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Veröffentlicht am 13.02.2026

Ein Leerstuhl

Der Fall Nietzsche - Mütze und Karl-Dieter ermitteln
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Der hoch angesehene Schelling-Lehrstuhl soll neu besetzt werden. Doch einer der Kandidaten hat seine Bewerbung schon zurückgezogen. Und nun wird ein weiter der Bewerber in der Neischl-Grotte aufgefunden, ...

Der hoch angesehene Schelling-Lehrstuhl soll neu besetzt werden. Doch einer der Kandidaten hat seine Bewerbung schon zurückgezogen. Und nun wird ein weiter der Bewerber in der Neischl-Grotte aufgefunden, ausgerechnet von seiner ehemaligen Zimmerwirtin, die tief betrübt ist. Kommissar Mütze und sein Team machen sich sofort an die Ermittlungen. Wer erschießt denn einen Philosophen? Allerdings so beliebt war der Verstorbene wohl nicht. Und auch die anderen Bewerber begeistern den Kommissar während der Vernehmungen nicht. Am meisten trauert wohl die ältere Dame, die ihm vor langen Jahren als Studenten ein wenig unter ihre Fittiche genommen hatte.

Von Kommissar Mütze gibt es schon etliche Fälle, man glaubt es kaum. Wie wohl schon häufiger steht ihm sein Lebenspartner Karl-Dieter mit Rat und Tat zur Seite. Doch bei diesem Mord tappen sie zunächst mal im Dunkeln. So richtig gemocht wurde das Opfer nicht, aber das ist irgendwie auch kein richtiger Grund. Nach und nach stellt sich heraus, dass die Rivalitäten unter den Bewerbern wohl heftiger waren als zunächst gedacht. Aber einen Mord will keiner begangen haben. Und die Witwe wirkt sehr gefasst und betroffen. Manchmal muss Kommissar Mütze wirklich um die Ecke denken und den einen oder anderen Weg in Kauf nehmen, um weiter zu kommen.

Beim Lesen dieses Erlangen-Krimis fühlt man sich gut unterhalten. Die Vorgängerbände, von deren Vorhandensein man bei diesem Spontankauf nichts wusste, vermisst man nicht in größerem Maße. Die Kabbeleien zwischen Mütze und Karl-Dieter wirken anheimelnd und freundlich. Die Aufklärung des Mordes ist ein wenig kompliziert, was bei einem Krimi auch so sein soll. So richtig viel mit Nietzsche und seiner Philosophie hat das Buch nicht zu tun. Dass sich die Philosophen doch eher allzu menschlich verhalten, bildet eher einen Kontrast zu der vermeintlich edlen Gesinnung. Jedoch fühlt man sich wohl bei dem literarischen Aufenthalt in dem beschaulichen Universitätsstädtchen Erlangen.

Veröffentlicht am 01.02.2026

Drachenreiter

Murtagh – Eine dunkle Bedrohung
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Murtagh und sein Drache Thorn wissen nicht so richtig, wo sie hingehören. Im Geheimen begeben sie sich auf eine vage Spur. Sie wissen nicht, wo sie sie hinführt und ob sie überhaupt etwas zu bedeuten hat. ...

Murtagh und sein Drache Thorn wissen nicht so richtig, wo sie hingehören. Im Geheimen begeben sie sich auf eine vage Spur. Sie wissen nicht, wo sie sie hinführt und ob sie überhaupt etwas zu bedeuten hat. Murtagh will seine Identität nicht offenbaren und Thorn bleibt außerhalb der Siedlungen. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass Murtagh seine Kräfte zumindest teilweise offenbart. Immer wieder droht seine Tarnung aufzufliegen. Doch nach und nach erfährt er doch einiges, was seinen Weg leitet. Die Gefahren, in die er und Thorn geraten, beachtet Murtagh vielleicht zu wenig.

Bei Murtagh handelt es sich um den fünften Roman aus dem Eragon-Universum. Wie der Autor schreibt handelt es sich aber eigentlich um ein Standanlone mit Bezügen zu Eragon. Es scheint allerdings nicht verkehrt, wenn man sich einigermaßen auskennt. Bei seiner Wanderung durch dieses Buch hat Murtagh einiges auszustehen. Was zunächst eher wie eine Schatzsuche erscheint, wird später ausnehmend gefährlich. Murtagh muss sich finstersten Mächten stellen. Auch die Kämpfe, die er bestehen muss, werden immer bedrohlicher. Beinahe ist zu befürchten, dass die gemeinsame Kraft von Murtagh und Thorn nicht ausreichen könnte.

In der heutigen Zeit wird High Fantasy nicht mehr ganz so prominent präsentiert. Mit Murtagh bietet sich also eine Gelegenheit mal wieder in die Welt der Drachenreiter einzutauchen. Zwar macht es einem der Autor nicht immer ganz leicht mit epischen teils grausamen Kampf- und Traumszenen. Dann wieder verfolgt man gebannt Murtaghs Weg und fragt sich, was ihm im Weiteren begegnen wird. Schön, dass Murtagh neue Freunde und Verbündete findet. Dieser Band erklärt einiges zu Murtaghs Geschichte. Und wie der Autor selbst ankündigt, ist er mit Eragons Universum noch nicht fertig. Man darf also gespannt sein, wie sich dieser Band schließlich einfügt.

Veröffentlicht am 20.12.2025

Silberblick

Crime im Heim
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Bei dem Silberblick handelt es sich um ein Seniorenheim, das um einen Hof gebaut ist. Damit kann man es als etwas abgeschieden betrachten. Bei den Bewohnern handelt es sich unter anderem um ehemalige Lehrer, ...

Bei dem Silberblick handelt es sich um ein Seniorenheim, das um einen Hof gebaut ist. Damit kann man es als etwas abgeschieden betrachten. Bei den Bewohnern handelt es sich unter anderem um ehemalige Lehrer, Psychologen, Feuilletonchefs und eine Gräfin, die nicht ehemalig ist. Friedhelm, der Kunstexperte, der das Feuilleton beherrschte, meint, es brauche ein wenig Abwechslung im Heim. Er wird ein Theaterstück inszenieren, nichts weniger als den Hamlet. So große Begeisterung kommt nicht auf. Aber dankt seiner Überzeugungskraft hat er doch bald eine kleine Truppe zusammen. Und schon bei der ersten Probe überschlagen sich die Ereignisse. Der kleine Mops einer Bewohnerin wird tot aufgefunden.

Das ist mal ein etwas anderes Altersheim. Zumindest in Teilbereichen. Natürlich und leider wird auch hier gestorben und auch leider haben nicht mehr alle Bewohner ihre Sinne hundertprozentig zusammen und die vollständige körperliche Gesundheit steht im Alter sowieso den Wenigsten zur Verfügung. Aber die, die noch können, machen das Beste draus. Dazu gehört eben auch, dass sie sich wenn auch etwas widerwillig der Idee eines Theaterstücks öffnen. Natürlich muss Friedhelm den Text so aufbereiten, dass er für die Teilnehmer zu bewältigen ist. Katia wird sich gut als Hamlet machen. Mit einem toten Mops war natürlich nicht zu rechnen. Entsetzen setzt ein als sich herausstellt, der Mops wurde erschossen.

Nicht alle alten Menschen haben sich zurückgezogen und starren die Wände an. Nein, Katia, Friedhelm, Heinz, die Gräfin und wer noch dabei ist, sie nehmen am Leben teil. Vielleicht ein wenig langsamer, aber dafür umso gründlicher. Und so machen sie sich eben trotz ihrer kleinen Einschränkungen an ihr Theaterstück und an die Lösung eines Mordfalls. Dabei kommt heraus, dass sie wohl so Manches zu erzählen hätten. Leider werden sie viel zu wenig gefragt. Zwar hat man manchmal den Eindruck, das hier agierende Völkchen ist etwas sehr zusammengewürfelt. Aber im großen und ganzen liest sich dieser Roman sehr unterhaltsam.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Die letzte Chance

Himmelerdenblau
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Der ehemalige Chefarzt Theo Novak leidet unter einer Form von Demenz. Sein Zustand wird nicht besser. Das Schicksal seiner Tochter, die vor zwanzig Jahren verschwand, würde er gerne noch aufklären und ...

Der ehemalige Chefarzt Theo Novak leidet unter einer Form von Demenz. Sein Zustand wird nicht besser. Das Schicksal seiner Tochter, die vor zwanzig Jahren verschwand, würde er gerne noch aufklären und wenn es nur wäre, um sie ordentlich beerdigen zu können. Als er von True Crime Podcastern eine Interview-Anfrage erhält, sieht er das als seine letzte Chance. Die Podcaster Liv und Patrick beschäftigen sich nochmal eingehend mit dem Fall Julie Novak. Sie versuchen Hinweise zu finden, denen die Ermittler damals nicht genau genug nachgegangen sind. Kann die Entführung, die es gab, wirklich so abgelaufen sein. Da könnte ein Interview natürlich Neues bringen.

Wie ist es mit dem True Crime? Vielleicht hat man selbst schon mal so einen Podcast gehört und war erstaunt wie detailreich und gefühlt professionell berichtet wird. Und hier? Wird etwa ein älterer Herr, der nicht mehr in jedem Moment Herr seiner Sinne ist, von den Quasi-Journalisten vorgeführt? Liv scheint als Laien-Journalistin ein wenig emphatischer und vorsichtiger zu agieren. Ihr Recherche-Partner Patrick fährt eine härtere Linie. Novaks zweite. Tochter Sophie unternimmt vieles, um ihren Vater zu unterstützen. Neben seiner Tochter hat er nicht nur seine Stellung sondern auch seine Frau verloren. Seine Krankheit ist auf dem Weg ihn auch noch den letzten Rest zu rauben.

Nach einer gewissen Pause hat die Autorin wieder einen Thriller vorgelegt. Da wird man natürlich neugierig. Was für ein Thema hat sich die Autorin vorgenommen? Es wird die Annäherung eines True Crime Podcasts an einen oder mehrere Fälle beschrieben. Einer der Beteiligten kann nicht mehr richtig Stellung nehmen, weil er krank ist. Er ist aber der, der am meisten will. Das ist verständlich. Verschwindet ein Kind, verwindet man das nie. Nichtmal die Krankheit kann das auslöschen.Vielschichtig ist der Roman. Doch manchmal wirkt er auch ein wenig überfrachtet, weil jeder Hintergedanken zu haben scheint oder es tauchen Probleme auf, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben. Die Erklärung ist zwar schlüssig, aber nicht so zufriedenstellend. Vielleicht ist man selbst auch nicht so ein True Crime Leser. Auf jeden Fall fesselt der Roman sehr.

Das Cover weckt Aufmerksamkeit und transportiert die Quintessenz der Familie Novak ausgezeichnet.

Veröffentlicht am 23.11.2025

Die Scheune

Ein langes Wochenende
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In einer Scheune, die zu einem Ferienhaus umgebaut ist, treffen sich drei Freundinnen für ein Wochenende. Das Haus liegt in einer abgelegenen Gegend in der Nähe der schottischen Grenze. Am nächsten Morgen ...

In einer Scheune, die zu einem Ferienhaus umgebaut ist, treffen sich drei Freundinnen für ein Wochenende. Das Haus liegt in einer abgelegenen Gegend in der Nähe der schottischen Grenze. Am nächsten Morgen sollen auch die Männer eintreffen. Doch die Landschaft ist abgelegen und der Handy-Empfang ist schlecht. Bei der Ankunft finden die Frauen einen Brief, in dem behauptet wird, einer ihrer Männer sei umgebracht worden. Natürlich beginnen die Frauen, sich Sorgen zu machen und zu überlegen, wen es getroffen haben könnte. Ihre Gastgeber haben ihnen gesagt, es sei besser, die Scheune heute nicht mehr zu verlassen, da schlechtes Wetter angesagt ist.

Drei Frauen, die sich in einer Ausnahmesituation befinden. Jede hat ihre eigenen Probleme und Gedanken. Was als schöner Wochenendbeginn geplant war, wir zu einer herausfordernden Zeit. Und auch die Gastgeber haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie brauchen das Geld der Feriengäste, doch der Inhaber muss mit einer Demenzdiagnose leben und es ist unklar, wie lange er das mit der Gästebetreuung noch schafft. Und dann können die Ehemänner nicht erreicht werden. Was ist zu Hause los? Der Brief kann doch nicht ernst gemeint gewesen sein. Aber was, wenn doch?

Das ist ein ganz schön langes Wochenende. Da die Freundinnen auch ihr eigenes Süppchen kochen, halten sie nicht besonders gut zusammen. Besonders Jane hat eigene Pläne und Ruth versucht ihren Ehefrust mit Alkohol zu betäuben. Manchmal fragt man sich, wieso sie überhaupt losfahren. Aber vielleicht soll ja auch alles besser werden, wenn die Männer da sind. Doch die erscheinen nicht. Das Verhalten der Gastgeber ist auch nicht immer hilfreich. Und was daheim geschieht ist auch eher unschön. Es ist etwas schwierig in diesem Buch Sympathien zu entwickeln. Trotzdem ist es spannend. Beim Hörbuch muss man genau hinhören, um im Bilde zu sein, wo und bei wem man sich gerade befindet. Dies erschließt sich eher aus mehr oder weniger deutlichen Hinweisen als durch genaue Benennung. Wie immer sehr gut liest Vera Tellz.