Leben zwischen Fabriken und Träumen
Glimmende HimmelDieser zweite Teil knüpft eng an den Auftakt der Dilogie an und führt die Reise von June weiter. Nach ihrer Zeit in den Craven Dales lebt sie nun in einer Stadt, die von Fabriken, Armut und Hoffnungslosigkeit ...
Dieser zweite Teil knüpft eng an den Auftakt der Dilogie an und führt die Reise von June weiter. Nach ihrer Zeit in den Craven Dales lebt sie nun in einer Stadt, die von Fabriken, Armut und Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Durch die Arbeit in der Spinnerei versucht sie, ihrer Schwester einen Aufenthalt am Meer zu ermöglichen, der für deren Gesundheit entscheidend ist. Schon die ersten Kapitel machen deutlich, wie hart das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter hier wirklich ist.
Lia Scott zeigt erneut ein feines Gefühl für Figuren, die zweifeln, wachsen und immer wieder Mut beweisen. June begegnet Menschen, deren Leben durch die Fabrik völlig bestimmt wird. Durch Franky, den sie aus den Craven Dales kennt, lernt sie eine Familie kennen, die kaum genug zum Leben hat. Diese Begegnung verändert in ihr viel, denn jetzt will June nicht mehr nur zuschauen. Sie versucht, mit Wissen und Worten gegen das Elend anzukämpfen, und findet in dem Journalisten Jacob Ford einen Verbündeten.
Franky selbst trägt aus seiner Vergangenheit eine schwere Schuld mit sich herum. Zwischen ihm und June keimt eine Zuneigung auf, die beide jedoch nicht akzeptieren wollen. Dagegen bringt Jacob zugleich neue Gedanken, neuen Schwung und auch eine neue Unsicherheit in Junes Leben.
Die Atmosphäre der Industriestadt ist eindrucksvoll beschrieben. Die gedrängten Wohnungen, die Krankheiten und die vielen erschöpften Kinder lassen schnell spüren, wie belastend das Leben dort ist. Dennoch verliert die Geschichte nie ihren warmen Kern.
Mehrere Wendungen sorgen dafür, dass der Roman durchgehend spannend bleibt. Die Entwicklung der Protagonisten wirkt nachvollziehbar und sehr menschlich. Ganz besonders hatte es mir der kleine Tommy angetan. Seine Klugheit, sein Mut und sein großes Herz waren stets Lichtblicke in den zum Teil sehr bedrückenden Momenten der Handlung.
Dieser zweite Band erzählt mit Gefühl und Spannung von Mut, sozialer Verantwortung und dem Willen eines einzelnen Menschen, etwas zu bewegen. Die Geschichte zeigt, wie wichtig Zusammenhalt und Mitgefühl gerade in schweren Zeiten sind.
Auch wenn sich dieses Buch sehr gut alleine lesen lässt, empfiehlt es sich doch zum besseren Verständnis der Handlung, mit dem ersten Teil "Der Wind von Yorkshire" zu beginnen.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.