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Veröffentlicht am 17.12.2025

Krass und gut!

Das Leben keiner Frau
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DAS LEBEN KEINER FRAU
Caroline Rosales
ET: 30.08.2021

backlist 12für2025

Nachdem ich Die Ungelebten von Caroline Rosales beendet hatte und mir daraufhin dieses Buch empfohlen wurde, musste ich es einfach ...

DAS LEBEN KEINER FRAU
Caroline Rosales
ET: 30.08.2021

backlist

12für2025

Nachdem ich Die Ungelebten von Caroline Rosales beendet hatte und mir daraufhin dieses Buch empfohlen wurde, musste ich es einfach kaufen. Leider lag es dann erst einmal eine Weile auf meinem SuB, doch nun konnte ich es endlich befreien – und das hat sich gelohnt.

Melanie ist eine echte Macherin: stellvertretende Chefredakteurin der Münchner Zeitung, Stilikone und eine Frau, die mitten im Leben steht – bis zu ihrem 50. Geburtstag. Ab diesem Tag scheint alles bergab zu gehen. Die Wechseljahre melden sich, ihre 25-jährige Tochter hat viel zu wenig von dem, was Melanie im Überfluss besitzt, die Mutter muss ins Altenheim und dann stellt der Chefredakteur auch noch eine blutjunge, attraktive Journalistin ein, die Melanie gefährlich werden könnte.
Ob es noch schlimmer kommen kann? Ja.

Caroline Rosales schreibt zynisch, ehrlich und schonungslos. Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen und innerhalb eines Tages beendet. Natürlich habe ich keine hochtrabende Literatur erwartet, sondern beste Unterhaltung – und genau die habe ich bekommen.

Fazit:
Eine temporeiche Geschichte, gepaart mit einer großen Portion Zynismus. Wunderbare Unterhaltung.
4½/5

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.12.2025

Super!

Die Hoffnung der Chani Kaufman
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DIE HOFFNUNG DER CHANI KAUFMAN
Eve Harris
ET: 24.1.24


Chani und Baruch gehören einer jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft an und leben derzeit in Jerusalem, wo Baruch die Laufbahn eines Rabbis anstrebt.
Ihre ...

DIE HOFFNUNG DER CHANI KAUFMAN
Eve Harris
ET: 24.1.24


Chani und Baruch gehören einer jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft an und leben derzeit in Jerusalem, wo Baruch die Laufbahn eines Rabbis anstrebt.
Ihre Ehe wurde vor einem Jahr arrangiert und war keine Liebesheirat, dennoch verbindet die beiden ein inniges und respektvolles Verhältnis.

Eigentlich könnte ihr Leben harmonisch sein, doch Chani ist nach einem Jahr Ehe noch immer nicht schwanger.
In der Gemeinschaft – und besonders vonseiten der Schwiegermutter – wird sie immer wieder spüren gelassen, dass dies als Makel gilt.
Baruchs Eltern drängen das junge Paar, eine Kinderwunschklinik in London aufzusuchen, während die Schwiegermutter die Situation nutzen möchte, um Chani loszuwerden, und einen Termin bei einer Heiratsvermittlerin vereinbart.

Parallel dazu erzählt der Roman die Geschichte von Rivka.
Sie hat ihren Mann Chaim, einen angesehenen Rabbi der orthodoxen Gemeinde in London, verlassen.
Seitdem gilt sie als Persona non grata, darf ihre Kinder weder sehen noch mit ihnen sprechen.
Nur ihr älterer Sohn, der in Jerusalem eine Talmudschule besucht, hält weiterhin Kontakt zu ihr.

Wie sich diese Geschichten entwickeln und welche weiteren Erzählstränge das Buch bereithält, möchte ich nicht vorwegnehmen – das empfehle ich euch, selbst zu entdecken.

Mich hat dieses Buch sehr berührt.
Ich habe es mit großer Freude gelesen und dabei unglaublich viel gelernt.
Es war mein erstes Buch der Autorin, und ich möchte unbedingt noch mehr von ihr lesen.

Besonders beeindruckt haben mich die eindrücklichen Schilderungen einer streng orthodoxen Gemeinschaft, die wie eine isolierte Parallelwelt funktioniert, sowie die schonungslose Darstellung der massiven Unterdrückung von Frauen.
Umso stärker ist der Weg, den die Autorin aufzeigt, wie ein Ausbruch aus diesen starren religiösen Strukturen möglich sein kann.

Fazit:
Ein zart, bildreich und zugleich eindringlich erzählter Roman.
Wer für einige Tage in das Leben einer orthodoxen jüdischen Gemeinschaft eintauchen möchte, dem kann ich dieses Buch sehr ans Herz legen.
Große Leseempfehlung.
4½/5

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.12.2025

Wild und anders!

Wildhof
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WILDHOF
Eva Strasser
ET: 20.2.25

Die fast 30-jährige Lina kehrt nach dem tödlichen Unfall ihrer Eltern nach Wildhof zurück, um deren Nachlass zu regeln. Seit ihrem 18. Lebensjahr war sie nicht mehr hier ...

WILDHOF
Eva Strasser
ET: 20.2.25

Die fast 30-jährige Lina kehrt nach dem tödlichen Unfall ihrer Eltern nach Wildhof zurück, um deren Nachlass zu regeln. Seit ihrem 18. Lebensjahr war sie nicht mehr hier gewesen; der Kontakt zu ihren Eltern war längst abgebrochen. Ihre Mutter Henny war zuletzt schwer alkoholkrank, und auch der Vater – ein Künstler, der früher Gitarre spielte und gemeinsam mit seiner Frau Bilder malte – bot ihr keinen Grund zurückzukehren.

Nun steht sie wieder vor dem Haus am Waldrand, das fast unverändert wirkt. Kaum hat sie die Schwelle überschritten, holen sie die Erinnerungen ein. Besonders die an ihre Zwillingsschwester Luisa, die mit 13 Jahren spurlos verschwand – und deren Stimme Lina nun wieder zu hören glaubt. Bilder und Gefühle aus jener Zeit tauchen unaufgefordert auf, bedrängend und vertraut zugleich. Doch je länger sie in dem alten Haus bleibt, desto mehr wandeln sich diese Erscheinungen. Was zuerst überwältigt, wird nach und nach weicher – und Lina beginnt, Frieden mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu schließen.

Selten hat mich ein Buch trotz einer sperrigen Protagonistin so berührt. Lina ist unangepasst, wild, sensibel und zugleich unglaublich verletzlich. Eva Strasser gelingt es meisterhaft, sie und Wildhof – das Holzhaus, das Wetter, die Atmosphäre – mit eindringlichen, bildreichen Worten zum Leben zu erwecken.
Eines jener Bücher, bei denen man am liebsten jeden Satz markiert.

Beispiel: „Nie hatte Lina gedacht, dass Hanno in Wildhof bleiben würde, aber es gibt so Menschen, die haben alles in sich, die brauchen von außen gar nichts mehr, es ist egal, wohin sie gehen, weil sie in sich selbst zu Hause sind.“ (S. 69)

Fazit:
Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen. Es ist frisch, wild und etwas ganz Besonderes.
4½/5

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2025

Ein starkes Buch!

Monstergott
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MONSTERGOTT
Caroline Schmitt
ET: 28.8.25
Seit ihrer Geburt gehören die Geschwister Esther und Ben einer Freikirche an. Ihre Eltern zählen zu den Gründern dieser Gemeinschaft – Gott steht für sie über allem.
Das ...

MONSTERGOTT
Caroline Schmitt
ET: 28.8.25
Seit ihrer Geburt gehören die Geschwister Esther und Ben einer Freikirche an. Ihre Eltern zählen zu den Gründern dieser Gemeinschaft – Gott steht für sie über allem.
Das Geschwisterpaar ist in der Kirchenarbeit fest integriert, leiten die Lobpreisgruppe, singen für die Gemeinde, musizieren und leben ihren Glauben.

Und doch regt sich seit geraumer Zeit in ihnen eine Sehnsucht nach etwas anderem. Der Glaube, der sie einst als junger Mensch getragen hat, beginnt sich als junger Erwachsener zu verändern – und mit ihm auch ihr Bild von Gott. Aus kindlicher Hingabe wird ein innerer Konflikt, denn plötzlich schleichen sich Gedanken ein, die in ihrer Welt verboten sind: Lust, Begehren und Zweifel.
Der Pastor ihrer Gemeinde predigt Woche für Woche von Reinheit und Versuchung, und spricht von Liebe als Werk des Satans – eine Manipulation, die tief in die Köpfe der jungen Menschen eindringt.

Caroline Schmitt hat wieder ein eindrucksvolles und wichtiges Buch geschrieben. Schon Liebewesen hatte mich begeistert, und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.
Ihr besonderer Schreibstil, die abwechselnden Perspektiven von Esther und Ben und die ruhige, eindringliche Sprache verleihen Monstergott eine außergewöhnliche Intensität.
Man wird ganz allmählich in die Geschichte hineingezogen – bis man meint, selbst auf der Kirchenbank zu sitzen und dem Pastor zuzuhören.

Selten hat mich ein Buch so viele Emotionen spüren lassen: Wut, Trauer, aber auch Mitgefühl und Hoffnung. Trotz der schweren Themen ist der Ton zart und feinfühlig.

Fazit:
Ein starkes, berührendes Buch über Glauben, Kontrolle und den Wunsch nach Freiheit. Eine klare Leseempfehlung.
4½/5

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Unglaublich schön!

Das Flüstern der Marsch
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DAS FLÜSTERN DER MARSCH
Katja Keweritsch
ET: 5.9.2025

Mona fährt von Hamburg zu ihren Großeltern in die Marsch – und findet dort nur ihren Großvater Karl vor. Wo ihre Großmutter Annemie geblieben ist, ...

DAS FLÜSTERN DER MARSCH
Katja Keweritsch
ET: 5.9.2025

Mona fährt von Hamburg zu ihren Großeltern in die Marsch – und findet dort nur ihren Großvater Karl vor. Wo ihre Großmutter Annemie geblieben ist, weiß er nicht. Er scheint darüber auch nicht besonders beunruhigt zu sein. Wann er sie zuletzt gesehen hat, kann er ebenfalls nicht genau sagen – nur daran, dass er seit zwei Tagen nichts mehr gegessen hat, weil niemand das Essen zubereitet hat, daran erinnert er sich. Auch die Zwillingssöhne Stefan und Sven wissen nicht, wo ihre Mutter ist, haben aber keine Zeit, sich zu kümmern. Lediglich Janne, Stefans Frau, die mit drei kleinen Kindern und den Vorbereitungen für Schwiegervater Karls 80. Geburtstag ohnehin völlig überlastet ist, hört sich Monas Sorgen wenigstens an.

Als Annemie auch nach einigen Tagen nicht wieder auftaucht, wird schließlich die Polizei informiert. Doch noch immer ist sich die Familie sicher, dass Annemie einfach eine Freundin besucht – völlig außer Acht lassend, dass sie gar keine Freundin hat und so etwas noch nie zuvor getan hat.

Katja Keweritsch erzählt ihren Roman auf mehreren Zeitebenen.
Neben Mona in der Gegenwart kommt auch Annemie selbst zu Wort – ein junges Mädchen, das eigentlich gerade ihr Abitur machen wollte, als sie sich in ihren Lehrer verliebt und eine folgenreiche Affäre beginnt.
Janne erhält einen eigenen Erzählstrang, in dem wir erfahren, was sie alles auf sich nimmt, um ihre Familie glücklich zu machen.
Und schließlich ist da noch Freya, deren Bruder sich das Leben genommen hat und die bald auf Geheimnisse stößt, die alles miteinander verbinden.

Wie diese Erzählstränge am Ende ineinandergreifen, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.
Was ich aber verraten kann: Das Flüstern der Marsch fängt die besondere Atmosphäre dieser Landschaft wunderbar ein – das weite, flache Land, die Stille, den Wind, das Licht. Zugleich porträtiert Katja Keweritsch eindrucksvoll das Leben in einem kleinen Dorf bei Hamburg, mit all seinen heimlichen Geschichten, ungesagten Wahrheiten und über Generationen hinweg weitergetragenen Verletzungen.

Ein stiller, atmosphärisch dichter Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte, weil man unbedingt hinter das Geheimnis kommen will.
4½/ 5

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