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Veröffentlicht am 09.01.2017

Der perfekte Lückenfüller

Am Anfang ist die Ewigkeit
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Allgemeines:


Titel: Am Anfang ist die Ewigkeit
Autor: Trinity Fraegen
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3473400955
ISBN-13: 978-3473400959
Preis: 14,99€ (gebundene Ausgabe)
9,99€ (Taschenbuch)



Inhalt:


Die ...

Allgemeines:


Titel: Am Anfang ist die Ewigkeit
Autor: Trinity Fraegen
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3473400955
ISBN-13: 978-3473400959
Preis: 14,99€ (gebundene Ausgabe)
9,99€ (Taschenbuch)



Inhalt:


Die 17-jährige Sasha führt das Leben eines ganz normalen Teenagers, bis sie dem mysteriösen Ajax begegnet. Ajax ist ein Sohn der Hölle - unsterblich und zu einem Leben auf der Erde verdammt. Es sei denn, er findet die ihm vorbestimmte Anabo, eine Tochter des Lichts, die ihn erlöst, damit er in den Himmel gelangen kann. Denn nur das Herz einer Anabo ist rein genug, einen Sohn der Hölle zu lieben. Sasha ist eine Anabo. Doch kann Ajax ihr Herz gewinnen?

...




Bewertung:



„Ich bin ein Mephisto - du bist eine Anabo. Ich habe deinen Duft gefangen und das bedeutet, dass du für mich bestimmt bist." War das ein Witz ? Warum sollte sie für einen Typen aus der Hölle bestimmt sein ? Falls es überhaupt so etwas wie Vorbestimmung gab, war sie für einen stillen, klug, en jungen Mann vorgesehen, der nicht größer als eins achtzig, dunkele Haare hatte und ein Gesicht, an dem sie sich einfach nicht sattsehen konnte. Er wäre Mitglied der russisch-orthodoxen Kirche oder Anglikaner. Vielleicht sogar Jude. Aber er würde ganz bestimmt nicht aus der Hölle kommen."



Ein solches Buch ist einfach und schnell rezensiert - man liest es schnell, findet es auf Anhieb gut, fiebert mit und legt es danach wieder beiseite und denkt nicht weiter daran. Die Bewertungen sind ja insgesamt relativ durchwachsen, mir hat dieses Buch echt gut gefallen und ich kann es jedem, der ein unterhaltsames und spannendes Buch für zwischendurch sucht, nur empfehlen. Ich konnte es in einem Stück flüssig herunterlesen, da der Plot relativ einfach gestrickt ist und zugegebenermaßen einige bekannte Elemente vorkommen. Trotzdem schafft es dieser Auftakt einer neuen Jugendbuchreihe, mich gut zu unterhalten.


Das Cover ist in sehr düsteren Farben gehalten und gefällt mir sehr gut. Überwiegend Blau und Schwarz dominieren und schaffen eine spannende Grundstimmung. Auf dem Buchumschlag ist eine blonde, blasse, junge Frau in einem dunkelblauen Corsagenkleid zu sehen. Sie steht auf einer Brücke zwischen Ästen von verschiedenen Bäumen während es etwas schneit. Es passt sehr gut zum Buch.

Als die 17-jährige Sasha dem mysteriösen Ajax begegnet, gerät ihr Leben plötzlich völlig aus den Fugen. Die Ereignisse überschlagen sich und sie findet heraus, dass sie eine Anabo ist: eine Tochter Evas. Nur ihr Herz ist so rein, dass sie Ajax befreien kann. Denn er ist ein Mephisto, ein Sohn der Hölle, der durch einen Pakt an ein Leben auf der Erde gefesselt ist. Sasha fühlt sich zu Ajax hingezogen, aber ist sie bereit, für ihn alles aufzugeben? Während Sasha herauszufinden versucht, was sie wirklich will, wird ein grausamer Feind auf sie aufmerksam, der die Anabo um jeden Preis auslöschen will...


Nur noch eins vorweg: Romantasy Fans werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen! Die Liebesgeschichte zwischen Sasha und Ajax ist, nun ja,... etwas chaotisch aber alles andere als stereotyp. Obwohl sie sich zu Jax hingezogen fühlt, hat sie gleichzeitig auch Angst vor dieser Beziehung, immerhin ist der ein Sohn der Hölle. In vielen Rezensionen wird das das Hin und Her der beiden kritisiert, was mich persönlich überhaupt nicht gestört hat. Gerade, dass Sasha nicht sofort auf Jax´ Werben eingegangen ist, macht die Liebesgeschichte glaubwürdig. Zwar werden einige Klischees aufgerollt, mich hat die Geschichte trotzdem packen können. Insgesamt ist die Handlung aber keineswegs auf die Lovestory fixiert sondern sehr aktiongeladen und manchmal auch etwas brutal. Die Jagd nach Eryx, einem Mephisto, der die Herrschaft über die Hölle erlangen will und dafür mit seinen Anhängern Seelen sammelt und den Bestohlenen einen Gefallen bietet, nimmt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Handlung ein.


Die Grundidee mit den Mephisto, Söhne der Hölle, welche nur von einer Anabo, einer reinen Seele erlöst werden können, hat mir sehr gefallen. Wie anfällig Menschen außerdem auf eine Versuchung reagieren wird erschreckend dargestellt. Eryx gelingt es nur, so viel Macht zu erlangen, da etliche ihre Seele freiwillig für einen freien Wunsch verkaufen. Auch wie Trinity Fraegen ihre Story darüber aufzieht, fand ich gut. Zu Beginn wird der Leser ziemlich unvorbereitet in eine komplexe Struktur geworfen und muss sich in der neuen Welt zurechtfinden, die einem präsentiert wird. Da es Sasha auch so geht, als sie von ihrer Herkunft und ihrem Schicksal erfährt, passt das sehr gut.


Die Charaktere waren so naja. Sasha, eigentlich Alexandra Annenkova, ist die Hauptfigur des Romans. Sie ist eine Anabo, ein reines und perfektes Wesen, das für Gott bestimmt ist und von der noch unschuldigen Eva abstammt. Sasha ist quasi ein Engel auf Erden, der Inbegriff von Perfektion, wird dieser Rolle leider nicht gerecht. Ihr zwanghaft altruistisches Wesen und die unglaubwürdige und klischeehafte Makellosigkeit können von ihrer Schönheit und ihrem liebenswerten Charakter nicht überdeckt werden. Man hätte aus diesem Charakter viel mehr machen können, so bleibt sie etwas verschwommen.


Auch Ajax, genannt Jax, scheint ebenfalls an chronischer Aufopferungslust zu leiden. Er tut alles, um Sasha davon zu überzeugen, ihn als Partner zu wählen und somit zu erlösen. Da er Sasha kurzerhand ausspioniert und bei allen möglichen Szenen beobachtet, kam er mir manchmal etwas penetrant vor. Auch seine Entscheidungen und Handlungen sind oft etwas fragwürdig, was ihn an Glaubwürdigkeit und Authentizität einbüßen lässt. Ebenso wie Sasha war er zwar grundsätzlich sympathisch, aber nicht genug ausgearbeitet um wirklich als authentische Person auftauchen zu können.


Zum Schreibstil der Autorin bin ich etwas zweigeteilt. Einerseits fehlten mir bei dem einfachen und schlichten Schreibstil, ein paar Wortbilder oder Beschreibungen um die Welt detaillierter hervorzuhaben. Da sie sich nicht mit ausufernden Erklärungen aufhält liest sich das Buch andererseits sehr flüssig und sorgt dafür, dass man nahezu durch die Seiten fliegen kann.


Das Ende hat mir dann sehr gut gefallen, auch wenn es für meinen Geschmack etwas zu religiös wird. Eigentlich sind alle Fragen geklärt, es lässt aber trotzdem noch Platz für eigene Vorstellungen. Den nächsten Teil, in dem es mehr um Ajax´ Brüder gehen wird, muss man somit nicht unbedingt lesen.



Fazit:


Wer ein tiefsinniges und hochwertiges Fantasy-Buch sucht, wird auf jeden Fall enttäuscht werden, für die Unterhaltung als Lückenfüller ist es jedoch sehr gut geeignet. Man muss ja auch nicht immer etwas geistreiches lesen

Veröffentlicht am 08.01.2026

Ein ambivalenter Ratgeber

Natural Flow
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"Natural Flow" ist ein Ratgeber, der den weiblichen Zyklus weg von Defizitnarrativen rund um PMS, Schmerzen und Leistungseinbußen, hin zu einem Verständnis des Zyklus als Quelle von Potenzial, Vielfalt ...

"Natural Flow" ist ein Ratgeber, der den weiblichen Zyklus weg von Defizitnarrativen rund um PMS, Schmerzen und Leistungseinbußen, hin zu einem Verständnis des Zyklus als Quelle von Potenzial, Vielfalt und innerer Stärke neu ausrollen möchte. Dieser Ansatz der promovierten Wirtschaftspsychologin Miriam Stark, zyklische Prozesse nicht als Belastung, sondern als Ressource zu betrachten, hat mich zunächst sehr angesprochen, weshalb ich gespannt zum Buch gegriffen habe.

Der Einstieg mit einer persönlichen Herleitung und der Erklärung der hormonellen Grundlagen der Zyklusphasen hat mir schonmal sehr gut gefallen. Die Autorin erklärt gut strukturiert, verständlich und anschaulich die Verbindung zwischen körperlichen Prozessen und psychischen Zuständen. Auch das Konzept der vier inneren Anteile – Junge, Mutter, Magierin und Alte –, die in den Zyklusphasen aktiv werden, fand ich zunächst als Denkmodell gar nicht schlecht. Zumindest als metaphorischer Impuls zur Selbstbeobachtung und weiteren Erkundung halte ich die Idee für sehr interessant. Allerdings hätte ich hier schon bemerken können, dass die Autorin nicht vorhat, es bei metaphorischen Sinnbildern für körperliche Zustände zu belassen, sondern im Verlauf ins geradezu Spirituelle driftet.

Nach der Einführung in die Grundlagen des weiblichen Zyklus stellt sie nämlich die inneren Anteile genauer vor und nimmt sich verschiedene Lebensdomänen vor, auf die unser Zyklus Einfluss nimmt. Hier hat mich die Autorin leider regelmäßig verloren. Meditationen, innere Reisen, spirituelle Konzepte und stark vereinfachte psychosomatische Erklärungen nehmen viel Raum ein, während wissenschaftliche Einordnung, Quellen oder differenzierte Argumentationen weitgehend fehlen. Besonders bei sensiblen Themen wie Endometriose, Krebs, Unfruchtbarkeit oder psychischen Diagnosen hätte ich mir mehr Sorgfalt, Tiefe und Kontext gewünscht. Einige Aussagen empfand ich als zu pauschal, teils realitätsfern und nicht immer so empowernd, wie sie vermutlich gemeint sind. Wenn sie beispielsweise vorschreibt, was die einzig richtige Variante ist zu bluten, zu verhüten und zu leben, scheint das stark dogmatisch und möchte eher ihr eigenes Konzept verkaufen, als verständnisvoll ihre diversen Leserinnen an die Hand nehmen.

Hinzu kommt, dass viele der vorgeschlagenen Alltagstipps – insbesondere im beruflichen Kontext – implizit von einem sehr privilegierten Lebens- und Arbeitsumfeld ausgehen. Flexible Arbeitszeiten, Rückzugsmöglichkeiten oder mehrtägige Pausen während der Menstruation sind für viele Menschen schlicht nicht umsetzbar. Dadurch hatte ich zunehmend das Gefühl, dass sich das Buch an eine eher sozioökonomische Elite richtet und andere Lebensrealitäten kaum mitdenkt. Außerdem liegt ein sehr starker Fokus auf heteronormative Paarbeziehungen mit Kindern. Die Zielgruppe ist also wohl nicht jede Frau, sondern spezifisch eine mittelalte, spirituell veranlagte Karrierefrau mit Kindern.

Eine zusätzliche Herausforderung war für mich die Sprache. Zwar habe ich mich mittlerweile mit dem lockeren Stil von modernen Ratgebern ziemlich gut angefreundet und bin auch kein Feind von Anglizismen, aber die Autorin hat es hier doch stark auf die Spitze getrieben, sodass sie selbst mir ab und zu ein Augenrollen entlockt hat. „Body illitaracy ist leider a fucking real thing.“, „...wem das zu spiri-crazy-spacy ist..“, „I know cheesy but true“, oder ein lautes „YEEEEEEAAAAAH“ - Der sehr umgangssprachliche, teilweise lautmalerische und coachartige Stil mag Nähe erzeugen wollen, wirkte auf mich jedoch oft überzogen, gestellt und ermüdend.

Trotz dieser Kritikpunkte würde ich von dem Buch nicht generell abraten. Denn "Natural Flow" enthält durchaus wertvolle Impulse: den Appell, den eigenen Körper ernst zu nehmen, Bedürfnisse wahrzunehmen und sich selbst besser kennenzulernen, halte ich für wichtig und unterstützenswert. Einzelne Abschnitte haben mir tatsächlich weitergeholfen, anderes konnte ich guten Gewissens sofort wieder für mich abhaken.


Fazit


"Natural Flow" ist für mich ein ambivalenter Ratgeber, der sich einem starken, relevanten Grundthema widmet und einige interessante Denkanstöße gibt, mich aber durch starke Spiritualisierung und teilweise geradezu dogmatische Einseitigkeit immer wieder verloren hat.

Veröffentlicht am 08.01.2026

Ein ambivalenter Ratgeber

Natural Flow
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"Natural Flow" ist ein Ratgeber, der den weiblichen Zyklus weg von Defizitnarrativen rund um PMS, Schmerzen und Leistungseinbußen, hin zu einem Verständnis des Zyklus als Quelle von Potenzial, Vielfalt ...

"Natural Flow" ist ein Ratgeber, der den weiblichen Zyklus weg von Defizitnarrativen rund um PMS, Schmerzen und Leistungseinbußen, hin zu einem Verständnis des Zyklus als Quelle von Potenzial, Vielfalt und innerer Stärke neu ausrollen möchte. Dieser Ansatz der promovierten Wirtschaftspsychologin Miriam Stark, zyklische Prozesse nicht als Belastung, sondern als Ressource zu betrachten, hat mich zunächst sehr angesprochen, weshalb ich gespannt zum Buch gegriffen habe.

Der Einstieg mit einer persönlichen Herleitung und der Erklärung der hormonellen Grundlagen der Zyklusphasen hat mir schonmal sehr gut gefallen. Die Autorin erklärt gut strukturiert, verständlich und anschaulich die Verbindung zwischen körperlichen Prozessen und psychischen Zuständen. Auch das Konzept der vier inneren Anteile – Junge, Mutter, Magierin und Alte –, die in den Zyklusphasen aktiv werden, fand ich zunächst als Denkmodell gar nicht schlecht. Zumindest als metaphorischer Impuls zur Selbstbeobachtung und weiteren Erkundung halte ich die Idee für sehr interessant. Allerdings hätte ich hier schon bemerken können, dass die Autorin nicht vorhat, es bei metaphorischen Sinnbildern für körperliche Zustände zu belassen, sondern im Verlauf ins geradezu Spirituelle driftet.

Nach der Einführung in die Grundlagen des weiblichen Zyklus stellt sie nämlich die inneren Anteile genauer vor und nimmt sich verschiedene Lebensdomänen vor, auf die unser Zyklus Einfluss nimmt. Hier hat mich die Autorin leider regelmäßig verloren. Meditationen, innere Reisen, spirituelle Konzepte und stark vereinfachte psychosomatische Erklärungen nehmen viel Raum ein, während wissenschaftliche Einordnung, Quellen oder differenzierte Argumentationen weitgehend fehlen. Besonders bei sensiblen Themen wie Endometriose, Krebs, Unfruchtbarkeit oder psychischen Diagnosen hätte ich mir mehr Sorgfalt, Tiefe und Kontext gewünscht. Einige Aussagen empfand ich als zu pauschal, teils realitätsfern und nicht immer so empowernd, wie sie vermutlich gemeint sind. Wenn sie beispielsweise vorschreibt, was die einzig richtige Variante ist zu bluten, zu verhüten und zu leben, scheint das stark dogmatisch und möchte eher ihr eigenes Konzept verkaufen, als verständnisvoll ihre diversen Leserinnen an die Hand nehmen.

Hinzu kommt, dass viele der vorgeschlagenen Alltagstipps – insbesondere im beruflichen Kontext – implizit von einem sehr privilegierten Lebens- und Arbeitsumfeld ausgehen. Flexible Arbeitszeiten, Rückzugsmöglichkeiten oder mehrtägige Pausen während der Menstruation sind für viele Menschen schlicht nicht umsetzbar. Dadurch hatte ich zunehmend das Gefühl, dass sich das Buch an eine eher sozioökonomische Elite richtet und andere Lebensrealitäten kaum mitdenkt. Außerdem liegt ein sehr starker Fokus auf heteronormative Paarbeziehungen mit Kindern. Die Zielgruppe ist also wohl nicht jede Frau, sondern spezifisch eine mittelalte, spirituell veranlagte Karrierefrau mit Kindern.

Eine zusätzliche Herausforderung war für mich die Sprache. Zwar habe ich mich mittlerweile mit dem lockeren Stil von modernen Ratgebern ziemlich gut angefreundet und bin auch kein Feind von Anglizismen, aber die Autorin hat es hier doch stark auf die Spitze getrieben, sodass sie selbst mir ab und zu ein Augenrollen entlockt hat. „Body illitaracy ist leider a fucking real thing.“, „...wem das zu spiri-crazy-spacy ist..“, „I know cheesy but true“, oder ein lautes „YEEEEEEAAAAAH“ - Der sehr umgangssprachliche, teilweise lautmalerische und coachartige Stil mag Nähe erzeugen wollen, wirkte auf mich jedoch oft überzogen, gestellt und ermüdend.

Trotz dieser Kritikpunkte würde ich von dem Buch nicht generell abraten. Denn "Natural Flow" enthält durchaus wertvolle Impulse: den Appell, den eigenen Körper ernst zu nehmen, Bedürfnisse wahrzunehmen und sich selbst besser kennenzulernen, halte ich für wichtig und unterstützenswert. Einzelne Abschnitte haben mir tatsächlich weitergeholfen, anderes konnte ich guten Gewissens sofort wieder für mich abhaken.


Fazit


"Natural Flow" ist für mich ein ambivalenter Ratgeber, der sich einem starken, relevanten Grundthema widmet und einige interessante Denkanstöße gibt, mich aber durch starke Spiritualisierung und teilweise geradezu dogmatische Einseitigkeit immer wieder verloren hat.

Veröffentlicht am 14.12.2025

Ein bildmächtiges, ideenreiches Kunstmärchen

Oscar Wilde: Der Fischer und seine Seele
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Im Rahmen der Klassiker Challenge habe ich nach „Das Gespenst von Canterville“ nun auch „The Fisherman and His Soul“ („Der Fischer und seine Seele“) von Oscar Wilde gelesen. Die 1891 erschienene Erzählung ...

Im Rahmen der Klassiker Challenge habe ich nach „Das Gespenst von Canterville“ nun auch „The Fisherman and His Soul“ („Der Fischer und seine Seele“) von Oscar Wilde gelesen. Die 1891 erschienene Erzählung ist deutlich später entstanden als das Canterville-Gespenst und gehört zu Wildes symbolistischen Kunstmärchen. Sie ist reich an Bildern, Mythen und religiösen Motiven, konnte mich emotional aber deutlich weniger erreichen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein junger Fischer, der sich in eine Meerjungfrau verliebt. Da diese keine menschliche Seele besitzt und nicht an Land leben kann, steht er vor einer unmöglichen Wahl: Um bei ihr sein zu können, trennt er sich mithilfe dunkler Magie von seiner eigenen Seele. Diese wird fortan zu einer eigenständigen Figur, die jedes Jahr zurückkehrt und dem Fischer von ihren Reisen berichtet – und ihn zunehmend in Versuchung führt.

"And the young Fisherman said to himself: "How strange a thing this is! The Priest telleth me that the Soul is worth all the gold in the world, and the merchants say that it is not worth a clipped piece of silver."

Inhaltlich greift Oscar Wilde damit zentrale Themen seines Spätwerks auf: die Spannung zwischen Körper und Geist, Sinnlichkeit und Moral, christlicher Erlösungsvorstellung und heidnischer Naturverbundenheit. Während „Das Gespenst von Canterville“ seine Ideen mit Leichtigkeit, Humor und klarer Figurenzeichnung vermittelt, wirkt „The Fisherman and His Soul“ über weite Strecken schwer und sehr bewusst kunstvoll. Die Sprache ist reich an Allegorien, Gleichnissen und symbolischen Wiederholungen, was eine märchenhafte, fast liturgische Atmosphäre schafft, den emotionalen Zugang aber erschwert. Besonders die episodischen Rückkehrmomente der Seele von ihren exotischen Schauplätzen und moralischen Versuchungen sind fantasievoll geschrieben, ziehen die Erzählung jedoch in die Länge und nehmen ihr emotionale Dringlichkeit.

"The world is cruel, give me thy heart to take with me."


Das Ende schließlich ist in sich konsequent, kippt aber für meinen Geschmack zu sehr ins Pathetische und Moralisierende. Oscar Wildes düstere Konsequenz, dass Liebe, Schuld und Erlösung hier nicht harmonisch aufgehen, passt zur inneren Logik der Geschichte, ist aber nicht das, was ich gerne gelesen hätte.


Fazit

Ein bildmächtiges, ideenreiches Kunstmärchen, das thematisch viel zu bieten hat, mich erzählerisch und emotional aber deutlich weniger überzeugen konnte als andere Werke Oscar Wildes.

Veröffentlicht am 14.12.2025

Ein bildmächtiges, ideenreiches Kunstmärchen

Oscar Wilde: Der Fischer und seine Seele
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Im Rahmen der Klassiker Challenge habe ich nach „Das Gespenst von Canterville“ nun auch „The Fisherman and His Soul“ („Der Fischer und seine Seele“) von Oscar Wilde gelesen. Die 1891 erschienene Erzählung ...

Im Rahmen der Klassiker Challenge habe ich nach „Das Gespenst von Canterville“ nun auch „The Fisherman and His Soul“ („Der Fischer und seine Seele“) von Oscar Wilde gelesen. Die 1891 erschienene Erzählung ist deutlich später entstanden als das Canterville-Gespenst und gehört zu Wildes symbolistischen Kunstmärchen. Sie ist reich an Bildern, Mythen und religiösen Motiven, konnte mich emotional aber deutlich weniger erreichen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein junger Fischer, der sich in eine Meerjungfrau verliebt. Da diese keine menschliche Seele besitzt und nicht an Land leben kann, steht er vor einer unmöglichen Wahl: Um bei ihr sein zu können, trennt er sich mithilfe dunkler Magie von seiner eigenen Seele. Diese wird fortan zu einer eigenständigen Figur, die jedes Jahr zurückkehrt und dem Fischer von ihren Reisen berichtet – und ihn zunehmend in Versuchung führt.

"And the young Fisherman said to himself: "How strange a thing this is! The Priest telleth me that the Soul is worth all the gold in the world, and the merchants say that it is not worth a clipped piece of silver."

Inhaltlich greift Oscar Wilde damit zentrale Themen seines Spätwerks auf: die Spannung zwischen Körper und Geist, Sinnlichkeit und Moral, christlicher Erlösungsvorstellung und heidnischer Naturverbundenheit. Während „Das Gespenst von Canterville“ seine Ideen mit Leichtigkeit, Humor und klarer Figurenzeichnung vermittelt, wirkt „The Fisherman and His Soul“ über weite Strecken schwer und sehr bewusst kunstvoll. Die Sprache ist reich an Allegorien, Gleichnissen und symbolischen Wiederholungen, was eine märchenhafte, fast liturgische Atmosphäre schafft, den emotionalen Zugang aber erschwert. Besonders die episodischen Rückkehrmomente der Seele von ihren exotischen Schauplätzen und moralischen Versuchungen sind fantasievoll geschrieben, ziehen die Erzählung jedoch in die Länge und nehmen ihr emotionale Dringlichkeit.

"The world is cruel, give me thy heart to take with me."


Das Ende schließlich ist in sich konsequent, kippt aber für meinen Geschmack zu sehr ins Pathetische und Moralisierende. Oscar Wildes düstere Konsequenz, dass Liebe, Schuld und Erlösung hier nicht harmonisch aufgehen, passt zur inneren Logik der Geschichte, ist aber nicht das, was ich gerne gelesen hätte.


Fazit

Ein bildmächtiges, ideenreiches Kunstmärchen, das thematisch viel zu bieten hat, mich erzählerisch und emotional aber deutlich weniger überzeugen konnte als andere Werke Oscar Wildes.