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Kobina

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2025

Absolut mein Fall!

House of Hollow - Ein Horror-Fantasy-Roman
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Nachdem ich Invocations geliebt habe, musste ich natürlich ein weiteres Buch von Sutherland lesen – und House of Hollow hat mich direkt in einen Sog aus düsterer Märchenatmosphäre, unheimlicher Magie und ...

Nachdem ich Invocations geliebt habe, musste ich natürlich ein weiteres Buch von Sutherland lesen – und House of Hollow hat mich direkt in einen Sog aus düsterer Märchenatmosphäre, unheimlicher Magie und bizarr-schöner Bildsprache gezogen.

Die Geschichte rund um die drei Hollow-Schwestern ist gleichzeitig grotesk, zart, grimmig und wunderschön. Sutherland schreibt Horror, der nicht schockt, sondern unter die Haut kriecht: ein Knistern im Nacken, ein Schauder den Rücken hinunter, dieses subtile Unbehagen, das einen trotzdem weiterlesen lässt, weil es einfach zu gut ist. Die Mischung aus Dark Fairy Tale, Mystery und Magical Realism funktioniert hier perfekt – sogar für Leute, die dem Genre sonst misstrauen.

Die Atmosphäre ist das Herzstück des Romans: moosige, modrige, blumige, halb-verrottete Schönheit, die sich wie ein grauer Schleier über alles legt. Gleichzeitig entfaltet sich die Handlung mit kleinen Hinweisen und clever versteckten Brotkrumen, bis die letzten Twists einen mit voller Wucht treffen.

Wenn man den Stil mag – poetisch, düster, ein bisschen surreal –, dann ist House of Hollow ein absoluter Volltreffer. Ein Standalone, das sich anfühlt wie ein modernes Grimm-Märchen mit kaputten Kanten und glänzenden Dornen.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Love? Not the point. Trauma? Unfortunately yes

Lost Girls − Breathing for the First Time
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Als ich das erste Mal von „Lost Girls - Breathing for the first time“ (erster Band einer Dilogie) hörte, dachte ich, es handle sich um eine Romance, die ernste Themen aufarbeitet. Das stimmt nur teilweise; ...

Als ich das erste Mal von „Lost Girls - Breathing for the first time“ (erster Band einer Dilogie) hörte, dachte ich, es handle sich um eine Romance, die ernste Themen aufarbeitet. Das stimmt nur teilweise; eher ist es ein Roman, der HAUPTSÄCHLICH schwere, realistische Themen behandelt und AUSSERDEM eine Romanze enthält. Die Liebesgeschichte zwischen Darcy und Ellis nimmt zwar ihren Raum ein, steht aber eindeutig nicht im Mittelpunkt.

In eben jenem steht vielmehr Darcys Geschichte: Eine junge Frau, die an ihren narzisstischen Exmann gebunden ist und verzweifelt versucht, sich aus dieser toxischen Beziehung zu lösen.

Beim Hören hatte ich regelmäßig einen Kloß im Hals oder musste mich zusammenreißen, nicht vor Wut zu weinen – besonders wegen dieses leider sehr realistischen Endes. Klar, einiges ist ein bisschen überzeichnet, immerhin ist Darcys Exmann ein Profi-Footballer und damit weit weg vom Durchschnittsmenschen. Emotional funktioniert es aber trotzdem. Man fragt sich ständig, wie man selbst reagiert hätte und ob man klüger (oder dümmer) gewesen wäre als Darcy. Die Paranoia, die sie sich (zu recht) angeeignet hat, nimmt einen selbst mit. Definitiv nicht empfehlenswert, wenn einem die eigene Anxiety aktuell ohnehin zusetzt!

Ein riesiger Pluspunkt ist beim Hörbuch die unglaubliche Sprecherleistung von Dagmar Bittner. Sie trifft jede Stimme, jeden Unterton, jede Gefühlsregung perfekt und selbst unsere heisere Protagonistin wirkt absolut echt.

Insgesamt eine klare Empfehlung, wenn man sich einmal in die Lage einer Frau versetzen möchte, die in einer gewalttätigen Beziehung feststeckt.
Und wie schwer, kompliziert und emotional zerrissen der Weg hinaus wirklich sein kann.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

House of the Beast

House of the Beast
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Ich gebe es zu: An diesem Buch bin ich sehr lange einfach vorbeigescrollt, weil ich dachte, es wäre die nächste generische Heten-Romantasy. Weit gefehlt! "House of the Beast" ist alles andere als das. ...

Ich gebe es zu: An diesem Buch bin ich sehr lange einfach vorbeigescrollt, weil ich dachte, es wäre die nächste generische Heten-Romantasy. Weit gefehlt! "House of the Beast" ist alles andere als das. Die Romance-Anteile sind so minimal, dass man sie fast übersehen könnte. Mich persönlich hat das absolut nicht gestört, könnte aber gerade bei Cover- und Klappentextkaufenden auf wenig Gegenliebe stoßen. Statt der suggerierten Romantasy bekommt man hier richtig dichte, erwachsene Fantasy mit deutlichen Horror-Elementen – ein Mix, den ich liebe und der hier einfach perfekt funktioniert. Außerdem problematisch in der deutschen Vermarktung: Es wurde komplett verschwiegen, dass die Autorin Michelle Wong die Illustratorin von "The Legend of Korra" ist. Und das ist nicht gerade eine kleine Randnotiz! Vor allem, weil im Buch selbst auch einige ihrer Illustrationen vorkommen – wunderschön, atmosphärisch und genau der richtige Touch, um die düstere Welt noch greifbarer zu machen. Besagte Welt ist überhaupt eines der großen Highlights. Ungewohnt, brutal, ästhetisch – sie fühlt sich roh und echt an, ohne jemals ins Übertriebene zu kippen. Genauso gelungen: Die Charakterarbeit. Wir begleiten die Protagonistin von der Geburt ihres Hasses bis zu dem Punkt, an dem sie versucht, ihn wieder loszuwerden. Ihre Entwicklung ist nachvollziehbar, schmerzhaft und extrem gut geschrieben. Auch die Nebenfiguren haben klare, überzeugende Standpunkte. Natürlich kann in einem Einzelband nicht jeder so ausgiebig beleuchtet werden wie die Hauptfigur, aber die Seiten, die den Nebencharakteren gewidmet waren, wurden sehr gut genutzt. "House of the Beast" ist düstere, klug erzählte Fantasy mit einer starken Hauptfigur, wunderschönem Worldbuilding und Horror-Flair, das unter die Haut geht. Und falls Michelle Wong jemals ein Spin-Off mit zwei der Nebencharaktere (;)) schreibt – ich bin sowas von dabei.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Passender Abschluss, der der Reihe treu bleibt

The Sweetest Betrayal
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Nach dem Ende von The Cruelest Mercy war klar, dass es in The Sweetest Betrayal ordentlich krachen würde. Und tatsächlich: Schon nach wenigen Kapiteln war ich wieder mitten in dieser Welt, die mich seit ...

Nach dem Ende von The Cruelest Mercy war klar, dass es in The Sweetest Betrayal ordentlich krachen würde. Und tatsächlich: Schon nach wenigen Kapiteln war ich wieder mitten in dieser Welt, die mich seit dem ersten Band so begeistert. Die Mischung aus Intrigen, Romantik und Wüstenmagie funktioniert auch diesmal wieder wunderbar und sorgt für ein Finale, das sich richtig groß anfühlt.

Zahru hat endlich den Entwicklungssprung gemacht, den ich mir so lange gewünscht hatte. Sie ist immer noch sie selbst, aber entschlossener, dunkler, weniger bereit, sich kleinzumachen. Es macht Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie die Konsequenzen früherer Entscheidungen trägt. Und Kasta? Nun, er ist weiterhin das perfekte Beispiel für einen moralisch grauen Love Interest, der einen gleichzeitig verzweifeln und seufzen lässt. Ihre Dynamik ist definitiv das Herzstück des Buches.

Auch die Nebenfiguren glänzen wieder. Hen und Jet stehlen in ihren Szenen fast die Show und bringen die richtige Portion Witz und Leichtigkeit ins Geschehen. Insgesamt schafft Natalie Mae es erneut, Humor und Spannung zu verbinden, ohne dass eines das andere verdrängt.

Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass der politische Teil diesmal etwas zu kurz kommt. Die Handlung konzentriert sich stärker auf Beziehungen und Emotionen, was zwar funktioniert, aber manchmal etwas Tiefe kostet. Trotzdem bleibt die Geschichte durchgehend spannend, mit genug Überraschungen, um mich bis zur letzten Seite mitzunehmen.

Das Ende hat mich zufrieden, aber auch ein bisschen wehmütig zurückgelassen. Ich wollte gar nicht, dass es vorbei ist – und das ist wohl das beste Kompliment, das man einem Reihenfinale machen kann.

Fazit:
Ein würdiger Abschluss, der mit starken Charakteren, Spannung und Gefühl überzeugt. Nicht alles läuft perfekt, aber The Sweetest Betrayal beweist, dass diese Reihe zu den unterschätzten Highlights im YA-Fantasybereich gehört.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Klassischer Krimi plus queere Identität

Lavender House
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Selten hat mich ein Cover so angesprochen wie es bei der deutschen Ausgabe von "Lavender House" von Lev AC Rosen der Fall war. Versteht mich nicht falsch, das englische Cover ist auch schön echt hübsch, ...

Selten hat mich ein Cover so angesprochen wie es bei der deutschen Ausgabe von "Lavender House" von Lev AC Rosen der Fall war. Versteht mich nicht falsch, das englische Cover ist auch schön echt hübsch, aber die Dunkelheit des deutschen setzt dem Ganzen nochmal die Krone auf. Die Treppen darauf, die leichten Blutspuren, die Blütenblätter (und das alles in meiner absoluten Lieblingsfarbe) ist förmliche Perfektion.
Dann kam der Titel, der wiederum an die Lavendelehen erinnert und da ich dieses Thema schon immer spannend fand, war somit klar, dass ich das Buch lesen muss.

(Ich weiß nicht, WIE ich auf die Idee gekommen bin, aber irgendwie ging ich davon aus, hier einen Fantasyroman in den Händen zu halten. Dem ist NICHT der Fall! Es ist ein historischer Krimi, wie er auch vollkommen korrekt auf dem Klappentext beworben wird.)

Das Setting an sich ist so klassisch, wie man es kennt: Wir haben einen Excop, der sich nun auf andere Weise durchs Leben schlagen muss.
Der Grund für diese Entlassung ist jedoch nicht ganz so klassisch: Unser Protagonist Andy Mills wurde nämlich bei einer Razzia in einer Schwulenbar erwischt, was 1952 schließlich ein No-Go war.

Umso schöner ist, was er im namengebenden Lavender House findet.; ein echtes Safe Space, ein Zuhause für Menschen, die anderswo verstecken und lügen müssten. Hier leben queere Menschen wie er offen, ohne Angst vor Anfeindungen. Doch gerade in diesem vermeintlich sicheren Hafen lauert das Verbrechen – und schnell wird klar: Wenn Irene tatsächlich ermordet wurde, dann war es jemand aus dem Inneren der Familie.

Der Roman ist eine Mischung aus klassischem Whodunit und queerer Geschichtsschreibung. Rosen bringt ein spürbares Film-noir-Flair in seine Erzählung, gleichzeitig fühlt sich die Geschichte an vielen Stellen mehr nach Cozy Mystery an als nach „Knives Out“ (mit dem es oft verglichen wird). Wer auf überdrehte Charaktere, bissigen Humor und absurde Twists hofft, wird vielleicht enttäuscht. Stattdessen stehen Atmosphäre, Identität und Andys innere Reise im Vordergrund.

Ich mochte besonders die Grundidee: Ein queeres „Haus voller Geheimnisse“ in einer Zeit, in der es draußen gefährlich war, man selbst zu sein. Die Figuren sind interessant, auch wenn einige eher blass bleiben, und der Fall selbst ist nicht übermäßig komplex – eher geradlinig erzählt, ohne große Überraschungen. Für mich funktionierte das als ruhiger, nachdenklicher Krimi, andere könnten sich jedoch mehr Tempo wünschen.

Der Sprecher des Hörbuchs schließt sich dabei der angenehmen Ruhe an. Seine Stimme ist unaufgeregt und beruhigend, sodass er perfekt zu unserem Protagonisten passt.

Fazit: Kein nervenzerreißender Thriller, sondern ein queerer Cozy-Krimi mit starker Atmosphäre, viel Herz und einem spannenden Setting. Wer sich davon mehr erhofft als ein „Knives Out in gay und 1950s“, sollte die Erwartungen justieren – dann kann Lavender House ein richtiges kleines Juwel sein.

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