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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.10.2022

Eine Familie trauert

Schlangen im Garten
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Das Thema von Stefanie vor Schulte in ihrem Buch "Schlangen im Garten" ist die Trauer. Die Mutter der Familie Mohn, Johanne, ist verstorben. Der Vater Adam, der älteste Sohn Steve, die Tochter Linne und ...

Das Thema von Stefanie vor Schulte in ihrem Buch "Schlangen im Garten" ist die Trauer. Die Mutter der Familie Mohn, Johanne, ist verstorben. Der Vater Adam, der älteste Sohn Steve, die Tochter Linne und der Jüngste, Micha, haben ihre eigene Art mit dem Tod der Mutter umzugehen.
In der Nachbarschaft und auch beim "Traueramt" stößt die Familie durch ihre Art zu trauern auf Argwohn und Ablehnung.
Sie möchten Johanne in Form von, vielleicht nicht realen, Geschichten in Erinnerung behalten.
Eigenwillig, sympathisch und sehr individuell gehen die Handelnden mit ihrer Situation um. Dabei erzählt die Autorin die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, sowohl aus der Sicht der Hinterbliebenen als auch der Sicht der Kndheit der Mutter.
In meist knappen Sätzen schreibt die Autorin die Geschichten des Romans. In kurzen Kapiteln werden die Verhältnisse der einzelnen Personen zueinander analysiert. Der Text ist in kräftig bildhafter, oft metaphorischer Sprache verfaßt.
Die Familie lernt mit der Trauer umzugehen, und findet einen gemeinsamen Weg zurück in das Leben in der Gegenwart und der Zukunft.
Der Roman hat mich emotional berührt, und die Lektüre war ein Genuß. Ich habe eine Vielzahl von Anregungen und Denkanstößen zum Thema erhalten.

Veröffentlicht am 15.07.2025

Mord im Wien der Gründerzeit

Gesetz des Midas – Wiener Abgründe
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Der Kriminalroman von Peter Lorath ist ein gelungenes Buch, das den Leser in die faszinierende Atmosphäre Wiens am Ende des 19. Jahrhunderts eintauchen lässt. Der Roman spielt im Kontext des Baubooms der ...

Der Kriminalroman von Peter Lorath ist ein gelungenes Buch, das den Leser in die faszinierende Atmosphäre Wiens am Ende des 19. Jahrhunderts eintauchen lässt. Der Roman spielt im Kontext des Baubooms der Gründerzeit, einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, aber enormer sozialen Spannungen und Armut. Sonderermittler Leopold Kern beschäftigt sich mit einem Mordfall im Umfeld der Wiener Ziegelbrennereien. Dem Autor gelingt es meisterhaft, die prekäre Situation und die harte Realität der Lohnarbeiter, die in Armut und Gewalt leben, authentisch darzustellen. Das soziale Umfeld und der beginnende Widerstand mit den frühen Anfängen der Sozialdemokratie sind gut recherchiert und der Hintergrund der Geschichte. Trotz der Nähe zur historischen Entwicklung verliert der Kriminalfall nie an Spannung, was das Buch zu einem unterhaltsamen Lesevergnügen macht. Die Atmosphäre wirkt dicht und lebensnah. Insgesamt ist „Gesetz des Midas“ ein spannender, gut recherchierter Roman, der nicht nur durch seine Krimihandlung, sondern auch durch die lebendige Beschreibung Wiens überzeugt. Ein empfehlenswertes Buch für alle, die Krimis mit sozialen Hintergrund schätzen.

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Lesenswert: Ein Leben in Madrid

Die Mauersegler
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Toni ist Philosophielehrer, Mitte 50 und will sich umbringen. Er plant seinem Leben in genau einem Jahr ein Ende zu setzen. Ab jetzt führt er Tagebuch und lässt darin sein Leben Revue passieren.
Die Geschichte ...

Toni ist Philosophielehrer, Mitte 50 und will sich umbringen. Er plant seinem Leben in genau einem Jahr ein Ende zu setzen. Ab jetzt führt er Tagebuch und lässt darin sein Leben Revue passieren.
Die Geschichte wird durch Aramburo in Form von täglichen Tagebucheinträgen wieder gegeben. Sie spielt in Madrid, auch die neuere Historie Spaniens wird integriert. Aramburo beschreibt das Leben des Toni und seinen vielschichtigen Beziehungen zu seiner Familie, den Frauen, seinen Freunden und seiner Hündin Pepa.
Aramburo ist ein sehr guter Beobachter der Protagonisten. Humorvoll und tiefgründig rechnet er mit der Kommunikationsunfähigkeit und Oberflächlichkeit ab.
Nach einem etwas holprigen Anfang habe ich als jemand, der länger in Madrid gelebt hat, die Lektüre genossen, und an mancher Stelle herzlich gelacht.
Deshalb gebe ich an dieser Stelle eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.11.2025

Empfehlung für Krimi-Nostalgiker

Tod zur Teestunde
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Anthony Horowitz beweist mit "Tod zur Teestunde" einmal mehr seine Meisterschaft im Umgang mit den Konventionen des klassischen Detektivromans. Das Buch ist eine raffinierte Verschachtelung zweier Kriminalfälle ...

Anthony Horowitz beweist mit "Tod zur Teestunde" einmal mehr seine Meisterschaft im Umgang mit den Konventionen des klassischen Detektivromans. Das Buch ist eine raffinierte Verschachtelung zweier Kriminalfälle und ein wahres Fest für all jene, die Agatha Christie und Co. lieben.
Horowitz gelingt eine beeindruckende Gratwanderung. Er zelebriert die Klischees des Cosy Crime – das Herrenhaus, die begrenzte Anzahl Verdächtiger, die obskuren Motive – und verpackt sie in einer modernen Meta-Erzählung. Der Wechsel zwischen dem Manuskript-Krimi und Susans realer Ermittlung in der Verlagswelt ist nicht nur stilistisch reizvoll, sondern sorgt auch für durchgehende Spannung. Man rätselt auf zwei Ebenen mit: Wer hat im fiktiven Saxby-on-Avon gemordet, und wer ist der wahre Mörder des Autors?
Sprachlich elegant und mit viel Liebe zum Detail geschrieben, fängt Horowitz die Atmosphäre beider Welten perfekt ein. Die Charaktere sind scharf gezeichnet, von der pragmatischen Lektorin bis zum genial-schrulligen Detektiv Atticus Pünd.
Der Roman ist ein intelligenter, fesselnder und unterhaltsamer Krimi, der nicht nur durch seine Spannung, sondern auch durch seinen literarischen Witz besticht. Für Fans klassischer Kriminalgeschichten ein Muss und ein Highlight des Genres.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Italienische Impressionen im Winter

Alle weg
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Alle weg: Mein Winter an der Adria von Stefan Maiwald ist ein liebevoller, detaillierter und atmosphärischer Reisebericht, der Italien behutsam der nur touristischen Sicht entzieht. Das Buch liefert Einblicke ...

Alle weg: Mein Winter an der Adria von Stefan Maiwald ist ein liebevoller, detaillierter und atmosphärischer Reisebericht, der Italien behutsam der nur touristischen Sicht entzieht. Das Buch liefert Einblicke in das, was übrig bleibt, wenn keiner der Touristen mehr da ist. Man darf keine große Geschichte, keinen Abenteuerroman erwarten, erhält aber ein Buch, das Ruhe, Sinn für Details und Genuss vermittelt. Maiwald erreicht dieses indem er Stimmungen und Beobachtungen der kalten Jahreszeit in dem außerhalb der Saison beschaulichen norditalienischen Ort Grado an der Adria schildert. Das Buch vefügt teilweise über Wiederholungen, und wer Handlungen oder Spannung sucht wird enttäuscht werden. Insgesamt handelt es sich um ein unterhaltsames Buch für alle Italienliebhaber, die an gemütlichen Abenden im Winter vom Süden, Wärme, Meer und ruhigen Stimmungen träumen wollen.

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