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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.12.2025

es bleibt ein komischer Beigeschmack

Ruf der Leere
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Der Roman startet mit Alltagssituationen und bietet eine gute Charakterstudie der einzelnen Personen. Mit der Zeit erhält man als Leser*in immer mehr Einblicke in das Leben der einzelnen Charaktere und ...

Der Roman startet mit Alltagssituationen und bietet eine gute Charakterstudie der einzelnen Personen. Mit der Zeit erhält man als Leser*in immer mehr Einblicke in das Leben der einzelnen Charaktere und erfährt ihre Ängste, ihre Sorgen und ihre dunklen Geheimnisse. Die Idee mit der abgelegenen Hütte, ohne Handyempfang, in einem geschlossenen Setting finde ich gut, so muss man sich den Fragen und Antworten der anderen stellen und kann ihnen nicht ausweichen. Auch die Fragestellung, wer es moralisch gesehen, verdient zu überleben und wer nicht und dass diese Entscheidung als Gruppenkonsens getroffen werden soll, ist spannend. Die Umsetzung dazu hat mir leider nicht ganz so gut gefallen, einerseits durch das Auftreten des alten Mannes in Vertretung für den Tod, aber auch der Schluss wurde für mich viel zu schnell abgehandelt. Genau in dem Moment, als die Wahrheiten ans Tageslicht kommen und Spannung aufgebaut wurde, wird dies so schnell wieder beendet und viele Fragen bleiben offen, viele Themen ungeklärt. Die einzelnen Hauptcharaktere beginnen sich zu öffnen, erfahren, wie sie von den anderen wahrgenommen werden, bekommen negative Dinge an den Kopf geworfen und haben kaum die Möglichkeit dies zu überdenken oder zu reagieren. Die Reaktionen darauf hätte ich ebenfalls spannend gefunden. Hier hätte man mehr Zeit und Raum einplanen sollen und einen nicht ganz so offenen Schluss wählen sollen. Somit bleibt ein komischer Beigeschmack, indem mir das Hinführen zum Ende gut gefallen hat, aber das Ende selbst nicht.

Veröffentlicht am 12.12.2025

Spannung kommt erst sehr spät auf

The Final Wife
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Der Psychothriller hat einen angenehmen Schreibstil, mit Cliffhangern und abwechselnden Kapiteln, Rückblenden, sodass man als Leserin fast durch die Kapitel rast. Zuerst werden die einzelnen Charaktere ...

Der Psychothriller hat einen angenehmen Schreibstil, mit Cliffhangern und abwechselnden Kapiteln, Rückblenden, sodass man als Leserin fast durch die Kapitel rast. Zuerst werden die einzelnen Charaktere vorgestellt und obwohl sie wertend beschrieben werden, konnte ich zu niemandem eine engere Verbundenheit aufbauen, sie blieben allesamt recht oberflächlich und mit wenig Tiefgang. Luke wird im Wochenendhaus ermordet aufgefunden, doch wer ist schuld daran? Diese Frage stellen sich die Ermittlerinnen, Anna legt ein Geständnis ab, das nicht glaubwürdig wirkt. Die Ermittlungen verlaufen schleppend und Rebecca hat in ihrem Privatleben mehr Ärger als ihr lieb wäre. Erst im letzten Drittel kommt neuer Schwung in die Geschehnisse und es passieren hintereinander ein paar unerwartete Wenden. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt, dennoch hätte ich mir diese Spannung schon viel früher gewünscht.

Veröffentlicht am 08.12.2025

düstere Enthüllungen

Das Nest
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Der Kriminalroman hat eine dunkle Grundstimmung, in der etwas Unheilvolles mitschwingt. Auch sämtliche Charaktere wirken bedrückt, unglücklich, sogar die Kinder spiegeln dies. Man hat als Leser*in ständig ...

Der Kriminalroman hat eine dunkle Grundstimmung, in der etwas Unheilvolles mitschwingt. Auch sämtliche Charaktere wirken bedrückt, unglücklich, sogar die Kinder spiegeln dies. Man hat als Leser*in ständig das Gefühl, jeden Moment in ein Unglück hineingezogen zu werden und nach und nach passiert das auch wirklich. Als die Lehrerin plötzlich verschwindet, nimmt die Dramatik eine neue Wende. Symbolisch dazu werden auch immer wieder getötete Vögel gefunden und Vogelneste zerstört. Generell werden der Natur und den Vogelbeobachtungen viel Raum gegeben und diese stark in den Fokus gestellt. Auch der Umgang mit unbekannten Personen, in diesem Fall sind es Roma, die neben der Feriensiedlung campen, wird misstrauisch bis feindlich ablehnend gesehen. Dabei funktioniert bei allen Erwachsenen das Zusammenleben nicht wirklich, es wird wenig kommuniziert, viel verschwiegen und unterstellt. Gut gefallen haben mir zwischenzeitlich die literarischen Betrachtungsweisen. Weniger gut gelungen finde ich, dass viele Wiederholungen und ähnliche Situationen beschrieben werden und die Auflösung am Ende hat mir auch nicht so zugesagt.

Veröffentlicht am 03.12.2025

teilweise steril geschrieben

Dass es uns überhaupt gegeben hat
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Der Titel ist ansprechend und mitreißend, das Cover finde ich auch sehr gelungen und passend zu den schwankenden Stimmungslagen des Buches. Inhaltlich habe ich den Einstieg als schwierig empfunden, mir ...

Der Titel ist ansprechend und mitreißend, das Cover finde ich auch sehr gelungen und passend zu den schwankenden Stimmungslagen des Buches. Inhaltlich habe ich den Einstieg als schwierig empfunden, mir waren zu viele Namen in schneller Reihenfolge, die teilweise erst später vorkamen und der Schreibstil ist stockend und trocken. Erst mit der Zeit kommt man in einen Lesefluss, es folgen Höhen und Tiefen, wie das Leben so schreibt. Gut gefällt mir, dass nicht nur die positiven Seiten wie Erfolg und Ruhm hervorgehoben werden, im Gegenteil, einen Großteil der Erzählungen sind von Drogenexzessen, Abgründen, seelischen Tiefs und auch dem Tod gezeichnet. Insgesamt hat mir ein wenig der rote Faden, der durch das Buch leitet, gefehlt und an manchen Stellen war mir der Stil zu aufzählend und steril, hier hätte ich mir kreativere Stile und Ausdrucksweisen gewünscht, die mitreißen und nicht abdriften lassen. Dass Marco Wanda mit Sprache umgehen kann, wissen wir ja aus seiner Musik, aber als Schriftsteller hat er mir mit seinem Erstlingswerk nicht so gut gefallen.

Veröffentlicht am 18.11.2025

Klischeeüberladen, hätte mehr Potenzial

Dein Heimweg
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Der Thriller macht auf ein wichtiges Thema aufmerksam, das fast alle Frauen kennen und fürchten, der Heimweg oder der Weg zum Auto bei Dunkelheit oder in einer gruseligen Gegend. Ich finde die Idee mit ...

Der Thriller macht auf ein wichtiges Thema aufmerksam, das fast alle Frauen kennen und fürchten, der Heimweg oder der Weg zum Auto bei Dunkelheit oder in einer gruseligen Gegend. Ich finde die Idee mit der App gut, habe aber nicht das Gefühl, dass sie von dieser Firma auch nur in irgendeiner Weise zufriedenstellend umgesetzt wird, sondern dass sie erst in den Entwicklungsanfängen stecken, so kann sie keinesfalls vermarktet werden.
Die zwei Zeitebenen vor einem Jahr und heute haben mich verwirrt, obwohl es am Anfang des Kapitels angeführt wird, so sind dennoch die Charaktere die gleichen und die Situationen auch und ich musste ein paar Mal nachschlagen, wo ich mich nun befinde. Dies könnte man besser lösen.
Emmy bleibt mir als Charakter recht fremd. Sie gibt erst zum Ende hin ein paar Einblicke in ihre Vergangenheit und in ihre Familiengeschichte, aber viel erfahren wir als Leserinnen nicht von ihr, somit ist es auch schwierig, einen Bezug zu ihr herzustellen. Die Männer der Firma werden allesamt klischeehaft dargestellt, brutal, frauenverachtend, sexistisch, übergriffig, A…, mit denen möchte ich nicht geschenkt zusammenarbeiten, wobei ich glaube, dass die Autorin hier bewusst übertrieben hat. Generell werden Männer einseitig und negativ behaftet dargestellt und nicht jeder Mann, der nachts am Weg entgegenkommt, ist ein Vergewaltiger oder eine Gefahr an sich und tatsächlich fühlen sich auch manchmal Männer unwohl oder am Heimweg bedroht, vor allem, wenn sie nicht der gängigen Norm entsprechen. Hier waren die Hashtags zwischen den Kapiteln sehr provokant formuliert und über manche kann man nur den Kopf schütteln, wie das Beispiel, dass Männer nach 20 Uhr zuhause bleiben sollten.
Emmy ermittelt in eigener Mission, die Ermittler
innen kommen für meinen Geschmack zu wenig aktiv vor, werden fast gar nicht wahrgenommen und die Ermittlungserfolge lassen auch auf sich warten. Die Auflösung am Schluss habe ich mir schon so in etwa vorgestellt, somit war ich nicht besonders überrascht. Es gibt die viel zu auffälligen Verdächtigen und die bewusst unauffällig gehaltenen Charaktere. Für einen Thriller war mir die Auflösung zu einfach und die Firmengeschichte rund um die App konnte mich nicht ganz überzeugen. Ich finde, dass das Thema enorm wichtig ist und auch viel Potenzial hat, aber nicht optimal umgesetzt wurde.