Scherben und Licht
Der ScherbenpalastDer Scherbenpalast hat mich gleich zu Beginn mit seiner Stimmung eingefangen: dieses feine Knistern von Geheimnissen, die zwischen Zeilen und Blicken lauern. Ich mag Bücher, die mich nicht anschreien, ...
Der Scherbenpalast hat mich gleich zu Beginn mit seiner Stimmung eingefangen: dieses feine Knistern von Geheimnissen, die zwischen Zeilen und Blicken lauern. Ich mag Bücher, die mich nicht anschreien, sondern heranwinken – und genau so fühlte es sich an. Die Welt ist nicht laut, aber fragil, und ich hatte oft das Bedürfnis, ganz langsam zu lesen, um nichts zu übersehen.
Die Hauptfigur habe ich schnell ins Herz geschlossen. Sie wirkt nicht makellos, sondern suchend, manchmal widersprüchlich – und gerade das ließ mich nah an sie heran. Viele kleine Beobachtungen sind so treffend, dass ich mich ertappt fühlte: dieser Moment, in dem man merkt, dass man länger geschwiegen hat, als gut ist; das Zögern, bevor man eine Wahrheit ausspricht, die alles verändern könnte. Mierswa findet dafür klare, unaufgeregte Sätze, die trotzdem nachhallen.
Was mir besonders gefallen hat, ist das Motiv der Scherben: wie aus Bruchstücken ein Bild entsteht, das nie ganz glatt wird, aber ehrlicher wirkt als eine polierte Oberfläche. Diese Metapher trägt das Buch – nicht aufdringlich, sondern leise, konsequent.
Trotzdem war nicht alles perfekt für mich. In der Mitte verlor die Geschichte stellenweise an Zug, als würden einzelne Szenen ein Echo auf vorherige sein. Manche Nebenfiguren bleiben etwas schemenhaft; ich hätte mir da mehr Kanten gewünscht, um ihre Entscheidungen besser greifen zu können. Und ja, ein, zwei Wendungen habe ich früh geahnt – das nimmt etwas vom Sog, auch wenn der Ton die Spannung oft rettet.
Am Ende überwiegt für mich das Gefühl, eine ehrliche, zarte Geschichte gelesen zu haben, die nicht mit Effekten arbeitet, sondern mit Nähe. Der Scherbenpalast ist kein lautes Spektakel, sondern ein leises Innehalten: über Brüche, die bleiben, und darüber, wie man mit ihnen weiterlebt. Ein Buch, das nicht alles heilt – aber zeigt, wo das Licht durch die Risse fällt.