Berührend, leise & kraftvoll
In Case We ForgetEs gibt Bücher, die liest man – und dann gibt es Bücher, die fühlt man.
„In Case We Forget“ war für mich Letzteres.
Schon auf den ersten Seiten war da dieses leise Ziehen im Herzen – das Gefühl, dass mich ...
Es gibt Bücher, die liest man – und dann gibt es Bücher, die fühlt man.
„In Case We Forget“ war für mich Letzteres.
Schon auf den ersten Seiten war da dieses leise Ziehen im Herzen – das Gefühl, dass mich hier eine Geschichte erwartet, die mich nicht nur unterhalten, sondern wirklich berühren wird. Und genau so war es.
Jude und Nora … ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Die beiden sind so viel mehr als nur ein Ex-Paar mit ungeklärter Vergangenheit. Sie sind verletzlich, voller Widersprüche, geprägt von Schmerz, Schuld und tiefer Liebe, die nie ganz verschwunden ist. Ihre Begegnung im Gerichtssaal – als gegnerische Anwält:innen – hat mich sofort gepackt. Nicht wegen des Dramas, sondern wegen all dem Ungesagten zwischen den Zeilen.
Ich habe Jude in diesem Buch auf eine Weise kennengelernt, die ich nicht erwartet hätte. Bisher war er für mich eher der verschlossene, distanzierte Typ – aber hier öffnet er sich, zeigt seine Zweifel, seine inneren Kämpfe, seine Wunden. Und das hat mich unglaublich berührt.
Nora war für mich der ruhige Anker in dieser Geschichte. Klug, empathisch, aber auch mit eigenen Narben. Ich konnte ihre Entscheidungen nachvollziehen, besonders die schwierige von damals. Manchmal muss man sich selbst retten, auch wenn es bedeutet, jemanden zu verlieren, den man liebt. Ihre Worte sind Magie.
Was Tess Tjagvad einfach kann, ist Sprache, die unter die Haut geht. Sie schreibt so leise und gleichzeitig so eindringlich, dass ich oft das Bedürfnis hatte, Sätze nochmal zu lesen – nicht, weil ich sie nicht verstanden habe, sondern weil sie so schön waren, dass ich sie spüren wollte - und das habe ich. Ich habe gelacht, geweint, mein Herz zerrissen und so wunderschön wieder zusammengesetzt, die Associates gehen zu lassen wird mir schwer fallen und ich hoffe so sehr, dass wir sie nicht das letzte Mal lesen durften.
Und dann sind da die Themen: Sucht, Trauer, Selbstfindung, zweite Chancen. Alles sensibel, ehrlich und ohne großes Drama erzählt – einfach menschlich. Ich liebe, wie sie es schafft, so schwierige Themen mit so viel Feingefühl in eine Liebesgeschichte zu verweben, ohne dass es jemals zu viel wird.
Auch die spicy Szene war für mich genau richtig platziert – nicht vordergründig, sondern eingebettet in all die Gefühle, die da mitschwingen, einfach perfekte Tension.
Für mich war dieser Band das Highlight der Reihe, auf so viele Weisen. Ich habe alle drei Bücher geliebt, aber Judes und Noras Geschichte hat mein Herz nochmal auf eine ganz eigene Weise berührt. Vielleicht, weil sie so real war. Vielleicht, weil sie mir gezeigt hat, wie wichtig es ist, sich selbst zu vergeben. Oder vielleicht einfach, weil ich mich beim Lesen so sicher, so verstanden gefühlt habe.
Jetzt, wo die Reihe zu Ende ist, bleibt ein bittersüßer Nachklang – eine Mischung aus Dankbarkeit und Wehmut.
Ich werde diese Charaktere vermissen.
Aber ich weiß auch: Ich werde die Bücher von Tess Tjagvad immer wieder zur Hand nehmen, wenn ich mich nach Geschichten sehne, die echt, tief und wunderschön geschrieben sind.