Profilbild von Erdhaftig

Erdhaftig

Lesejury Star
offline

Erdhaftig ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Erdhaftig über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.12.2025

Satire pur

Zuhause ist vorübergehend geschlossen
0

Herr Jankowsky hat leichte Demenz und ein dickes Problem: wegen starkem Personalmangel muss das Pflegeheim schließen und er kann nirgendwo hin. Er wird Annett quasi "zugestellt". Gesetzlich festgelegte ...

Herr Jankowsky hat leichte Demenz und ein dickes Problem: wegen starkem Personalmangel muss das Pflegeheim schließen und er kann nirgendwo hin. Er wird Annett quasi "zugestellt". Gesetzlich festgelegte Auslagerung. Dass er nicht zu Annetts Familie gehört, ist ein Missverständnis. Annett nimmt ihn auf und aberwitzige Situationen entstehen im zusammenleben.

Antje Huhs nimmt den Pflegenotstand aufs Korn und erfindet eine gänzlich unrealistische, fiktive Lösung, die das Herz erwärmt und so manche Situationskomik entstehen lässt. Sehr anregend und mit einem handfesten, satirischem Humor. Unbedingte Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 14.11.2025

Guter Abschluss

Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt
0

Dingelbach, das fiktive Dorf in der Nähe von Frankfurt am Main. Die drei Schwestern kümmern sich immer noch um den Dorfladen der Mutter, aber auch um ihre eigenen Belange. Dieses Mal steht das Dorfleben ...

Dingelbach, das fiktive Dorf in der Nähe von Frankfurt am Main. Die drei Schwestern kümmern sich immer noch um den Dorfladen der Mutter, aber auch um ihre eigenen Belange. Dieses Mal steht das Dorfleben im Zentrum und um das, was Dorfkinder ausmacht im Gegensatz zu den Stadtkindern.

Anne Jacobs schreibt so, dass man das Klingeln der Glocke im Dorfladen, wenn die Tür geöffnet wird, fast hört. Man sieht förmlich, wie die Gardinen leicht zur Seite geschoben werden, um ungesehen das Geschehen auf der Straße mitzubekommen. Und man fiebert mit den drei Haller-Mädchen mit. Alle gehen sie ihren eigenen Weg und bleiben sich selbst und ihrer Familie treu. Die tratschenden Weiber, die Streitereien der Bauern, die Intrigen und die städtische Oma in Frankfurt – alles bekommt man gefühlt hautnah mit. Bildlich verfasst und nicht so detailliert, das man wirklich gerne weiter liest und sich über Ida, Frieda und Herta freut oder wundert.
Was das Leben vom Dorf von dem in der Stadt für die Schwestern und andere damalige Dorfkinder unterscheidet: die vom Dorf mussten mitarbeiten. Die Volksschule hatte zu genügen, nach Höherem strebten nur wenige. Am Verstand lag es nicht , aber es gab mehr Möglichkeiten in der Stadt. Es ist der letzte Teil der Trilogie und die Lebenswege der drei Hauptfiguren bleiben offen. Bis zur letzten Seite ist das dicke Buch ein wahrer Lesegenuss!

Veröffentlicht am 09.11.2025

Einfühlsam

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
0

Angelika Moser wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Wien auf. Nun ist sie erwachsen, tanzt immer noch so gerne wie früher und ist Buchhalterin in einem der letzten Grand Hotels. Ihr Lebensstil ist ziemlich ...

Angelika Moser wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Wien auf. Nun ist sie erwachsen, tanzt immer noch so gerne wie früher und ist Buchhalterin in einem der letzten Grand Hotels. Ihr Lebensstil ist ziemlich verschwenderisch.

Angelika wirkt sympathisch. Sie wuppt ihr Leben als Alleinerziehende, hat Freunde, versteht sich gut mit ihren Kollegen und dem Sohn ihres Chefs. Man bekommt viel von ihr und ihrer Vergangenheit mit. Mittendrin finden sich sachliche Berichte zu ihr, die so gar nicht zu dem bisherigen passen. Der Roman stellt die Vergangenheit nach, die Berichte die Gegenwart. Angelika hat wirklich gelebt und ihre Vergehen gestanden. Wie es dazu kam und worum es sich überhaupt handelt, erfährt man so nach und nach.
Sehr einfühlsam erzählt und so, dass die Menschen und Angelikas Handeln, ihre Gründe im Vordergrund stehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2025

Wunderbar und spannend

Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden ...
0

Dornröschen – ganz anders erzählt. Und zwar aus der Perspektive ihrer Freundin Kaelith, der Tochter der Schneiderin, die dem Fluch entkam, weil sie zu dieser Zeit weg entfernt vom Schloss weilte.

Der ...

Dornröschen – ganz anders erzählt. Und zwar aus der Perspektive ihrer Freundin Kaelith, der Tochter der Schneiderin, die dem Fluch entkam, weil sie zu dieser Zeit weg entfernt vom Schloss weilte.

Der „Rat der Dreizehn“ besteht aus dreizehn Feenköniginnen, von denen eine die der Rosen und Dornen ist. Vor sie muss die einzige Person treten, die nach sieben Jahren nach Inkrafttreten des Fluches einen Wunsch äußern darf. Aber dieser hat einen Preis…

Kaelith war mir sofort sympathisch ebenso wie die Alte, die sie auf dem Markt anspricht und zum Magier Thorn schickt. Zusammen mit einem flauschigen Freund betreten sie das Reich der Feen. Sie erleben einige Abenteuer bei denen Kaelith auf die Probe gestellt wird ohne es zu merken. Es dreht sich zwar alles darum, den Fluch aufzuheben. Aber Handel erzählt das Märchen nicht neu. Er erfand einen wunderbaren Fantasyroman rund um das, was auch gewesen sein könnte. Elarose wird von keinem Prinzen wachgeküsst, aber ein Kuss spielt am Ende doch eine Rolle – nur ganz anders!
Der Schreibstil ist flüssig und locker, so dass man weiterlesen will. Und die Spannungsbögen sind hervorragend gesetzt. Wer keine Angst vor wehrhaften Kaninchen, betörenden Vögeln oder Feen hat, sollte diesen Roman unbedingt lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2025

Lohnt sich

Und ohne Tabu explodiert die Welt
0

Normalerweise lese ich ein gut geschriebenes Buch mit gut gesetzten Spannungsbögen mit verknüpften Rechercheergebnissen zügig durch. Manchmal auch halbe Nächte lang.

Tilman Röhrigs neuer Titel dreht sich ...

Normalerweise lese ich ein gut geschriebenes Buch mit gut gesetzten Spannungsbögen mit verknüpften Rechercheergebnissen zügig durch. Manchmal auch halbe Nächte lang.

Tilman Röhrigs neuer Titel dreht sich um Erich Kästners Leben zwischen den ausgehenden 1920-er Jahren bis Mai 1945. Seine besten Freunde Erich Knauf und Erich Ohser spielen dabei die wichtigsten Nebenfiguren.
Erich Kästner hatte ich als Thema in meiner mündlichen Prüfung zur Buchhändlerin anno 1998. Und habe bei Röhrig wieder etwas Neues über ihn erfahren, das finde ich gut. Allerdings konnte ich den Roman nicht schmökern, weil mir einiges den Hals quasi zuschnürte. Weil das beschriebene Zeitfenster so sehr an die Gegenwart erinnert. In zu Vielem. Ja, der Roman ist lesenswert und enthält auch Erheiterndes. Das andere überwiegt jedoch. Und vor fünf Jahren noch hätte ich nie vermutet, dass so eine Zeit gerade hier in Deutschland oder in Europa sich wiederholen könnte.
Gestern Abend ausgelesen und heute Abend (07.10.2025) bekam ich eine Rede von Michel Friedman mit und es läuft mir wieder kalt den Rücken hinunter. Weil er Recht hat. Und mit seinen druckreifen Worten seiner Rede deutlich Nachdruck verleiht. Mögen wir endlich alle wach werden, denen die Demokratie und das freiheitliche Leben wichtig sind. Sind wir noch viele oder sind wir es nicht?

Der Roman? Lohnt sich. Wer noch nicht wach geworden ist, wird es vielleicht dadurch.

Link zur Rede (falls er dargestellt wird): https://www.youtube.com/watch?v=pj09X4x_7CA (NTV)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere