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Veröffentlicht am 25.01.2026

Höllisch gut

Katabasis
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Tief hinab in die Hölle und hinein in das Lesevergnügen! Dass mich Katabasis so packen, durchschütteln und glücklich, glücklich, glücklich wieder ausspucken würde, hätte ich nicht zu hoffen gewagt. Auch, ...

Tief hinab in die Hölle und hinein in das Lesevergnügen! Dass mich Katabasis so packen, durchschütteln und glücklich, glücklich, glücklich wieder ausspucken würde, hätte ich nicht zu hoffen gewagt. Auch, wenn ich ein kleines Fantasygirl bin und mir die Inhaltsangabe schon Wochen vor dem Erscheinungstermin den Kopf verdreht hat. Und mich ganz kribbelig machte.
Und dann war es soweit: Ich bin mit Alice und Peter in die Hölle hinabgestiegen. Oder eher: mittels eines überaus raffinierten Pentagramms hineinkatapultiert worden. Und was die beiden dort erwartet, ist verstörend. Und zwar verstörend gut. Auf der Suche nach ihrem kürzlich ganz ausversehen und äußerst blutig verstorbenen Mentor und Magier Jacob Grimes durchwandern sie die verschiedenen Höfe der Unterwelt und werden mit intelligent konstruierten Aufgaben und überirdischen Gefahren konfrontiert. Mit Göttern, Monstern und Magie vom Feinsten und Dunkelsten. Sowie mit sich und ihrer Vergangenheit. Und einer mehr als fraglichen Zukunft.
Was dabei herauskommt: ein Pageturner wie er seinesgleichen sucht. Denn Fantasie und vor allem Wissen, Wissenschaft und akademische Laufbahn der Autorin haben ein Werk geformt, das unterhält und so viel Spaß macht, in Erstaunen versetzt und mich ehrfürchtig staunen lässt. Und mich vor allem lesen, lesen, lesen ließ. Ganz ehrlich und total wahr: Der Roman steigt in meine Top 5-Lieblingsbücher ever auf! Die ich sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen habe. Dafür ist er einfach zu gut. Höllisch gut.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Eine große Erzählerin und ihr mutiger Blick auf das Ungesagte

Autobiografie meines Körpers
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Intensiv und nah. Und in seiner Offenheit erschütternd. „Autobiografie meines Körpers“ wagt die Grenzen des Schweigens und der Scham einzureißen und mit klarer, direkter Sprache zum Ausdruck zu bringen, ...

Intensiv und nah. Und in seiner Offenheit erschütternd. „Autobiografie meines Körpers“ wagt die Grenzen des Schweigens und der Scham einzureißen und mit klarer, direkter Sprache zum Ausdruck zu bringen, was für die Ich-Erzählerin Jahrzehnte im Verborgenen war. Verschwiegen wurde vor sich selbst und der Außenwelt.
Als Lize eine E-Mail ihrer Mutter erhält, in welcher diese mit knappen Worten bekannt gibt, schwer an Krebs erkrankt zu sein, setzt diese Nachricht einen Prozess in Gang. Einen Prozess der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familie, ihrer Rolle in dieser und ihrem Körper, in welchem all das Erlebte, Erlittene, Ungesagte eingeschrieben wurde. Und sich in Form von Krankheit, Zwängen und einer fehlenden Identifikation mit sich selbst bis in die erzählerische Gegenwart verfestigte. Und manifestiert in zahllosen Stunden des Zweifels, Ablehnung und einer Suche nach Liebe, Zuneigung und einem Angenommenwerden um ihrer selbst willen.
Was nach außen wie eine glückliche Kindheit in einem kleinen Dorf in Belgien erscheinen konnte, war doch von dem schweren Alkoholismus der Mutter, der emotionalen Instabilität und Übergriffigkeit des Vaters und der eigenen Einsamkeit in Mitten einer Großfamilie geprägt. Den nahen Tod der Mutter vor Augen, ergreift die Ich-Erzählerin Wort und Mut, um mit ihrer Mutter doch noch in das Gespräch zu kommen und zu erfahren und aufzuarbeiten, was in der Zeit des Aufwachsens Körper und Seele niederdrückte und nie mehr verließ. Neben all der Traurigkeit und Wut entstehen so auch Helligkeit und Klarheit und eine innere Ruhe und Versöhnung, nach der Lize so lange auf der Suche war.
Lize Spit ist eine der großen Erzählerinnen unserer Gegenwart. Fulminant in Wahl ihres Sujets, in ihrer Sprache, die zielgerichtet beschreibt und trifft und mit einem Mut und Entschlossenheit, hinter das Sichtbare, das vermeintlich Schöne zu schauen. Und auch das Dunkle im Tageslicht zu betrachten.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Zurück in der Welt der Monster und einer Hexe mit zwölf Schatten

Nächte einer Hexe
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Wenn Schnee im Sommer fällt und ein Varkolak Dir im Dunkeln auflauert, dann stimmt etwas so ganz und gar nicht. Und lässt in Kosara sämtliche Alarmglocken schrillen. Inzwischen zur mächtigsten Hexe Chernograds ...

Wenn Schnee im Sommer fällt und ein Varkolak Dir im Dunkeln auflauert, dann stimmt etwas so ganz und gar nicht. Und lässt in Kosara sämtliche Alarmglocken schrillen. Inzwischen zur mächtigsten Hexe Chernograds aufgestiegen, nimmt sie die unheimliche Spur auf und stößt dabei nicht nur auf Kreaturen und unheimliche Gestalten sondern trifft auch auf alte Bekannte und Verbündete. Denn wenn der Himmel plötzlich in Scherben bricht, sind alle Kräfte gefragt. Und nur gemeinsam kann das Reich der Monster zurückgedrängt werden.
Zur großen Überraschung der Hexe verschlägt es auch Arsen zurück nach Chernograd. In die Falle der korrupten Bürgermeisterin gegangen, steht der ehemalige Polizist plötzlich auf Kosaras verschneiter Fußmatte. Und weckt in ihr Gefühle, die sie die vergangenen Monate erfolgreich überwunden zu haben glaubte. Gemeinsam mit ihren zwölf Hexenschatten wird er schon bald zu ihrem wichtigsten Gefährten und Unterstützer im Kampf gegen die mächtigen Gegner. Und dabei schneller als gedacht selbst zum Teil dieser Welt. Und zur Zielscheibe des Zmey, dem großen Zaren der Monster.
Wieder in die Welt der Hexen, Monster und dunklen Geheimnisse abtauchen und mit Kosara von einem Abenteuer in die nächste Katastrophe stolpern zu können, fühlt sich an wie die Rückkehr in ein warmes, kuschliges Zuhause. In welchem jedoch die Hauskatze unsichtbar um Deine Beine streift. Die Küchenfee mit Deinen Töpfen klappert. Und Deine Glaskugel Deinen Fernseher ersetzt. Und vor allem: Das Du nie wieder verlassen möchtest.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Lieblingsbuch und Pageturner

No Way Home
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Boyle hat ein neues Lieblingsbuch geschrieben! Und einen Pageturner. Und eine Geschichte, die mich so sehr amüsiert, ergriffen und für sich eingenommen hat, dass ich die ersten beiden Tage meines Urlaubs ...

Boyle hat ein neues Lieblingsbuch geschrieben! Und einen Pageturner. Und eine Geschichte, die mich so sehr amüsiert, ergriffen und für sich eingenommen hat, dass ich die ersten beiden Tage meines Urlaubs ausschließlich mit „No Way Home“ in der Hand verbracht habe. Und jetzt den Blues habe, weil ich aus der Welt rund um Terry, Bethany und Jesse wieder auftauchen muss.
Und diese Welt ist eine der Liebe und des Schmerzes, der Irrungen und Wirrungen und der verzweifelten Suche nach Ankommen und einem Zuhause. Für die Leser beginnt das Eintauche in diese tragisch, denn Terrys Mutter verstirbt ganz unerwartet, und er macht sich auf den Weg nach Boulder City , um ihr Erbe zu regeln. Und Haus, Hund und die zahlreich gehorteten Erinnerungen zu übernehmen. Doch auf der Reise in die Wüstenstadt begegnet ihm Bethany, und was mit einem zufälligen Zusammentreffen beginnt, entwickelt sich zu einer schicksalhaften Wendung ihrer beider Leben. Und da auch Bethany nicht frei von Vergangenheit und frisch getrennt von ihrer Jugendliebe Jesse ist, sind Schwierigkeiten vorprogrommiert. Und wer Boyle kennt, weiß, dass es nicht nur bei Liebeskummer und Tränen bleibt. Denn Dramen warten bereits um die nächste Ecke – teils an Skurrilität kaum zu übertreffen und im Superlativ gesteigert. Und schon wird das Leben aller Drei vom Schicksalsrad der Fortuna kräftig durchgerüttelt.
Ausgeworfen wird aus diesem eine Geschichte, die einen mit in Höhen und Tiefen reißt. Mich mitfiebern und hoffen und die Hände vors Gesicht schlagen lässt. Und auch die Augen über die Protagonisten und ihre Unfähigkeit, sich aus der zuspitzenden Situation zu befreien, zunehmend verdrehen lässt. Doch der Blick von außen ist meist klarer, und mit dem Gefühls- und Liebenschaos von Bethany, Terry und Jesse möchten wir wohl alle nicht tauschen. Mit „No Way Home“ als großartiger Begleitung für Urlaub und Lesestunden ebenfalls nicht.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Es bohrt und sticht und streut Salz in die Wunde

Die Assistentin
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Als ich den Roman begonnen habe und nach und nach tiefer in die Geschichte eingetaucht bin, begann auch die öffentliche Diskussion um diesen – in Teilen hoch emotional geführt. Hart und wertend. Polemisch. ...

Als ich den Roman begonnen habe und nach und nach tiefer in die Geschichte eingetaucht bin, begann auch die öffentliche Diskussion um diesen – in Teilen hoch emotional geführt. Hart und wertend. Polemisch. Und ich war mehr als überrascht, dass der Text all dies auslösen kann. Und woher die Schärfe in der Debatte kommt, die auch Caroline Wahls beiden bisherigen Romane nicht ausspart.
Nachdem ich nun Die Assistentin beendet habe, meine ich, mir die vielen Emotionen ein Stück weit erklären zu können. Denn die Geschichte triggert. Und die Geschichte macht wütend. Und sie ist nicht angenehmen. Will nicht gefallen. Ist unbequem in ihrer Entwicklung und lässt einen mit Unverständnis, Empörung und Adrenalin im Blut zuschauen, wie Charlotte nach und nach ihre Würde und Selbstbewusstsein einbüßt. Wie sie destabilisiert und Opfer von Machtverhältnisses und Strukturen der Ausbeutung und Abhängigkeit wird.
Und ja: Es ist kaum auszuhalten. Für mich. Und sicherlich bin ich damit nicht allein. Wie die Reaktionen zeigen. Die Demütigungen, Herabsetzungen und die körperliche Belästigung einer jungen Frau treffen in Mark und Bein. Nicht nur eines jeden Einzelnen, sondern auch der gesellschaftlichen Strukturen, welche diese ermöglichen und zugleich legalisieren.
Doch Achtung – und zwar in zweifacher Hinsicht! Text und Autorin sind zu trennen. Und damit auch die Emotionen, die Wut und Ablehnung, die dieser – und zwar der Text! – erzeugt.
Und dann: Sind es tatsächlich patriarchale Strukturen, die wir hier in ihrer zügellosen Ausprägung erleben? Denn auch Frauen können ein Herr Maise sein – und eine Charlotte männlich oder weiblich. Oder sprechen wir hier von patriarchalen Strukturen, welche in Folge der Machtpositionen von Frauen übernommen und fortgeführt werden? Die Antwort auf diese Fragen erscheint mir äußerst relevant: Denn Charlottes Leiden darf nicht sein!
Und was ebenso selbstverständlich sein sollte: Die Autorin ist in der Kritik von ihrem hochbrisanten Sujet zu trennen. Und ihre Geschichte bohrt und sticht – tief im Herzen der Leser. Und eine Gesellschaft, in der legalisierte Ausbeutung und Herabsetzung häufig im Verborgenen geschehen.

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