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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2025

Wiener Melange aus schwarzem Humor und echtem Leben

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Mein erstes Buch von Vea Kaiser – und sicher nicht mein letztes! Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und nahbar. Die Protagonistin Angelika erzählt uns ihre Geschichte aus dem Gefängnis heraus: Ein Aufstieg ...

Mein erstes Buch von Vea Kaiser – und sicher nicht mein letztes! Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und nahbar. Die Protagonistin Angelika erzählt uns ihre Geschichte aus dem Gefängnis heraus: Ein Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen in die Welt der Grand Hotels, geprägt von falschen Männern und der unbedingten Liebe zu ihrem Sohn Freddy.
Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, mit einer recht kaltherzigen Mutter, beginnt sie eine Karriere im Grand Hotel Frohner, als Buchhalterin. Sehr schnell arbeitet sie sich dort bis in die Leitung vor, sie hat ein gutes Händchen für Zahlen.
Ein nicht so gutes Händchen hat sie mit ihren Männern, da gibt es längere und kürzere Episoden, die sehr humorvoll und erfrischen beschrieben werden.
Was mir besonders gefallen hat: Kaiser fängt den Zeitgeist perfekt ein. Es fühlt sich alles „echt“ an, die Charaktere sind menschlich und die Lebensweisheiten kommen oft mit einem Augenzwinkern daher. Auch wenn der Mittelteil ein paar Längen hatte, ist es insgesamt ein hervorragender Roman über Ambition, Liebe und die Abgründe des Alltags im Wien der 80er.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Wunderbare Heldenreise

Lightfall 1: Das verlorene Licht
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"Lightfall 1: Das verlorene Licht" von Tim Probert ist der Beginn eines Fantasy-Abenteuer, für Kinder ab 10 Jahren, nach oben hin offen.
Die Grafiken sind durchweg farbig, zauberhaft umgesetzt und kommen ...

"Lightfall 1: Das verlorene Licht" von Tim Probert ist der Beginn eines Fantasy-Abenteuer, für Kinder ab 10 Jahren, nach oben hin offen.
Die Grafiken sind durchweg farbig, zauberhaft umgesetzt und kommen mit wenig erklärender Sprache aus. Die Bilder erzählen hauptsächlich die Geschichte. Mir gefällt der Zeichenstil sehr, detailliert, atmosphärisch, man kann tief in diese fremde Welt eintauchen.
Bea lebt bei ihrem Großvater, dem Zauber-Eber. Es ist ein schönes Leben, im Wald, mit vielen Zaubertränken und Geheimnisvollem. Als ihr Großvater verschwindet, macht sich Bea auf die Suche nach ihm, da er ja schon etwas schusselig ist.
Mit von der Partie sind ihre Katze Nim und ein eben kennengelernter Freund, ein starkes und weises Wesen namens Cad.
Es macht sehr viel Spaß die Truppe bei ihrem Abenteuer zu begleiten, sie erleben viel neues und aufregendes. Ihnen begegnen Freundschaft und Verrat, Hilfe und Betrug, sie müssen kämpfen und fliehen und Bea muss mehr als einmal ihre eigenen Angst besiegen.
Am Ende haben sie viele Erkenntnisse gewonnen und es könnte für mich direkt weiter gehen, ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Ein meisterhaftes psychologisches Porträt

No Way Home
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T.C. Boyle beweist mit "No Way Home" einmal mehr, dass er einer der ganz großen Erzähler unserer Zeit ist! Das Buch hat mich von der ersten Seite an komplett in seinen Bann gezogen und meine hohen Erwartungen ...

T.C. Boyle beweist mit "No Way Home" einmal mehr, dass er einer der ganz großen Erzähler unserer Zeit ist! Das Buch hat mich von der ersten Seite an komplett in seinen Bann gezogen und meine hohen Erwartungen an den Autor nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dieses Werk ist ein tiefgründiger, faszinierender Tauchgang in menschliche Abgründe.
Der Assistenzarzt Terry, ständig am Limit in L.A., wird durch den plötzlichen Tod seiner Mutter in die Stille der Wüste Nevadas, nach Boulder City, gerufen. Doch anstatt Ruhe zu finden, wird sein Leben durch die schlagartige Bekanntschaft mit der eigenwilligen Bethany und ihrem Ex-Freund Jesse komplett auf den Kopf gestellt. Was folgt, ist eine packende, eigenartige und zutiefst menschliche Dreiecksgeschichte.
Boyle wählt eine clevere Erzählweise aus den wechselnden Perspektiven der drei Hauptfiguren, wobei Terry den zentralen Ankerpunkt bildet. Die Charakterzeichnung ist absolut messerscharf und brillant. Man wird gezwungen, sich mit diesen extrem komplexen, fehlerhaften und gerade deshalb so realistischen Figuren auseinanderzusetzen. Auch wenn man ihre Handlungen nicht immer gutheißen oder nachvollziehen kann – gerade diese psychologische Tiefe und die Darstellung von Eifersucht, Abhängigkeit und toxischen Beziehungen macht den Roman so intensiv und unvergesslich.
Das Erzähltempo ist bewusst langsam, was dem Roman eine sogartige Intensität verleiht. Man findet keine vordergründige Rasanz, dafür aber unendlich viele Informationen zwischen den Zeilen. Ergänzt wird dies durch die absolut gelungenen und bildhaften Naturbeschreibungen der Wüste, die selbst zu einem Charakter im Roman wird.
Ich liebe den einzigartigen Schreibstil von T.C. Boyle: Er navigiert virtuos zwischen ernsten Themen und einem feinen, schwarzen Humor, immer mit einem Augenzwinkern erzählt und stets die Ränder der Gesellschaft und die menschlichen Schwächen im Blick.

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Eine Reise in die Schatten der Vergangenheit

Über die Toten nur Gutes
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Andreas Izquierdo liefert mit "Über die Toten nur Gutes" einen fesselnden Kriminalroman, der weit über das Genre hinausgeht.
Im Zentrum steht Mads Madsen, ein gewissenhafter Trauerredner, dessen Leben ...

Andreas Izquierdo liefert mit "Über die Toten nur Gutes" einen fesselnden Kriminalroman, der weit über das Genre hinausgeht.
Im Zentrum steht Mads Madsen, ein gewissenhafter Trauerredner, dessen Leben aus den Fugen gerät, als sein bester Kindheitsfreund Patrick bei einem Unfall stirbt und Mads bittet, die letzte Rede zu halten. Was als pietätvolle Aufgabe beginnt, wird schnell zu einer persönlichen und gefährlichen Ermittlung. Mads sucht die Wahrheit und muss sich dabei seinen eigenen, lange verdrängten Erinnerungen stellen.
Die Stärke des Buches liegt in seinen brillant ausgearbeiteten Figuren: Mads selbst, sein eigenwilliger Vater, sein verstorbener Freund und die undurchsichtige Polizistin. Man hat das Gefühl, alle Beteiligten nach der Lektüre sehr gut zu kennen. Abgerundet wird die Geschichte durch einen tiefschwarzen, absolut genialen Humor, der die ernsten und spannenden Momente perfekt konterkariert. Ein vielschichtiger Krimi mit hervorragender Schreibe.

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Veröffentlicht am 28.11.2025

Tolle Neuinterpretation

Medea
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"Medea" ist die Hexe von Kolchis und diese Geschichte wurde neu erzählt von Rosie Hewlett. Wenn man sich mit der griechischen Mythologie schon etwas befasst hat, kennt man die Sagen um Jason und das goldene ...

"Medea" ist die Hexe von Kolchis und diese Geschichte wurde neu erzählt von Rosie Hewlett. Wenn man sich mit der griechischen Mythologie schon etwas befasst hat, kennt man die Sagen um Jason und das goldene Vlies, die Argonauten, Medea und Circe. Hier trifft man diese Namen alle wieder, aber es wird aus weiblicher Sicht erzählt, aus der Sicht der Hexe, nicht de Helden. Und diese Sichtweise geht unter die Haut.
Die Geschichte ist spannend, auch wenn man die ursprünglichen Erzählungen im Kopf hat, ist man doch gespannt, wie es endet hier. Die Charaktere werden gut vorgestellt die und Handlungen sind meistens nachvollziehbar.
Hier geht es hauptsächlich um Medea, die als Kind und junges Mädchen fatalen, patriarchalen Machtstrukturen ausgesetzt ist, unter denen sie sehr leidet. Auch von den Frauen der Familie bekommt sie keine Hilfe. Circe, die sich ihrer annimmt, wird dann von ihr ferngehalten.
Und so ist Medea zutiefst verunsichert und trägt doch mächtige Kräfte in sich.
Mir hat gut gefallen, dass eine negativ besetzte Figur hier im Mittelpunkt steht und wir sie und ihre Handlungen begleiten. Man kann sie verstehen, warum sie was tut, auch wenn man ihr anderes gerne raten würde. Mir hat dieses Buch sehr gefallen, gerade weil man begreift, dass man oft auch auf andere Sichtweisen achten sollte.

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