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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.02.2026

makaber und skurril

Ehrlich & Söhne
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Von Ewald Arenz habe ich bereits mit großen Vergnügen einige Romane gelesen, so dass ich mir sehr auf „Ehrlich & Söhne“ gefreut habe. Die Familienchronik einer Bestatterfamilie – das versprach ungewöhnliche ...

Von Ewald Arenz habe ich bereits mit großen Vergnügen einige Romane gelesen, so dass ich mir sehr auf „Ehrlich & Söhne“ gefreut habe. Die Familienchronik einer Bestatterfamilie – das versprach ungewöhnliche und abwechslungsreiche Unterhaltung.

Friedrich Ehrlich ist der Vater von vier erwachsenen Kindern: Samuel und Johannes sind leiblich, Dorothea und Maria wurden adoptiert. Seine Ehefrau Gesine hat mit Klaus einen schürzenjagenden RAF-Sympathisanten als Bruder. Hinzu kommen diverse Halbgeschwister, die das Verwandtschaftsgeflecht nicht eben übersichtlicher machen. Auch wenn inzwischen jeder sein eigenes Leben führt, halten alle zusammen, wenn es hart auf hart kommt; angeheiratete Partner und Partnerinnen haben es schwer. Als eines Tages eine Leiche auftaucht, die Friedrich arg in die Bredouille bringen könnte, ist das Familienclan gefragt…

Arenz erzählt abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven und springt immer wieder zwischen den Zeitebenen hin und her, so dass manchmal nicht sofort klar ist, in welchem Jahrzehnt man sich gerade befindet. Den größten Anteil an der Geschichte haben Samuel und Johannes.

Der Humor ist nicht immer politisch korrekt, aber messerscharf, schräg und staubtrocken. Da aber nahezu jeder Dialog in einem scherzhaften Schlagabtausch endet, wirken die Figuren allesamt oberflächlich, sehr von sich selbst überzeugt und wenig einnehmend. Das erschwerte es mir, mit ihnen warm zu werden und ich merkte, dass mir ihr Schicksal mehr oder weniger egal war. Lediglich Vera, die Außenseiterin und (Noch-)Ehefrau von Samuel, die stets außen vor blieb, hatte meine Sympathie. Die Handlung selbst entwickelte sich zunehmend unglaubwürdig, so dass ich letztendlich froh war, als ich am Ende angelangte.

Fazit: Erstmals konnte mich Ewald Arenz mit seinem Roman nicht erreichen. Zu unsympathisch, schräg und überheblich erschienen mir die Charaktere, zu abstrus und skurill die Handlung. Diesmal leider nur knapp 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

schräge Story mit lustigem Alpaka

Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!
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Nelly Frankenstein ist zwölf Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern im alten Spukschloss der Familie. Ihr Urururgroßvater ist der allseits bekannte Dr. Frankenstein, und angesichts dieser Bürde halten ...

Nelly Frankenstein ist zwölf Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern im alten Spukschloss der Familie. Ihr Urururgroßvater ist der allseits bekannte Dr. Frankenstein, und angesichts dieser Bürde halten sich Nellys Eltern von jeglichem Erfindertum fern und führen ein möglichst biederes Leben. Nelly hingegen möchte so gerne Erfinderin werden und probiert heimlich allerhand aus – was meistens in die Hose geht. Als sie eines Tages bei Gewitter ein totes Alpaka durch Blitzeinschlag wieder zum Leben erweckt und dieses anschließend sogar sprechen kann, gehen die Turbulenzen erst so richtig los, denn auch der Schloss-Geist mischt sich ein…

Die Geschichte ist in der Ich-Form aus Nellys Perspektive geschrieben, wobei immer wieder mehrseitige Tagebucheinträge eingestreut werden, in denen Nelly ihre (stets missglückten) Erfindungen beschreibt. Der locker-leichte, humorvolle Ton ist äußerst unterhaltsam, und besonders das reanimierte Alpaka Monserrat sorgt mit seinem schlagfertigen, etwas exaltierten Wesen für viele lustige Szenen, die meinem Sohn (11) sehr gut gefallen haben.

Als Mutter haben mich einige Punkte leider gestört. Zum einen finde ich es riskant, wenn sich Nelly bei einem starken Gewitter direkt unter einer Eiche aufhält, um das vermeintlich tote Alpaka für einen Blitzschlag passend zu „platzieren“. Zum anderen stochert Nelly bei einer ihrer Erfindungen mit einem Füller in der Steckdose herum, wodurch Rauch aus der Steckdose aufsteigt und ein Kurzschluss auftritt. Solche lebensgefährlichen Experimente haben meiner Meinung nach in einem Kinderbuch nichts verloren, und die Folgen könnten im echten Leben tödlich sein. Da Nelly nicht einmal einen elektrischen Schlag abbekommt, wird die Aktion auch noch verharmlost. Gegen Ende wird die Handlung zudem sehr schräg und teilweise absurd, was ich sehr schade fand. Insgesamt würde ich die Zielgruppe eher bei 8 Jahren aufwärts sehen, da die Geschichte für ältere Kinder schon zu einfach aufgebaut sein könnte.

Wer skurrile Figuren und Geschichten mag, wird an „Little Miss Frankenstein“ sicher seine Freude haben. Wir werden die Reihe aber eher nicht weiter verfolgen.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Vorwissen empfehlenswert

Rainer Maria Rilke. 100 Seiten
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Ich kannte bisher weder ein Buch aus der 100-Seiten-Reihe noch habe ich mich eingehender mit Rilkes Werk beschäftigt. Mein Wissen zu Rilke beschränkte sich auf das Wenige, das mir noch aus dem GK Deutsch ...

Ich kannte bisher weder ein Buch aus der 100-Seiten-Reihe noch habe ich mich eingehender mit Rilkes Werk beschäftigt. Mein Wissen zu Rilke beschränkte sich auf das Wenige, das mir noch aus dem GK Deutsch am Gymnasium bekannt ist. Die damals gelesenen Gedichte hatte ich in sehr positiver Erinnerung, und so wollte ich gerne mehr über Rilke erfahren. Allerdings wurde mir sehr schnell klar, dass ich nicht Zielgruppe dieses Büchleins bin. Auch wenn Clemens J. Setz erstaunlich humorvoll und lebendig schreibt, sollte man doch bereits über ein größeres Vorwissen zu Rilkes Leben und Werk verfügen, um seine Ausführungen zur Gänze verstehen zu können. An einigen Stellen kann ich auch die Argumentation des Autors nicht nachvollziehen, insbesondere, was die These betrifft, dass Puppen und Kuscheltiere viel Liebe empfangen, aber nichts zurückgeben würden, und Puppen für Kinder gar „etwas wie Drogen [sind], von deren Wirkung sie nie mehr ganz genesen“. Das erscheint mir doch etwas arg weit hergeholt und obendrein auch als These fragwürdig.
Insgesamt habe ich durch Clemens J. Setz‘ Werk einen interessanten Blick auf Rilke als Mensch bekommen, auch wenn er mich dadurch nun deutlich unsympathischer ist als zuvor.
Fazit: In erster Linie für Rilke-Kenner eine interessante Lektüre.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

spirituelle und religiöse Umwälzungen im 1. Jahrhundert n. Chr.

Pompejis letzter Sommer
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Gabriel Zuchtriegel hat mich 2023 mit seinem Buch „Vom Zauber des Untergangs“ sehr begeistert, so dass ich mit großer Vorfreude an „Pompejis letzter Sommer“ herangegangen bin.

Der Schreibstil ist wie ...

Gabriel Zuchtriegel hat mich 2023 mit seinem Buch „Vom Zauber des Untergangs“ sehr begeistert, so dass ich mit großer Vorfreude an „Pompejis letzter Sommer“ herangegangen bin.

Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr lebendig und kurzweilig, und die Seiten fliegen nur so dahin. Es ist wirklich faszinierend, welche Erkenntnisse über das Leben in Pompeji etwa aus antiken Wandkritzeleien und Graffiti gewonnen werden können.

Ob Sexualität und Prostitution, die Anfänge des Christentums, die Verbreitung ägyptischer Gottheiten im römischen Reich, Sklaventum, Mysterienkult, Mänaden oder die Wasserversorgung in Pompeji: Der Autor deckt die unterschiedlichsten Themen ab und springt teilweise recht unvermittelt zwischen ihnen her. Hier hätte ich mir manchmal etwas mehr Stringenz und klare Abgrenzung gewünscht. Der Mysterienkult und die dionysischen Riten sowie die religionstheoretischen Ausschweifungen nahmen mir etwas zu viel Raum ein und wirkten auf mich stellenweise sehr assoziativ und weitschweifig. Etwas „handfestere“ Themen rund um das alltägliche Leben, Verwaltung, Recht, Landwirtschaft und auch die technischen Errungenschaften hätten mich mehr interessiert. Das Buch bleibt hier leider recht vage (etwa bei der Wasserversorgung) bzw. sparte diese komplett aus.

Erwähnenswert ist der umfangreichen Bildteil, der die im Buch thematisierten Objekte, Fresken, Statuen usw. beinhaltet.
Insgesamt empfehle ich dieses Buch vor allem jenen Leser:innen, die sich für die religiösen und spirituellen Entwicklungen der damaligen Zeit interessieren.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Vor allem für Fans

Unser wilder Hof
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Ich bin eher zufällig über dieses Buch gestolpert und kannte Geraldine Schüles Social-Media-Account bisher nicht. Parallel zur Lektüre habe ich mir jedoch die Reels, Bilder und Story-Highlights auf Instagram ...

Ich bin eher zufällig über dieses Buch gestolpert und kannte Geraldine Schüles Social-Media-Account bisher nicht. Parallel zur Lektüre habe ich mir jedoch die Reels, Bilder und Story-Highlights auf Instagram angesehen.

Geraldine und Patrick leben seit zwei Jahren mit ihren beiden Kleinkindern auf einem unsanierten, baufälligen Hof in Süddeutschland, ohne warmes Wasser (bis auf einen Boiler in der Dusche), ohne Heizung, in provisorisch hergerichteten Räumen. Neben dem Mammutprojekt der Sanierung, das überhaupt nur möglich ist, weil Patrick Zimmermann und Architekt ist, betreiben sie Landwirtschaft und versuchen, so autark wie möglich zu leben. Und, nicht zu vergessen: Sie sind als Content Creatoren eben auch Unternehmer, die sich durch Klicks und bezahlte Werbepartnerschaften finanzieren. So sympathisch und authentisch Account und Buch auch auf mich wirken, schwingt bei mir immer ein leises Misstrauen gegen inszenierten und werbefinanzierten Content mit.

Geraldine schreibt vor allem über ihren und Patricks gemeinsamen Lebensweg von der Jugendfreundschaft über gemeinsame abenteuerliche Reisen bis hin zur Ehe, und ihre ungewöhnlichen Wohnmodelle: Vor dem Hofprojekt lebten sie jahrelang auf 20qm in einem umgebauten Zirkuswagen.

Das Buch ist unterhaltsam und kurzweilig geschrieben, wenn auch eher einfach im Stil. Das macht sich vor allem an den wiedergegebenen Dialogen bemerkbar, die recht platt klingen.

Die Energie und Zuversicht der beiden ist wirklich beeindruckend, und wo andere (und ganz sicher auch ich) vor allem Risiken sehen, sehen die beiden Chancen. Nur mit dieser Lebenseinstellung ist ein Projekt wie die Sanierung des denkmalgeschützten Hofs überhaupt machbar, der bei Kauf nicht nur statisch ein Desaster war, sondern auch völlig vermüllt. Mir bleibt beim Lesen und auch beim Anblick der Videos oft nur, den Kopf zu schütteln, wenn ich lese und sehe, wie ein Kleinkind bei staubigen Arbeiten oder dem Entrümpeln von völlig zugemüllten Räumen ungeschützt mitten im Dreck sitzt oder in der Rückentrage dabei ist. Abgesehen vom Feinstaub, Schimmelsporen, Krankheitserregern aus Tierkot (Mäuse, Ratten) ist bei Sanierung immer mit Schadstoffen wie Asbest, Mineralfasern, PCB oder PCP zu rechnen. Das gilt auch für alte Öfen wie die Küchenhexe. Die Unbedarftheit der Eltern ist in meinen Augen extrem riskant.

Was kann man als Leser:in Positives aus diesem Buch mitnehmen? Dass es wichtig ist, an die Realisierung seiner Träume zu glauben, Vertrauen die eigenen Fähigkeiten zu haben, und dass nicht immer alles perfekt sein muss, um glücklich zu sein.

Für Fans von Geraldine, die noch mehr über sie und ihre Familie erfahren möchten, bestimmt ganz interessant. Ansonsten ein Buch, das man nicht gelesen haben muss. Geraldine und Patrick haben sich sicherlich ein ungewöhnliches Projekt vorgenommen, stehen allerdings auch noch ziemlich an Anfang. Ob sie dieses wirklich meistern, wird erst die Zeit zeigen. Für meinen Geschmack kommt dieses Buch ein paar Jahre zu früh: Die Aussagekraft wäre wesentlich überzeugender, wenn sie die Sanierung bereits zum großen Teil erfolgreich abgeschlossen hätten.

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