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Veröffentlicht am 21.12.2025

Gedanken einer alten Frau

Die späten Tage
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Pünktlich zu ihrem 80sten Geburtstag hat der Rowohlt-Verlag Natascha Wodins neuesten Roman herausgebracht. Darin erzählt die Autorin aus ihrem Leben. Hautnah können wir LeserInnen ihre Sorgen und Nöte ...

Pünktlich zu ihrem 80sten Geburtstag hat der Rowohlt-Verlag Natascha Wodins neuesten Roman herausgebracht. Darin erzählt die Autorin aus ihrem Leben. Hautnah können wir LeserInnen ihre Sorgen und Nöte über das Alter und das sich nähernde Lebensende miterleben. Dabei erfahren wir viel über ihre bewegte Vergangenheit, in der sie gereist ist und gelebt hat. Besonders emotional beschreibt sie ihre jetzige Liebe zu einem um einige Jahre älteren Mann, die sie folgendermaßen definiert: Sie ist das Einzige, was zählt, alles andere ist vergeblich. Sie ist mehr als ein schönes Gefühl; sie erfordert Anstrengung und Freiheit.

Nataschas Wodins Erinnerungen sind innig, aber sie leidet immer wieder unter ihrer Lebenssattheit, die für mich erschreckend war.

Da ich selbst schon über 70 bin, sind mir viele ihrer Gedanken vertraut. Gerne ziehe ich aus den Schilderungen ihres Lebens meine Schlüsse und halte mir ständig vor Augen, wie wichtig tägliche Bewegung ist, um nicht in die körperliche Starre und Schwäche zu fallen, unter der sie zunehmend leidet. Gefallen haben mir ihre Erinnerungen an alte Freundschaften mit Schriftstellern. Außerdem erfuhr ich so manches Neues aus der alten Sowjetunion.

Da mir das Werk als Hörbuch aus dem Argon-Verlag vorlag, möchte ich unbedingt noch Martina Gedeck erwähnen. Achteinhalb Stunden dauert ihre gefühlvolle Lesung, die mir die Schriftstellerin Natascha Wodin, die 2017 für ihren Roman „Sie kam aus Mariupol“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, sehr nah gebracht hat.


Fazit: 5 Sterne für diesen in poetischer Sprache verfassten Roman, der wohl am ehesten ältere Personen anspricht. Junge Leute könnten damit überfordert sein.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Ein selbstbestimmtes Leben

Die Knef
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Auf dieses Buch war ich neugierig. Noch nie hatte ich einen Comic dieser Art in der Hand. Natürlich kenne ich Asterix und Co, habe sie mir früher auch gerne mal angeschaut. Doch eigentlich empfand ich ...

Auf dieses Buch war ich neugierig. Noch nie hatte ich einen Comic dieser Art in der Hand. Natürlich kenne ich Asterix und Co, habe sie mir früher auch gerne mal angeschaut. Doch eigentlich empfand ich sie nur als nette Unterhaltung für Lesefaule. Dieses Buch hat mich eines besseren belehrt.

Hildegard Knef ist 1925 geboren, im gleichen Jahr wie meine Mutter. Ihre Chansons haben mich durch meine Jugend begleitet. Doch eigentlich wusste ich kaum etwas über sie. Außer, dass sie – wie meine Mutter auch – in Berlin aufgewachsen ist.

Während der Lektüre dieses Buches habe ich sie besser kennen gelernt. Habe über die „Fehltritte“ der selbstbewussten Frau gestaunt, die ihren eigenen Weg gegangen ist. Die Bilder und die Worte, die an ihre eigenen angelehnt sind, haben mich sehr berührt. Im Schnelldurchgang bin ich durch ihr Leben gerauscht und habe dabei ihre Höhen und Tiefen hautnah miterlebt. Ich habe von den nicht enden wollenden Anstrengungen der Diva erfahren, die Ella Fitzgerald als „the greatest singer without a voice“ bezeichnete.

Alles in allem bewundere ich nun nicht nur ihr Leben, sondern auch die Art der Darstelllung durch Moritz Stetter. Ihm ist es gelungen, mich sogar auf ihr Buch „Der geschenkte Gaul“ neugierig zu machen.

Fazit: Ich muss mein Urteil über Comics revidieren. Sie können viel mehr ausdrücken, als ich bisher angenommen hatte. Chapeau für Moritz Stetter!

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Berührend

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Dieser Familienroman lässt uns in das Leben von vier Generationen schauen. Margret ist die Älteste der Frauen. Sie hat das Zepter in der Hand und gibt es nicht her. Schon in der Kindheit, die sie zum Teil ...

Dieser Familienroman lässt uns in das Leben von vier Generationen schauen. Margret ist die Älteste der Frauen. Sie hat das Zepter in der Hand und gibt es nicht her. Schon in der Kindheit, die sie zum Teil im Heim verbringen musste, wusste sie, was sie wollte: nämlich weg von hier, weg von der Grausamkeit. Doch das vermeintliche Glück zu einer Tante zu kommen, erwies sich als Trugschluss.
In diesem Hörbuch begleiten wir sie durch ihr Leben, in dem Verluste eine große Rolle spielten. Ihre frühe Prägung durch den Onkel erschwerten ihr Leben bis zum bitteren Ende. Das mussten auch die Tochter Irene, die Enkelin Julia und die Urenkelin Emily aushalten. Unter den Gegebenheiten ist erstaunlich, was sie alles auf die Beine gestellt hat, bevor sie den Boden unter den Füßen verlor!


Wenn auch nicht jede Lebensgeschichte der Menschen, die vor oder während des Zweiten Weltkriegs geboren wurden, mit so vielen schwierigen Erfahrungen verbunden ist, haben doch einige etwas gemeinsam. Auch meine Eltern, die zu dieser Generation gehörten, haben ihre Geheimnisse bewahrt. Es gab Dinge, über die nie gesprochen wurde, Erfahrungen, die ich im Laufe meines Lebens aus Büchern erfuhr und im Kontext zu meinen Eltern erst spät einzuordnen in der Lage war.

In dieser Hinsicht ist Susanne Abel ein besonderes Buch gelungen. Es hat mich tief bewegt, teilweise zu Tränen gerührt und mir wieder einmal klar gemacht, wie sich so manche Erfahrungen unserer Vorfahren bis in unsere Gegenwart hinein auswirken.
Vera Teltz hat das fünfzehn Stunden dauernde Hörbuch mit ihrer sympathischen Stimme zu einem wahren Hörgenuss gemacht.
Ich empfehle dieses Werk jedem, der sich mit unverständlichen Eigenheiten der Vorfahren auseinandersetzen muss. Vielleicht geht es ihm ja wie mir: Ich werde bei solche Lektüre in meiner Einschätzung von ungeliebten menschlichen Eigenschaften milder.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Pubertät

Himmel ohne Ende
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Charlie ist fünfzehn und steckt mitten in der Pubertät. Sie fühlt sich von allen verlassen. Der Vater ist gegangen, als sie sieben war und ihre beste Freundin wurde auch untreu. Sie hat nun niemanden zum ...

Charlie ist fünfzehn und steckt mitten in der Pubertät. Sie fühlt sich von allen verlassen. Der Vater ist gegangen, als sie sieben war und ihre beste Freundin wurde auch untreu. Sie hat nun niemanden zum Reden, da die Mutter viel arbeitet. Nur ihrem Meerschweinchen, das wie sie ein Einzelgänger ist, kann sie ihr Leid klagen.

„Ich frage mich manchmal, wer ich bin und das alles. Ich hasse dich und ich hasse mich und ich hasse alles und ich wünschte, ich wäre tot.“

Erst einem neuem neuen Klassenkamerad, der ein eigenes Gefühlspaket zu tragen hat, gelingt es, sie aus ihrem Schneckenhaus zu holen.


Dies ist ein Buch, das Gefühle anspricht. Der Autorin gelang es, mich in den Gefühlsstrudel hineinzuziehen. Teilweise konnte ich mich an meine eigene, lang zurückliegende Pubertät erinnern, in der ich den Satz „Man kann ans Ende der Welt reisen und nimmt sich immer selbst mit“ noch nicht verstand. Schön war es, als die Jugendlichen entdeckten, dass sie auch mit Trauer im Herzen glücklich sein können.


Julia Engelmann (*13.Mai 1992 in Elmshorn) ist eine deutsche Schauspielerin, Poetry-Slammerin, Dichterin und Sängerin. Bekannt wurde sie durch ihren Poetry-Slam-Text ›Eines Tages, Baby‹, der 2014 viral ging und bisher 14 Millionen Views hat.


Fazit: Ein Buch, das mich mit seiner Intensität überzeugt hat. Es könnte vor allem Jugendlichen ein Wegweiser sein. Ich empfehle es aber auch Eltern und Großeltern, um tiefer in die Gefühlslage des Nachwuchses einzutauchen.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Wo die Liebe hinfällt

Zeit ihres Lebens
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Georg Neumann, Vertreter für medizinische Geräte reist viel herum. Auch in die Stadt, in der Frieda Brummer als Lehrerin arbeitet. An einem regnerischen Tag, der für beide nicht so so beginnt, wie sie ...

Georg Neumann, Vertreter für medizinische Geräte reist viel herum. Auch in die Stadt, in der Frieda Brummer als Lehrerin arbeitet. An einem regnerischen Tag, der für beide nicht so so beginnt, wie sie es gewohnt sind, begegnen sie sich an der Straßenbahnhaltestelle und finden Gefallen aneinander. Ganz vorsichtig nähern sich die alleinstehende Frau und der verheiratete Familienvater an. Es entsteht eine Beziehung voller Sehnsucht nacheinander, die Dirk Gieselmann sehr liebevoll festgehalten hat.

Es gelingt ihm nachvollziehbar die Einsamkeit beider Alltage darzustellen. Sie gehen in den kurzen Zeiten, die ihnen zur Verfügung stehen, sehr vorsichtig miteinander um, wodurch eine ganz besondere Intensität der Beziehung entsteht. Mir hat die Geschichte über weite Teile ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, lag der Beginn doch zu Zeiten, als es noch Telefonzellen gab und Briefe per Hand geschrieben wurden. Ohne zu viel zu beschreiben lässt uns der Autor in die Gefühlswelt seiner Figuren eintauchen. Er zeigt uns deren Alltag ebenso wie die Besonderheit ihrer Treffen – bis ans Ende nach ca. vierzig Jahren.

Thomas Arnold liest das knappe sechs Stunden dauernde Hörbuch mit einem Augenzwinkern, wodurch es bei mir leicht und gut verdaulich angekommen ist. Ich habe ihm sehr gerne zugehört und zwischendurch auch im Buch nachgelesen.

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