Spiel mit Identitäten
Das Böse nebenanSharon Bolton & ich sind eigentlich immer ein Match. Nachdem ich die britische Autorin längere Zeit unerklärlicherweise aus den Augen verloren hatte, bin ich jetzt seit ein paar Jahren wieder drin im Game ...
Sharon Bolton & ich sind eigentlich immer ein Match. Nachdem ich die britische Autorin längere Zeit unerklärlicherweise aus den Augen verloren hatte, bin ich jetzt seit ein paar Jahren wieder drin im Game und lese ihre Bücher seitdem wieder mit großer Freude. Deshalb musste auch ihr neuer Thriller DAS BÖSE NEBENAN direkt bei mir einziehen. Und ja, es hat erneut alles gepasst. Ich liebe ihre Bücher einfach.
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Darum geht’s: Anna Brown will in der englischen Kleinstadt St. Abel’s Chapel einen Neuanfang wagen. Aber in dem Ort geschehen seltsame Dinge…
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Mehr verrate ich nicht. Lest selbst. Und lasst euch von Sharon Bolton erst mal maximal verwirren. Das hat sie nämlich drauf, wie keine Zweite. Fast 100 Seiten lang hatte ich das Gefühl, dass ich hier rein gar nichts checke. Aber weil Bolton so toll schreibt und ich ja mittlerweile weiß, dass Verwirrung bei ihr Programm ist, bin ich diesen Weg wieder mitgegangen. Irgendwann lichtet sich der Nebel dann auch und man denkt, dass man jetzt weiß, wie der Hase läuft. Aber weit gefehlt. Ich weiß es zumindest nie. Und so ist es Sharon Bolton auch diesmal wieder gelungen, mich nach allen Regeln der Kunst an der Nase herumzuführen. In DAS BÖSE NEBENAN spielt Bolton mit den Identitäten ihrer Charaktere und der Wahrnehmung ihrer Leserinnen. Und das macht sie für meinen Geschmack wahnsinnig gut. Ich habe wirklich geglaubt, den Lösungspfad recht klar vor Augen zu haben. Dabei hätte ich wissen müssen, dass es bei Bolton nie so einfach ist und eben nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
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DAS BÖSE NEBENAN entwickelt sich fast beiläufig zu einem Pageturner, den man kaum aus der Hand legen kann. Die Story hat verschiedene Aspekte, die ich unbedingt unter einen Hut bekommen wollte. Aber daran bin ich bei Bolton mal wieder kläglich gescheitert. Sie hat mich einmal mehr mit spielerischer Leichtigkeit und einfach gekonnt auf falsche Fährten gelockt. Irgendwann kam der erste Twist, der mich atemlos gemacht hat (auch, wenn ich mich hier an eine Wendung in einem anderen Buch erinnert gefühlt habe) und ab da ging es dann wirklich Schlag auf Schlag. Das letzte Drittel des Buches ist unglaublich tempo- und wendungsreich. Eine Pause einlegen? An diesem Punkt absolut keine Option!
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Bolton baut die Handlung für meinen Geschmack sehr stark auf und schlägt einen tollen Spannungsbogen. Letztendlich überschlagen sich die Ereignisse fast und entladen sich in Twists, die ich persönlich wirklich gelungen finde und die mich atemlos gemacht haben. Beim Ende warne ich euch mal ein bisschen vor, denn hier wird nicht jeder 100% befriedigt das Buch zuklappen. Da lässt Bolton uns Leserinnen einen gewissen Spielraum. Für mich hat aber auch das gepasst.
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Es war mir ein Fest! Sharon Bolton schafft mit DAS BÖSE VON NEBENAN den Sprung in die Region der Top-Thriller – und das fast schon mit lässiger Selbstverständlichkeit. Ich hüte mich ja eigentlich immer vor allzu großen Erwartungen. Bei Bolton darf man sie aber noch haben, ohne enttäuscht zu werden.