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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2025

Gutes Histokrimiseriendebüt

Die weiße Nacht
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Weil mir von Anne Stern bereits u. a. ihre in Dresden angesiedelte Opernhaus-Trilogie gut gefiel, konnte ich ihrem aktuellsten Werk, "Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König", für das sie wieder ...

Weil mir von Anne Stern bereits u. a. ihre in Dresden angesiedelte Opernhaus-Trilogie gut gefiel, konnte ich ihrem aktuellsten Werk, "Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König", für das sie wieder einmal Berlin - hauptsächlich die Bezirke Mitte, Kreuzberg und Neukölln - als Schauplatz wählte, nicht widerstehen.
Es handelt sich um einen im ersten Nachkriegswinter spielenden, 400 Seiten umfassenden Hardcover-Kriminalroman, welcher für den 02. 01. 2026 unter der ISBN 978-3-492-07461-2 von der Piper Verlag GmbH angekündigt wird und dem das Zitat
"Das Geschichtenerzählen enthüllt den Sinn, ohne den Fehler zu begehen, ihn zu benennen." von Hannah Arendt vorangestellt ist.
Die in 4 Besatzungszonen aufgeteilte Hauptstadt ("einst Königin, jetzt Bettlerin") wird bei klirrender Kälte in der Vorweihnachtszeit von Ruinen, Trümmern, Schwarzmarkt und Hunger geprägt, als die Fotografin Lou Faber, die in den frühen Morgenstunden mit ihrer Leica gern die Atmosphäre des Sonnenaufgangs "einfängt", auf eine weibliche Leiche stößt.
Hier kommt mit Kommissar Alfred König der 2. Teil des sympathischen Protagonisten-Duos ins Spiel. Er stammt aus Ostpreußen, wurde unter dem NS-Regime als dessen Gegner inhaftiert und verlor bei einer Misshandlung ein Auge, bekam aber wegen eben jener politischen Einstellung jetzt seinen Posten, da nur Mitarbeiter ohne NS-Vergangenheit bei der Polizei arbeiten sollten.
Im Laufe der Ereignisse stellt sich heraus, dass das weniger gut klappt, wie auch, da es ja immer noch viele Nazis gab.
Auch Lou "verdankt" einem traumatischen Ereignis eine Erinnerung in Form einer Narbe in der unteren Gesichtshälfte.
Die Beiden werden bald mit einem 2. Mordfall konfrontiert.
Erzählstil, Spannung, historisches Flair und Auflösung entsprachen voll meinen Erwartungen.
Ich freue mich auf eine Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Lesespaß mit Max & Tiffy

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat
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Vor einiger Zeit bekam ich zufällig im TV während einer "Torsten Sträter"-Folge mit, wie der Gastgeber gemeinsam mit Marc-Uwe Kling abwechselnd Auszüge aus dessen damals aktuellstem Buch "Der Tag, an dem ...

Vor einiger Zeit bekam ich zufällig im TV während einer "Torsten Sträter"-Folge mit, wie der Gastgeber gemeinsam mit Marc-Uwe Kling abwechselnd Auszüge aus dessen damals aktuellstem Buch "Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte", dem "witzigsten Aufklärungsbuch seit dem Urknall", vorlas. Für mich war das Grund genug, dieses Buch zu kaufen und weiter zu lachen.

Im neuesten "Am Tag, als..."-Buch steht also Max im Mittelpunkt. Weil er am Abend zuvor zu viel und feucht gefeiert hat, leidet er auf der Autofahrt der Großfamilie nach Wuppertal anlässlich der 4. Heirat von Großtante Ilse unter den Folgen. Dabei ist die Stimmung im Wagen aus unterschiedlichen Gründen ohnehin nicht sonderlich gut. Dem trägt auch das tolle Cover Rechnung, auf welchem der Großvater uns per Sprechblase mitteilt, dass er eh einer Bahnreise den Vorzug gegeben hätte. Die Gründe des jeweiligen Stimmungstiefs erfährt man in der 8 Seiten umfassenden Leseprobe, in welcher zugleich alle Fahrzeuginsassen vorgestellt werden.

Marc-Uwe Klings ab 6 Jahren empfohlenes Kinderbuch "Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat" ist Band 5 der Reihe "Trubel bei Tiffany" (T. ist Max' kleine Schwester), umfasst 72 Seiten, wurde von Astrid Henne Klings wie üblich zum Niederknieen komisch formulierten Text wunderbar ergänzend illustriert und erschien am 29. 09. 2025 unter der ISBN 978-3-551-52319-8 bei der Carlsen Verlag GmbH.
Es ist auch ohne Kenntnis der "Vorgänger" verständlich.

In diesen in mehrfacher Hinsicht trüben Tagen für Jung und Alt genau das richtige Buch für einige stimmungsaufhellende Stunden.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Beeindruckendes Buch zur Fam. Th. Mann von 2 - 9/1933

Wenn die Sonne untergeht
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Florian Illies' 336 Seiten umfassender Historienschmöker "Wenn die Sonne untergeht - Familie Mann in Sanary" ist sowohl mit einem Lesebändchen als auch mit einem ebenso ansprechenden wie passenden Cover ...

Florian Illies' 336 Seiten umfassender Historienschmöker "Wenn die Sonne untergeht - Familie Mann in Sanary" ist sowohl mit einem Lesebändchen als auch mit einem ebenso ansprechenden wie passenden Cover versehen und seit dem 22. 10. 2025 im Verlag S. Fischer unter der ISBN 978-3-10-397192-7 erhältlich.
Schon während meiner Grundschulzeit lasen wir Ausschnitte aus "Tonio Kröger", woraufhin das Buch auf meine Weihnachtswunschliste wanderte. Später folgten weitere Bücher und Filme über und von Thomas Mann nebst Familie, zuletzt Thilo Eckhardts "Gefährliche Betrachtungen - Der Fall Thomas Mann".

Die Lektüre von Buchbeschreibung und 16-seitiger Leseprobe zum Werk von Illies weckten auf Anhieb mein Interesse und meine Erwartungen erfüllten sich erfreulicherweise voll und ganz:
Thomas Mann und Ehefrau Katia verlassen im Februar 1933 ihre geliebte Münchener Villa in der Poschinger 5traße1, da der Autor in Amsterdam, Brüssel und Paris Vorträge über Richard Wagner halten will. Bereits bei der Beschreibung der Aufbruchsszenen erfreute mich der lebendige Erzählstil und der Blick für Details wie beispielsweise die Betonung des Wortes "Ru-he!", wenn der Protagonist nervös war.
Wegen der durch den aufkommenden Nationalsozialismus zunehmend gefährlicher werdenden Bedrohung "strandet" die Familie Mann schließlich im französischen Sanary-sur-Mer. Wir begleiten sie bis September 1933, wobei diverse Spannungen der Mitglieder untereinander deutlich werden und viele Namen auch heute noch bekannter Personen auftauchen.
Eine besondere Erwähnung verdienen mMn das neben der Danksagung am Ende des Buches befindliche Kapitel "Danach" und der Stammbaum. Ähnliches vermisse ich in historischen Romanen, Biografien etc. oft schmerzlich!

Das Buch gefiel mir sehr gut und ich empfehle daher auch gern weiter!

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Ziemlich "beste Freunde"

Elon & Jeff on Mars
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Spätestens, seit ich vor einiger Zeit zufällig in einer "Torsten Sträter"-Folge mitbekam, wie der titelgebende Gastgeber zusammen mit Marc-Uwe Kling abwechselnd Auszüge aus dessen damals aktuellem Buch ...

Spätestens, seit ich vor einiger Zeit zufällig in einer "Torsten Sträter"-Folge mitbekam, wie der titelgebende Gastgeber zusammen mit Marc-Uwe Kling abwechselnd Auszüge aus dessen damals aktuellem Buch "Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte", dem "witzigsten Aufklärungsbuch seit dem Urknall", vorlas, bin ich diesem Autor sozusagen verfallen.
Weil ich ihm nicht auf Instagram etc. folge, hätte ich sein neuestes, von Bernd Kissel hervorragend illustriertes 80-seitiges Werk "Elon & Jeff on Mars" (seit dem 30. 09. 2025 unter der ISBN 978-3-551-80572-0 bei der Carlsen Verlag GmbH) beinahe verpasst.
Und das wäre wirklich schade gewesen, denn mir wäre ein unterhaltsames Leseerlebnis entgangen. Bereits die Buchbeschreibung und die Lektüre der - mit lediglich 10 Seiten leider viel zu kurzen, aber trotzdem durchaus appetitanregenden - Leseprobe weckten mein Interesse, wie es mit Jeff Jezos (Gründer von The Shop - weltweit größter Versandhändler) und Elon Dusk (Chef des Automobilherstellers Edison) wohl weitergehen würde. Auch das Cover war ja schon überaus vielversprechend...
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Und tatsächlich enttäuschte mich die einfallsreiche, humorvoll-satirisch erzählte Geschichte der beiden skurrilen Multimilliardäre denn auch nicht. Bereits die Auswahl der Namen und Firmen der auch in den "Känguru-Chroniken" aufgetauchten Protagonisten (Vorkenntnisse zum Verständnis sind nicht erforderlich) finde ich einfach nur köstlich!
Fazit:
Leseempfehlung!!


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Veröffentlicht am 11.09.2025

Bewegende - nicht kitschige! - Frauenschicksale

Das Flüstern der Marsch
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Schon Buchbeschreibung und Leseprobe von Katja Keweritschs mit einem sehr schönen Cover versehenem Roman "Das Flüstern der Marsch" (384 S., seit 05. 09. 2025 unter der ISBN 978-3-455-02015-1384 beim Hoffmann ...

Schon Buchbeschreibung und Leseprobe von Katja Keweritschs mit einem sehr schönen Cover versehenem Roman "Das Flüstern der Marsch" (384 S., seit 05. 09. 2025 unter der ISBN 978-3-455-02015-1384 beim Hoffmann und Campe Verlag) gefielen mir auf Anhieb gut.
Das 3-teilige Buch beginnt mit der Widmung "Für Paul, Stella und Emil" und dem Zitat
​"Vielleicht erzittert in der Gegenwart immer auch die Vergangenheit, ob wir es spüren oder nicht" (Doirann Ni Ghriofa "Ein Geist in der Kehle").
Es handelt von 4 Frauen in 3 im Abstand von jeweils 30 Jahren spielenden, durch Datum und Vornamen leicht unterscheidbaren Erzählsträngen.
Zunächst begegnen wir im Mai 2024 Mona. Diese befindet sich anlässlich des 80. Geburtstages ihres Opas Karl gerade mit ihrer Vespa wütend auf dem Weg von Hamburg in ein Dorf nach Schleswig-Holstein. Aus ihrer Beschreibung von Landschaft und Kindheitserinnerungen erkennt man ihre Verbundenheit mit ihrem Zielort. Zwar bessert sich damit auch ihre Laune, aber es wird deutlich, dass das Geburtstagskind sich nicht ihrer Zuneigung erfreut, denn ihrer Meinung nach behandelt er Oma Annemie (Erzählstrang 1964) nicht richtig. Die ist aber verschwunden und Opa wortkarg.
Erzählstrang 1994 gehört zu Freya, während Janne sich ihren mit Mona teilt. Bald zeichnen sich familiären Beziehungen ab: Annemie ist nicht nur Monas Oma, sondern auch die Schwiegermutter von Janne. Freyas Schicksal mag ich nicht spoilern. Außer Janne wurden die Frauen ungewollt schwanger. Annemie war ledig und minderjährig und wurde von ihren Eltern gezwungen, ihr Kind zur Adoption freizugeben und eine lieblose Ehe mit Karl einzugehen. Schließlich muss man "vor den Leuten" das Gesicht wahren. Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor, welche in einem sprachlosen und gefühlskalten Umfeld aufwuchsen, was sich auch auf deren Kinder übertrug. Vor allem Sohn Stefan kommt schlecht weg. Thematisiert wurde auch die Abtreibungsfrage.

Die einzelnen Schicksale machten mich sehr betroffen, zumal viele Dinge "ererbt" und ein wenig erklärbar scheinen. Besonders hinweisen möchte ich auf die am Buchende nach der Danksagung verfasste "Quellennotiz". In ihr erwähnt sie Johanna Haarer,
https://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_Haarer
eine Frau, deren Bücher ich selbst im Bücherschrank meiner Mutter vorfand, eine Erinnerung, die mir jetzt wieder eine "Gänsehaut" beschert. Neben netten Dingen wie Strickanleitungen für niedliche Mützchen findet man Erziehungsratschläge, die viele heutige Verhaltensweisen in einem anderen Licht erscheinen lassen.

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