Zwischen den Zeilen lesen..
Die PapierprinzessinDieses Buch fühlt sich an wie ein altes, leicht verstaubtes Haus voller Bücher: Man betritt es vorsichtig, weil man spürt, dass hier Erinnerungen wohnen – und bleibt dann länger als geplant.
Im Mittelpunkt ...
Dieses Buch fühlt sich an wie ein altes, leicht verstaubtes Haus voller Bücher: Man betritt es vorsichtig, weil man spürt, dass hier Erinnerungen wohnen – und bleibt dann länger als geplant.
Im Mittelpunkt steht Amelia, die lieber beobachtet als spricht und sich am wohlsten zwischen Geschichten bewegt. Als sie gezwungen ist, in ihre Vergangenheit zurückzukehren, beginnt eine Suche, die viel weniger mit Antworten als mit Verstehen zu tun hat. Begleitet wird sie von einem ungewöhnlichen Helfer, der weniger ermittelt als vielmehr zuhört – und genau dadurch wirkt.
Besonders gelungen ist die Art, wie sich Realität und eine märchenhafte Geschichte miteinander verweben. Die eingebettete Erzählung ist poetisch, atmosphärisch und trägt eine leise Melancholie in sich, die lange nachhallt. Stück für Stück setzt sich alles zusammen, ohne dass das Buch je hastig wird. Es lässt sich Zeit – und ich habe das Gefühl, es erwartet das auch von seinen Leser:innen.
Der Ton wechselt dabei gekonnt von zart und warm zu dunkel und nachdenklich. Es geht um Trauer, Schuld, Verlust und die Frage, wie sehr uns Geschichten prägen können – manchmal retten sie uns, manchmal konfrontieren sie uns mit Dingen, die wir lieber vergessen würden.
Ein besonderes Highlight sind die eingestreuten Zitate rund ums Erzählen selbst. Sie wirken nicht wie Beiwerk, sondern wie kleine Atempausen, die daran erinnern, warum wir überhaupt lesen: weil Geschichten Halt geben, Fragen stellen und uns manchmal besser verstehen lassen, wer wir sind.
Kein lautes Buch, kein schnelles. Aber eines, das sich leise festsetzt und zeigt, dass zwischen den Zeilen oft mehr Wahrheit steckt als auf der Oberfläche. Ideal für alle, die Geschichten lieben, die ein bisschen weh tun – und genau deshalb schön sind. 📚✨