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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2025

Rache, Schmäh und ein Meisterstück der Ambivalenz

Lilly Red Corvette
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​Selten hat mich ein Thriller so tiefgehend gefesselt und gleichzeitig moralisch herausgefordert wie "Lilly Red Corvette". Dieses Buch ist ein absolutes Highlight, das in jeder Hinsicht mehr bietet als ...

​Selten hat mich ein Thriller so tiefgehend gefesselt und gleichzeitig moralisch herausgefordert wie "Lilly Red Corvette". Dieses Buch ist ein absolutes Highlight, das in jeder Hinsicht mehr bietet als übliche Genrekost.
​Schon das Cover, diese einsame Parkbank, auf der die rote Rose als Liebessymbol in poetischem Blutrot gegen das Schwarz-Weiß des Hintergrunds strahlt, fängt die Atmosphäre perfekt ein. Es wirkt gleichzeitig bedrohlich und voller Leidenschaft.
​Die Grundidee einer Serienkillerin, die Männer ins Visier nimmt, die Frauen misshandelt haben, ist provokant, wird aber im Roman mit außergewöhnlicher Tiefe behandelt. Es geht hier nicht nur um Blut und Spannung. Das Buch thematisiert schonungslos die Frage nach Selbstjustiz und stellt einen Spiegel für gesellschaftliche Missstände dar, über die oft geschwiegen wird. Die Fragen, die es aufwirft, vergisst man auch nach der Lektüre nicht.
​Lilly Martens selbst ist eine unvergessliche Figur. Trotz ihrer abgründigen, perfiden Tötungsgelüste und der männerverachtenden Wut, die aus einer schwierigen Kindheit stammt, empfindet man eine Mischung aus Faszination und Verständnis. Sie ist eine komplexe Anti-Heldin. Gleichzeitig überzeugt das witzige und urig gezeichnete Wiener Ermittlerteam, allen voran Chefinspektorin Betty-Tulli Navratil, deren innerer Konflikt zwischen Pflicht und Gerechtigkeit der Geschichte eine zusätzliche emotionale Schicht verleiht.
​Besonders hervorzuheben ist der einzigartige Stil. Die detaillierte Beschreibung grausamer Szenen macht die menschlichen Abgründe förmlich greifbar. Doch der schwarze Humor, der Wiener Schmäh und die bissige Gesellschaftskritik, die oft im breiten Dialekt daherkommen, verhindern, dass das Buch hoffnungslos düster wird. Diese Mischung aus mitreißender Spannung, psychologischem Tiefgang und lokalem Witz ist das, was den Thriller so einzigartig und zu einer absoluten Empfehlung für Liebhaber abgründiger Krimis macht.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Märchenhaft und Düster: Christian Handels "Feenfluch" Ein absolutes Jahreshighlight

Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden ...
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Als jemand, der Märchenadaptionen liebt, hat mich "Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden" von Christian Handel restlos begeistert. Dieses Buch zählt für mich definitiv zu den Jahreshighlights. Der ...

Als jemand, der Märchenadaptionen liebt, hat mich "Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden" von Christian Handel restlos begeistert. Dieses Buch zählt für mich definitiv zu den Jahreshighlights. Der Autor beweist einmal mehr, dass er es meisterhaft versteht, bekannte Märchen neu zu erzählen und den Leser tief in die Geschichte hineinzuziehen.
​Die Adaption des Dornröschen-Märchens wird praktisch auf links gedreht und aus einer ganz neuen Perspektive beleuchtet. Im Fokus steht Kaelith, die beste Freundin der Prinzessin Elarose. Sie ist die einzige Überlebende des Schlaffluchs, lebt seit sieben Jahren mit tiefen Schuldgefühlen und ist die einzige, die den Fluch brechen kann.
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Fesselnder Schreibstil und tiefgründige Charaktere
​Christians Schreibstil ist gewohnt einnehmend, flüssig und bildgewaltig. Er schafft es sofort, eine düstere und zugleich märchenhafte Atmosphäre zu erzeugen, die zum vollständigen Abtauchen einlädt. Die Welt und Schauplätze, wie die Schimmernden Wälder oder der Rat der Dreizehn Feen, entstehen lebendig vor dem inneren Auge.
​Besonders hervorzuheben ist die Charakterentwicklung von Kaelith. Sie war sofort sympathisch: herzensgut, fest entschlossen ihre Lieben zu retten, aber auch verschlossen und von Schuldgefühlen geplagt. Ihre Entwicklung ist fantastisch und macht die Geschichte sehr authentisch. Auch der Magier Thorn, mutig, loyal und ein echter Heißsporn, gewinnt schnell das Leserherz. Die Nebencharaktere, wie das Werkaninchen Rufus, Sionnach und Gwenmahr, sind ebenfalls wundervoll gelungen.

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Spannung, Emotionen und eine natürliche Romanze
​Die Handlung beginnt dort, wo andere Märchen enden: im Stillstand. Sie entwickelt sich zu einer spannenden Reise zur Wahrheit und stellt Fragen nach Macht, Schuld und Opfer. Die Geschichte ist zuweilen düster und unheimlich, bietet aber auch romantische Momente. Die Liebesgeschichte fügt sich sehr natürlich und unaufdringlich in die Handlung ein, während Kaeliths Suche nach einer Möglichkeit, den Fluch zu brechen, im Vordergrund steht.
​Das Buch löste eine Bandbreite an Emotionen aus: Grusel, Gänsehaut, Wut, Erleichterung und tiefe Berührung. Unerwartete Wendungen treiben die Geschichte voran und fesseln bis zur letzten Seite. Das Ende und der Epilog werden als perfekt und wunderschön gelungen empfunden und runden die Geschichte stimmig ab.

## Fazit
​"Feenfluch" ist eine sehr atmosphärische, aufregende und mitreißende Geschichte vom sogenannten "Märchenkönig". Sie bietet eine einzigartige Sicht auf das Dornröschen-Märchen und lebt von ihren tiefgründigen Charakteren und der bildlichen Sprache. Ich kann dieses Buch allen Fans von Märchenadaptionen und Christian Handel nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.11.2025

Atmosphärischer Cozy Crime mit tollem Schreibstil und Charme

The Morrisey Mysteries 1. Ein Mord in 3B
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​"Ein Mord in 3B" war für mich von Anfang an ein rundum gelungener Wohlfühlkrimi, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Die Lektüre vermittelte mir auf den ersten Seiten sofort diese "Only Murders ...

​"Ein Mord in 3B" war für mich von Anfang an ein rundum gelungener Wohlfühlkrimi, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Die Lektüre vermittelte mir auf den ersten Seiten sofort diese "Only Murders in the Building"-Vibes, was mir unheimlich gut gefallen hat.
​Der Schreibstil ist für mich das große Plus: er ist locker, leicht und flüssig, was mir das Hineinkommen in die Geschichte sehr einfach gemacht und das Buch zu einem echten Pageturner werden ließ. Ich mochte die Art, wie die Autorin Humor, geheimnisvolle Spannung und Herz in einer angenehm leichten Erzählweise vermischt hat. Die Beschreibung des Morrisey-Gebäudes und seiner wunderbar gezeichneten, skurrilen Bewohner sorgten sofort für einen tollen Wohlfühlton, der perfekt mit dem Krimiplot harmoniert.
​Was mir besonders positiv aufgefallen ist, ist die liebevolle Aufmachung des Taschenbuches. Ich finde die Gestaltung des Umschlags, die mir eine Ansicht des Gebäudes bietet, sowie die Auflistung der Charaktere am Ende sehr gelungen und hilfreich, um mich im Haus zurechtzufinden.
​Die Protagonistin Meg ist mir sofort sympathisch gewesen. Die Dynamik zwischen ihr, ihrem Kindheitsfreund Laurie und ihrer Geistfreundin Ripley (die das paranormale Element unaufdringlich und charmant einbringt) hat mir sehr gefallen und für viele warme, emotionale Momente gesorgt.
​Insgesamt ist es für mich ein Krimi, der nicht nur durch seinen Fall, sondern vor allem durch seinen warmherzigen Ton, den Witz und die liebenswerten Charaktere überzeugt. Er war perfekt, um mich einzukuscheln, abzuschalten und mitzufiebern, und hat in mir eine riesige Lust auf den nächsten Band geweckt.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Historisches Lesehighlight

Lübecks Töchter. Der Traum von Bildung und Freiheit
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Anna Husen hat mich mit "Lübecks Töchter - Ein Traum von Bildung und Freiheit" wieder einmal restlos begeistert und tief in eine andere Zeit entführt. Dieser historische Roman hat einfach alles, was ich ...

Anna Husen hat mich mit "Lübecks Töchter - Ein Traum von Bildung und Freiheit" wieder einmal restlos begeistert und tief in eine andere Zeit entführt. Dieser historische Roman hat einfach alles, was ich so liebe: starke Frauenfiguren, eine packende, historisch fundierte Handlung und ein Setting zum Träumen.
​Plot und Setting: Der Kampf um Lübeck
​Wir tauchen ein ins späte 19. Jahrhundert, genauer gesagt ins Lübeck der 1870er Jahre. Und mal ehrlich: Was für eine perfekte Kulisse für eine Geschichte über Aufbruch und Emanzipation! Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Amélie und Clara. Amélie, eine leidenschaftliche Lehrerin, kehrt 1874 mit einem großen, mutigen Traum in ihre Heimat zurück: Sie will zusammen mit ihrer bodenständigen, aber ebenso engagierten Schwester Clara ein Seminar zur Ausbildung von Lehrerinnen gründen. Denn es ist eine Sache, Töchter zu unterrichten, aber eine ganz andere, ihnen die Tür zur Selbstbestimmung durch einen eigenen Beruf zu öffnen.
​Dieser Plan ist der Anker der gesamten Geschichte – und genau deshalb knistert es auf jeder Seite vor Konflikt. Denn natürlich stößt dieser Wunsch nach Frauenbildung auf massiven Widerstand. Ferdinand Rubens von der Oberschulbehörde verkörpert das Patriarchat, das mit allen Mitteln versucht, diesen Traum zu vereiteln. Dieser Kampf um die Gründung des späteren Roquetteschen privaten Lehrerinnenseminars ist historisch so toll recherchiert und so lebendig mit Fiktion verwoben, dass ich nicht nur mitgefiebert, sondern auch ganz viel dazugelernt habe.
​Charaktere und große Gefühle
​Die Schwestern Amélie und Clara sind für mich das Herzstück des Buches und einfach großartig. Sie sind authentisch und stark in ihrem gemeinsamen Kampf, wobei Amélie die feurige, treibende Kraft und Clara der ruhige, besonnene Gegenpol ist. Ich finde es so überzeugend, wie die Autorin beleuchtet, welche persönlichen Opfer dieser Traum von Bildung und Freiheit mit sich bringt.
​Besonders emotional wird es bei der Frage nach Amélies persönlichem Glück. Der historische Roman spart natürlich auch die Liebe nicht aus. Amélie muss sich entscheiden: Liebe oder Berufung? Anna Husen hat diesen inneren Konflikt so zart und einfühlsam beschrieben, dass ich wirklich mit Amélie gelitten und mir so sehr gewünscht habe, dass sie die richtige Entscheidung für sich trifft. Es geht um Mut, es geht um Selbstbestimmung, und es geht darum, für seine Träume zu kämpfen – gerade in einer beherrschten Männerwelt.
​Mein Fazit: Ein Lese-Muss für alle Histori-Fans!
​Anna Husen beweist einmal mehr, dass sie eine fantastische Geschichtenerzählerin ist. Ihr Schreibstil ist so herrlich flüssig, emotional und detailverliebt, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Ich hatte die Bilder des späten 19. Jahrhunderts – von den beschriebenen Kleidern und Miedern bis hin zur wunderschönen Kulisse der Hansestadt – direkt vor Augen.
​Genau so lese ich historische Romane am liebsten: perfekt recherchierte Fakten, eingebettet in eine fesselnde, gefühlvolle Erzählung, die mich als Leserin komplett in ihren Bann zieht. "Lübecks Töchter" ist ein Plädoyer für Bildung, Mut und die Kraft von Frauen, und für mich definitiv ein absolutes Highlight.
​⭐️ 5/5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Wahnsinnsthriller mit Gänsehautgarrantie

... und war tot.
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Fesselt, schmerzt, überrascht: Ein Thriller, den man nicht aus der Hand legen kann!
​Ich sag's euch, dieses Buch aus der Hand zu legen? Das ist schlicht unmöglich, wenn man einmal angefangen hat. Arne ...

Fesselt, schmerzt, überrascht: Ein Thriller, den man nicht aus der Hand legen kann!
​Ich sag's euch, dieses Buch aus der Hand zu legen? Das ist schlicht unmöglich, wenn man einmal angefangen hat. Arne M. Boehler war neu für mich, aber ich kann jetzt schon sagen: Er hat eine neue Stammleserin. Sein Schreibstil ist nicht nur grandios, sondern auch überaus raffiniert – er zieht einen sofort in die Geschichte hinein, ohne unnötige Umschweife.
​Was Boehler hier liefert, ist weit mehr als ein einfacher Spannungsroman. Es ist ein Psychogramm der Extraklasse. Er führt uns tief in eine düstere, abgründige Welt, die beklemmend nah an unserer gesellschaftlichen Realität liegt. Seine Thriller sind keine leichte Kost, sondern eine schonungslose Analyse menschlicher Abgründe, gespickt mit Machtstrukturen, Ängsten und Moral, die verletzt wird. Die psychologische Dichte ist beeindruckend. Man liest nicht nur, man denkt aktiv mit, zweifelt, wird aufs Glatteis geführt und versucht, die Muster zu erkennen, die sich ständig neu ordnen. Obwohl die Atmosphäre oft beklemmend ist und für Gänsehaut sorgt, gibt es immer wieder diese klugen, pointierten Sätze, die zum Schmunzeln anregen – das ist hohe Kunst.
​Dieser Band (der sich perfekt unabhängig lesen lässt) stellt Kommissarin Svenja vor eine enorme persönliche Herausforderung: Sie wird selbst verdächtigt und kaltgestellt. Die Hände sind ihr gebunden, aber das Chaos beginnt erst richtig, als die 15-jährige Iska in ihr Leben platzt. Dieses Mädchen ist alles andere als naiv, sie ist "mit allen Wassern gewaschen", liefert aber gleichzeitig eine Tiefe und Authentizität, die man in Jugendfiguren selten findet.
​Gerade Iska ist für mich das Glanzstück des Buches. Traumatisiert, aber mit einem unglaublichen Überlebenswillen ausgestattet. Sie blickt mit einer schonungslosen Klarheit auf die Welt und das System – und verkörpert dabei eine Hoffnung, die nicht kitschig, sondern hart erkämpft wirkt.
​Das wirklich Erschütternde ist nämlich nicht nur die Jagd auf den Täter, der Svenja immer einen Schritt voraus ist, sondern die subtile Kritik am System, das Machtverhältnisse und Missstände duldet und wegsieht. Man wird hier als Leser intellektuell gefordert und am Ende mit einer Überraschung belohnt, die bis zur letzten Seite fesselt und beinahe in einer Katastrophe endet.
​Kurz gesagt: Ein kluger, vielschichtiger und absolut süchtig machender Thriller. Ich kann dieses Buch wirklich sehr empfehlen – es bietet viel mehr als nur Spannung. Fünf Sterne, und ich freue mich riesig auf den nächsten Fall.

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