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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2025

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Die weiße Nacht
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Der Winter des Jahres von 1946/47 wird als Hungerwinter in die Geschichte eingehen, in dem Tausende Menschen im zerstörten und von den alliierten besetzten Deutschland infolge von Krankheiten, Hunger und ...

Der Winter des Jahres von 1946/47 wird als Hungerwinter in die Geschichte eingehen, in dem Tausende Menschen im zerstörten und von den alliierten besetzten Deutschland infolge von Krankheiten, Hunger und Kälte sterben. Wer keine Habseligkeiten mehr hat, um sie am Schwarzmarkt gegen etwas Essbares zu tauschen, stöbert in den Trümmern nach etwas Brauchbarem.

Die junge Fotografin Lou Faber sucht in den Ruinen von Berlin nach geeigneten Motiven, um die Fotos an Magazine zu verkaufen. Dabei entdeckt sie eine Frauenleiche, deren Hände gefaltet sind. Die herbeigerufene Polizei glaubt zunächst an ein weiteres Kälteopfer, doch mit Hilfe von Lous Foto wird dem ermittelnden Kriminalkommissar Alfred König klar, dass es sich um einen Mord handelt und diese tote Frau wird nicht die einzige Leiche bleiben.

So kurz nach dem Ende des NS-Regimes liegt der Verdacht nahe, dass sich jemand für erlittenes Leid rächen will ...

Meine Meinung:

Dieser Krimi, der in den ersten Nachkriegsjahren in Berlin spielt, ist Auftakt einer neuen historischen Krimireihe von Anne Stern. Nach der Reihe, rund um die Dresdner Oper oder jene um die Hebamme Hulda Gold, bieter diese neue Reihe Spannung und historisches Wissen.

Die Charaktere sind wie immer bei Autorin Anne Stern sorgfältig ausgearbeitet. Sowohl Lou Faber als Kriminalkommissar Alfred König habe ihre Ecken und Kanten, sowie ihre Traumata aus den vergangenen Kriegsjahren. Obwohl die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sie den eisernen Willen den oder die Täter ausfindig zu machen und die Morde aufzuklären.

Auch die Nebenfiguren wie die Jugendlichen Gerti und Justus, die mit allen Wassern gewaschen sind, sind geschickt gezeichnet- Die beiden kennen sich am Schwarzmarkt bestens aus, um überleben zu können und schrecken auch vor kriminellen Handlungen nicht zurück.

Am Silvesterabend 1946 wird der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings in seiner Predigt den Mundraub für den rechtfertigen. Wenig später wird sein Nachname als Synonym für das Organisierens von Nahrung und Kohle - fringsen.

Wie schon die anderen Romane ist auch dieser hier penibel recherchiert und gekonnt erzählt. Das Cover ist sehr gut gelungen, zeigt es doch die in Trümmern liegende Welt durch den Sucher einer Kamera.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Atompriester
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Der junge Elias trifft in einem Berliner Café eine jungen Frau, die ihn fasziniert. Man kommt ins Gespräch und weil Elias ohnehin über einen Job- und Ortswechsel nachdenkt, nimmt er ihr Angebot an, für ...

Der junge Elias trifft in einem Berliner Café eine jungen Frau, die ihn fasziniert. Man kommt ins Gespräch und weil Elias ohnehin über einen Job- und Ortswechsel nachdenkt, nimmt er ihr Angebot an, für eine NGO, die sich zur Aufgabe gemacht hat, nachfolgende Generationen vor dem heutigen Atommüll zu warnen. Noch weiß Elias nicht, dass er in die Fänge einer sektenähnlichen Gemeinschaft gerät, die ihr eigenes Süppchen kocht.

Er folgt der Frau in ein Kloster in den Pyrenäen, wird zum Atompriester geweiht und widmet sich in der Bibliothek der ihm übertragenen Aufgaben. Als er eines Nachts eine Entdeckung macht, beginnt er an der Redlichkeit des Ordens zu zweifeln. Er beginnt eigene Nachforschungen und kommt einem gefährlichen Geheimnis auf die Spur.

Meine Meinung:

Das Thema Atomkraft und Endlagerstätten für Atommüll bietet ein breites Feld an Verschwörungstheorien, weil sich weder Staaten noch Betreiber von Kernkraftwerken in die Karten schauen lassen. Die ungeklärte Frage, wie und wo Atommüll gelagert werden soll bzw. kann, wird die Menschheit noch länger beschäftigen. Fässer mit radioaktiven Material einfach in die Meere zu kippen, wie in der Vergangenheit leider oft üblich, ist, wie man weiß, nicht der Weisheit letzter Schluss.

Autor Rolf Sakulowski hat hier einen fesselnden geschrieben, in dem sich langsame Stellen und rasante abwechseln. Hauptcharakter Elias ist sympathisch und glaubhaft beschrieben. Manchmal wirkt er in seinem Glauben an seine „Mission“ ein wenig naiv.

Üblicherweise bin ich ja kein großer Fan von Verschwörungstheorien, aber bei den Machenschaften der Atom-Lobby, wo es um sehr viel Geld und Macht geht, bin ich schon versucht, das Schlechteste anzunehmen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Thriller, der mit einem für mich nicht unerwarteten Ende aufwartet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Eine Leseempfehlung!

Wer die Toten stört
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James Willoughby, ein junger verarmter Adeliger, will sich seinen Traum, Arzt zu werden, erfüllen und stürzt sich im Jahr 1828 im schottischen Edinburgh voller Begeisterung, aber mit einer entsetzlichen ...

James Willoughby, ein junger verarmter Adeliger, will sich seinen Traum, Arzt zu werden, erfüllen und stürzt sich im Jahr 1828 im schottischen Edinburgh voller Begeisterung, aber mit einer entsetzlichen Naivität, in das Studium.

Eiegtnlich hat er wenig Vorstellung, was ihn erwartet. Zum einem wird theoretischer Unterricht geboten und zum anderen müssen praktische Kenntnisse an echten Leichen in privaten Anatomieschulen erworben werden. Doch die kosten extra Geld. Geld, das James nicht hat. Ein Studienkollege bietet einen Ausweg und wenig später gerät James in die Untiefen des Leichenhandels. Zunächst werden nur vor kurzem Bestattete aus den Friedhöfen der Stadt entwendet.

Als die Nachfrage nach frischen Leichen das Angebot übersteigt und eine neue Gruppe von Leichenräubern mitmischt, die auch nicht davor zurückschreckt, Menschen zu ermorden, wird es für James gefährlich.

Meine Meinung:

Hintergrund dieses historischen Krimis ist die Tatsache, dass es für die anatomischen Studien zu wenig Leichen gegeben hat. Damals durften nur die Körper hingerichteter Verbrecher für Sektionen verwendet werden. Man behilft sich unter stillschweigender Duldung der Anatomen damit, die Körper frisch bestatteter Menschen zu stehlen. Leichenraub wird damals lediglich als Vergehen bewertet.

Die Autorin hat rund um die wahre Geschichte der Leichenräuber William Burke und William Hare, die in den Jahren 1827 und 1828 insgesamt 16 Morde begangen haben, um die frischen Leichen an den Anatomen Robert Knox zu verkaufen. Die im Krimi beschriebene Mary Patterson sowie Darf Jamie sind ebenfalls reale Opfer von Burke und Hare.

Dieser Krimi ist recht authentisch beschrieben, zeigt er doch die Lebenswirklichkeiten der damaligen Gesellschaft auf. So erwartet die Familie von James, dem jüngsten Sohn, dass er die Schulden, die der verstorbene Vater hinterlassen hat, dadurch begleicht, dass er eine Stelle als Kaufmann antritt. Die anderen Familienmitglieder wie Bruder und Schwester frönen ihrem üblichen Lebensstil. James will aber unbedingt Arzt werden. Allerdings geht er die Sache mit einer Naivität an, die schon wirklich peinlich und schier unglaublich wirkt. Doch im Laufe der Geschichte entwickelt er sich von einem schüchternen Außenseiter zu einem tatkräftigen jungen Mann.

Geschickt verknüpft die Autorin die historischen Fakten mit Fiktion. Dabei gelingt es ihr, die Lebensumstände der unterschiedlichen Protagonisten sehr gut darzustellen. Selbst der trockene britische Humor findet seinen Platz.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der uns in das Medizinstudium im 19. Jahrhundert entführt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 21.11.2025

Familie Mann im Exil 1933

Wenn die Sonne untergeht
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„Die Gefahr ist sicherer als die Sicherheit!“

Zu Autor Florian Illies habe ich, ebenso wie zur Familie Mann ein zwiespältiges Verhältnis. Der Besuch der Buch Wien, bei der ich Florian Illies bei einem ...

„Die Gefahr ist sicherer als die Sicherheit!“

Zu Autor Florian Illies habe ich, ebenso wie zur Familie Mann ein zwiespältiges Verhältnis. Der Besuch der Buch Wien, bei der ich Florian Illies bei einem Interview zu seinem neusten Buch erleben durfte, hat mich dazu bewogen, mich sowohl mit ihm selbst, als auch mit der Familie Mann nochmals zu beschäftigen.

Florian Illies lässt in diesem, seinem neusten Buch die Monate Februar bis September 1933, die für die Familie Mann (und Tausende andere) weitreichende Folgen haben wird, Revue passieren. Er lässt uns einen Anteil haben am Leben der Familie Mann, das in diesen Monaten zu einem Leben in absoluter Fassungs- und Hilflosigkeit erstarrt. Dabei verabsäumt er nicht, darzustellen, wie sich - vor allem Thomas Mann - in einer Blase von Egozentrik und Selbstgefälligkeit befindet, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Wie ein Herrscher gebietet er seinen Kindern Erika und Golo, Manuskripte, Briefe, Geld sowie zahlreiche Wertgegenstände aus der Münchener Villa nach Sanary-sur-Mer, wo sie aktuell leben, zu schaffen. Beide bemühen sich, stets auch in Gefahr zu sein von der Gestapo verhaftet zu werden, doch der Dank oder wenigstens eine Anerkennung ihrer Leistungen seitens des Vaters bleibt aus.

Obwohl die Familie Mann ihr Schicksal mit Dutzenden anderer Literaten wie Eva Herrmann, Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig usw. teilt, scheint Thomas Mann vor allem persönlich beleidigt zu sein. Er, der Literaturnobelpreisträger von 1929 wird einfach ausgebürgert und mit Verhaftung bedroht! Manns Empörung ist deutlich spürbar, gleichzeitig verschließt er, im Gegensatz zu seinem Bruder Heinrich seine Augen vor den politischen Umwälzungen in Deutschland. Dies führt letztendlich zu einem Konflikt zwischen Thomas Mann und seinem Sohn Klaus, für dessen Empfinden Thomas nicht eindeutig genug Stellung gegen das NS-Reich bezieht.

Geschickt zeigt uns Autor Florian Illies wie die Mitglieder der Familie Mann mit dem Gefühl der Entwurzelung umgeht. Dazu zitiert er aus zahlreichen Briefen und Tagebüchern, anhand derer er die Charaktere der Familienmitglieder beschreibt. Das schließt unter anderem die Drogensucht von Klaus mit ein. Ehrlich gesagt ist mir nach wie vor kein Familienmitglied so richtig sympathisch, am ehesten Katja Mann, geborene Pringsheim, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hält.

Das Buch ist keine durchgehende Biografie der Familie Mann. Eine solche würde wohl den Rahmen sprengen. Das Buch ist eine mehrmonatige Momentaufnahme, die manchmal kühl beobachtend und durchaus ironisch ist. Immer wieder sorgen Aussprüche von Thomas Mann bei mir für Kopfschütteln, wenn er sich beinahe weinerlich um seinem zurückgelassenen Besitz sorgt und die verlorene Bequemlichkeit beklagt. Schmunzeln musste ich bei der Vorstellung, Thomas und Heinrich Mann gehen hanseatisch, sommerlich gekleidet am Stand von Sanary spazieren - weißer Dreiteiler bei 30 Grad im Schatten.

Sehr gut gefällt mir der Abschnitt „danach“, in dem die weiteren Lebenswege der einzelnen Familienmitglieder gut und prägnant zusammengefasst sind. So wird Thomas Mann später in Zürich alle seine Bücherkisten und (fast) all seine geliebten Dinge wiederfinden. Nur seine Heimat, die hat er verloren.

„Wir sind eine erlauchte Versammlung - aber einen Knacks hat jeder.“ schreibt Thomas Mann in seinem Tagebuch.

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Ich bin nach wie vor kein großer Fan der Familie Mann, doch diese unterhaltsame Lektüre hat sie mir ein wenig zugänglicher gemacht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 11.11.2025

Schwarze Schatten der Vergangenheit und düstere Zukunft

Der Tote an der Alster
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Schwarze Schatten der Vergangenheit - dunkle Wolken für die Zukunft
In seinem 6. Fall wird Kommissar Hauke Sötje von seiner Vergangenheit als Kapitän eines Schiffes, das durch Sabotage versenkt worden ...

Schwarze Schatten der Vergangenheit - dunkle Wolken für die Zukunft
In seinem 6. Fall wird Kommissar Hauke Sötje von seiner Vergangenheit als Kapitän eines Schiffes, das durch Sabotage versenkt worden ist, eingeholt, seine Familie wird entführt und er soll, - quasi als Sühne - einen Mord begehen. Erst dann würde seine Familie frei gelassen werden. Doch stimmt das? Und was soll das bringen, wenn er, Sötje, dann als Mörder gejagt und hingerichtet würde? Oder soll die Jagd nach Hauke Sötje von einer größeren Verschwörung ablenken?

Doch von Beginn an: In der Suite des Grandhotel „Vier Jahreszeiten“ liegt ein Toter. Die Ermittlungen sind angesichts des bekannten Hotels heikel, weshalb Hotelbesitzer Haerlin und die Polizei den Fall so schnell wie unauffällig abschließen wollen und einen Raubmord annehmen. Doch Sötje erkennt in dem, als Strumpffabrikanten Oppenheimer im Meldebuch eingetragenen Mann, seinen ärgsten Widersacher: den kaiserlichen Spion Graf von Lahn.

Obwohl er vom Fall abgezogen wird, ermittelt er auf eigene Faust weiter und weiß noch nicht, dass er es mit einem schier übermächtigen Gegner zu tun hat.

Im Stadthaus, dem Sitz der Kriminalpolizei, hat Hauke Sötje zahlreiche Gegner, weil er durch seine unorthodoxen Ermittlungen zwar eine hohe Aufklärungsrate hat, es aber doch immer wieder an Teamgeist mangeln lässt. Immer mehr Kollegen wenden sich von ihm ab, allen voran Kommissar Kleiner. Nur Kriminalrat Roscher und ein, zwei Mitarbeiter sind auf seiner Seite. Die anderen würde ihn lieber heute als morgen aus der Kriminalpolizei entfernen. Als dann noch sein Geheimnis rund um den Schiffsuntergang und dessen Folgen im Stadthaus publik wird, gerät auch Roscher unter Zugzwang.

Meine Meinung:

Puh, was für eine Geschichte!

Anja Marschall ist es wieder gelungen, mich völlig in das Jahr 1907 eintauchen zu lassen. Plötzlich war die letzte Seite da! Was für ein gemeiner Cliffhanger! Das kann doch nicht das Ende von Hauke Sötje sein?

Es ist immer wieder spannend zu lesen, wie damals ermittelt worden ist. Gerade einmal die Daktyloskopie sowie eine Zettelkartei mit Fotos von Verhafteten stehen als technische Hilfsmittel zur Verfügung. Geständnisse, die zur Strafverfolgung bei Gericht nötig sind, werden durch Schläge und Drohungen den mutmaßlichen Verbrechern abgepresst.

Wie immer, sind den einzelnen Kapiteln Ausschnitte aus den örtlichen Tageszeitungen vorangestellt.

Ich hoffe, bald einen weiteren Band mit Hauke Sötje lesen zu können. Denn so ein offenes Ende, lässt mein Kopfkino Hochschaubahn fahren.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi 5 Sterne und warte mit Ungeduld auf den nächsten.