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Veröffentlicht am 19.01.2026

✎ Katharina Wieker - Dinorinos 1 Die Dinorinos können alles

Die Dinorinos können alles
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Ein Blick auf „Die Dinorinos können alles“ von Katharina Wieker vermittelt einen soliden Einstieg in eine Kinderbuchreihe über drei lebendige Mini-Dinosaurier und ihren Freund Juri.

Zur kurzen Orientierung ...

Ein Blick auf „Die Dinorinos können alles“ von Katharina Wieker vermittelt einen soliden Einstieg in eine Kinderbuchreihe über drei lebendige Mini-Dinosaurier und ihren Freund Juri.

Zur kurzen Orientierung werden die Dinorinos kurz vorgestellt und es wird knapp erklärt, woher sie kommen. Somit rücken die Figuren unmittelbar ins Zentrum.

Dann setzt die Handlung ein. Das wirkt klar und kindgerecht. Nichts zieht sich unnötig, nichts überfordert. Die Geschichte entfaltet sich Schritt für Schritt und bleibt dabei zugänglich.

Der hohe Illustrationsanteil trägt entscheidend dazu bei. Die Zeichnungen von Steffen Winkler lockern jede Seite auf und verhindern, dass der Text erdrückend wirkt. Die große, gut lesbare Schrift unterstützt geübte Erstlesende dabei, dranzubleiben. Mit knapp 80 Seiten ist das Buch kein schneller Happen, sondern eher eine Geschichte für mehrere Abende. Für meine Erstleserin war genau das reizvoll.

Gleichzeitig muss man auf stilistische Entscheidungen hinweisen. Fantasiewörter, ungewöhnliche Lautmalereien und bewusst „falsch“ geschriebene Ausdrücke zur Darstellung von Sprachfehlern können den Lesefluss bremsen und Unsicherheit erzeugen. Doch mein Kind und ich sind darüber ins Gespräch gekommen und so konnte sie lernen, dass Sprache nicht immer perfekt ist und dass Abweichungen dazugehören. Beim Vorlesen empfand ich diese Stellen als willkommene Abwechslung.

Die Mischung aus Humor und Spannung funktioniert meist gut im Vorlesekontext oder beim gemeinsamen Entdecken der Seiten. Der Game Boy als wiederkehrendes Element dürfte vielen heutigen Kindern wenig sagen, für mich war er ein unerwarteter nostalgischer Moment, der mir persönlich ein Lächeln entlockt hat.

Irritierend ist der Klappentext. Er stellt die Suche nach verschwundenen Dinorinos in den Vordergrund, obwohl sie in der Handlung keine Rolle spielt. Stattdessen geht es um das unmittelbare Abenteuer der drei, um ihre Dynamik und ihre Erlebnisse. Das ist nicht schlechter, im Gegenteil, aber es ist etwas anderes, als angekündigt.

Meiner knapp 8 Jährigen hat das Buch so gut gefallen, dass wir in der Bibliothek nach den Folgebänden Ausschau halten müssen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.01.2026

✎ Louise Gooding - Wundervoll anders

Wundervoll anders
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Ich bin mit dem Untertitel „Autismus, ADHS und Legasthenie: Neurodiversität als Stärke entdecken“ gestartet und habe ein Werk erwartet, das Empowerment liefert. Stattdessen bekam ich ein Sachbuch, das ...

Ich bin mit dem Untertitel „Autismus, ADHS und Legasthenie: Neurodiversität als Stärke entdecken“ gestartet und habe ein Werk erwartet, das Empowerment liefert. Stattdessen bekam ich ein Sachbuch, das größtenteils grundlegende Informationen über Neurodivergenzen vermittelt.

Die ersten Kapitel widmen sich dem Aufbau und der Funktion des Gehirns. Ich fand diese Erklärungen anschaulich und gut visualisiert, die Illustrationen bleiben im Gedächtnis und machen den Einstieg besonders für junge Lesende ab etwa sieben Jahren zugänglich. Trotz meiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich Neues gelernt, etwa dass es ein offizielles Symbol für Neurodiversität gibt - und dass meine siebenjährige Tochter es kürzlich einfach so gemalt hat.

Im Anschluss folgen die Abschnitte zu konkreten Diagnosen. Hier zeigt sich für mich ein Ungleichgewicht: Manche Variationen bekommen umfangreiche Erläuterungen - bis zu 2 Doppelseiten-, andere werden nur oberflächlich auf einer halben Seite dargestellt. Dass nicht jede Thematik tiefgehend behandelt werden kann, ist nachvollziehbar, aber ich hätte mir eine gleichmäßigere Darstellung gewünscht.

Der abschließende Teil verortet Neurodiversität historisch und präsentiert bekannte Persönlichkeiten mit verschiedenen neurologischen Profilen.

Ich sehe das Buch als geeignete Einführung für Menschen, die bislang wenig Berührungspunkte mit diesem Thema hatten. Die klare Sprache und die strukturierten Erklärungen erleichtern den Zugang.

Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch nicht nur erklärt, sondern auch auf den respektvollen Umgang mit anderen eingeht. Mir gefiel besonders, dass aufgezeigt wird, welche konkrete Hilfe man anbieten kann. Dies fördert echte Inklusion und verhindert, dass Kinder in entsprechenden Situationen überfordert sind.

Was ich vermisst habe, war die Auseinandersetzung mit Hochbegabung, die im Kontext von Neurodiversität oft eine Rolle spielt. Erst dachte ich, dass sie nicht vorkommt, weil sie nicht pathologisiert wird, doch im Buch ist Synästhesie thematisiert.

Am Ende bietet das Werk ein Register sowie eine Erklärung zentraler Begriffe, was die Nachschlagefunktion verbessert. Insgesamt zeigt sich: In einem Land, das Vielfalt feiert und Unterschiede betont, reicht es nicht aus, nur zu akzeptieren. Wahre Inklusion bedeutet für mich, den gemeinsamen Nenner in den Vordergrund zu stellen, weit über die bloße Aufzählung neurologischer Profile hinaus.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 02.01.2026

✎ Katja Hemkentokrax - Felina Fingerhut 1 und das verhexte Schwarze Loch

Felina Fingerhut und das verhexte Schwarze Loch
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„Felina Fingerhut und das verhexte Schwarze Loch“ von Katja Hemkentokrax ist kurz nach Erscheinen durch eine Schenkung bei uns gelandet. Der Umfang von fast 300 Seiten wirkte zunächst wenig einladend für ...

„Felina Fingerhut und das verhexte Schwarze Loch“ von Katja Hemkentokrax ist kurz nach Erscheinen durch eine Schenkung bei uns gelandet. Der Umfang von fast 300 Seiten wirkte zunächst wenig einladend für die abendliche Leseroutine, weshalb das Buch eine Zeit liegen blieb. Der Zugang kam schließlich über das ungekürzte Hörbuch in der Onleihe, wodurch Text und Audio parallel genutzt wurden. Diese Kombination hat den Einstieg erleichtert und sich als sinnvoll erwiesen.

Die Geschichte entfaltet schnell eine Sogwirkung. Die Handlung ist klar strukturiert, ohne simpel zu sein, und trägt über weite Strecken. Besonders gelungen ist die Entwicklung der Hauptfigur. Felina ist elf Jahre alt, verhält sich altersgerecht, bleibt Kind und wächst dennoch an den Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert wird. Ihre Vorstellungskraft nimmt dabei einen zentralen Raum ein. Digitale Dauerpräsenz oder soziale Medien spielen keine Rolle, was angenehm auffällt und bewusst einen Kontrast zur Lebensrealität vieler Kinder setzt.

Im Kern vermittelt das Buch, dass innere Stärke wichtiger ist als äußere Mittel. Magie dient eher als erzählerisches Vehikel denn als Lösung für alles. Felinas Weg zeigt, dass Durchhaltevermögen, Mut und Eigenvertrauen entscheidend sind. Diese Botschaft wird nicht belehrend transportiert, sondern ergibt sich organisch aus der Handlung. Genau darin liegt eine der Stärken des Romans.

Auch der Humor funktioniert auf mehreren Ebenen. Viele sprachliche Feinheiten, Redewendungen und ironische Spitzen erschließen sich Erwachsenen deutlicher als Kindern, was jedoch kein Nachteil ist. Im Gegenteil: Daraus ergeben sich Gesprächsanlässe, die das gemeinsame Lesen oder Hören bereichern.

Die im Buch enthaltenen Illustrationen unterstützen den Text sinnvoll. Sie sind detailreich, ohne überladen zu wirken, und greifen zentrale Szenen sowie Stimmungen auf. Gerade für jüngere Lesende bieten sie visuelle Ankerpunkte, die das Verständnis fördern und die Fantasiewelt erweitern, statt sie einzuengen.

Einzig die Nebenfiguren hätte ich gerne noch ein wenig besser kennengelernt. Sie bleiben stellenweise blass und Konflikte werden manchmal zu glatt aufgelöst.

Am Ende wartet das Buch mit zusätzlichen Inhalten auf. Ein Nudelorakel, ein Muffinrezept und eine Bastelanleitung für einen Kürbis verlängern das Leseerlebnis und laden zum Mitmachen ein.

Trotz kleiner Schwächen bleibt der Wunsch, Felina auch im nächsten Abenteuer zu begleiten. Das Buch eignet sich für Kinder, die gern in fantastische Rollen schlüpfen und dabei Figuren begegnen möchten, die nicht perfekt sind, aber ihren eigenen Weg finden.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 01.01.2026

✎ Heidi Trpak & Laura Momo Aufderhaar - Gerda Gelse

Gerda Gelse
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Mücken sind in unserem Garten die Plagegeister schlechthin! Man kann ab Ende März, wenn es endlich die ersten warmen Tage bei uns hat, nicht mehr draußen sitzen, weil es sofort welche gibt, die sich auf ...

Mücken sind in unserem Garten die Plagegeister schlechthin! Man kann ab Ende März, wenn es endlich die ersten warmen Tage bei uns hat, nicht mehr draußen sitzen, weil es sofort welche gibt, die sich auf einen stürzen. Mittlerweile halten sie sich aufgrund des Klimawandels bis in den November hinein bei uns auf. Das ist nicht nur lästig, sondern echt schmerzhaft, wenn man Gemüse anbaut und am Ende des Tages mit mehr als 50 Mückenstichen rein geht. Die üblichen Sprays halten schon lange nicht mehr ihre Versprechen …

Als meine Siebenjährige und ich zufällig eine kurze Doku darüber gesehen haben, warum Mücken Blut brauchen und wie sie ihre Eier legen, fanden wir das faszinierend. Dann fiel mir „Gerda Gelse“ von Heidi Trpak & Laura Momo Aufderhaar in die Hände und ich war gespannt, wie dieses Kindersachbuch das Thema umsetzt.

Das Buch hat seinen Charme darin, dass es aus Sicht der titelgebenden Mücke erzählt wird, kombiniert mit sachlichen Informationen über das Insekt. Die Sprache ist kindgerecht und der ungewöhnliche Aufbau mit Pflanzendrucken als Illustrationsbasis ist kunstvoll umgesetzt.

Auf den Umschlaginnenseiten ist das Wort „Mücke“ in 35 Sprachen übersetzt, was wir interessant fanden und unsere eigene Zweitsprache dort wiederfanden - ein netter kleiner Zusatz für neugierige Kinder.

Trotz der kreativen Gestaltung wirkt der Informationsgehalt im Vergleich zu dem, was wir zuvor gesehen hatten, eher knapp. Lesende, die bereits Dokus oder andere Sachbücher über diese Tiere kennen, werden merken, dass manche Erklärungen oberflächlich bleiben. Details etwa darüber, warum Blut exakt notwendig für die Eientwicklung ist, fehlen.

Positiv ist, dass das Buch darauf eingeht, welche Rolle Mücken im Ökosystem spielen und sie nicht nur als nervige Plage darstellt. Diese Perspektive hilft, die Tiere als Teil der Nahrungskette zu sehen, statt ausschließlich mit dem Stich zu assoziieren. Jedoch fehlen Gegenmaßnahmen gegen Mücken und ein Hinweis auf ihre Bedeutung als Krankheitsüberträger, was das Bild der Tiere unvollständig lässt.

Mein Kind fand vor allem die Zeichnungen oft lustig. Für mich war es ein solider Einstieg in ein Thema, das ich grundsätzlich spannend finde, aber ich denke, das Buch könnte in einer Neuauflage mehr Tiefe vertragen und aktuelle Veränderungen wie neue Mückenarten durch den Klimawandel stärker einbeziehen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 22.12.2025

✎ Sophie Schönberger - Das Parlament der Tiere

Das Parlament der Tiere
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„Das Parlament der Tiere“ von Sophie Schönberger beginnt mit einer Szene, die bei mir eine klare Erwartungshaltung ausgelöst hat: Ein Pfirsichbaum wächst in kürzester Zeit aus einem Sprössling zu einem ...

„Das Parlament der Tiere“ von Sophie Schönberger beginnt mit einer Szene, die bei mir eine klare Erwartungshaltung ausgelöst hat: Ein Pfirsichbaum wächst in kürzester Zeit aus einem Sprössling zu einem Früchte tragenden Baum - entdeckt von einem Eichhörnchen. Ich dachte, es ginge vielleicht darum, dass das Eichhörnchen alles für sich behalten möchte, weil es den Baum ja entdeckt und ihm beim Wachsen zugesehen hat. Doch es geht zwar tatsächlich ums Teilen, aber von einer anderen Gruppe aus. Da dieses Element - Pfirsichbaum wird entdeckt, wächst und trägt dann schnell Früchte - im weiteren Verlauf keinerlei Bedeutung mehr hat, bleibt bis zum Schluss die Irritation, warum ausgerechnet dieses konstruiert wirkende Szenario als Einstieg gewählt wurde.

Sobald die eigentliche Handlung einsetzt, gewinnt das Buch jedoch deutlich an Substanz. Alle Tiere wollen die Früchte des Baumes nutzen, allerdings jeweils nach ihren eigenen Vorstellungen. Sehr schnell wird klar, dass dieses Nebeneinander nicht funktionieren kann. Genau an diesem Punkt entfaltet die Geschichte ihre Stärke: Kindern wird nachvollziehbar erklärt, warum es ein Parlament braucht, welche Aufgaben es übernimmt, wer daran beteiligt ist und wie Vertreterinnen bestimmt werden. Ohne zu belehren, wird gezeigt, dass Regeln nicht willkürlich entstehen, sondern aus dem Bedürfnis nach Fairness und Ordnung.

Besonders überzeugend ist die Darstellung demokratischer Grundprinzipien. Kinder lernen, dass Demokratie Mehrheiten berücksichtigt, ohne Minderheiten mundtot zu machen, dass unterschiedliche Meinungen nebeneinander bestehen können und dass das Äußern der eigenen Sichtweise legitim bleibt, auch wenn sie sich nicht durchsetzt.

Dass die abstrakten politischen Abläufe später auf das Thema Freundschaft heruntergebrochen werden, ist konsequent. Vierjährige interessieren sich weder für Wahlen noch für politische Institutionen, wohl aber für Konflikte im Alltag. Genau hier setzt das Buch an und macht Demokratie im Kleinen erfahrbar. Diese Übertragung empfinde ich als besonders gelungen, weil sie den Stoff emotional verankert und lebensnah hält.

Im schulischen Kontext bietet die Geschichte zusätzliches Potenzial. In der Grundschule lassen sich anhand des Buches Aufgaben von Klassensprecher
innen erklären, ebenso der Sinn von Mitbestimmung. Ich konnte meiner Siebenjährigen dadurch erstmals verständlich vermitteln, was meine Aufgabe als Elternsprecherin eigentlich ist und warum ich abends manchmal nochmals aus dem Haus muss.

Unterm Strich zeigt die Geschichte sehr klar, wie Demokratie funktioniert und warum sie notwendig ist. Das Buch vermittelt politische Bildung ohne erhobenen Zeigefinger und erreicht damit nicht nur Kinder. Ich denke, auch Erwachsene werden beim Lesen Grundlagen wiederentdecken, die im Alltag oft als selbstverständlich gelten.

Am Schluss gibt es eine Begriffserklärung, die die Zielgruppe (4 Jahre) jedoch noch nicht erfassen kann.

Einzig der Punkt, dass Emily Eichhörnchen meist die passenden Einfälle hat, ist nicht so schön. Da hätte ich mir mehr Vielfalt gewünscht.

©2025 Mademoiselle Cake