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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Hochspannung, aber unrealistisch

Der Nachbar
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Leider ist das Cover nicht sehr aussagekräftig geraten. Es zeigt nur eine blickdichte Hecke, dabei passiert so viel zwischen den Buchdeckeln, ohne dass eine Hecke eine sonderlich beeindruckende Rolle spielt.
Der ...

Leider ist das Cover nicht sehr aussagekräftig geraten. Es zeigt nur eine blickdichte Hecke, dabei passiert so viel zwischen den Buchdeckeln, ohne dass eine Hecke eine sonderlich beeindruckende Rolle spielt.
Der Thriller „Der Nachbar“ von Sebastian Fitzek erzählt die Geschichte von Sarah, einer erfolgreichen Rechtsanwältin, deren Leben durch eine schockierende Erkenntnis aus der Bahn gerät: Ihr Ehemann entpuppt sich als Serienattentäter, der Säureanschläge auf Babys verübt. Nach dieser Enthüllung lässt sie sich von ihm scheiden und versucht, einen kompletten Neuanfang zu wagen. Sie zieht nach Berlin, um Abstand von ihrer Vergangenheit zu gewinnen und wieder Kontrolle über ihr Leben zu erlangen. Doch genau dort beginnt eine neue Bedrohung.

Sarah wird von einem geheimnisvollen Stalker verfolgt, der offenbar mehr über sie weiß, als möglich sein dürfte. Besonders beunruhigend ist, dass dieser Unbekannte beginnt, Sarahs heimliche Rachefantasien in die Tat umzusetzen. Gedanken, die nur in ihrem geheimen Tagebuch existieren, scheinen plötzlich Realität zu werden. Dadurch entsteht ein intensiver psychologischer Spannungsbogen, der den Leser ans Buch fesselt.
Fitzek gelingt es, durch überraschende Wendungen und kurze Kapitel einen starken Nervenkitzel zu erzeugen. Die Spannung bleibt über weite Strecken hoch. Man fragt sich immer wieder, wie alles zusammenhängt. Natürlich hat man als Leser einen Lieblingsverdächtigen, doch ziemlich oft erweist sich das als eine falsche Spur.
Bei näherer Betrachtung wirkt die Geschichte jedoch zunehmend unrealistisch. Einige Ereignisse erscheinen stark konstruiert, und bestimmte Handlungen der Figuren sind schwer nachvollziehbar. Auch die Umsetzung der Racheträume überschreitet teilweise die Grenze zur Unglaubwürdigkeit. Dennoch bleibt der Roman unterhaltsam und fesselnd, da Fitzek das Spiel mit Angst, Schuld und Vergeltung konsequent fortführt.

Insgesamt ist „Der Nachbar“ ein spannender Thriller mit hohem Tempo und überraschenden Momenten, der zwar logisch nicht in allen Punkten überzeugt, aber dennoch für Fans psychologischer Spannung sehr geeignet ist.
Simon Jäger liest die Hörbuchversion einfach genial ein.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Sallys Revival

Das Internat
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Auf dem Cover wirkt das Internat, in dem sich die Handlung abspielt, sehr nobel und ordentlich. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Junge Menschen überschreiten gern ihre Grenzen. So auch hier, als nach ...

Auf dem Cover wirkt das Internat, in dem sich die Handlung abspielt, sehr nobel und ordentlich. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Junge Menschen überschreiten gern ihre Grenzen. So auch hier, als nach einer unerlaubten Party eine Schülerin tot aufgefunden wird, ihr Leichnam bizarr drapiert. Die Auffindesituation weist Bezüge zu einer alten Sage auf.
Die Handlung dreht sich nun in erster Linie um die Familie Chase. Das Ehepaar lebt in Trennung. Der Vater ist bei der Polizei und mit den Ermittlungen beauftragt, die Mutter ist Lehrerin im Internat und die Tochter, mit den familiären Schwierigkeiten völlig überfordert, ist pubertierend renitent.
Das Buch liest sich eigentlich gut, schwächelt aber mittendrin spannungsmäßig. Einige Emotionen, vor allem von dem Vater, sind für mich nicht nachvollziehbar. Das rasante Ende macht einiges wieder wett.
Die Sprecherin des Hörbuchs, Verena Wolfien, hat mir gut gefallen.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Frostkönig

The North Wind – Reich aus Eis und Schatten (The Four Winds 1)
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Ein außergewöhnlich schönes Cover macht neugierig auf dieses Buch.
Wren ist eine eigentlich patente junge Frau, die alles für ihre Zwillingsschwester Elora tut. Sie sorgt fürs Überleben in einer Welt, ...

Ein außergewöhnlich schönes Cover macht neugierig auf dieses Buch.
Wren ist eine eigentlich patente junge Frau, die alles für ihre Zwillingsschwester Elora tut. Sie sorgt fürs Überleben in einer Welt, die in ewigem Winter erstarrt ist. Sie opfert sich auch, als der von allen gefürchtete Herrscher über dieses unwirtliche Reich, der Frostkönig, Elora als seine Braut erwählt. Doch mit Mut und Raffinesse gelingt es Wren, die Plätze zu tauschen. Sie will den Frostkönig um jeden Preis töten.
Es fällt schwer, bei diesem Buch über den Anfang hinauszukommen. Wren ist eine üble Trinkerin. Sie verwandelt sich bewusst in eine stinkende, asoziale Person, um auf diese Art dem Herrscher Widerstand zu leisten und ihre Verachtung zu zeigen. Allein das zu lesen ist widerlich.
Doch auch bei dem grausamen Frostkönig ist nicht alles so wie es scheint. Die Beziehung zwischen den beiden wandelt sich, vor allem auch, weil sie aufeinander angewiesen sind, um einen mächtigen Feind zu besiegen.
Wren bleibt einem leider hauptsächlich als egoistische, respektlose Person in Erinnerung. Ihre Gefühlswelt und ihre Entscheidungen sind oft nicht nachvollziehbar. Erstaunlicherweise gewinnt der verschlossene Frostkönig schneller die Sympathien des Lesers.
Generell ist der Roman sehr spannend und emotional. Er liest sich gut und vielleicht möchte man dann im Anschluss auch noch die Geschichten über die Brüder des Frostkönigs lesen, von denen zwei bisher schon veröffentlicht sind.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

etwas zu lang

Mirror: Schön wie Rosen
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Rosalie ist mit Leib und Seele Influencerin. Für Klicks geht sie über Leichen. Die Fähigkeit zur Empathie hat sie auf dem Weg nach oben verloren, Freundschaften werden nach Nützlichkeit bewertet. Doch ...

Rosalie ist mit Leib und Seele Influencerin. Für Klicks geht sie über Leichen. Die Fähigkeit zur Empathie hat sie auf dem Weg nach oben verloren, Freundschaften werden nach Nützlichkeit bewertet. Doch sie bekommt die Quittung und fällt in ein tiefes Loch. In dieser schlimmsten Phase ihres Lebens wird sie in ihr Lieblingsmärchen gezaubert. Hier hat sie die Fäden in der Hand und kann so manches ändern. Die Autorin webt das Märchen um die Schöne und das Biest neu, flicht feministische Aspekte mit hinein und erschafft völlig neue Blickwinkel. Die Idee an sich ist gut, der Schreibstil auch, doch leider ufert die Handlung mitunter so aus, dass die Spannung leidet.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

Krimi und Rezepte

Mord in besserer Gesellschaft
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Alice Beeton entstammt zwar aus besseren Kreisen, doch der gesamte Besitz fiel an ihren Bruder und Alice muss für ihren Unterhalt arbeiten. Sie betreibt eine Agentur, die Hauspersonal für die gehobene ...

Alice Beeton entstammt zwar aus besseren Kreisen, doch der gesamte Besitz fiel an ihren Bruder und Alice muss für ihren Unterhalt arbeiten. Sie betreibt eine Agentur, die Hauspersonal für die gehobene Gesellschaft vermittelt. Gerade während eines glamourösen Silvesterballs wird eine ihrer Angestellten tot aufgefunden. Ein gefundenes Fressen für Alice, die eine begeisterte Krimileserin ist. Es gelingt ihr, sich in den betreffenden Haushalt als Haushälterin einzuschleusen und diskret Ermittlungen anzustellen. Leider zieht der Mord ungeahnte Kreise und Alice gerät an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.
Der Krimi ist relativ unblutig geschrieben. Er zielt eher auf leichte, humorvolle Unterhaltung. Vieles am Plot erkennt man als typisch Britisch wieder, vor allem der Humor. Bedauerlicherweise bleibt die Spannung dabei etwas auf der Strecke, ja, stellenweise ist die Handlung manchmal sogar zäh geraten. Das kann sogar die engagierte Sprecherin Kaja Sesterhenn nicht überspielen.
Die ausführlichen Rezeptanleitungen stören ebenfalls den Hörgenuss, denn man kann sie leider weder direkt mitschreiben, noch im Anschluss irgendwo nachlesen. Schade, denn einige hören sich recht vielversprechend an.

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