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Veröffentlicht am 28.08.2024

Wiener Eliteschule, Gaming & Coming-of-Age

Echtzeitalter
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Hat als Buch eines österreichischen Autors heuer den deutschen Buchpreis gewonnen. Es geht um Till, der eine Eliteschule in Wien besucht und den wir dabei bis zur Matura begleiten. Sehr genau und mit schönen ...

Hat als Buch eines österreichischen Autors heuer den deutschen Buchpreis gewonnen. Es geht um Till, der eine Eliteschule in Wien besucht und den wir dabei bis zur Matura begleiten. Sehr genau und mit schönen Sprachbildern wird der Schulalltag in dieser Eliteschule geschildert. Parallel dazu erleben wir auch Tills "Karriere" als einer der weltbesten Computerspieler... die in einer Parallelwelt zum Schulalltag abzulaufen scheint und dort nichts zählt. Für mich war besonders gut zu spüren, wovon der Autor des Buches wirklich viel Ahnung hat und was er gut beschreiben kann: die Wiener Eliteschule und die Welt der jugendlichen Computerspieler. Zu einem absoluten Nebenstrang verkommt hingegen der Tod von Tills Vater... hier hat sich für mich keine glaubwürdige Auswirkung auf Till im Buch gezeigt und das ist für mich eine der Schwächen des Buches. Außerdem plätschert es handlungsmäßig so dahin, ohne wirklichen Spannungsbogen mit Höhepunkt. Insgesamt aber dennoch ein interessantes und gut geschriebenes Buch mit vielen schönen Sprachbildern.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Sehr wichtiges und aktuelles Thema - Buch leider unzureichend lektoriert

Leading Mothers: Warum sich gerade Mütter eine Führungsposition zutrauen können
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Ich habe mich sehr darüber gefreut, als ich erfahren habe, dass zu so einem wichtigen und längst überfälligen Thema ein Buch erschienen ist. Ein Buch, das zeigt, wie Kompetenzen, die Frauen in der Mutterschaft ...

Ich habe mich sehr darüber gefreut, als ich erfahren habe, dass zu so einem wichtigen und längst überfälligen Thema ein Buch erschienen ist. Ein Buch, das zeigt, wie Kompetenzen, die Frauen in der Mutterschaft erwerben können, aufs Berufsleben und insbesondere auch auf eine Führungsrolle umgelegt werden können.

Das Buch von Anette Lippert ist ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung. Anhand von der persönlichen Erfahrung der Autorin sowie Interviews mit anderen Müttern in Führungspositionen legt sie dar, wie durch Kindererziehung Skills in den Bereichen Projektmanagement, Empathie, Resilienz, Weiterentwicklung und Vision entwickelt werden können - und wie diese Skills professionell so kommuniziert werden können, dass sie von der Berufswelt auch verstanden werden.

Damit inspiriert das Buch dazu, die eigene Mutterschaft mit neuen Augen zu betrachten und auch selbst weiter zu überlegen, welche Skills man dabei tagtäglich übt und wie diese beruflich einsetzbar und kommunizierbar sein könnten.

Ginge es nur um die Relevanz des Themas und den Mut, sich endlich dafür einzusetzen, würde ich dem Buch volle fünf Sterne geben.

Leider wurde aber offensichtlich ausgerechnet beim Lektorat gespart: stellenweise wimmelt das Buch nur so von Rechtschreibfehlern. Begriffe wurden falsch oder unzureichend definiert, z.B. "Empathie bedeutet, alle mit Respekt zu behandeln" (das ist ein Aspekt, aber nicht die Definition von Empathie).

Auch hätten dem Buch einige wissenschaftliche Belege und Zitate anstelle streckenweise sehr plakativer persönlicher Meinungen (z.B. dazu, dass Kinder grundsätzlich keine Lust hätten, sich anzustrengen, wenn man sie nicht dazu bringt, was in so pauschaler Form wissenschaftlich nicht belegbar ist und auf ein fragwürdiges Menschen- und Kinderbild hindeutet) gut getan.

Diese teilweise sehr subjektiven Darstellungen kombiniert mit den Rechtschreibfehlern machen das Buch deutlich unglaubwürdiger und die gute Botschaft fast zunichte - schade darum.

Ich wünsche dem Buch eine neue Auflage mit einem sorgfältigeren Lektorat, das diese Dinge berücksichtigt.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Gehyped und überbewertet, sehr düster und ohne Charakterentwicklung

Yellowface
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Dieses Buch behandelt eine interessante Idee auf originelle Weise. Es ist eine heftige und spannende Geschichte, die viele der momentanen Zeitgeist-Themen kritisch untersucht: wann ist eine Geschichte ...

Dieses Buch behandelt eine interessante Idee auf originelle Weise. Es ist eine heftige und spannende Geschichte, die viele der momentanen Zeitgeist-Themen kritisch untersucht: wann ist eine Geschichte die eigene? Wann wird eine Geschichte zu der von jemand anderem? Wo beginnt und endet geistiges Eigentum? Wie sehr ist eine Geschichte von ihrer Autorin zu trennen? Wer darf welche Geschichten erzählen? Wie unfair ist der Buchmarkt? usw.

Es geht um June, eine unbekannte Schriftstellerin, die eine Rohversion eines Manuskripts ihrer gerade verstorbenen Bekannten, der Bestsellerautorin Athena, mitnimmt, überarbeitet, als eigenes ausgibt und sich immer mehr in dieser Geschichte verstrickt.

Das Buch ist ausschließlich aus der Perspektive von June geschrieben, einer sehr unsympathischen, moralisch fragwürdigen, gehässigen und unreflektierten Protagonistin, die sich im Laufe des Buches auch nicht entwickelt und nicht dazulernt. Das habe ich im Verlauf des Buches zunehmend als unangenehm empfunden. Mir ist klar, dass nicht alle Charaktere sympathisch sein müssen und auch unsympathische Charaktere können sehr authentisch sein.

Was ich mir von einem guten Buch aber schon wünsche, ist zumindest ein Mindestmaß an Charakterentwicklung, also, dass die Charaktere sich in irgendeiner Weise glaubhaft verändern und dazulernen, das ist hier nicht der Fall. June ist die am wenigsten reflektierte Figur, die mir jemals in einem Buch begegnet ist, und leider absolut nicht lernfähig. Das führt dazu, dass es am Ende fast weh tut, die ganze Zeit in ihrem Kopf zu sein.


Insgesamt ist es ein sehr negativer Blick auf die Buch- und Verlagswelt an sich, von dem ich glaube, dass er zwar sicher etwas Wahres an sich ist, aber hoffentlich nicht alleine das gesamte Bild darstellt.

Dieses Buch wird derzeit überall gehyped und promoted, in den meisten Buchhandlungen hat es prominente Platzierungen und auch im Internet sprechen alle darüber. Ich hatte durchaus hohe Erwartungen daran, die sich aber nicht erfüllt haben. Deshalb empfehle ich es nur unter Vorbehalt: es lohnt sich, es zu lesen, um mitreden zu können. Ein angenehmes oder sogar richtig gut geschriebenes Buch ist es aber meiner Einschätzung nach nicht, und hoffentlich auch keine authentische Darstellung des Buchmarktes.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Von Liebe keine Spur

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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Christien Brinkgreve hat lange Jahre als Soziologieprofessorin an niederländischen Unis geforscht und gelehrt und ist nun in Rente. Wie jeder nach 3 Sekunden googeln herausfinden kann, war ihr verstorbener ...

Christien Brinkgreve hat lange Jahre als Soziologieprofessorin an niederländischen Unis geforscht und gelehrt und ist nun in Rente. Wie jeder nach 3 Sekunden googeln herausfinden kann, war ihr verstorbener Mann Arend Jan Heerma van Voss. Da nützt es auch nichts, dass sie diesen in diesem autobiografischen Rückblick mit A. abkürzt, anonym wird so eine wahre Geschichte über ein öffentlich bekanntes Paar nicht sein.

Nun ist A. also verstorben und Christien blickt auf ihr Leben und auf die Beziehung mit ihm zurück. Leider lässt sie dabei kaum ein gutes Haar an ihm: durch ihre Augen erleben wir einen ziemlich unsympathischen Mann, der von ihr gefordert hatte, ihr eigenes Haus zu verkaufen, der für die unangenehme Atmosphäre in dem neuen gemeinsamen Haus von ihr als hauptverantwortlich angesehen wird und der sie auch in ihrem Selbstwert eher schwächt und sie beruflich nicht unterstützt. Warum das Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" heißt, ist mir ein Rätsel, denn von Liebe war für mich zumindest von Seiten der Autorin im Rückblick auf ihren verstorbenen Mann für mich wenig zu spüren.

Sich selbst betrachtet die Autorin weit weniger kritisch und man hat fast den Eindruck, als ob ihr ihre bemerkenswerte Karriere als Soziologieprofessorin mit Schwerpunkt auf Geschlechterbeziehungen gegen alle Widerstände gelungen wäre. Am interessantesten waren für mich noch die Einblicke in die frühe Zeit der Frauenberufungen auf Professuren und darauf, wie wenig Platz für die Verbindung von Mutterschaft und Karriere war, damals wohl noch ein Stück mehr als heute:

"Musste man sich als arbeitende Frau aller Kinderspuren entledigen, zerstörte mna mit Brei auf der neuen Bluse das sorgfältig aufgebaute Image innerhalb der männlichen ARbeitswelt? Sollte man bei der Frage nach einem Kinderwunsch, die bei Bewerbungsgesprächen unverfroren gestellt wurde, lügen? Man konnte beides kombinieren, Kinder und Arbeit, das war ein Gewinn, aber es waren die Frauen, die sich verbiegen und ihre wichtigsten Eigenschaften zurückstellen mussten, um das zu bewerkstelligen." (S. 59)

Zu diesem Thema gibt es einige durchaus interessante Reflexionen und historische Einblicke. Den Großteil nimmt allerdings der Rückblick auf die Beziehung zu ihrem verstorbenen Mann ein, und dieser ist, wie gesagt, in vielem sehr gnadenlos. Wie der Verstorbene wirklich war, können wir Lesenden nicht beurteilen. Ich wünsche aber keinem, das auf so eine Art öffentlich auf ihn zurückgeblickt wird. Fast schon fühlt sich das Buch für mich wie eine späte Rache einer verbitterten Frau an, wofür auch immer.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ganz anders als angekündigt

Therapie einer Mörderin: Psychothriller | Je tiefer du in ihre Seele blickst, desto mehr verlierst du deine eigene
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Vielleicht hätte es mich schon warnen sollen, dass sich zu dem angeblichen Autor dieses Buches, H.M.Connally, im Internet nicht wirklich etwas finden lässt. Doch war der Inhalt sehr spannend beschrieben. ...

Vielleicht hätte es mich schon warnen sollen, dass sich zu dem angeblichen Autor dieses Buches, H.M.Connally, im Internet nicht wirklich etwas finden lässt. Doch war der Inhalt sehr spannend beschrieben. Eine Therapie einer Mörderin, das klingt spannend, und das hätte ich auch sehr gerne gelesen. Wenn nur das Buch hauptsächlich auch davon gehandelt hätte und nicht ungefähr ab der Mitte in eine völlig andere Richtung abgedriftet wäre!

Die erste Hälfte des Buches hat mir noch recht gut gefallen, es liest sich flüssig und spannend und man lernt die Psychiaterin Ava und ihre Klientinnen - alles Mörderinnen, aber meistens solche, die davor lange missbraucht worden waren und sich dann nur gegen ihre Peiniger zur Wehr gesetzt oder dafür gerächt hatten - ein bisschen kennen und es gibt erste Therapiegespräche, die durchaus interessant sind. Die Geschichte wird auch aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert. Auch der Vortrag der Psychiaterin auf einer Tagung und die Hintergrundinformationen zu typischen Mordmotiven von Männern vs. Frauen und einigen psychologischen Theorien waren noch recht interessant und einigermaßen fachlich fundiert.

Doch im letzten Teil des Buches kommt es zu wirklich extremen Gewalt- und Vergewaltigungsexzessen, die bis ins letzte Detail in fast schon pornographischer Art und Weise geschildert werden. Das macht schreckliche Bilder im Kopf, die man nicht so leicht wieder los wird und die in diesem Detailgrad für die Handlung des Buches überhaupt nicht notwendig gewesen wären. Es geht dann auch nicht mehr wirklich um die Therapie oder Psyche von irgendwelchen Mörderinnen, sondern um etwas ganz anderes. Insgesamt kann ich dieses Buch also leider nicht wirklich empfehlen und vergebe 2 Sterne für einen gelungenen Anfang, der leider dann in eine sehr hässliche und auch nicht zur Beschreibung passende Richtung abdriftet.

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