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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2026

Sehr gut, aber anders als gedacht

Real Americans
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Zum Inhalt:
Lily trifft Matthew, man verliebt sich, heiratet und bekommt ein Kind. Doch mit der Geburt wird alles anders und die ganze Familie muss sich irgendwann ihrer Geschichte stellen, die auch mit ...

Zum Inhalt:
Lily trifft Matthew, man verliebt sich, heiratet und bekommt ein Kind. Doch mit der Geburt wird alles anders und die ganze Familie muss sich irgendwann ihrer Geschichte stellen, die auch mit den Wissenschaftlern in ihren Reihen zu tun hat.

Mein Eindruck:
Erhält man nach dem Lesen des Klappentextes den Eindruck, dass man es mit einer der üblichen Familiengeschichten zu tun hat, wird man irgendwann eines Besseren belehrt. Der Roman befasst sich auf drei Zeitebenen mit der Sicht jeweils eines Mitglieds dreier Generationen einer Familie mit größtenteils chinesischen Wurzeln, deren erste Generation in die Vereinigten Staaten eingewandert ist. Dabei geht die Autorin Rachel Khong zwar theoretisch chronologisch vor, behandelt aber die Geschichte von Maj, der Mutter Lilys, zuletzt und - im Gegensatz zu den anderen beiden Großkapiteln - als Erinnerung an die Vergangenheit. Dadurch schließt sich letztlich der Kreis von Missverständnissen und getroffenen Entscheidungen.
Khong nimmt sich viel Zeit, die Beweggründe ihrer drei Hauptcharaktere zu erklären und damit letztendlich ihren Lesern zu helfen, alle drei zu verstehen, - egal, wie schwierig ihr Verhalten im ersten Augenblick scheint und ob man es letztendlich gutheißt oder nicht. Alle Figuren wachsen einem über die Zeit ans Herz und man wünscht ihnen viel Kraft, Liebe und Verständnis miteinander.
Über Majs, Lilys und Nicks (Lilys Sohn) persönliche Sicht hinaus bietet das Buch zusätzlich einen Blick auf die Umstände Chinas zu Zeiten Maos, die Situation von Immigranten, die der Generation Praktikum und - als Gegensatz - die Schwierigkeiten, die zu viel Geld und zu wenig Hinwendung verursachen können, alles verwoben mit der Forschung, die sich mit der DNA der Welt befasst. Wo kommen wir her, was macht uns aus?

Mein Fazit:
Ein wirklich großartiger Roman mit Haltung ohne Belehrung

Veröffentlicht am 01.02.2026

Ein Verbrechen an der Menschheit?

The Factory – Es gibt kein Entkommen
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Zum Inhalt:
Asher wurde für die Factory angemeldet, - ein Projekt in der Wüste, welches Kindern eine gute Ausbildung bei zusätzlich exorbitanter Entlohnung dafür verspricht, dass sie an einem wissenschaftlichen ...

Zum Inhalt:
Asher wurde für die Factory angemeldet, - ein Projekt in der Wüste, welches Kindern eine gute Ausbildung bei zusätzlich exorbitanter Entlohnung dafür verspricht, dass sie an einem wissenschaftlichen Experiment teilnehmen. Doch die Ausbildung ist zweifelhaft, die Überwachung vollständig, die Experimente sind körperlich mehr als grenzwertig und ein Entkommen scheint unmöglich.

Mein Eindruck:
Wie ihr Protagonist und seine Freunde tappen die Leser lange im Dunkeln, was die Factory wirklich mit den ihr ausgelieferten Kindern anstellt. Dabei zeigt sich, dass die Motive (wenigstens in Teilen) edel sind und durchaus Gutes aus der Forschung entstehen könnte. Wie Ehrgeiz die Menschlichkeit frisst und der Wille zum Erfolg und/oder die Angst vor Repressalien jeden zweifeln lassen kann, sind zusätzliche Aspekte der Geschichte. Die Charaktere sind zum größten Teil ambivalent gezeichnet, auch die Helden haben Schwächen und die Schurken guten Seiten. so dass zwar die Sympathie eindeutig verteilt werden kann, man jedoch die "Bösen" nicht vollständig verurteilen muss. Das Ende ist der perfekte Cliffhanger, - wie es sich für eine Dilogie gehört.

Mein Fazit:
Lässt einen gespannt auf die Auflösung warten

Veröffentlicht am 06.01.2026

Rache kalt genossen

Eine Studie in Scharlachrot
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Zum Inhalt:
Ein Mann wird tot in einem leerstehenden Haus aufgefunden. Sherlock Holmes hilft der Polizei, den Grund für die Tat zu finden und den Mörder zu fassen.

Mein Eindruck:
Sherlock Holmes ist ein ...

Zum Inhalt:
Ein Mann wird tot in einem leerstehenden Haus aufgefunden. Sherlock Holmes hilft der Polizei, den Grund für die Tat zu finden und den Mörder zu fassen.

Mein Eindruck:
Sherlock Holmes ist ein zeitübergreifendes Phänomen, wie sich auch in der oft wiederholten Fernsehserie zeigt, welche diese Figur perfekt in die heutige Zeit portiert hat. Die Neuauflage der Texte könnte somit ein Selbstläufer sein.
Glücklicherweise erspart sich der Verlag eine Neuinterpretation des Textes zugunsten heutiger Berufsempörter und so kann man eine Geschichte lesen, die zwar aus dem Englischen übersetzt, jedoch wunderbar als ein Spiegel ihrer Zeit zu sehen ist. Kurioserweise bemerkt man dadurch umso deutlicher, wie zeitlos die Sprache Conan Doyles ist und wie geschickt er damit seine Leser zu fesseln vermag. Denn teilweise muten Ausdrücke und Satzstellung etwas fremd an, - die Betonung liegt dabei aber auf "etwas".
Die Geschichte um den Rachefeldzug eines liebenden Mannes ist schlüssig aufgebaut; die Herleitungen des brillanten Hirns Sherlock Holmes' wirken auch heutzutage überraschend und folgerichtig. Die Illustrationen wirken zwar ein wenig altbacken, sind aber dadurch umso überzeugender und auch das Cover passt somit perfekt zum Text.

Mein Fazit:
Vielen Dank für einen unverfälschten Blick auf das London in spätviktorianischer Zeit

Veröffentlicht am 28.12.2025

Spannend und gekonnt

The Woman in Suite 11
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Zum Inhalt:
Laura hat zwar ihre Erlebnisse von vor zehn Jahren relativ gut verkraftet - ein Buch zur Aufarbeitung und einigen Psychopharmaka sei Dank - aber durch Corona, Kinder und Umzug nach New York ...


Zum Inhalt:
Laura hat zwar ihre Erlebnisse von vor zehn Jahren relativ gut verkraftet - ein Buch zur Aufarbeitung und einigen Psychopharmaka sei Dank - aber durch Corona, Kinder und Umzug nach New York den beruflichen Anschluss verpasst. Eine Einladung zur Eröffnung eines Luxushotels inklusive möglichen Kennenlernens eines mächtigen, aber für die Öffentlichkeit schwer greifbaren Geschäftsmannes scheint die Rettung zu sein. In der Schweiz angekommen genießt Laura die Umgebung und bekommt ein Kurzinterview, bei dem sie Leidmann als sehr unsympathisch empfindet. Das spätere Treffen mit einer Frau in Suite 11 verhilft diesem ersten Eindruck zu neuer Nahrung, - und bringt Laura bald in große Schwierigkeiten.

Mein Eindruck:
Man sollte unbedingt "The Woman in Cabin 10" gelesen haben, um dieses Buch richtig genießen zu können. Nicht nur bildet der Vorgänger die perfekte inhaltliche Ausgangslage, zusätzlich trifft man viele alte Bekannte wieder und alleine das ist ein großer Spaß. Denn auch wenn man älter wird, wird man nicht unbedingt weiser und Charakterschwächen weiten sich eher aus als sich zu bessern. Ruth Ware entwickelt ihre Geschichte gekonnt weiter, ihre Figuren handeln erwartungsgemäß und genau deshalb zweifelt man als Leser an Stellen, bei denen Laura dank ihres liebenswerten Wesens nur das Gute sieht. Trotzdem bietet die Geschichte einige Überraschungen und geschickte Aufklärungen. Das Ende gefällt und ist nicht unbedingt das Ende. Möglicherweise finden wir demnächst eine Geschichte um die Frau in Etage 12, - es wäre nicht das Schlechteste.

Mein Fazit:
Die perfekte Balance aus Spannung und Gefühl

Veröffentlicht am 21.12.2025

Verflucht

Rostiges Grab
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Zum Inhalt:
Leo Asker sieht ein Licht am Ende des beruflichen Tunnels: Ihr winkt die Beförderung, - sie sollte sich nur noch ein paar Tage bedeckt halten. Doch dann lässt ihr alter Erzfeind eine Akte auf ...

Zum Inhalt:
Leo Asker sieht ein Licht am Ende des beruflichen Tunnels: Ihr winkt die Beförderung, - sie sollte sich nur noch ein paar Tage bedeckt halten. Doch dann lässt ihr alter Erzfeind eine Akte auf ihren Tisch flattern, die Dynamit birgt. Und das nicht nur für Leo, sondern auch für ihren alten Freund Martin und sämtliche Mitarbeiter des Dezernats der verlorenen Seelen.

Mein Eindruck:
Anders de la Motte knüpft mit seinem neuen Krimi zwar an den letzten Teil nahtlos an; bringt aber in "Rostiges Grab" genügend Infos unter, um das Buch auch ohne Kenntnis der Vorgänger zu verstehen. Doch - das sei anderen Lesern mitgeteilt - mit einer Ahnung zu den Verhältnissen untereinander und der Vergangenheit macht es mehr Spaß. Denn wieder einmal nehmen Personen aus ihrem Umfeld Einfluss auf Leonore, Martin und deren neuen Fall rund um das "Graumädchen", einer Moorleiche, die nach ihrem Fund Blut zu fordern scheint.
Dabei flicht de la Motte Teile des jetzigen und vergangenen Privatlebens der Hauptcharaktere so gekonnt ein, dass diese nicht nur die Krimihandlung nicht stören, sondern voranbringen. Den wiederkehrenden Nebenfiguren billigt der Autor ebenfalls eine Weiterentwicklung zu und der Fall als solcher ist spannend, gut entwickelt und ein echter Pageturner. So schafft de la Motte bravourös einen Widerstreit der Gefühle: Einerseits wünscht man sich nichts sehnlicher, als die Beförderung Leos - schon, um es den selbstherrlichen Gestalten einmal zu zeigen. Andererseits hofft man auf ein Verbleiben in der Abteilung voller Käuze, die man liebgewonnen hat.

Mein Fazit:
Spannung mit Mystery-Touch - so, wie es die Schweden lieben