Schwache Dramaturgie und viel Sendungsbewusstsein
Bei diesem Krimi kann man schon nach zwei Seiten erahnen, dass sein Spannungsbogen sehr flach werden wird. Man wird nämlich anfangs erst einmal belehrt. Die Abteilung "Betreutes Denken" gibt bekannt, dass ...
Bei diesem Krimi kann man schon nach zwei Seiten erahnen, dass sein Spannungsbogen sehr flach werden wird. Man wird nämlich anfangs erst einmal belehrt. Die Abteilung "Betreutes Denken" gibt bekannt, dass nicht jeder Pastor homosexuell sein muss und nicht jeder Homosexuelle ein Kinderschänder. Wieso glaubt der Autor eigentlich, dass man darauf nicht von selbst kommen kann?
Immerhin weiß man bereits, dass in diesem Buch ein homosexueller Pastor erscheinen wird, der auch noch ein Kinderschänder ist, ohne dass man auch nur eine Seite der Handlung gelesen hat. Der Klappentext offenbart dann auch noch eine übel aussehende Wasserleiche, die ein gerade aus dem Rheinland nach Bremerhaven versetzter Hauptkommissar am ersten Arbeitstag an der Wesermündung vorgesetzt bekommt. Damit sind fast alle Höhepunkte dieses Krimis aufgezählt, denn ein Spannungsbogen entwickelt sich nicht. Schnell wird dem Leser auch vermittelt, wer der Mörder ist. Irgendwie scheint der Autor den Grundkurs in Dramaturgie verpasst zu haben.
Einzig die Art und Weise, wie man den Bösewicht mit knallharter Polizeiarbeit enttarnt, bleibt noch zu klären. Doch wozu braucht man dann diesen Pastor? Den braucht man gar nicht, denn dieser Mensch erfüllt einen ganz anderen Zweck. Ihn benutzt der Autor lediglich zu einer fundamentalen Kirchenkritik, die er massiv in seinen "Kriminalroman" eingebaut hat, obwohl sie mit der eigentlichen Handlung nur beiläufig zu tun hat. Vieles an diesem Buch wirkt gekünstelt, amateurhaft und vordergründig.
Tatsächlich geht es nur um die korrupten Machenschaften eines Zöllners und um dessen Geldwäsche-Aktionen, die der Autor dem bildungshungrigen Leser mit einfachen Worten erläutert.
Die massive Kirchenkritik des Autors, die er am fehlenden Aufklärungswillen in Missbrauchsfällen festmacht, ist sicher völlig berechtigt. Es fällt halt nur auf, dass sie gar nicht zur eigentlichen Handlung gehört, dafür aber viel zu ausführlich ist und auch noch bis zum Kölner Kardinal Woelki reicht. Mit einem gut komponierten Kriminalroman hat das nichts mehr zu tun. Fehlende Spannung durch politisches Sendungsbewusstsein zu ersetzen, bleibt eine in diesem Genre ziemlich absurde Methode, selbst wenn die Botschaft berechtigt ist.