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Veröffentlicht am 20.12.2025

Ein Mitmachbuch für ruhige Adventsabende

Komm mit, Weihnachtseselchen
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Ein Mitmach-Pappbilderbuch für Kinder ab etwa zwei Jahren. Ein kleines Eselchen entdeckt einen Stern und folgt ihm durch die Nacht. Viel passiert nicht und genau das ist der Punkt. Kinder helfen, indem ...

Ein Mitmach-Pappbilderbuch für Kinder ab etwa zwei Jahren. Ein kleines Eselchen entdeckt einen Stern und folgt ihm durch die Nacht. Viel passiert nicht und genau das ist der Punkt. Kinder helfen, indem sie pusten, klopfen oder sanft tippen.

Der Text ist sehr reduziert und lässt Luft fürs gemeinsame Anschauen. Die Illustrationen sind wunderschön: liebevoll, warm, mit vielen kleinen Details, die man auch beim zehnten Mal noch entdeckt. Sie tragen die Geschichte fast allein und machen das Buch besonders stimmig.

Fazit: Ein liebevoll gemachtes Weihnachtsbuch, das Nähe schafft, einfach schön fürs gemeinsame Lesen in der Adventszeit.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Liebe solche Geschichten

Weißes Licht
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Ich liebe Bücher, die nicht in 250 Seiten durchrauschen, sondern mich über 500 Seiten begleiten dürfen. Langsam und intensiv, mit Figuren, denen man beim Leben zuschaut. Genau so ein Buch ist das hier.

Worum ...

Ich liebe Bücher, die nicht in 250 Seiten durchrauschen, sondern mich über 500 Seiten begleiten dürfen. Langsam und intensiv, mit Figuren, denen man beim Leben zuschaut. Genau so ein Buch ist das hier.

Worum geht’s?
Drei Menschen treffen eine Entscheidung, die sie miteinander verbindet und gleichzeitig voneinander trennt, und man begleitet sie (und später ihre Kinder) über Jahrzehnte hinweg, während Beziehungen zerfallen, neue entstehen und sich die Welt draußen langsam verändert.

Ich habe mir Zeit gelassen beim Lesen, weil ich mich gefreut habe, jeden Tag wieder in dieses Leben einzutauchen. Ich habe richtig auf die Momente gewartet, in denen ich das Buch wieder aufschlagen konnte und schauen, wie es weitergeht.

Eric Puchner ist meiner Meinung nach ein richtig guter Erzähler und zeigt alles in kleinen Details, ohne sinnlos abzuschweifen: Entscheidungen, die ganze Biografien formen. Kinder, die in verzwickte Geschichten hineingeboren werden. Eine Welt, die sich langsam verändert, und trotzdem drehen sich die Figuren um das, was Menschen am Ende immer beschäftigt: Liebe, Verlust, Schuld, Hoffnung - you name it.

Am Ende hatte ich das Gefühl, nicht einfach ein Buch gelesen zu haben, sondern ein halbes Leben. Und genau deshalb liebe ich solche Geschichten.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Tolle Gruselgeschichte

Gespensterjäger auf eisiger Spur (Band 1) - Mit 8 neu illustrierten Farbseiten
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Der Auftakt der Reihe ist wirklich super schön, vor allem durch die neuen Farbseiten. Franziska Blindes Illustrationen sind wirklich ein Highlight: fantasievoll, detailverliebt, genau das braucht ein Kinderbuch, ...

Der Auftakt der Reihe ist wirklich super schön, vor allem durch die neuen Farbseiten. Franziska Blindes Illustrationen sind wirklich ein Highlight: fantasievoll, detailverliebt, genau das braucht ein Kinderbuch, um nicht generisch auszusehen. Die Mischung aus den alten Schwarz-Weiß-Zeichnungen und den neuen Farbseiten funktioniert erstaunlich gut. Man merkt sofort, dass hier jemand mit Spaß am Detail gearbeitet hat.

Inhaltlich ist das Buch klassisch Funke: witzig, null belehrend, einfach in andere Welt eintauchen. Tom ist herrlich panisch, Hedwig Kümmelsaft eine Art Anti-Heldin, die man sofort mag. Das „schimmlig-grüne Gespenst“ ist eher süß-chaotisch als wirklich gruselig, was absolut passt.

Der Plot ist für die Zielgruppe genau richtig. Viel wichtiger: Er fühlt sich nie zäh an. Man rutscht quasi durch die Kapitel.

Unterm Strich: Ein schönes Re-Design eines Klassikers und ein gutes Einstiegsbuch für Kids, die Lust auf unkomplizierten Grusel mit Humor haben und für Erwachsene, die beim Vorlesen etwas visuelle Abwechslung wollen.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Ein Debüt, das sich liest wie Kino im Kopf

Das Geschenk des Meeres
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Wow. Selten hat mich ein Debüt so umgehauen wie „Das Geschenk des Meeres“ von Julia R. Kelly. Von der ersten Seite an hatte ich Bilder im Kopf, die wie ein Film abliefen. Die Sprache ist so atmosphärisch, ...

Wow. Selten hat mich ein Debüt so umgehauen wie „Das Geschenk des Meeres“ von Julia R. Kelly. Von der ersten Seite an hatte ich Bilder im Kopf, die wie ein Film abliefen. Die Sprache ist so atmosphärisch, dass ich komplett in dieser Welt versunken bin. Die Figuren wirken absolut lebendig, sie sind keine bloßen Kulissen, sondern haben Tiefe, Ecken und Kanten. Der Plot baut sich perfekt auf, es gibt Wendungen, mit denen ich null gerechnet habe, und ich konnte das Buch einfach nicht weglegen.

Die Geschichte spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in einem schottischen Fischerdorf. Ein Junge wird an den Strand gespült und seine Ankunft wirbelt nicht nur das Leben im Dorf durcheinander, sondern auch das von Dorothy, der Lehrerin des Ortes, die selbst viel verloren hat. Die Erzählung verknüpft die Gegenwart mit Rückblenden in Dorothys Anfänge im Dorf, wo sie von Anfang an Außenseiterin war und unter dem misstrauischen Blick der anderen litt. Stück für Stück taucht man ein in Erinnerungen, alte Wunden, Schuld und Sehnsüchte, die sich nicht so leicht abschütteln lassen.

Die Themen sind teilweise heavy, aber nichts wirkt künstlich dramatisch, nichts zieht sich, jede Szene trägt was bei.
Ich war durchgehend gefesselt und konnte nicht glauben, dass das wirklich ein Debüt sein soll. Auch habe ich das Gefühl, dieses Buch verdient viel mehr Aufmerksamkeit. Es ist wirklich klug erzählt und gleichzeitig so spannend, dass man komplett darin versinkt. Für mich definitiv eines der stärksten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Kein cozy read

Botanik des Wahnsinns
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Siri Hustvedt nennt das Buch „unwiderstehlich“. Okay, reicht, ich lese es. Und ja: es ist weird, klug, lustig und bitter gleichzeitig.

Der Erzähler lebt mit der Angst, den Verstand zu verlieren. Kein ...

Siri Hustvedt nennt das Buch „unwiderstehlich“. Okay, reicht, ich lese es. Und ja: es ist weird, klug, lustig und bitter gleichzeitig.

Der Erzähler lebt mit der Angst, den Verstand zu verlieren. Kein Wunder, wenn man aus einer Familie kommt, in der psychische Erkrankungen nicht Ausnahme, sondern Alltag sind. Depression, Sucht, Schizophrenie, you name it, die sich wie ein Erbe durch die Generationen ziehen. Er wächst auf mit der Frage: Was macht das mit mir?

Um Antworten zu finden, flieht er in verschiedene Richtungen: ins Studium der Psychologie, in die Arbeit in einer Psychiatrie, ins Beobachten und Protokollieren seiner Eltern. Er versucht, Muster zu erkennen, das Chaos in Strukturen zu übersetzen. Doch je mehr er aufschreibt, desto deutlicher wird, dass es nicht um Klarheit geht.

Sprachlich ist das knapp, viele kurze Sätze. Das passt zum Thema. Definitiv kein Text, in den man einfach so reinfällt. Das macht auch Sinn: Die Form ahmt das Chaos nach, über das erzählt wird. Fragmentarisch, abgehackt, rastlos. So liest es sich, so fühlt es sich an.

Ich hatte manchmal das Gefühl, dass der Erzähler unnahbar bleibt, fast kühl. Dann aber gab es Szenen, in denen ich lachen musste und im nächsten Moment dachte: wow, eigentlich ziemlich brutal.

Fazit: „Botanik des Wahnsinns“ ist kurz, fordernd und verstörend. Kein cozy read, sondern ein Text, der einen zwischendurch laut „WTF“ denken lässt. Sehr eigen, aber genau deshalb interessant. Dazu kommt, wie intelligent es geschrieben ist. So viele Sätze, die man am liebsten anstreichen will, so viele Gedanken, die hängen bleiben. Und ja, das Cover ist auch einfach richtig gut.

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