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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.01.2026

Ein Krimi, der zum Nachdenken anregt

Ein stilles Mädchen
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Der Vater ist verzweifelt. Seine kleine Tochter ist spurlos verschwunden. Und die kleine Kandis sitzt in einer Hütte bei einem Mann, der ihr bisher nur Angst einjagte. Sie spürt, dass er böse ist. Aber ...

Der Vater ist verzweifelt. Seine kleine Tochter ist spurlos verschwunden. Und die kleine Kandis sitzt in einer Hütte bei einem Mann, der ihr bisher nur Angst einjagte. Sie spürt, dass er böse ist. Aber sie ist auch überzeugt davon, dass sie nur nett sein muss, um den Fängen dieses Menschen zu entkommen. Ihre Hoffnung ist zwar da, aber je länger sie mit ihm zusammen sein muss, desto unruhiger wird sie. Kein Wunder, ist sie doch erst sechs Jahre alt.
Ihr blaues Kleid wird bei der Vernehmung von Nachbarn und Bekannten des Vaters immer wieder erwähnt. Es ist doch wirklich nicht so schwer, sich an ein Kind mit einem Kleid in dieser markanten Farbe zu erinnern. Doch, es ist schwer. Das wird dem ermittelndem Kommissar schnell klar.
„Ein stilles Mädchen“ ist keineswegs ein alltäglicher Krimi. Die Autorin legt ihren Fokus nicht auf die Arbeit der Ermittler. Vielmehr zeigt sie auf, wie Traumata das Leben eines Menschen verändern. Dass die kleine Kandis immer mal wieder selbst zu Wort kommt, hat mir sehr gut gefallen.

Nein, es ist kein gewohnter Krimi. Dieses Buch lebt von den gehaltvollen Gedanken der Autorin. Der Vortrag von Frank Stieren ist perfekt und hat mir überaus spannende Stunden beschert. Klare Hörempfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 25.12.2025

Spannend mit überraschendem Schluss

Tannengrab - Karla Sommerfeld ermittelt
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Mathilda ist so stolz auf ihren Fund. Dabei handelt es sich um eine Knochen, den sie in der Nähe ihres Kindergartens fand. Als Karla Sommerfeld diesen ach so spannenden Gegenstand betrachtet ahnt sie sehr ...

Mathilda ist so stolz auf ihren Fund. Dabei handelt es sich um eine Knochen, den sie in der Nähe ihres Kindergartens fand. Als Karla Sommerfeld diesen ach so spannenden Gegenstand betrachtet ahnt sie sehr schnell, dass es sich keineswegs um einen Wildschweinknochen handelt. Sie befürchtet, dass hier der Knochen eines Menschen gefunden wurde. Nachdem das Team der Kriminaltechnik aktiv wurde besteht kein Zweifel mehr. Hier wurde ein menschliches Skelett vergraben.

Es dauert eine Weile, bis „Tannengrab“ Fahrt aufnimmt. Aber nach etlichen Minuten des Zuhörens entwickelt sich ein Spannungsbogen, der straff bleibt. Einige Wendungen führen den Leser immer mal wieder zu falschen Spuren. Zumal die Dorfbewohner äußerst misstrauisch und kaum zur Zusammenarbeit mit der Polizei bereit sind. Ein unterhaltsames Buch, das ich auf jeden Fall für spannende Stunden empfehle. Zumal das Ende mich dann doch sehr überraschte.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Leider wurde Ignaz Semmelweis von vielen Kollegen verkannt

Der Retter der Mütter
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Stolz steht draußen und grübelt. Er wartet auf seinen Freund Semmelweis. Wann hat sich das Verhältnis zu seinem besten Freund so sehr verändert? Warum ist Naz so furchtbar wissbegierig und muss jede Frage ...

Stolz steht draußen und grübelt. Er wartet auf seinen Freund Semmelweis. Wann hat sich das Verhältnis zu seinem besten Freund so sehr verändert? Warum ist Naz so furchtbar wissbegierig und muss jede Frage beantwortet haben? Und noch schlimmer, warum ist er der Lieblingsschüler des Professors? Fragen über Fragen beschäftigen Stolz und er hat zu keiner eine Antwort parat.

So viele Frauen sterben am sogenannten Kindbettfieber und kein Arzt hat eine schlüssige Erklärung dafür. Auch Ignaz Semmelweis ist ratlos. Bis, ja bis er eine zündende Idee hat. Er ist überzeugt davon, dass einzig das ausgiebige Händewaschen mit Desinfektionsmitteln dazu führt, dass viele Frauen nach der Geburt überleben. Leider gibt es nur wenige Fachleute, die Semmelweis unterstützten.

Die Biographie des großen Semmelweis zeigt genau das, was bis heute Fakt ist. „Der Prophet im eigenen Lande gilt nicht.“ Neben kleinlichen Eifersüchteleien sind es die falschen Ratgeber, welche das Schicksal dieses großen Mannes verursachen. #DerRetterderMütter ist ein kurzer Abriss über Leben und Werk Semmelweis´. Nach seinem Tod wurden Denkmäler errichtet und seine Erkenntnis für die hohe Sterblichkeit von Wöchnerinnen gilt bis heute. Gäbe es sonst die strengen Hygienevorschriften?

Ignaz Semmelweis wurde zur Zeit seines Lebens verkannt. Sei es aus Eifersucht oder Desinteresse. Seine Erkenntnisse bekamen keine Beachtung. Seine Kollegen taten seine Erkenntnisse als spektakulären Unfug ab. Dass es nach seinem Tod Briefmarken mit seinem Konterfei gab. Was hatte er davon? Oder dieses monumentale Grabmal? Wem nutzt es? Leider ist es nicht nur Semmelweis, der niemals die Anerkennung erhielt, die er verdiente.

Das Buch konnte mich zwar nicht fesseln, es animierte mich allerdings dazu, dass ich mich im www über seine Forschungen informierte. Etliche Fakten gibt es über Semmelweis zu lesen und ich werde mit Sicherheit auch die weiterführende Literatur zu seinem Leben und Wirken studieren.

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Veröffentlicht am 19.12.2025

Unvorstellbares Leid durch Flucht und Vetreibung

Heimat aus Eis und Asche
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Das Buch beginnt mit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Und was dann folgt ist eine Geschichte, die berührt. Lena von Schweig sitzt am Bett ihrer sterbenden Mutter. Die möchte ihr noch etwas ...

Das Buch beginnt mit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Und was dann folgt ist eine Geschichte, die berührt. Lena von Schweig sitzt am Bett ihrer sterbenden Mutter. Die möchte ihr noch etwas sagen, aber ihr fehlt die Kraft. Auch wenn Lena ihrer Mutter nicht sehr nahe stand, sie trauert trotzdem. Bis, ja bis sie eine Adoptionsurkunde findet und aus allen Wolken fällt. Damit hat sie niemals gerechnet. Waren ihre Eltern deshalb so unnahbar? Wer sind denn nun ihre „richtigen“ Eltern? Lena fühlt sich, als stände ein riesiger Berg vor ihr, den sie erklimmen muss.

Der Roman wird in zwei Zeitsträngen erzählt. Einmal geht es um die Vergangenheit. Das Leben in Ostpreußen auf einem Hof. Die Furcht vor den Russen und dann die Flucht nach Deutschland. Der andere Erzählstrang spielt im Leben von Lena. Lena macht sich auf die Suche nach ihren Wurzeln. Dabei steht ihr der langjährige Anwalt der Familie zur Seite. Und nicht nur der. Noch lange nach dem Krieg gab es Einrichtungen, die sich um die Zusammenführung von Familien bemühten. Es ist also durchaus denkbar, dass noch nach 1993 die Suche nach Angehörigen erfolgreich war.

Die Bücher der Autorin gefallen mir immer wieder. Auch dieses entwickelte sich aus Tatsachen, die zu einem spannenden Roman verarbeitet wurden. Die Geschehnisse um Lena sind dabei für meinen Geschmack zu ausführlich geschrieben. Hier hätte ich mir mehr Fakten zur Flucht aus Ostpreußen gewünscht. Eine Leseempfehlung gebe ich aber sehr gerne.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

So wurden psychisch Kranke stigmatisiert

Fräulein Hedwig
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Hedwig ist das erste Kind von Margarete und Franz Poschenrieder. Schon sehr früh zeigt sich ihre enge Verbindung zur Religion. Sie beichtet oft, nahezu täglich, und fühlt sich dennoch unzulänglich. Nicht ...

Hedwig ist das erste Kind von Margarete und Franz Poschenrieder. Schon sehr früh zeigt sich ihre enge Verbindung zur Religion. Sie beichtet oft, nahezu täglich, und fühlt sich dennoch unzulänglich. Nicht berechtigt, zur heiligen Kommunion zu gehen. Heiraten wollte sie nie, fand ihre Erfüllung beim Besuch der Messe und ihren Beichtvätern. Als der Vater starb, starben auch die Träume der Mädchen. Hedwig wurde genötigt, sich als Lehrerin ausbilden zu lassen. Die Brüder durften studieren. Das war damals so üblich, dass die „Stammhalter“ mehr Rechte hatten als ihre Schwestern.

"Fräulein Hedwig" ist ein Buch, das die Problematik von „lebensunwertem Leben“ im Dritten Reich thematisiert. Auch wenn der Autor Christoph Poschenrieder am Anfang immer mal wieder humorvolle Szenen beschreibt, es täuscht nicht über die Ernsthaftigkeit des Buches hinweg. Zeigt es doch eindrücklich, wie hilflos Patienten und Angehörige waren, wenn es um psychische Erkrankungen ihrer Lieben ging. Es gab keine Therapien. Die Menschen wurden durch Barbiturate ruhig gestellt. Der Kern der Krankheit nicht ergründet.

Nein, der Roman lässt sich nicht mal eben zwischendurch lesen. Er verlangt die ganze Aufmerksamkeit und ich werde ihn mit Sicherheit ein zweites Mal lesen. Zu wertvoll sind die Gedanken des Autors. Ein wenig störte mich das Hin und Her von Zeit und Ort. Das Cover ist mal wieder, wie bei Diogenes üblich, perfekt gewählt. Meine Leseempfehlung gilt uneingeschränkt.

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