Nordisch leicht
Hej!Hej! hat mich genau dort abgeholt, wo ich beim Kochen am liebsten bin: unkompliziert, saisonal, gemütlich – mit einem Hauch Fernweh Richtung Norden. Zora Klipp schafft es, dieses skandinavische „Alles ...
Hej! hat mich genau dort abgeholt, wo ich beim Kochen am liebsten bin: unkompliziert, saisonal, gemütlich – mit einem Hauch Fernweh Richtung Norden. Zora Klipp schafft es, dieses skandinavische „Alles halb so wild“-Gefühl auf den Teller zu bringen: klare Aromen, wenige gute Zutaten, kleine Kniffe, die plötzlich alles runder schmecken lassen. Beim Blättern hatte ich sofort Lust, den Tisch zu decken und einfach loszulegen.
Was mir besonders gefallen hat: Die Rezepte sind alltagstauglich, ohne langweilig zu sein. Viel Gemüse, frische Kräuter, Zitrus, eingelegte Kleinigkeiten – dazu Ideen, wie man Reste weiterdenkt statt wegwirft. Ich mag, dass Zora nicht nur sagt, was zu tun ist, sondern warum: kurze Hinweise zu Texturen, Säure, Crunch. Das macht sicherer und freier. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind klar, die Zutatenlisten bleiben schlank, und trotzdem wirkt nichts karg. Genau dieser Mix aus Leichtigkeit und Wärme hat mich gekriegt.
Auch optisch ist das Buch ein Wohlfühlort: helle Fotos, ohne Food-Porn-Overload, dafür mit realistischen Portionen und kleinen Tablett-Tricks, die man sofort übernimmt. Viele Rezepte lassen sich vorbereiten oder unkompliziert verdoppeln – perfekt für Wochenabende und spontanen Besuch. Besonders die kleinen Extras (Schnell-Pickles, Dips, Gewürzöle) sind zu neuen Standards bei mir geworden; sie retten müde Nudeln genauso wie Ofengemüse.
Mini-Kritik: An ein, zwei Stellen hätte ich mir bei den Backzeiten/Temperaturen einen engeren Korridor gewünscht (mein Ofen ist wohl eigenwillig), und bei manchen Zutaten wären Alternativen für wirklich leere Vorratskammern hilfreich. Nichts, was man nicht mit ein bisschen Küchenintuition ausgleicht – aber ein „Falls du X nicht hast, nimm Y“-Satz macht im Alltag oft den Unterschied.
Unterm Strich ist Hej! für mich ein Buch, das die Hemmschwelle senkt und die Lust aufs Kochen hebt. Nordisch im Geist, nahbar in der Umsetzung, tröstlich im Ergebnis. Es schenkt dieses ruhige „Das kriegen wir hin“-Gefühl – und genau dafür greife ich immer wieder dazu.