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Veröffentlicht am 08.12.2025

Ein intensives Leseerlebnis!

Der Rache Glanz
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DER RACHE GLANZ
Maud Ventura
ET: 14.10.25

Cléo weiß seit frühester Kindheit, dass sie zu mehr berufen ist. Sie wird einmal ein Star sein – die Welt wird ihr zu Füßen liegen. Nein, die Welt wird sich um ...

DER RACHE GLANZ
Maud Ventura
ET: 14.10.25

Cléo weiß seit frühester Kindheit, dass sie zu mehr berufen ist. Sie wird einmal ein Star sein – die Welt wird ihr zu Füßen liegen. Nein, die Welt wird sich um sie drehen! Sie ist einzigartig, intelligent, hochbegabt und schlicht perfekt.
Ihr Körper ist wunderschön, ihre Stimme rauchig und unverwechselbar. Auf Mitmenschen schaut sie herab, doch sie ist klug genug, diesen Hochmut nicht offen zu zeigen. Nach außen spielt sie die Freundliche – immer mit einem Lächeln, immer die sympathische Cléo.

Als junges Mädchen beginnt sie, Songs zu schreiben, mit der Gitarre oder am Piano. Doch der Erfolg bleibt aus. Ihre Stimme wird überall gelobt, aber die Kompositionen scheinen nicht zu passen oder den richtigen Klang zu treffen.

Dann geht ein Song, den sie gepostet hat, viral. Cléo, die nichts dem Zufall überlässt, weiß genau, wie sie diesen Hype nutzen kann, und unterschreibt ihren ersten Plattenvertrag.
Schnell wird sie berühmt und geht auf Welttournee. Ihr Perfektionismus zwingt sie, ihr ganzes Leben zu inszenieren. Empathie ist ihr fremd.

Und wer jetzt dachte, diese Frau sei unsympathisch, dem kann ich sagen: Cléo wird durch ihre Berühmtheit nicht liebenswerter – aber ihr Leben hält dennoch einige Überraschungen bereit.

Maud Ventura hat mich mit ihrer völlig unsympathischen Protagonistin herausgefordert. Diese missgünstige Egozentrikerin, die ständig im Imperativ spricht, ist wahrlich schwer zu mögen und deshalb wurde es für mich stellenweise ein wenig zäh. Gleichzeitig wurde großartig dargestellt, was Menschen im öffentlichen Leben durchmachen. Wie sie zum Beispiel durch die Medien angreifbar werden und polarisieren können – das gefiel mir im ersten Teil unglaublich gut. Der zweite Teil hat mich noch mehr gepackt: Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, und das Ende ist einfach stark.

Insgesamt ein sehr gutes Leseerlebnis, das ich euch gerne empfehle.
4/5

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.12.2025

Ein vielschichtiger Roman

No Way Home
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NO WAY HOME
T.C. Boyle
ET: 16.9.25

Terry, ein junger Assistenzarzt in LA, wird völlig unerwartet aus seinem Alltag gerissen, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter erreicht. Er fährt nach Boulder ...

NO WAY HOME
T.C. Boyle
ET: 16.9.25

Terry, ein junger Assistenzarzt in LA, wird völlig unerwartet aus seinem Alltag gerissen, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter erreicht. Er fährt nach Boulder City, einem kleinen Wüstenort in Nevada, wo sie die letzten Jahre ihres Lebens verbracht hat. Eigentlich möchte er nur ihren Nachlass regeln, doch schon bald merkt er, dass dieser Ort mehr für ihn bereithält, als er dachte.

Im örtlichen Pub lernt er Bethany kennen. Sie ist jung, auffallend hübsch, impulsiv – und bereit, ihn direkt nach Hause zu begleiten. Zwischen ihnen entspinnt sich eine kurze, aber intensive Verbindung. Terry erfährt, dass sie gerade von ihrem Ex-Freund Jesse aus der gemeinsamen Wohnung geworfen wurde und keine Bleibe hat. Da Terry selbst nicht weiß, wohin mit Daisy, dem Hund seiner Mutter, bietet er Bethany an, im Haus zu wohnen und sich dafür um Hund und Haushalt zu kümmern. Für ihn klingt das nach einer pragmatischen Lösung – für sie nach einer Chance.

Doch schon bald zeigt sich, dass Bethanys Vorstellung von Verantwortung eine ganz andere ist. Statt das Haus in Schuss zu halten, lässt sie dort Partys eskalieren, bei denen wild getrunken wird. Sie vermietet kurzerhand ein Zimmer an eine Freundin, und ihr Ex-Freund taucht immer wieder auf. Als Terry sie überraschend besucht, findet er überall Müll, leere Flaschen – und Jesse. Er reagiert impulsiv und setzt Bethany vor die Tür. Doch ihre Anziehungskraft auf ihn ist größer, als er sich eingestehen möchte. Nur wenige Nachrichten später landen sie wieder miteinander im Bett. Als am nächsten Tag die Reifen seines Autos zerstochen werden, vermutet er zwar Ärger, aber nicht, wie weit dieser noch reichen wird.

Boyle entwirft ein psychologisch intensives Dreiecksgefüge: zwei Männer, die an derselben Frau hängen – aus völlig unterschiedlichen Gründen – und eine Frau, die ihre Wirkung auf andere kennt und gezielt einsetzt. Er zeigt, wie leicht Menschen in Abhängigkeiten geraten, wie schnell Grenzen verschwimmen und wie schwer es ist, sich aus toxischen Dynamiken zu lösen. Besonders stark ist, wie er die unterschiedlichen Perspektiven der Figuren chronologisch abwechseln lässt. Dadurch entstehen nicht nur Tempo und Spannung, sondern auch ein tiefes Verständnis dafür, wie verschieden die Beteiligten dieselbe Situation wahrnehmen.

Die erste Hälfte des Romans fand ich besonders fesselnd: atmosphärisch dicht, glaubwürdig, nah an den Figuren. In der zweiten Hälfte gab es für mich ein paar kleine Längen, doch die Grundspannung blieb bestehen. Bis zum Schluss blieb für mich offen, wohin Boyle diese Geschichte führen würde – und es wirkt, als habe er genau diese Ungewissheit bewusst gewählt.

Fazit:
Ein packender, vielschichtiger Roman, nicht Boyles stärkstes Werk, aber definitiv lesenswert und voller psychologischer Tiefe.
4/5

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Ein einfühlsames Buch

Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge
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MALTE & OßKAR UND DER LAUF DER DINGE
Amir von Arenberg
ET: 11.9.25

In einer Straße inmitten vieler anderer Straßen wohnen Malte und seine Taube Oßkar. Die beiden sind unzertrennlich. Im Haus gegenüber ...

MALTE & OßKAR UND DER LAUF DER DINGE
Amir von Arenberg
ET: 11.9.25

In einer Straße inmitten vieler anderer Straßen wohnen Malte und seine Taube Oßkar. Die beiden sind unzertrennlich. Im Haus gegenüber lebt seine Freundin Phia, der Malte jeden Morgen mithilfe eines kleinen Körbchens, das an einem Band zwischen den Häusern hängt, eine Nachricht schickt.
Danach widmet er sich seiner gewohnten Arbeit: ein gemütliches Taubenwohnzimmer für Oßkar einzurichten. Abends putzen sie gemeinsam Zähne und Schnabel, wünschen Phia gute Nacht und schlafen friedlich ein.

Eines Morgens jedoch beschließt Malte, dass es der perfekte Tag ist, Phia ein Geschenk zu schicken – einen wundervollen, piksigen Kaktus. Doch das Unglück passiert: Malte stolpert, und der Kaktus fällt auf Oßkar, mit allen Stacheln. Große Angst überkommt ihn – wird Oßkar diesen Unfall überleben?

Amir von Arenberg greift ein sensibles Thema auf: den Umgang mit dem Tod eines geliebten Haustiers. Er tröstet junge Leserinnen und Leser, indem er von einer Parallelwelt erzählt, in die Malte später reisen wird. Das Buch lädt zum Nachdenken ein und bietet eine gute Grundlage, um mit Kindern über Verlust, Trauer und Trost zu sprechen.

Die Illustrationen sind farbenfroh und liebevoll gestaltet und verleihen der Geschichte zusätzlichen Charme.

Fazit:
Ein einfühlsames Buch, bei dem man sich Zeit zum Vorlesen nehmen sollte. ab 5 Jahren
4/5

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Cosy-Crime für Buchliebhaber

Wer das Ende verrät
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WER DAS ENDE VERRÄT
Tobias Sommer
ET: 21.8.25

In der kleinen Stadt Cruxdorf an der Nordsee führt der Buchhändler Moritz Wendtal ein beschauliches Leben. Täglich sortiert er seine Lieblingsbücher neu, ...

WER DAS ENDE VERRÄT
Tobias Sommer
ET: 21.8.25

In der kleinen Stadt Cruxdorf an der Nordsee führt der Buchhändler Moritz Wendtal ein beschauliches Leben. Täglich sortiert er seine Lieblingsbücher neu, um sie seinen treuen Stammkundinnen und -kunden immer wieder auf andere Weise zu präsentieren. Unterstützung bekommt er von seiner außergewöhnlichen Praktikantin Hilde – über 80, resolut, herzlich und stets bereit zu helfen. Viel zu tun gibt es in der Buchhandlung zwar nicht, doch Wendtal legt großen Wert darauf, dass sich alle bei ihm wohl und wahrgenommen fühlen.

Wenn er gerade nicht mit Büchern beschäftigt ist, hilft er mit großer Leidenschaft seinem Freund Heinrich, dem Dorfpolizisten, bei dessen Ermittlungen. Sein umfangreiches Krimiwissen, das er sich über die Jahre angelesen hat, bringt er mit voller Begeisterung ein.

Als beim Bürgermeister Gerhard Brix eingebrochen wird und man eine mit einem Jagdmesser aufgespießte Tomatensaftdose als Drohung findet, ist Wendtal sofort Feuer und Flamme. Besonders, weil zusätzlich ein Gedichtfragment über Robin Hood im Briefkasten des Opfers auftaucht. Wenige Tage später brennt es in Cruxdorf – und erneut taucht ein mysteriöses Gedicht auf.
Schafft es Wendtal, das Rätsel zu entschlüsseln? Das müsst ihr natürlich selber herausfinden …

Nachdem ich Tobias Sommers „Das gekaufte Leben“ sehr mochte, bin ich gerne mit dem Buchhändler Wendtal auf Spurensuche gegangen. Obwohl Cosy Crime nicht mein bevorzugtes Genre ist, hat mir die Ermittlungsarbeit mit den charmant-eigenwilligen Figuren sehr gefallen. Ein ruhiger, atmosphärischer Roman, den ich vor allem Buchliebhaber*innen und Cosy-Crime-Fans empfehle.
4/5

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Ein starkes Debüt

Lázár
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LÁZÁR
Nelio Biedermann
ET: 1.9.2025

In seinem Debütroman verbindet Nelio Biedermann die Geschichte seiner ungarischen Familie väterlicherseits mit einer fiktiven Erzählung und schafft so ein eindrucksvolles ...

LÁZÁR
Nelio Biedermann
ET: 1.9.2025

In seinem Debütroman verbindet Nelio Biedermann die Geschichte seiner ungarischen Familie väterlicherseits mit einer fiktiven Erzählung und schafft so ein eindrucksvolles Porträt zwischen persönlichem Schicksal und europäischer Geschichte.

Die Handlung beginnt um 1900. Sándor von Lázár lebt auf seinem Waldschloss in Südungarn und wird endlich Vater eines langersehnten Stammhalters. Doch Sohn Lajos sieht mit seinen blonden Haaren, der fast durchscheinenden Haut und den wasserblauen Augen so gar nicht nach ihm aus – und die Distanz zwischen Vater und Sohn wird auch nach dem tragischen Suizid der Mutter nicht kleiner.
Doch dieser Verlust bleibt nicht die einzige Prüfung für die Familie.
„Der Wald hat den Vater verschluckt, die Mutter getötet und den Bruder verrückt gemacht.“

Vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche – vom Zerfall der Habsburger Monarchie über die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg bis zur anschließenden sowjetischen Herrschaft – entfaltet sich die Geschichte einer Familie, die mit sich, der Schuld und den Veränderungen ihrer Zeit ringt.

Biedermann schreibt mit einer bildreichen, präzisen Sprache, die immer wieder von einem feinen, trockenen Humor durchzogen ist. Das macht das Lesen kurzweilig und zugleich atmosphärisch dicht. Lediglich das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen – es wirkte im Vergleich zum Rest des Romans etwas dünn und unausgewogen.

Fazit: Ein sprachlich starkes, eindrucksvoll erzähltes Debüt eines jungen Autors, das mit Tiefe, Atmosphäre und einem Hauch Melancholie überzeugt – ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.
4/5

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