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Veröffentlicht am 20.12.2025

Süße Weihnachtsstory

Weihnachten mit Tony
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Carrie war jahrelang nicht mehr in ihrer Heimat Schottland, sondern hat die letzten Jahre in Australien verbracht. Doch nun geht es ihrem Vater gesundheitlich schlecht. Er setzt sich seit Jahren für die ...

Carrie war jahrelang nicht mehr in ihrer Heimat Schottland, sondern hat die letzten Jahre in Australien verbracht. Doch nun geht es ihrem Vater gesundheitlich schlecht. Er setzt sich seit Jahren für die Rettung der schottischen Wallabys ein und braucht nun dringende Unterstützung im Kampf um den Tierschutz. Wie gut, dass Carrie, die schon immer ein enges Verhältnis zu den Wallabys hatte, nun vor Ort ist und seine Position übernehmen kann. Doch womit sie nicht gerechnet hat, sind die Dormonds, die ein riesieger Widerstand für den Erhalt der Wallabys sind, und ihre Jugendliebe Marc, der ebenfalls eine entscheidende Rolle spielt. Obwohl sie ans andere Ende der Welt gezogen ist, holen sie nun die alten Gefühle wieder ein...

Stella Lucas schreibt sehr flüssig und humorvoll. Gerade die ersten Kapitel mitsamt der Beschreibungen der Flugreise und der Taxifahrt mit den Dormonds fand ich sehr unterhaltsam. Durch die Schneemengen und die geschilderte Kälte kamen bereits vorweihnachtliche Gefühle auf. Doch mit Carries Ankunft, ihrem Besuch im Krankenhaus und ihren Aktivitäten für die Wallabys blieben die Weihnachtsgefühle dann etwas auf der Strecke.
Insgesamt gefiel mir die Story sehr gut, obwohl sie natürlich vorhersehbar war, bzw. das Ende überhaupt nicht überraschend war. Den Weg dorthin zu verfolgen, fand ich ebenfalls gut und habe mit den Wallabys mitgefiebert und auf eine gemeinsame Zukunft für Carrie und Marc gehofft. An einigen Stellen konnte ich jedoch ihr Verhalten und ihre Gedanken bzw. Rückschlüsse nicht nachvollziehen, da eindeutig die Kommunikation das Problem war. Das heißt, mir hätte ein Krisenmoment oder ein Rückschlag gereicht, aber so wurden mir ein paar Schleifen zu viel geflogen. Davon abgesehen war das Ende versöhnlich und hat die Story gut abgerundet.
Ein süßer Roman für die Vorweihnachtszeit!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 16.12.2025

Wahrnehmungen Deutschlands

Perspektivwechsel: Wie wir gesehen werden und was von uns erwartet wird.
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Mit "Perspektivwechsel: Wie wir gesehen werden und was von uns erwartet wird" bietet Thomas Mirow verschiedene Einblicke in die Wahrnehmung Deutschlands aus der äußeren Perspektive, unter anderem von Menschen ...

Mit "Perspektivwechsel: Wie wir gesehen werden und was von uns erwartet wird" bietet Thomas Mirow verschiedene Einblicke in die Wahrnehmung Deutschlands aus der äußeren Perspektive, unter anderem von Menschen mit Migrationsgeschichte/-erfahrung. So werden unterschiedliche Perspektiven beleuchtet und sichtbar gemacht, wer wir als Deutschland sind, wo wir stehen und wie auf die Zukunft geschaut wird.

Das erste Kapitel ist sehr komplex und war in meiner Wahrnehmung auch sehr verdichtet und eher schwierig geschrieben. Dabei handelt es sich um einen historischen Abriss Deutschlands, welche Rolle es in der (europäischen) Politik, aber vor allem in den Kriegen für eine Rolle gespielt hat, wie Deutschland politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich aufgestellt war und ist. Dieser Input war für mich wichtig und notwendig, um die weiteren Kapitel der einzelnen Autor*innen lesen und vor allem einordnen und nachvollziehen zu können.

Thematisch spielen unter anderem die historischen Einflüsse des Marshallplans, das transatlantische Verhältnis, der Mauerfall, die AfD sowie Hochschulpolitik und zivilgesellschaftliche Aspekte und die Kulturlandschaft in Deutschland eine Rolle. Das Buch hat mich daran erinnert, wie viele Zuschreibungen Deutschland hat - und sich vor allem selbst gibt. Es wird teilweise als Wirtschaftsmacht gesehen, als Einwanderungsland, als anschauliches Beispiel für Entwicklungen und Ausprägungen des Rechtsextremismus, o.ä. - je nach Perspektive.

Deutlich wird in jedem Fall, dass das Selbstbild Deutschlands oftmals von der Außenwahrnehmung abweicht und andauernde Perspektivwechsel nötig sind, um zu verstehen und zu handeln. Grundlegend dafür sind die historischen Ereignisse, Prägungen und daraus hervorgegangene und hervorgehende Entwicklungen.

Veröffentlicht am 14.11.2025

Rebellion des Körpers

Junge Frau mit Katze
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Ela steckt mitten im Abschluss ihrer Promotion und verspürt großen Druck, da ihr Doktorvater ihr eine Stelle in Aussicht gestellt hat. Diese kann sie allerdings nur mit Bestnoten antreten. Und nun rebelliert ...

Ela steckt mitten im Abschluss ihrer Promotion und verspürt großen Druck, da ihr Doktorvater ihr eine Stelle in Aussicht gestellt hat. Diese kann sie allerdings nur mit Bestnoten antreten. Und nun rebelliert ihr Körper. Ela hat Halsschmerzen, ihr Herz ist auffällig, außerdem hat sie Ausschlag, verspürt Panik. Sie rennt von Ärztin zu Ärztin, bekommt die verschiedensten Diagnosen, weiß selbst nicht, was mit ihr los ist und verliert sich immer mehr in ihrem kranken Körper. Überlagert wird alles vom dicken Körper ihrer Mutter, der Elas gesamtes Leben lang schon eine wichtige Rolle gespielt hat und laut des Vaters für jegliches Unglück verantwortlich war.

Das vermutlich bekannteste Buch von Daniela Dröscher ist "Lügen über meine Mutter", was wie "Junge Frau mit Katze" ein autofiktionaler Roman ist, den ich allerdings nicht gelesen habe. Was ich nachempfinden konnte, war die Unsicherheit und die Panik, zu erleben, wie etwas im Körper nicht stimmt, das teilweise sichtbar ist und dennoch niemand einen korrekten Namen oder eine Heilung dafür findet. Worin ich mich jedoch nicht wiederfinden konnte, war das Verrennen in diese körperlichen Leiden. In meiner Wahrnehmung wurden fast ausschließlich die Krankheiten, die verschiedenen Diagnosen und Praxiserfahrungen geschildert. Andere Figuren und Beziehungen blieben dabei nur am Rande erwähnt, da hätte ich mehr Potential gesehen und tatsächlich auch gern mehr von gelesen.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Bestie oder Bestie?

Bestie
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Delia wittert ihre Chance, mit der bekannten Influencerin Anouk in Kontakt zu kommen, als diese eine neue Mitbewohnerin sucht. Sie wittert die perfekte Chance auf einen Neuanfang, gibt sich als Lilly aus ...

Delia wittert ihre Chance, mit der bekannten Influencerin Anouk in Kontakt zu kommen, als diese eine neue Mitbewohnerin sucht. Sie wittert die perfekte Chance auf einen Neuanfang, gibt sich als Lilly aus und baut ein Lügenkonstrukt auf, das nur darauf wartet, einzustürzen. Während Lilly sich als selbstbewusste Bühnenautorin ausgibt, ist Anouk daran gelegen, Lilly für ihren Nutzen einspannen zu können, weshalb eine Eskalation quasi vorprogrammiert ist.

Mir gefällt, in welchem Setting Joana June eine Geschichte über Freundinnenschaft, Selbstinszenierung, Erfolg und Selbstverwirklichung geschaffen hat. Bereits im Klappentext und nach den ersten Kapiteln ist klar, dass sich Lilly und Anouk nicht auf eine produktive und fruchtbare Freundinnenschaft berufen können, sondern dass es hakt und eine ungesunde Dynamik entstehen wird.
Die Figuren sind authentisch und anschaulich gestaltet. Auch die Entwicklungen fand ich plausibel und die Darstellungen von Social Media und der Selbstinszenierung nachvollziehbar.
Für mich ein abwechslungsreiches Buch, das so viele aktuelle Themen anreißt und auf dessen Ende ich hingefiebert habe.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Interessanter Ansatz

Botanik des Wahnsinns
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Nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter bleibt für den Erzähler ein Überblick über die dokumentierten psychischen Erkrankungen und Leiden seiner Familie. So blickt er auf den Stammbaum seiner ...

Nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter bleibt für den Erzähler ein Überblick über die dokumentierten psychischen Erkrankungen und Leiden seiner Familie. So blickt er auf den Stammbaum seiner Familie zurück, erinnert sich an die Bipolarität seiner Großmutter, die Suizidversuche, die er teilweise selbst miterlebt hat, an die Alkoholsucht seiner Mutter und die Depressionen seines Vaters. Indem er sich an die Familienbiografie zurückerinnert und ihr nachgeht, geht er auch seinem eigenen Lebensweg nach und erinnert sich an sein Aufwachsen im Arbeiterviertel in München. Er selbst hatte schon als Kind Angst, verrückt zu werden, ging nach New York und Wien und landete dann als Psychologe in der Psychiatrie. Bei seiner Arbeit lernt er, dass die Diagnosen die Menschen nicht ausmachen und sie nicht nur ihre Krankheiten sind, sondern diese lediglich ein Teil von ihnen. Am Ende bleibt für ihn die Frage, was eigentlich ein normaler Mensch ist.

Ich finde die Idee von Leon Engler sehr interessant und habe den Rückblick auf die Familienbiografie gern getätigt. Auch die Beobachtung und die Einblicke in die Gespräche mit den Klient*innen fand ich für das Buch sehr bereichernd.