Figuren und wunderschönen Naturbeschreibungen. Es werden Themen wie Unabhängigkeit und Zugehörigkeit, Heimatgefühl, Vorurteile, Vergebung und weibliche Selbstbestimmung thematisiert. Jede bricht auf ihre Weise aus den Erwartungen ihrer Zeit aus, doch Familie hält, Familie trägt.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Innovativ, spritzig und lecker

Tasty Healthy Vegan
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Das Kochbuch Tasty Healthy Vegan kommt jung und spritzig daher. Das Vorsatzpapier mit seiner auffallenden Optik ist schon etwas Besonderes. Die einzelnen Rubriken sind farblich gekennzeichnet und auffallend ...

Das Kochbuch Tasty Healthy Vegan kommt jung und spritzig daher. Das Vorsatzpapier mit seiner auffallenden Optik ist schon etwas Besonderes. Die einzelnen Rubriken sind farblich gekennzeichnet und auffallend betitelt. Der Faktencheck ist eine interessante und wertvolle Einleitung und vermittelt ein gutes Grundlagenwissen zu einer bewussten gesunden Ernährung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinquellen etc.

Vom Frühstück bis zum gesunden Snack ist das ganze Spektrum abgedeckt. Jedem Rezept wird eine Doppelseite gewidmet, so dass das Endprodukt gut in Szene gesetzt wird. Toll finde ich auch den Anhang mit den Basics.

Die Zutatenlisten sind teilweise sehr lang, was mich erst einmal erschlagen hat. Doch teilweise wiederholen sich die benötigten Produkte bzw. man kann sie variieren, so dass man, wenn erst die Grundzutaten vorhanden sind, mit der Step by Step Anleitung ganz gut in den Kochflow kommen kann.

Die Nährstoffangaben am unteren Rand der Rezepte sind sehr hilfreich, gerade wenn man auf Zucker, Fett und Ballaststoffe achten muss.

Auf jeden Fall werden bei diesen Rezepten die Geschmacksknospen angesprochen und mir ist es wichtig mal die Langeweile vom Teller zu vertreiben. Ich habe unter anderem den 8-Minuten-Salat ausprobiert und er ging bei mir fast so schnell. Wirklich lecker, ohne viele Zutaten. Bei den Basics ist die Für-alles-Sauce als Salattopping oder als Dip einfach perfekt.

Die Rezepte sind vielseitig, ausgewogen und haben teilweise einen Asia-Style, an den ich mich noch mehr herantasten möchte. Leider sind einige Zutaten nicht mal eben im nächsten Supermarkt zu erwerben.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Suizid oder tragisches Unglück?

Der unsichtbare Elefant
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Das Cover kommt sehr schlicht daher, hat aber den Inhalt bereits gut beschrieben. Ein Mensch im freien Fall. Welcher unsichtbare Elefant hat ihn dazu getrieben?

Der Rechtsanwalt Thomas Siebenmorgen stürzt ...

Das Cover kommt sehr schlicht daher, hat aber den Inhalt bereits gut beschrieben. Ein Mensch im freien Fall. Welcher unsichtbare Elefant hat ihn dazu getrieben?

Der Rechtsanwalt Thomas Siebenmorgen stürzt aus dem achtzehnten Stock der Anwaltskanzlei seines Arbeitgebers in die Tiefe. Seine Kollegin Maria, die ihm entgegen geeilt ist, um zu helfen, kann nur noch den Sturz fassungslos beobachten. Sowohl Viktor vom Kriseninterventionsteam wie auch Maria und der junge Staranwalt Simon Nyakuri, der zur kanzleiinteren Ermittlung beauftragt ist, beginnen zu recherchieren. Was treibt Menschen dazu an, sich das Leben zu nehmen.

Dieser Roman spiegelt gut das Gefüge einer großen Anwaltskanzlei wieder, effizient, hierarchisch und teilweise auch skrupellos. Im Laufe der Recherche wurde hier gut herausgestellt, wie unsere generationsübergreifende Vergangenheit nachhaltig auf uns einwirkt und uns prägt. Man trägt sozusagen unbewusst die Last der Vorfahren mit sich herum.

Die Hauptcharaktere sind sehr authentisch ausgearbeitet und ihre Handlungen waren für mich gut nachvollziehbar. Durch den flüssigen Schreibstil konnte man die Situationen gut auf sich wirken lassen und durch die kurzen Kapitel ist man schnell in die Geschichte eingetaucht. Doch leider fand ich auch Passagen, wie z.B. das Klassentreffen zu ausufernd und überflüssig.

Das Genre kann ich jetzt tatsächlich nicht so richtig einordnen. Ist es nur ein Roman oder doch ein Krimi? Trotzdem hat mich die Lektüre im Großen und Ganzen gut unterhalten und mich zum Nachdenken angeregt, was man selbst für Lasten aus der Vergangenheit mit sich herumträgt.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Aussergewöhnlich und nachhallend

Treppe aus Papier
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Mit diesem Buch hat der Autor Henrik Szántó ein ganz außergewöhnliches Buch geschrieben. Das Cover dieser kleinen Lektüre ist in sehr einladenden warmen Farben gehalten. Der aufmerksame Betrachter sieht ...

Mit diesem Buch hat der Autor Henrik Szántó ein ganz außergewöhnliches Buch geschrieben. Das Cover dieser kleinen Lektüre ist in sehr einladenden warmen Farben gehalten. Der aufmerksame Betrachter sieht gleich die Vervielfachung eines einzelnen Raumes. Hier wird schon optisch verdeutlicht, dass diese Geschichte von einem Haus und ihren Bewohnern handelt, die dieses Gebäude in einem Zeitraum von fast 100 Jahren bewohnt haben. Erinnerungen, die in den alten Mauern, im Gebälk, in Ritzen und Dielen bewahrt geblieben sind. Aus dieser Perspektive entfaltet sich ein Spektrum der jüngeren Geschichte, also vom Nationalsozialismus, bis in die Gegenwart. Gelebte Leben, Verrat, Verzweiflung, Hoffnung, Leid und Liebe alles wird gleichzeitig zur eigentlichen Gegenwartshandlung erzählt. Wer das Buch ganz aufmerksam und bedächtig liest, kann sich der Aura dieses Buches nicht entziehen.

Hier trifft die 15-jährige Nele Bittner auf die 90-jährige Irma Thon. Nele ist keine besonders gute Schülerin und demnächst steht die Geschichtsklausur über das Dritte Reich und die Gründung der BRD an. So kommt sie mit Irma ins Gespräch, die die Zeit selbst miterlebt hat. Auch Nele macht sich ihre eigenen Gedanken darüber und fragt ihre Eltern danach, die nicht mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert werden wollen. Hier wird verdeutlicht, wie eng die Gegenwart mit der Vergangenheit verknüpft ist und man sich der Verantwortung und Aufarbeitung stellen sollte, ohne auf die Frage der Schuld oder Unschuld einzugehen.

All die gelebten Leben werden so unnachahmlich zusammengewobenen, dass man sich der Thematik und diesem Schreibstil eher dieser Sprachkunst nur schwer entziehen kann. Meine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Der Momentesammler

Jetzt gerade ist alles gut
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Der neue Roman von Stephan Schäfer ist ein sehr leises und nachdenkliches Buch. Eine kurze Unachtsamkeit kann unser Leben von einem auf den anderen Augenblick nachhaltig beeinflussen oder sogar fast beenden. ...

Der neue Roman von Stephan Schäfer ist ein sehr leises und nachdenkliches Buch. Eine kurze Unachtsamkeit kann unser Leben von einem auf den anderen Augenblick nachhaltig beeinflussen oder sogar fast beenden. Die eigene Sterblichkeit ist doch näher, als man denkt. Das ist der Moment, wo man Dinge hinterfragt. Einen Neuanfang oder besser gesagt einen Andersanfang macht. Sein Leben bewusster erlebt, indem man jeden schönen Moment in sich aufsaugt, andere daran teilhaben lässt, weil es sich einfach gut anfühlt und gemeinsame Momente doch die schönsten Erinnerungen sind. Der namenlose Protagonist wird hier zum Momentesammler.

Es sind nicht die großen Urlaube oder Unternehmungen, sondern die kleinen feinen Begebenheiten. Die kurze Fahrradtour mit der Schwiegermutter, die Tasse Kaffee mit dem Bäcker, die Unterhaltung mit einem Fremden im Zug oder ein spontanes Wochenende bei Freunden, wo man die Zeit vergisst und es vorerst keine Gelegenheit mehr für die Mohnschnecken gibt. Alles kleine Momente, die zählen und bleiben, die unser Leben bereichern und uns tragen. Der Schreibstil hat mich durch die Geschichte getragen, die zwar sehr kurz aber nachhaltig war. Die Gestaltung des Covers bzw. des Einbandes ist einfach toll, einsam am Strand der Ostsee und doch so wohltuend. Ich finde mich in diesem Buch wieder.

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