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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2025

“Zwischen Nebel und Geheimnissen: Ein viktorianischer Krimi mit Charme und Tiefgang”

Der tote Antiquar von Limehouse
2

Ann Granger gelingt es mit Der Tote Antiquar von Limehouse, eine faszinierende Kriminalgeschichte mit historischem Flair zu erzählen. Der Roman entführt den Leser ins viktorianische London, eine Zeit voller ...

Ann Granger gelingt es mit Der Tote Antiquar von Limehouse, eine faszinierende Kriminalgeschichte mit historischem Flair zu erzählen. Der Roman entführt den Leser ins viktorianische London, eine Zeit voller gesellschaftlicher Umbrüche und düsterer Geheimnisse. Besonders gelungen ist die detaillierte Atmosphäre, die die damalige Epoche lebendig macht. Man spürt förmlich die engen Gassen Londons, das Flair der Antiquitätenläden und die schattige Welt der Hehler und Fälscher.

Die Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet. Inspector Ben Ross und seine Frau Lizzie bilden ein wunderbares Duo, das sich ideal ergänzt. Ross steht für die sachliche Polizeiarbeit, während Lizzie mit ihrem Einfallsreichtum und ihrer Neugier den Fall auf eine unkonventionelle Weise bereichert. Ihre Dynamik verleiht der Geschichte eine besondere Note und macht die Ermittlungen nicht nur spannend, sondern auch menschlich und greifbar.

Allerdings brauchte ich ein wenig Zeit, um in die Geschichte hineinzufinden, da die Spannung am Anfang etwas verhalten war. Doch mit der Einführung der zentralen Figuren und der Entwicklung der Handlung nahm der Roman schnell Fahrt auf. Besonders die vielen kleinen Details sowie die zu Beginn sehr unterschiedlichen Kriminalfälle, die sehr geschickt ineinander verwoben sind, machten den Reiz des Buches für mich aus und sorgten dafür, dass ich es schließlich nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Das Cover des Buches finde ich ebenfalls sehr gelungen. Es fängt die düstere Stimmung des Romans perfekt ein und zieht mit seinen stilvollen, viktorianischen Elementen sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Es ergänzt den Inhalt wunderbar und passt hervorragend zum Ton des Buches.

Insgesamt ist Der Tote Antiquar von Limehouse ein empfehlenswerter Kriminalroman, der nicht nur durch seinen spannenden Fall, sondern auch durch seine authentische Darstellung einer längst vergangenen Zeit besticht. Besonders Fans historischer Krimis werden hier auf ihre Kosten kommen.

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  • Charaktere
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  • Spannung
Veröffentlicht am 31.03.2026

Was macht man, wenn man dem Tod plötzlich ganz nah ist?

ZIMMER 706
3

Zimmer 706 hat mich von Anfang an richtig gepackt. Schon die ersten Seiten erzeugen eine starke Spannung und man merkt sofort, dass hinter der Geschichte mehr steckt, als es zunächst scheint. Besonders ...

Zimmer 706 hat mich von Anfang an richtig gepackt. Schon die ersten Seiten erzeugen eine starke Spannung und man merkt sofort, dass hinter der Geschichte mehr steckt, als es zunächst scheint. Besonders die Zeitsprünge haben mir sehr gut gefallen, weil man als Leser nach und nach versteht, was wirklich passiert.

Trotzdem hatte ich beim Lesen immer wieder Schwierigkeiten, die Entscheidungen der Hauptfigur wirklich nachzuvollziehen – vor allem in Bezug auf James, der für mich bis zum Schluss eher blass und wenig greifbar geblieben ist. Gerade deshalb hätte ich mir emotional noch etwas mehr Tiefe und Entwicklung gewünscht.

Was das Buch für mich aber besonders macht: Es hat mich immer wieder ins Grübeln gebracht. Ich habe mich oft gefragt, wie ich selbst in so einer Situation gehandelt hätte und ob ich anders entschieden hätte. Dadurch war es für mich nicht nur ein Buch zum Lesen, sondern auch eines, das zum Nachdenken und Reflektieren anregt.

Der Anfang war für mich sehr stark und hat große Erwartungen geweckt. Leider konnte die Geschichte diese für mich am Ende nicht ganz halten, aber es ist definitiv ein Buch, das noch eine Weile im Kopf bleibt.

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  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
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Veröffentlicht am 27.01.2026

Cosy Crime mit Biss – ein vorsichtiges Kennenlernen mit Agatha Raisin

Agatha Raisin und die tote Therapeutin
5

Agatha Raisin und die tote Therapeutin ist bereits der sechsundzwanzigste Band der beliebten Cosy-Crime-Reihe von M. C. Beaton, die nach dem Tod der Autorin weiter große Fangemeinden begeistert. Schon ...

Agatha Raisin und die tote Therapeutin ist bereits der sechsundzwanzigste Band der beliebten Cosy-Crime-Reihe von M. C. Beaton, die nach dem Tod der Autorin weiter große Fangemeinden begeistert. Schon das Cover vermittelt mit seiner ruhigen, ländlichen Szenerie den trügerischen Frieden des kleinen englischen Dorfes Carsely in den Cotswolds.

Für mich war es der erste Roman mit Agatha Raisin, was den Einstieg für mich stellenweise etwas herausfordernd gemacht hat. Agatha ist eine sehr eigenwillige Figur: impulsiv, direkt und nicht selten übergriffig – gleichzeitig aber clever, ehrgeizig und loyal gegenüber den Menschen, die ihr nahestehen. Besonders ihr Hang dazu, Situationen emotional aufzubauschen, sorgt immer wieder für amüsante Momente, verlangt Neulingen wie mir jedoch auch etwas Geduld ab.

Ausgangspunkt der Handlung ist eine neu ins Dorf gezogene Therapeutin, die mit zweifelhaften Methoden und unangenehmem Gerede schnell für Unruhe sorgt. Als sie ermordet wird, rückt Agatha selbst ins Zentrum der Ermittlungen. Die Geschichte nimmt daraufhin rasch Fahrt auf: Es kommt zu weiteren Gewalttaten, Verdächtigungen wechseln häufig, und Agatha gerät mehrfach in gefährliche Situationen. Unterstützt wird sie dabei von vertrauten Personen aus ihrem Umfeld.

Die Handlung ist sehr temporeich, teilweise fast überladen. Die Anzahl der Morde war mir persönlich stellenweise zu hoch, und nicht jede Entwicklung wirkte für mich ganz schlüssig. Dennoch bleibt die Geschichte sehr unterhaltsam, lebt von überraschenden Wendungen und vom typischen britischen Humor, der besonders im dörflichen Miteinander, dem Tratsch und den zwischenmenschlichen Spannungen zum Tragen kommt.

Insgesamt war es für mich kein riesengroßes Highlight, aber eine angenehme und sehr kurzweilige Lektüre. Trotz kleiner Kritikpunkte hat der Roman mein Interesse an der Reihe geweckt – vor allem, weil Agatha Raisin mit all ihren Macken eine ungewöhnliche, aber einprägsame Ermittlerin ist, der man gern noch einmal begegnen möchte.

Veröffentlicht am 28.11.2025

Eine fesselnde Reise in menschliche Abgründe

Safe Space
8

Safe Space war mein erstes Buch von Sarah Bestgen – und ich wurde sofort von ihrem intensiven, atmosphärischen Schreibstil überrascht. Die Geschichte beginnt ruhig, doch schon nach wenigen Seiten entsteht ...

Safe Space war mein erstes Buch von Sarah Bestgen – und ich wurde sofort von ihrem intensiven, atmosphärischen Schreibstil überrascht. Die Geschichte beginnt ruhig, doch schon nach wenigen Seiten entsteht eine beklemmende Spannung, die mich völlig eingesogen hat.

Inhaltlich begleitet man vor allem Anna, die in einer forensischen Psychiatrie arbeitet und mit Männern konfrontiert ist, die teils grausame Taten begangen haben. Parallel dazu erfährt man vieles über Leon, dessen erschütternde Kindheitserinnerungen mich tief berührt haben. Auch Annas Schwester Sina kommt zu Wort – ihre Tagebucheinträge sind emotional, verzweifelt und manchmal schwer zu ertragen. Nach und nach verweben sich all diese Perspektiven zu einem psychologischen Netz aus Trauma, Schuld, Manipulation und dunklen Geheimnissen.

Sarah Bestgen schreibt unglaublich eindringlich. Ich habe beim Lesen oft körperlich reagiert – sei es durch Gänsehaut, einen flauen Magen oder das Bedürfnis, kurz innezuhalten. Einige Szenen, besonders aus Leons Vergangenheit, waren für mich schwer auszuhalten, gerade weil sie so realistisch und schonungslos erzählt werden. Gleichzeitig hat mich die düstere Atmosphäre in der Anstalt regelrecht gefangen genommen. Jeder Schritt, jede Begegnung knisterte vor Spannung – wie in einem Film, in dem man spürt, dass jemand hinter einem steht.

Die überraschende Wendung am Ende fand ich brillant und gleichzeitig zutiefst gruselig.

Trotz meines gemischten Gefühls zum Ende bleibt Safe Space ein fesselnder, psychologisch tiefgehender Thriller, der mich emotional sehr bewegt hat. Die Autorin schafft es, ihre Figuren so lebendig und verletzlich darzustellen, dass sie mich auch nach der letzten Seite nicht losgelassen haben.

Mein Fazit: Ein atmosphärisch dichter, emotional fordernder Thriller mit starken Figuren und sehr überraschenden Wendungen – für mich absolut beeindruckend!

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Tee, Wahnsinn und stille Mörder

May Morrigans mysteriöse Morde
2

Dieses Buch hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen – so sehr, dass ich es zeitweise einfach nicht aus der Hand legen konnte. Die Spannung ist durchgehend präsent, doch es sind vor allem die subtilen ...

Dieses Buch hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen – so sehr, dass ich es zeitweise einfach nicht aus der Hand legen konnte. Die Spannung ist durchgehend präsent, doch es sind vor allem die subtilen Wendungen, die den Reiz der Geschichte ausmachen. Immer wieder wird der Leser auf falsche Fährten geführt, nur um dann von einer überraschenden Enthüllung völlig mitgerissen zu werden.

Im Zentrum steht May, eine faszinierende, vielschichtige Figur, die bis zum Schluss irgendwie ein Rätsel bleibt. Ihre ruhige, fast unscheinbare Art verbirgt eine tiefe Intelligenz und eine dunkle Seite, die sie unberechenbar und gleichzeitig unglaublich interessant macht. Trotz aller Offenbarungen bleibt immer ein Restgeheimnis, dass mich auch nach dem Ende noch beschäftigt. Ob mir die Dame sympathisch ist kann ich abschließend immer noch nicht sagen.

Fletcher ist dagegen ein liebenswerter, wenn auch komplexer Charakter, der durch seine Verletzlichkeit und seinen scharfen Verstand sofort Sympathien weckt. Besonders beeindruckend finde ich die Rolle von Barbara, sie verleiht der Geschichte eine besondere Würze.

Der typische englische Humor durchzieht die Handlung. Der scharfsinnige Witz gibt dem Roman eine nette Leichtigkeit, ohne die ernsten Themen zu verdrängen. Insgesamt ist es ein Krimi mit sehr überraschenden Wendungen und charmant-schrägen Figuren.

Als kleinen Wermutstropfen empfand ich die teils derbe Sprache.
Dies hat den Lesefluss an einigen Stellen für mich sehr beeinträchtigt und vor allen Dingen war dies aus meiner Sicht auch völlig unsinnig. Ich könnte mir vorstellen, dass dies einige Leserinnen abstößt. Eine zurückhaltendere Wortwahl hätte mir entschieden besser gefallen.

Ansonsten hält die Story was das Cover verspricht: einen packenden Kriminalfall voller Überraschungen, skurriler Charaktere und einer großen Prise typisch englischen Humors.

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