Profilbild von EineMami

EineMami

Lesejury Star
offline

EineMami ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit EineMami über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2025

Eine starke Frau zwischen Gottesfurcht, Gerechtigkeit und dem Wunsch nach Selbstbestimmung

Die Waldgräfin
0

Das Jahr des Herren 1066: Als Tochter des Freigrafen zu Sassenberg ist Alienors Schicksal schon vorgezeichnet. Zwar lässt ihr Vater ihr einige Freiheiten, lehrt sie sogar das Kämpfen mit dem Schwert, doch ...

Das Jahr des Herren 1066: Als Tochter des Freigrafen zu Sassenberg ist Alienors Schicksal schon vorgezeichnet. Zwar lässt ihr Vater ihr einige Freiheiten, lehrt sie sogar das Kämpfen mit dem Schwert, doch letztlich soll sie nur einen ehrbaren Mann in passender Stellung heiraten und den gewünschten Erben austragen.
Dass alles anders kommen wird, ahnen die eingefleischten Christen nicht, als der Freigraf seiner Tochter zur eigenen Belustigung einen heidnischen Sklaven schenkt. Im Wald aufgegabelt und namenlos, soll er Alienor fortan als Reitknecht dienen. Doch der Fremde ist nicht nur schön, er ist auch klug und ehrenhaft. Ganz sicher kein einfacher Mann, sondern von hoher Geburt. Nach einem Scharmützel mit den Feindes des Grafen, droht der Heide an seinen Verletzungen zu sterben. Alienor folgt ihrem Herzen, will ihn retten und gerät unversehens in das blutrünstige Auge der christlichen Kirche. Zum ersten Mal ergreift Alienor für sich selbst Partei und gleichzeitig nach einem selbstbestimmten Leben, obwohl es sie alles kosten kann, was sie je kannte und liebte …

Das Hörbuch „Die Waldgräfin“ wartet mit einer beeindruckenden Länge von über 23 Stunden auf. Gelesen von der wunderbaren Julia Kelz. Mit ihrer eigenwilligen Stimme bringt sie Leben in den historischen Roman von Dagmar Trodler. Ich finde zwar, dass die Stimme für die junge Alienor nicht ganz passt, da sie für mein Empfinden älter klingt, doch die Darbietung ist unterhaltsam und kunstfertig, sodass ich ihr letztlich mit Genuss gelauscht habe.

Alienor ist eine für damalige Verhältnisse starke und toughe Persönlichkeit. Sie weiß, was sie will, zögert zwar danach zu greifen, doch ihr Mut und ihre Sturheit bringen sie früher oder später ans Ziel.
Die Zuneigung zu ihrem heidnischen Sklaven entfaltet sich langsam, kaum merklich. Diese Entwicklung hat mir gut gefallen.

Die Gottesfürchtigkeit der damaligen Zeit gibt die Autorin bildhaft und anschaulich wieder, allerdings wird die Handlung dadurch mitunter sehr langatmig, gespickt mit einer Flut lateinischer und hebräischer Absätze. An dieser Stelle möchte ich Sprecherin Julia Kelz erneut loben, die die fremdsprachigen Textstellen so kompetent und mit Bravour vorträgt und ihnen Leben einhaucht.

Ich finde, dass man die Geschichte insgesamt kürzer hätte gestalten können. Die einzelnen Phasen hätten dafür spannender und mitreißender sein können. Es war ein interessantes, historisch bildhaftes Erlebnis, bei dem man die Liebe der Autorin zu ihrem Werk deutlich spürt, dennoch werde ich es bei Band 1 belassen und keinen weiteren Teil der „Wege der Eifelgräfin“ hören oder lesen.

Veröffentlicht am 12.12.2025

Der Tod als Lehrmeister

Das späte Leben
0

Mit 76 Jahren erhält Martin eine Krebsdiagnose, ohne Aussicht auf Heilung. Trotz des fortgeschrittenen Alters ist er erschüttert, will nicht wahrhaben, was der Arzt sagt. Denn Martin hat einen sechsjährigen ...

Mit 76 Jahren erhält Martin eine Krebsdiagnose, ohne Aussicht auf Heilung. Trotz des fortgeschrittenen Alters ist er erschüttert, will nicht wahrhaben, was der Arzt sagt. Denn Martin hat einen sechsjährigen Sohn, eine deutlich jüngere Frau. Ein Leben, das noch nicht fertiggelebt ist. Was soll er in den letzten Wochen und Monaten tun, noch erleben? Was seiner Familie hinterlassen?
Er verbringt viel Zeit mit seinem Sohn, schreibt ihm Briefe für später, analysiert die Beziehung zu seiner Frau, entdeckt Geheimnisse, die sie umgeben. Darf erkennen, was wirklich wichtig ist und in Liebe Abschied nehmen.

Ein Buch nicht nur für Sterbende, sondern viel mehr für jeden, der in sein Leben mehr Bewusstsein, Achtsamkeit und Dankbarkeit für das, was ist, einladen möchte. Gelesen wird das Hörbuch von Ulrich Noethen. Er ist die perfekte Wahl. Seine Stimme haucht Martin gekonnt Leben ein, ist ruhig, aber betont an den richtigen Stellen. Das Zuhören ist sehr angenehm.

Wirklich sympathisch ist mir keiner der Charaktere. Aber ich denke, darum geht es auch gar nicht. Die Geschichte, eigentlich nur ein kurzer Einblick in das Schicksal eines Menschen, der jeder sein könnte, soll zum Nachdenken, zum Entschleunigen einladen. Wie oft vergessen wir, nach links und rechts zu schauen? Unsere Mitmenschen, unsere Lieben WIRKLICH zu sehen. All die Facetten, die Schönheiten und Schrecken wahrzunehmen.

Da ich mich schon länger mit Liebe, Weisheit und auch dem Tod beschäftige, war die Geschichte nicht wirklich neu oder besonders unter die Haut gehend für mich. Sie hat ihre Daseinsberechtigung und kann für manchen als Denkanstoß fungieren. Vielleicht trösten. Dazu anregen sich zu fragen, was bleibt von einem, wenn man geht?

Nicht mit allen Gedankengängen und Ansichten der Figuren stimme ich überein. Aber ich verstehe, dass wir alle - ausnahmslos jeder - im Grunde auf dem gleichen Weg unterwegs sind und dass wir alle uns wünschen, geliebt zu werden, anderen etwas zu bedeuten. Insgesamt habe ich von dem Buch dennoch mehr erwartet.

Veröffentlicht am 12.12.2025

Süße Story, aber etwas zu langweilig und vorhersehbar

Today Tonight Tomorrow
0

Rowan Roth und Neil McNair waren die ganze Highschool-Zeit über erbitterte Konkurrenten. Noch am letzten Tag kämpfen sie um die Auszeichnung als Schulbester und auch bei der „Pirsch“, einer Schnitzeljagd, ...

Rowan Roth und Neil McNair waren die ganze Highschool-Zeit über erbitterte Konkurrenten. Noch am letzten Tag kämpfen sie um die Auszeichnung als Schulbester und auch bei der „Pirsch“, einer Schnitzeljagd, die als Abschlussspiel jedes Jahr stattfindet, wollen sie unbedingt gewinnen. Nur durch Zufall erfährt Rowan, dass sich eine Gruppe Schüler gegen sie verschworen hat, um sie aus dem Spiel zu werfen. Notgedrungen machen sie und Neil gemeinsame Sache - und kommen sich näher. Plötzlich erkennt Rowan, wie viele Gemeinsamkeiten sie haben und dass ihr größter Konkurrent eigentlich gar nicht so übel ist. Aber können aus ihnen jetzt noch Freunde werden oder gar … mehr?

Rachel Lynn Solomon hat mit „Today, Tonight, Tomorrow“ einen süßen Enemies-to-Lovers-Roman im New Adult Genre geschaffen, der mir insgesamt aber zu langweilig und zu vorhersehbar war. Allerdings war es sehr angenehm, Nina Carissima Schönrock zu lauschen, die das Hörbuch flüssig und mit lebendiger Betonung liest. Ihre Stimme ist für Rowan, die Protagonistin des Buches, das aus ihrer Ich-Perspektive geschrieben ist, perfekt.

Rowan und Neil sind beide sympathische Charaktere, aber sie sind mir einfach zu nerdig. Der Versuch, sie trotz ihres streberhaften und manchmal wirklich cringen Verhaltens irgendwie cool und special erscheinen zu lassen, konnte mich nicht überzeugen. Die Dialoge sind teilweise ganz witzig und interessant, aber mir fehlte die emotionale Tiefe und auch die Identifikation mit ihren Persönlichkeiten. Außerdem kommt für mein Empfinden null Spannung auf. Die Schnitzeljagd entpuppt sich als ewiges Herumlaufen in Seattle, ohne dass etwas interessantes passiert und die Entwicklung zwischen Rowan und Neil ist von vorne bis hinten vorhersehbar. Der Roman plätschert die meiste Zeit nur so dahin. Wer das mag, ist mit der Geschichte gut bedient. Mich hat sie leider nicht abholen können.

Veröffentlicht am 12.12.2025

Girl gone wild

Der süße Duft der Reben
0

Als Tochter eines erfolgreichen Rosinenimporteurs genießt Isabel ein privilegiertes Leben im London von 1903. Doch soweit, an einer Kunstakademie zu studieren, gehen ihre Rechte nicht, denn ihr Vater beschließt ...

Als Tochter eines erfolgreichen Rosinenimporteurs genießt Isabel ein privilegiertes Leben im London von 1903. Doch soweit, an einer Kunstakademie zu studieren, gehen ihre Rechte nicht, denn ihr Vater beschließt kurzerhand, sie an den Sohn eines Geschäftspartners in der spanischen Heimat zu verheiraten. Isabel beschließt zu fliehen und sich allein durchzuschlagen. Doch ihre Pläne werden immer wieder durchkreuzt und enden mehr als einmal in einer Katastrophe. Nur Fernando, der Mann, in den sie als Kind schon verliebt war, scheint ihr helfen zu können …

Tara Haigh erzählt in „Der süße Duft der Reben“ die Geschichte einer mutigen jungen Frau, die ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten und einer Pflichtheirat entgehen will. Für sie kommt nur eine wahre Liebe infrage und die war schon immer Fernando. Gut gefallen hat mir, dass der Roman mit vielen überraschenden Wendungen aufwartet. Einiges ist natürlich auch vorhersehbar, aber die Spannung konnte gehalten werden.

Insgesamt fehlte mir jedoch das sogenannte „show don‘t tell“. Haighs Schreibstil beinhaltet viele Beschreibungen, aber wenig Emotionen. Auch kam ich mit den Figuren nicht genug in engeren Kontakt, dass sie mir wirklich sympathisch werden konnten. Bis zuletzt blieb Isabel eine gute Bekannte und auch Fernando leider farblos. Vor allem auch ihre Liebe und Zuneigung wurden zu wenig spürbar. Die ganze Zeit habe ich auf das Feuer und die tiefe Verbundenheit der beiden gewartet, doch sie kamen einfach nicht zur Geltung. Es passiert viel, bleibt ein spannendes Auf und Ab, aber nicht wirklich in Erinnerung. Ich denke, hier wurde viel Potenzial verschenkt. Für den Moment habe ich mich dennoch gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 12.12.2025

Aschenputtel meets Reality

The Story Between Us
0

Ella und Darce haben eine gemeinsame Vergangenheit. Mit abruptem Ende. Nach Jahren treffen sie sich ausgerechnet in Darces pompösem Zuhause wieder, denn Ella arbeitet für seinen Bruder, um mit dem Zuverdienst ...

Ella und Darce haben eine gemeinsame Vergangenheit. Mit abruptem Ende. Nach Jahren treffen sie sich ausgerechnet in Darces pompösem Zuhause wieder, denn Ella arbeitet für seinen Bruder, um mit dem Zuverdienst ihr mageres Gehalt aufzubessern. Das Leben im Trailerpark mit ihrer kleinen Schwester und der unzuverlässigen Mutter ist hart und alternativlos. Darce hingegen ist der Erbe einer millionenschweren Firma. Die Kluft zwischen ihnen könnte größer nicht sein. Aber da sind auch diese unleugbaren Gefühle, gemeinsame Erinnerungen und eine tiefe Verbundenheit. Wie viel Schmerz und Enttäuschung kann ihre fragile Beziehung ertragen?



Darce und Ella. Ella und Darce. Sie gehören zusammen und doch nicht. Es begann mit einer Freundschaft, aus der mehr wurde, doch Ella war und ist nicht gut genug für den Prinzen der Familie. Zwischen ihnen liegen Welten. Und das lässt Jella Benks den Leser auch schonungslos fühlen. Was die Geschichte authentisch macht. Wer auf ein modernes Aschenputtel-Märchen hofft, wird gnadenlos enttäuscht. Darce ist gefangen in seiner Rolle als reicher Erbe, während Ella versucht, aus eigener Kraft der Armut zu entfliehen.



Ganz ehrlich, ich habe Verständnis für Darce und seine Situation, aber er ist auch ein feiger Mistkerl. Mag sein, dass sein Charakter glaubwürdig ist, mir fehlte trotzdem der strahlende Held. Ella ist dagegen stark und mutig, was sicher einen gewissen Ausgleich zwischen ihnen schafft, aber mich hat das Verhalten der beiden teilweise ganz schön aufgeregt. Benks Schreibstil ist humorvoll und direkt. Ich mag ihre Art zu schreiben, aber ich finde, dass sie einige ihrer Stilelemente zu oft wiederholt, wodurch der Text weniger originell klingt. Die Story ist süß, es ist alles drin, was es braucht, um den Leser zu unterhalten, aber sie ist auch recht vorhersehbar. Für mich war’s ein kurzweiliger Snack für zwischendurch.